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Ergebnisanzeige "GSA-Panel: Jenseits von Bayreuth. Richard Wagner heute: Neue kulturwissenschaftliche Lektüren"
RessourcentypCall for Papers
TitelGSA-Panel: Jenseits von Bayreuth. Richard Wagner heute: Neue kulturwissenschaftliche Lektüren
BeschreibungJenseits von Bayreuth. Richard Wagner heute: Neue kulturwissenschaftliche Lektüren
Beyond Bayreuth. Richard Wagner today: New theoretical readings

„Erzrichard“ und „Totalstwagner“ heißen zwei Wagner-Büsten, die Jonathan Meese nach einem Bayreuth-Besuch im August 2011 für ein satirisches Poster gezeichnet hat („Die Zeit“, 4.8.2011, S. 51). Meese bricht ironisch karikierend den kunstreligiös-politischen Kult und Kitsch um Wagner. Gleichzeitig aber schreibt er so jenen im 19. Jahrhundert verwurzelten hochkulturellen – kann man sagen: ‚deutschen’? – Diskurs fort, an dem ‚Wagnerianer’, Wagner-Kritiker und -Hasser gleichermaßen teilhaben.

Doch Wagner gibt es auch jenseits der „Totalstausdehnung ‚Bayreuth’“ (Meese) – nicht nur in Opernhäusern auf allen Kontinenten, in denen Wagners Musikdramen – vor allem „Tristan und Isolde“ sowie „Der Ring des Nibelungen“ – immer noch zu den größten Ereignissen zählen. Der gerade an der Metropolitan Opera entstehende „Ring“ von Robert Lepage wird weltweit beachtet, und aus Anlass seiner „Walküren“-Premiere erläuterte der Musikkritiker Alex Ross auf fünf Seiten des „New Yorker“ (!) – durchaus nicht das US-amerikanische Pendant zu den „Bayreuther Blättern“ – die Faszination von zehn Takten beziehungsweise 30 Sekunden (!) Musik der „Walküre“ („The New Yorker“, 25.4.2011, S. 80–85).

Und Hollywood: Wenn Déagol im Trailer des „Lord of the Rings“ den Ring aus dem Wasser greift, steht Alberich Pate; wenn ihn gleich darauf sein Freund Sméagol – später Gollum – um des Ringes willen tötet, sind Fasolt und Fafner die Paten. Wenn der Held der DC-Comics-Verfilmung „Thor“ seinen Hammer aus dem Fels reißt, ist Siegmund das Vorbild. Und wenn im „Wrath-of-the-Titans“-Trailer Zeus zu Perseus sagt „Being half-human makes you stronger than a god“, dann klingt Wotans Wort über Siegfried nach: „de[n] eine[n]“, der „freier [ist] als ich, der Gott“ („Die Walküre“, 3. Aufzug, 3. Szene).

Ja, sogar da, wo Hollywood ausdrücklich Wagner und Hitler zusammenbringt, handelt es sich durchaus nicht notwendig um die einfache Gleichung von Nationalsozialismus und ‚Totalstwagnerei’. „You know your Wagner, Colonel. [...] One cannot understand National Socialism if one does not understand Wagner“, murmelt Hitler auf dem Berghof in Bryan Singers „Valkyrie“, verfängt sich dabei jedoch mit seinen Wagner-Ausführungen gegenüber dem – ausgerechnet wie der oberste (!) Gott Wotan einäugigen – Oberst Stauffenberg in den Widersprüchen des „Rings“. Und der Film löst diese Widersprüche nicht, sondern stellt sie allenfalls still: in jener Szene nämlich, in der Stauffenbergs Kinder zum „Walkürenritt“ Krieg spielen, bis Bomben fallen. Die Plattenspieler-Nadel springt, und am Ende dreht sich die Kamera so mit der Schallplatte, dass ihr Etikett für den Betrachter stillsteht und neben den Namen Wagner und Knappertsbusch auch das EMI-Logo mit seinem Satz „Die Stimme seines Herrn“ zu lesen ist: wobei nicht in diesem hier zynischen Slogan, sondern in dem suggestiven, so meisterhaft wie manipulativen audio-visuellen Dispositiv, das ihn buchstäblich erst lesbar macht, die Erklärungskraft der Szene liegt: also eine medien-analytische Erklärungskraft.

