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Ergebnisanzeige "»Aufgeschirrt für diese Welt«. Inszenierungen von Autorschaft in der Literatur der Zwischenkriegszeit"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
Titel»Aufgeschirrt für diese Welt«. Inszenierungen von Autorschaft in der Literatur der Zwischenkriegszeit
Beschreibung»Aufgeschirrt für diese Welt«. Inszenierungen von Autorschaft in der Literatur der Zwischenkriegszeit

Ort: Stefan-Zweig-Centre Salzburg, Edmundsburg, Europa-Saal
Abhaltungstermin: 12.-14. Jänner 2012
Veranstalter: Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg/Stefan-Zweig-Centre Salzburg


ABSTRACT

Nachdem der ›Autor‹ in der Literaturtheorie der 1960er Jahre als kritische und wissenschaftliche Kategorie wirkungsmächtig verabschiedet wurde (Roland Barthes: »Der Tod des Autors«), hat er um die Jahrtausendwende wieder eine erstaunliche Renaissance erlebt – dies allerdings nicht im Sinne biografistischer Erklärungsmodelle, die ein künstlerisches Werk aus dem für objektiv gegeben erachteten Leben des Autors zu erklären versuchen, sondern im Sinn einer selber erklärungsbedürftigen Konstruktion kultureller und sozialer Praxis. Dabei lassen sich Ansätze aufgreifen und weiterführen, die schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom russischen Formalismus (Boris Tomaševskij) und vom Prager Strukturalismus (Jan Mukařovský) entwickelt worden waren. Insbesondere Umbruchszeiten oder Perioden forcierten Wandels im literarischen Feld bringen demnach neuartige Modelle von Autorschaft hervor, die auf die künstlerische Textproduktion zurückwirken bzw. sich mit ihr in einer produktiven Wechselwirkung befinden (Pierre Bourdieu). Eine solche Epoche stellt die Zwischenkriegszeit dar, in der sich die Produktions-, Distributions- und Rezeptionsmodi von Literatur rapide verändert haben. Eine Folge davon war eine regelrechte Explosion von konkurrierenden Autorschaftskonzepten, die mit ganz neuen Formen dichterischen Selbstverständnisses und öffentlicher Selbstvermarktung einherging. Vielversprechend scheint in diesem Zusammenhang die Frage nach der schrift-stellerischen ›posture‹ als »persönliche Art, eine Rolle oder einen Status anzunehmen bzw. innezuhaben: ein Autor erspielt oder erstreitet seine Position im literarischen Feld über verschiedene Modi der Darstellung seiner selbst« (Jérôme Meizoz). In den Bereich der posture fallen sowohl non-verbale (Auftritt in der Öffentlichkeit: hexis, Haltung, look etc.) als auch diskursive Praktiken (Ton, Stil, Wahl der Titel, Themen und Genres etc.). Davon ausgehend erscheint literarische Autorschaft nicht als ahistorische Kategorie, sondern als Aktualisierung einer prozesshaften »Figurationsarbeit (›face work‹)« (Erving Goffman), welche die Positionierungen von Autor(inn)en im literarischen Feld begleitet und befördert. Ein solchermaßen literatursoziologisch erweitertes Verständnis von Autorschaft schärft nicht nur den Blick für Wechselwirkungen zwischen inner- und außerliterarischen Phänomenen, sondern offeriert ebenso vielfältige Anschlussmöglichkeiten zu kulturwissenschaftlichen Forschungsbereichen.

• Autorschaft als Generationendiskurs (autobiografische Konstruktionen, Lebensphasen
der Autorschaften: vom ›Propheten‹ zum ›Priester‹, vom Dandy zum ›Großschriftsteller‹
etc.)
• Autorschaft und Genre (Genrewahl, Gattungen der Zwischenkriegszeit, Kurzprosa,
Comeback der Biografie etc.)
• Autorschaft und literarischer Markt: High und low, »Massenliteratur«, schnelle und
langsame, ›große‹ und ›kleine‹ Produktion
• Einsatz von Medien und intermedialen Strategien, Problematisierung von Mündlichkeit
und Schriftlichkeit in der Literatur; Tages-Literatur, (kritische) Reportage, Journalismus;
Radio, Fotografie und Kino; Tonträger
• Autorschaft und Geschlecht: die ›neue Frau‹, ›weibliche‹ Genres, männliche und weibliche
Pseudonyme, implizite Leserinnen
• Autorschaft und Politik: Autonomie und Engagement, Gesellschaftskritik, (intellektuelle)
Interventionen, konservative Revolution
• Habitus: Kleidung, Haltung, hexis, Ethik, Sozialisation
• performance und Dramaturgie der Inszenierung, spezifischer Ton
• Autorschaft und Agonalität: Spezifische Konstellationen der Schriftstellerkonkurrenz
• Ko-Autorschaft: Gruppenbildungen, Programme, Manifeste


