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Ergebnisanzeige "Gegenwart! Erzählen, Theorie und Literatur seit der Postmoderne"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGegenwart! Erzählen, Theorie und Literatur seit der Postmoderne
BeschreibungGegenwart! Erzählen, Theorie und Literatur seit der Postmoderne

Doktorandenkolloquium der Studienstiftung des deutschen Volkes , München, 11./12. November 2011

Bis vor wenigen Jahren bestand in der literarischen Öffentlichkeit und der Fachwelt mehr oder weniger Konsens darüber, die jeweils rezente Literaturproduktion mit den Begrifflichkeiten einer ‚Literatur der Postmoderne‘ zu erfassen und zu analysieren. Im Nachgang der weltgeschichtlichen Ereignisse seit dem Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks, der Wiedervereinigung Deutschlands, der Epochenzäsur des 11. September sowie des allgemeinen soziokulturellen Wandels in der ‚breiten Gegenwart‘ (Hans Ulrich Gumbrecht) scheint das ästhetische und historische Projekt der Postmoderne jedoch an Signifikanz eingebüßt zu haben.

Angesichts einer widersprüchlichen Fülle und Vielfalt literarischer Tendenzen, die vom Feuilleton mit den Schlagworten einer Rückkehr zum historischen Er-zählen, einer neuen Subjektivität oder der Leitvokabel ‚Pop‘ beschrieben werden, ist zu fragen, ob dem literarischen und literarhistorischen Konzept ‚Postmoderne‘ in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht zunehmend Konkurrenz erwachsen ist, die vorläufig schlicht als Literatur der Gegenwart zu bestimmen ist. Vor dem Hintergrund der schwindenden, jedoch längst nicht erschöpften Erklärungskraft des postmodernen Paradigmas fragt das geplante Kolloquium demgemäß nach den Möglichkeiten und Relationen von Erzählen, Theorie und Literatur der Gegenwart.

I. Theorie
Eine erste Sektion des Kolloquiums stellt die (Literatur-)Theorie in den Mittelpunkt. Aufzufächern ist das breite Spektrum theoretischer Angebote, die in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten die Diskussionen um Literatur mit bestimmt haben. Entwicklungen auf dem weiten Feld des Poststrukturalismus, der Dekonstruktion, der Diskursanalyse, der Semiotik und der Postmoderne selbst werfen die Frage auf, welchen Beitrag Theorie zu einer adäquaten Analyse der Literatur der Gegenwart leisten kann. Ein besonderes Augenmerk wollen wir dabei auf narratologische Fragestellungen richten: Wie lassen sich die Probleme von Zeit und Erzählung angemessen beschreiben, wie das Verhältnis von Historie und Fiktion?

II. Theorie und Literatur
In einer zweiten Sektion wollen wir nach den Wechselwirkungen von Theorie und Literatur fragen: Worin liegen die Chancen, aber auch die Grenzen der ‚Anwendung‘ von Literaturtheorie auf die Gegenwartsliteratur? Darüber hinaus ist zu überlegen, ob die Theorie selbst Auswirkungen auf die literarische Textproduktion hat, die über eine bloße Kenntnisnahme theoretischer Angebote auf inhaltlicher Ebene hinausgehen. Zu denken ist hierbei etwa an die Rolle des Intertextualitätskonzepts in den Literaturen der Gegenwart. Doch läßt sich die Blickrichtung auch umkehren: Beeinflußt das literarische Schreiben die Theorie? Verändern literarische Schreibweisen theoretische Schreibweisen, und ist am Ende Theorie vielleicht gar selbst ein literarisches Genre?

III. Historisches Erzählen seit der Postmoderne
Ein dritter Schwerpunkt liegt in der Betrachtung der Literatur als System. Zunächst stellt sich die Frage, inwiefern das etablierte Beschreibungsinventar einer literarischen Postmoderne für die Analyse von Gegenwartsliteratur tragfähig ist: Lassen sich literarische Artefakte der unmittelbaren Gegenwart adäquat im Register der Postmoderne beschreiben? Oder hat die neueste Literatur diesen Horizont bereits überschritten? Welche Elemente können für eine Poetologie des postmodernen Romans beziehungsweise des Gegenwartsromans herangezogen werden? Exemplarisch gerät dabei der Stellenwert des historischen Erzählens in der Postmoderne und nach der Postmoderne in den Blick, denn noch immer scheint die Konjunktur des historischen Erzählens nach Eco ungebrochen. Darüber hinaus können Versuche unternommen werden, die zentralen Themenkomplexe in der Literatur der Postmoderne und in der Gegenwartsliteratur herauszuarbeiten und zu systematisieren. Die Fülle der möglichen Kategorisierungsversuche ist dabei kaum übersehbar. Eine
orientierende Leitdifferenz sei jedoch genannt: ‚mimetisches‘ vs. ‚fiktionsbetonendes‘ Erzählen in der Gegenwartsliteratur.