Über analytische Erklärungskraft, und zwar Erklärungskraft für die Gegenwart, verfügt Wagners Werk offenbar wie kaum ein Œuvre des 19. Jahrhunderts. Ist nicht, um nur ein Beispiel zu nennen, Jack Bauer, Protagonist der Fox-Network-Serie „24“, ein Wiedergänger Siegfrieds? Beschreiben nicht Wotans Worte über Siegfried ganz genau jenes Verhältnis, das in der Serie der amerikanische Präsident zu Jack Bauer unterhält: „Nur Einer könnte / was ich nicht darf: / ein Held, dem helfend / nie ich mich neigte; / der fremd dem Gotte / frei seiner Gunst, / unbewusst, / ohne Geheiß [...] / schüfe die That, / die ich scheuen muss.“ („Die Walküre“, 2. Aufzug, 2. Szene) Und liegt, wie es am 19. Februar 2007 im „New Yorker“ hieß, der Grundkonflikt der Serie „24“ tatsächlich darin „that the letter of American law must be sacrificed for the country’s security“ – reflektiert dann die Serie nicht exakt das Problem von Wagners „Ring“? Jack Bauers Worte „I don’t wanna bypass the Constitution, but these are extraordinary circumstances“ könnten von Wotan stammen: auch er will ja nicht die Verträge auf seinem Speer brechen, also die von ihm selbst der Welt gegebene Verfassung, muss sie aber um der eigenen Sicherheit willen umgehen, indem er Siegfried ähnlich below the radar von Gesetzen und Verträgen agieren lässt, wie es Jack Bauer tut.

Um Wagner-Bezüge wie die hier beispielhaft skizzierten geht es den geplanten Panels. Sie wollen insofern ‚jenseits von Bayreuth’ – oder, mit Meese: jenseits der „Totalstausdehnung ‚Bayreuth’“ – stehen, als sie ausdrücklich nach neuen kulturwissenschaftlichen und theoretischen Perspektiven auf Wagner fragen. Es geht darum, Wagner und seine historischen Kontexte jenseits der alten, in Bayreuther und anderen Kreisen liebgewonnenen Einsichten und Meinungen neu zu lesen. Es geht darum, Wagner neuen Methoden und neuen thematischen Anschlüssen zugänglich zu machen, wie sie in den letzten Jahren zum Beispiel von Alain Badiou, Laurence Dreyfus, Marc A. Weiner und Slavoj Žižek präsentiert worden sind – aber auch von Barrie Kosky in seiner sensationellen Essener „Götterdämmerungs“-Inszenierung von 2010.

Gibt es, um nur zwei von Žižek aufgeworfene Fragen zu nennen, tatsächlich eine tiefe Affinität zwischen Wagner und – ausgerechnet – Rossini, die im Erhabenen zu suchen wäre? Ist Parsifal tatsächlich ein Vorbild von Keanu Reeves in „The Matrix“? (Slavoj Žižek: „Why is Wagner Worth Saving?“, in: Journal of Philosophy & Scripture 2,1 [Fall 2004], S. 18–30)

Wagner, seine Vor- und seine Wirkungsgeschichte neu lesen: das ist Ziel der geplanten Panels, zu denen ausdrücklich neben Experten auch informierte Nicht-Experten und Wagner-Quereinsteiger eingeladen sind. Auch für die Wagner-Forschung soll das Wort des Wanderers zu Alberich gelten (Siegfried, 2. Aufzug, 2. Szene): „Was anders ist, das lerne nun auch!“

Bitte senden Sie bis zum 31. Januar 2012 ein Abstract mit maximal 250 Worten und eine kurze biografische Skizze (ca. 100 Worte) in Deutsch oder Englisch an Stefan Börnchen (stefan.boernchen@uni-koeln.de), Georg Mein (georg.mein@uni.lu) und Elisabeth Strowick (strowick@jhu.edu).

Beyond Bayreuth—Richard Wagner Today: New Theoretical Readings

“Erzrichard” and “Totalstwagner” are the names of two Wagner busts that Jonathan Meese drew for a satirical poster (Die Zeit, August 4, 2011, p. 51) after visiting Bayreuth in August 2011. In an ironic, caricaturing way, Meese breaks open the artistic-religious and political cult and kitsch that surround Wagner. At the same time, he thus updates the high-culture—might one say: ‘German’?— discourse rooted in the 19th century, in which ‘Wagnerites,’ and Wagner-critics and haters participate to an equal extent.

Yet, Wagner also exists beyond the “Totalstausdehnung ‘Bayreuth’” (‘most total dilation of ‘Bayreuth’: Meese)—not only in opera houses on every continent, in which Wagner’s music-dramas—above all Tristan und Isolde and Der Ring des Nibelungen—continue to be among the great sensations. Robert Lepage’s Ring, which is currently being produced at the Metropolitan Opera is being followed around the world, and on the occasion of the premiere of his Walküre, the music critic Alex Ross wrote on five pages of The New Yorker (!)—by no means the US-American counterpart to the Bayreuther Blätter—illuminating the fascination of ten bars and/or 30 seconds (!) of the music of the Walküre („The New Yorker“, 4/25/2011, 80–85).

And Hollywood: when Déagol, in the trailer for the Lord of the Rings, grabs the ring from the water, Alberich is the force behind it; when his friend Sméagol—later Gollum—wants to kill him for the ring directly afterwards, Fasolt and Fafner. When the hero of the film version of DC Comic’s Thor pulls his hammer from the rock, Siegmund is the role model. And when Zeus says to Perseus in the trailer for the Wrath of the Titans “Being half-human makes you stronger than a god,” Wotan’s words about Siegfried echo: “the one,” who is “freer than I, the God” (Die Walküre, Act 3, Scene 3).

