VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Nachkriegskörper. Prekäre Korporealitäten in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts"
RessourcentypCall for Papers
TitelNachkriegskörper. Prekäre Korporealitäten in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts
BeschreibungNachkriegskörper
Prekäre Korporealitäten in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts
Zürich, 13. bis 14. September 2012

Jenseits lokaler und historischer Spezifikationen zielt jeder Krieg auf den Körper und affiziert mittelbar alle Mitglieder der beteiligten Gemeinschaften. Folglich kann sich Forschung zur Nachkriegszeit nicht auf psychische Traumata und versehrte Soldatenkörper beschränken. Vor diesem Hintergrund lädt die Zürcher Tagung dazu ein, den keinesfalls klaren Chronotopos ‚Nachkrieg‘ am „Leitfaden des Leibes“ (Nietzsche) zu entwickeln.
Dabei gehen wir davon aus, dass mit Nachkriegskörpern kein beliebiges Motiv, sondern die Sache der (literarischen) Darstellung selbst zur Verhandlung ansteht. So nimmt Erich Auerbachs „Mimesis“-Buch seinen Ausgang nicht ohne Grund bei einem, wenn nicht dem Nachkriegskörper schlechthin: Im gezeichneten Körper des Odysseus wäre das Projekt einer „dargestellten Wirklichkeit“ bereits erfüllt, insofern er nicht allein als Objekt, sondern zugleich als Subjekt der Darstellung fungierte.
Zweifel an der Verlässlichkeit einer solchen eloquentia corporis sind allerdings nicht erst seit den dekonstruktiven Infragestellungen von Zeugenschaft, Spur oder Evidenz angebracht, ist doch bereits Odysseus’ Narbe keine Signatur des Krieges, sondern der jugendlichen Jagd. Wenn die Anagnorisis jedoch des Index’ der Spaltung bedarf, wenn es gerade das topische Zeichen versehrter körperlicher Integrität ist, das den sozialen Unterbruch durch den Krieg überbrückt, so deutet sich an, dass Theorien literarischer Nachkriegskörper nicht im Feld von Zäsur und Alterität situiert werden können: Weder markieren der Krieg und seine Inskriptionen das völlig Andere, noch schaffen sie je die berühmt-berüchtigte ‚Stunde Null‘.
Aus diesen Anfangsbeobachtungen ergeben sich zwei wichtige Forschungsschwerpunkte: Zum einen interessieren uns Poetiken der Ein- und Erschreibung; aufgerufen sind damit Fragen der Wechselbeziehungen zwischen Körper und Text. Dies impliziert Perspektiven auf Körper als Träger menschlicher Geschichte und Kultur einerseits, als historisch bedingte, kulturell hergestellte Ordnungen andererseits. Zum anderen steht zu fragen, wie die jeweiligen Texte die vom Krieg betroffenen Körper im sozialen Feld situieren, aber auch, welche Funktionen literarischen Texten bei der Aushandlung historischer Nachkriegsordnungen zukamen.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, die drei im Titel „Nachkriegskörper“ geborgenen grundsätzlichen Herausforderungen der Literatur und ihrer Wissenschaft zu entfalten: Da ist zum einen ihre konstitutive, performative Nachträglichkeit, von der zu fragen steht, wie sie sich zur jeweils verhandelten Nachkriegssituation verhält, und da sind zum anderen Körper und Krieg als master tropes gesteigerter Wirklichkeitserfahrung und damit von Referenz überhaupt. Jedes dieser Verhältnisse lohnt der Einzelbetrachtung, doch erhoffen wir uns gerade von ihrer Triangulierung nicht allein Orientierung, sondern auch neue Perspektiven und Konstellationen im theoretischen Feld.
Da auch und gerade das Grundsätzliche seine Geschichten hat, erbitten wir zur Vereinheitlichung der diskursiven Basis vor allem Beiträge zur deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts; komparatistische und (kunst)historisch perspektivierende Beiträge sind selbstverständlich willkommen.


Die Tagung wird veranstaltet von Sarah Mohi-von Känel, Assistentin an der Professur für Literatur- und Kulturwissen-schaft der ETH Zürich und Christoph Steier, Assistent am Deutschen Seminar der Universität Zürich.

Die Publikation der Beiträge ist für das erste Quartal 2013 bei Königshausen & Neumann vorgesehen.

Um Beiträge an Reisekosten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind wir sehr bemüht, können zum jetzigen Zeit-punkt jedoch keine verbindlichen Zusagen geben.

Die Vortragszeit sollte 20 bis 25 Minuten nicht überschreiten.

Bitte mailen Sie eine ca. einseitige Darstellung Ihres geplanten Vortrags sowie eine knappe biographische Skizze bis zum 31.1.2012 an sarah.vonkaenel@gess.ethz.ch

Alle Interessierten werden bis Ende Februar 2012 benachrichtigt.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortZürich
Bewerbungsschluss31.01.2011
Beginn13.09.2012
Ende14.09.2012
PersonName: Christoph Steier 
Funktion: Assistent am Deutschen Seminar der Universität Zürich 
E-Mail: christophsteier@ds.uzh.ch 
KontaktdatenName/Institution: Universität Zürich, Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: 8001 Zürich 
Stadt: Zürich 
E-Mail: christophsteier@ds.uzh.ch 
Internetadresse: www.ds.uzh.ch 
LandSchweiz
SchlüsselbegriffeSemiotik (Text und Bild); Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationstheorie
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/22809

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 16.11.2011 | Impressum | Intern