Das Kolloquium versteht sich als Forum zum konzentrierten Austausch von Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern sowie Vertreterinnen und Vertretern angrenzender Gebiete. Auf der Grundlage konziser Kurzvorträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen die oben angeführten Fragen diskutiert werden. Den einzelnen Sektionen vorangestellt ist jeweils eine impulsgebende Präsentation zur verhandelten Problematik.

Zum Abschluss des ersten Kolloquiumstages wird die Schriftstellerin Ulrike Draesner aus ihrem Werk lesen und Fragen des Kolloquiums diskutieren.

PROGRAMM

Gegenwart! Erzählen, Theorie und Literatur seit der Postmoderne – Doktorandenkolloquium der Studienstiftung des deutschen Volkes, München, 11./12. November 2011

Veranstalter: Erik Schilling (München), Klaus Birnstiel (Basel)

Freitag, 11. November

Ludwig-Maximilians-Universität Müchen, Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, Raum M 203

13:30 Uhr Begrüßung und Eröffnung
Erik Schilling (München)
Klaus Birnstiel (Basel)

I. Literatur und Theorie
Moderation: Klaus Birnstiel (Basel)

13:45 Uhr Erik Schilling (München): (Literatur-)Theorie in Romanen seit der Postmoderne

14:30 Uhr Matthias Schreiner (Augsburg): Die Psychopathologie der Postmoderne in Erzählwerken Susan Sontags und Julia Kristevas

15:15 Uhr Kaffeepause

16:00 Uhr gemeinsamer Besuch der „Klartext”-Veranstaltung im Rahmen des Literaturfests München (LMU München, Hauptgebäude, Raum F 107)

17:45 Uhr Sebastian Huber (München): „Let us go then you and I”. Das reaktive Subjekt in Mark Z. Danielewskis „Only Revolutions”

18:30 Uhr Diskussion

19:15 Uhr kleiner Imbiss für Teilnehmer

20:00 Uhr Ulrike Draesner: Lesung und Diskussion

Samstag, 12. November

Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, Raum M 203


II. Theorie und Literatur
Moderation: Lisa Volpp (Freiburg)

09:00 Uhr Franziska Humphreys-Schottmann (München/Paris): Die literaturkritischen Schriften Michel Foucaults

09:45 Uhr Wolfgang Hottner (München): Die Gegenwart der Kristalle. Zu Adornos Ästhetischer Theorie

10:30 Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr Klaus Birnstiel (Basel): Bücher zu Schallplatten? Zu einer Schreibweise von Theorie und Literatur

11:45 Uhr Stefan Schukowski (Erlangen): Beerbt Derrida! Ein Versuch über die „längst nicht erschöpfte Erklärungskraft des postmodernen Paradigmas”

12:30 Uhr Diskussion

13:15 Uhr Mittagspause

III. Historisches Erzählen seit der Postmoderne
Moderation: Erik Schilling (München)

14:30 Uhr Lisa Volp (Freiburg): Die Gegenwart der Vergangenheit. Unzuverlässiges Erzählen in der Erinnerungsliteratur der 1990er Jahre

15:15 Uhr Ina Cappelmann (Oldenburg): 'Erinnerung' als Thema und Motiv zeitgenössischer deutschsprachiger Generationenerzählungen

16:00 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr Hendrik Schlieper (Duisburg-Essen): Erzählen und Erinnern im spanischen Roman der Gegenwart

17:15 Abschlussdiskussion
Moderation: Erik Schilling (München), Klaus Birnstiel (Basel)

18:30 Uhr Gemeinsames Abendessen

--

Die Veranstaltung ist öffentlich, gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kontakt:
Erik Schilling (München) - erik.schilling@germanistik.uni-muenchen.de
Klaus Birnstiel (Basel) - klaus.birnstiel@unibas.ch
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünchen
Beginn11.11.2011
Ende12.11.2011
PersonName: Klaus Birnstiel 
Funktion: Mitveranstalter 
E-Mail: klaus.birnstiel@unibas.ch 
KontaktdatenName/Institution: Universität Basel, Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Nadelberg 4 
Postleitzahl: 4051 
Stadt: Basel 
Ediert von  H-Germanistik
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