Indeed, even in cases when Hollywood explicitly brings Wagner and Hitler together, this is by no means necessarily concerned with simply equating National Socialism with ‘Totalstwagnerei.’ “You know your Wagner, Colonel. [...] One cannot understand National Socialism if one does not understand Wagner,” Hitler murmurs at the Berghof in Bryan Singer’s Valkyrie, but in doing so, however, gets caught with his Wagner performances in the contradictions of the Ring vis-à-vis Colonel Stauffenberg—who is of all things also one-eyed like the major (!) deity Wotan. And the film does not resolve these contradictions but rather at most silences them: namely, in the scene in which Stauffenberg’s children play war to the “Walkürenritt” until bombs fall. The record player needle jumps, and at the end, the camera turns along with the record so that the label stands still for the viewer and making it possible to also read the EMI logo with its slogan “His Master’s Voice” next to the names Wagner and Knappertsbusch: although here the explanatory power of the scene—a media-analytical explanatory power—lies not in this here cynical slogan but rather in the suggestive audio-visual device, which is as masterful as it is manipulative, that first makes it readable.

Wagner’s work possesses an analytical explanatory power, and indeed an explanatory power for the present, like apparently hardly any other oeuvre of the 19th century. Is not, to name only one example, Jack Bauer, the protagonist of the Fox network series 24, a revenant of Siegfried? Don’t Wotan’s words about Siegfried describe quite precisely that relationship that Jack Bauer maintains to the American president in the series: “One man alone could do / what I myself may not: / a hero I never / stooped to help; / who, unknown to the god / and free of his favors, without his bidding […] might do the deed / which I must shun.” (Die Walküre, Act 2, Scene 2) And if, as was written in The New Yorker of February 19, 2007, the fundamental conflict in the series 24 actually lies in the fact “that the letter of American law must be sacrificed for the country’s security”—does the series not reflect exactly the problem of Wagner’s Ring? Jack Bauer’s words “I don’t wanna bypass the Constitution, but these are extraordinary circumstances” might have come from Wotan: he also does not want to break covenants, thus the charter that he himself gave to the world, on his spear but has to circumvent it for the sake of his own safety through allowing Siegfried to act similarly below the radar of laws and covenants, as Jack Bauer does.

The panels being planned will address references to Wagner including those outlined exemplarily here. The goal is thus to stand ‘beyond Bayreuth’—or, in the words of Meese: beyond the “Totalstausdehnung ‘Bayreuth’”—as they expressly address new perspectives on Wagner in cultural studies and theory. The goal is to read Wagner and his historical contexts anew, beyond the old insights and opinions cherished in Bayreuth and other circles. The goal is to make new methods and new thematic connections to Wagner accessible as they have been presented in recent years by, for example, Alain Badiou, Laurence Dreyfus, Marc A. Weiner, and Slavoj Žižek—but also by Barrie Kosky in his sensational staging of the Götterdämmerung in Essen in 2010.

Is there—to name only two of the questions raised by Žižek—actually a deep affinity between Wagner and Rossini—of all people—, which should be sought in the sublime? Is Parsifal actually a model for Keanu Reeves in The Matrix? (Slavoj Žižek: „Why is Wagner Worth Saving?“, Journal of Philosophy & Scripture 2,1 [Fall 2004], 18–30)

Reading Wagner, his prehistory, and the history of his impact anew: this is the aim of the panels being planned, to which, in addition to experts, also informed non-experts and individuals from other fields interested in Wagner are expressly invited. For Wagner research, the words of the wanderer to Alberich should also apply: “Learn, too, what is different!” (Siegfried, Act 2, Scene 2)

Please send an abstract not exceeding 250 words and a short biographical statement (approx. 100 words) in German or English to Stefan Börnchen (stefan.boernchen@uni-koeln.de), Georg Mein (georg.mein@uni.lu), and Elisabeth Strowick (strowick@jhu.edu) by January 31, 2012.

* “Please note that presenters must be members of the German Studies Association.“ (www.thegsa.org) *

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMilwaukee, Wisconsin
Bewerbungsschluss31.01.2012
Anmeldeschluss15.02.2012
Beginn04.10.2012
Ende07.10.2012
PersonName: Stefan Börnchen 
E-Mail: stefan.boernchen@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität zu Köln, Institut für deutsche Sprache und Literatur I 
Strasse/Postfach: Albertus-Magnus-Platz 
Postleitzahl: 50923 
Stadt: Köln 
LandVereinigte Staaten von Amerika
BenutzerführungEnglisch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Theater (Aufführungspraxis)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik > 03.08.04 Dichtung und Musik
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/24040

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