PROGRAMM

Donnerstag, 12.1.

14.30-14.40h Begrüßung Rektorat/Klemens Renoldner (Stefan-Zweig-Centre Salzburg)
14.40-15.00h Norbert Christian Wolf (Salzburg): Einleitung
15.00-16.00h Uta Degner (Salzburg): »Die Technifizierung der literarischen Produktion«. Autorprogrammatik und ›implizite Autorschaft‹ bei Bertolt Brecht
Moderation: Klemens Renoldner

16.00-16.30h Kaffeepause

16.30-17.30h Dieter Burdorf (Leipzig): »Dem letzten Homeriden der erste neue Spielmann«. Rudolf Borchardt und Rudolf Alexander Schröder
17.30-18.30h Martina King (München/London): Briefprophetie und Gemeinde. Zur Semantik und Soziologie inspirierter Autorschaft beim späten Rilke
Moderation: Thomas Wegmann

Freitag, 13.1.

09.00-10.00h Armin Eidherr (Salzburg): »Wir sind die Eulen auf den Ruinen des Lebens.« Isaac Schreyer – Der Autor als kabbalistischer Deuter der Moderne
Moderation: Clemens Peck

10.00-10.30h Kaffeepause

10.30-11.30h Alexander Fischer (Erlangen): Neue Frau kritisch. Zur ›posture‹ Irmgard Keuns in der ersten Hälfte der 1930er Jahre
11.30-12.30h Evelyne Polt-Heinzl (Wien): Joe Lederer – Ein Zimmer ist zu wenig oder Wie bekommen Frauen den Stift zu fassen?
Moderation: Alexander Honold

12.30-14.00h Mittagspause

14.00-15.00h Alexander Honold (Basel): Thomas Manns Spiel mit der Autorschaft
15.00-16.00h Walter Fanta (Klagenfurt): »Ein verspätetes Knabenlaster schnurrbärtiger Männer« – Robert Musil über die ›Schreibenden Menschen‹
Moderation: Norbert Christian Wolf

16.00-16.30h Kaffeepause

16.30-17.30h Daniela Strigl (Wien): Stefan Zweig und das Odol-Prinzip. Vom Erfinden einer Marke.
17.30-18.30h Clemens Peck (Salzburg): Der »Beichtiger« als Massenpsychologe. Therapeutische Autorschaft bei Hugo Bettauer
Moderation: Klemens Renoldner

Samstag, 14.1.

09.00-10.00h Werner Michler (Wien): »Mein Bestes: dass ich die Formen zu erfüllen strebe«. Gattungswahl und ›self-fashioning‹ beim späten Hofmannsthal
10.00-11.00h Marie Kolkenbrock (Cambridge): Der »graziöse« Autor und die »Dame«. Arthur Schnitzlers »Traumnovelle« als Fortsetzungsgeschichte und Fallstudie
Moderation: Daniela Strigl

11.00-11.30h Kaffeepause

11.30-12.30h Herwig Gottwald (Salzburg): »Wenige sind wert, daß man ihnen widerspricht!« Jüngers Autorschaft zwischen Selbststilisierung und Diskontinuität
12.30-13.30h Thomas Wegmann (Innsbruck): »Das Äußere ein Earl, das Innere ein Paria«. Kultivierter Antagonismus bei Gottfried Benn
Moderation: Dieter Burdorf

Organisation: Norbert Christian Wolf, Klemens Renoldner, Clemens Peck
Web: http://www.stefan-zweig-centre-salzburg.at/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.stefan-zweig-centre-salzburg.at/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortSalzburg
Beginn12.01.2012
Ende14.01.2012
LandÖsterreich
Ediert von  H-Germanistik
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