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Ergebnisanzeige "Rousseaus Feiern – Rousseaus feiern. Zur Rezeption von Jean-Jacques Rousseau seit dem 18. Jahrhundert"
RessourcentypCall for Papers
TitelRousseaus Feiern – Rousseaus feiern. Zur Rezeption von Jean-Jacques Rousseau seit dem 18. Jahrhundert
BeschreibungDer vorgesehene Sammelband möchte sich mit unterschiedlichen Aspekten des Kultes im Zusammenhang mit Rousseau befassen. Damit fokussiert er Phänomene, die in jüngster Zeit vermehrt das Interesse der (fächerübergreifenden) Kulturwissenschaften gewonnen haben, die in vielfältiger Weise verschiedene Formen und Praktiken der Feiern, des Kults, des Rituals oder des Performativen untersucht haben (Wirth 2002). Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive hat man sich etwa mit literarischen Fetisierungsprozessen beschäftigt oder sich den verschiedenen Ausprägungen der Dichterfeiern genähert (Braungart 2004, Weder 2007). Kulturhistoriker haben sich mit der bürgerlichen Festkultur ganz allgemein auseinandergesetzt (Nolte 1993) und Bildungshistoriker haben diejenigen Akteure ihres Feldes erörtert, die sich selber als Erlöserfiguren inszenierten (Bühler 2012).

Bei all diesen ‚Kult’-Ausübungen (im weitsten Sinne) lässt sich ein Spannungsverhältnis beobachten, das sich zwischen individueller Begeisterung für eine Sache bzw. Person und der offiziell erlaubten oder gepflegten Huldigung einstellt: Die individuelle Verehrung kann Formen annehmen oder sich auf Objekte beziehen, die gesamtgesellschaftlich nicht opportun erscheinen. Herbert Jaumann hatte in seiner wichtigen Studie zur Rousseau-Rezeption in Deutschland diesen Sachverhalt indirekt beleuchtet, als er konstatierte, dass sich in der Rezeptionsgeschichte von Rousseau eine „Trennung von Werk und Person“ beobachten lasse, die weitgehend vom Inhalt der Werke abstrahiert und Rousseau lediglich als „Modell des richtigen Lebens“ wahrgenommen habe (Jaumann 1994). In der Pädagogik verhielt es gerade umgekehrt: man stellte den Charakter Rousseaus in Frage, attestierte aber seiner Pädagogik zukunftsweisende Einsichten (Painter 1896).
Fragt man also nach dem Kult Rousseau, nach den Verehrungspraktiken, mit denen man Rousseau begegnete, so ist zu erwarten, dass sich vielfältige und durchaus auch agonale Konstellationen ergeben, in denen Rousseau und sein Werk zu verorten sind: Während man, z.Bsp., in Zürich – freilich nur in gelehrten Sozietäten – begeistert Rousseaus politische Theorie diskutierte (Reiling 2010, Mahlmann-Bauer 2008, Tröhler 2006), interessierte man sich in Deutschland vor allem für die „media celebrity“ Rousseau.
Der Sammelband will sich diesen Vielfältig- und Widersprüchlichkeiten innerhalb der Rousseau-Rezeption annehmen und aus unterschiedlichsten Perspektiven die verschiedenen „Rousseau-Bilder“ zu Tage bringen. Hierzu gehören auch die Bilder, die Rousseau selbst von sich ‚gemacht’ bzw. inszeniert hat. Daraus ergeben sich folgende vier Themenfelder:

Aufbau

1. Die Selbstinszenierung Rousseaus
Hier sind verschiedene Untersuchungsaspekte denkbar, die sich mit der Person, mit dem Autor oder mit dem schreibenden Ich/Erzähler beschäftigen. Es gilt die Selbstinszenierung Rousseaus zu studieren:

• Republikaner ohne Vaterland
• Die Kleidung des Helden
• Rousseau und die Inszenierung des Leidens
• Rousseau der Briefeschreiber
• Rousseau als Künstler
• Rousseau als Liebhaber
• etc.
2. Rousseau-Feiern
Vor allem die biographischen Eckdaten von Rousseau riefen jeweils eine Vielzahl von Feierlichkeiten hervor, ebenso lässt sich beobachten, dass zu besonderen historischen Zeiten eine Nation bestimmten Persönlichkeiten gedenkt, in denen sie ihre eigene aktuelle Situation gespiegelt wähnt. In dieser wie auch in der Abteilung „3. Rousseau-Hochburgen“ wäre es wünschenswert, dass sich der Untersuchungsfokus auf kommunikations- und medienhistorische Aspekte richtet sowie institutionsgeschichtliche Voraussetzungen in den Blick nimmt, die die Rousseau-Rezeption beeinflussen konnten. Es fragt sich etwa, ob es aus komparatistischer Perspektive, im Vergleich unterschiedlicher Sprachräume und in nationaler Hinsicht, eigentümliche Rezeptionsweisen zu erkennen gibt? Im Weiteren stellt sich die Frage: Lassen sich in historischer Perspektive verschiedenen Zugangsweise zu Rousseaus feststellen (im Vergleich vom 18. zum 19. Jahrhundert oder in der Gegenüberstellung postumer Verehrung und dem Umgang mit Rousseau zu dessen Lebzeiten)?
In dieser Sektion „2. Rousseau-Feiern“ gilt es, die Voraussetzungen, Formen und Zielsetzungen der unterschiedlichsten Rousseau-Feiern zu untersuchen, durchaus auch komparativ. Zum Beispiel:
• Rousseau 1812, 1878, 1912, 1978 in den unterschiedlichsten Kontexten
• Rousseau in der französischen Revolution
• Rousseau-Feiern im Vergleich mit anderen Dichterfeiern (zum Beispiel Montesquieu, Diderot, Voltaire, Abbt, Pestalozzi, Schiller, etc.)
• etc.

3. Rousseau-Hochburgen der Rezeption
Hier interessieren vor allem die besonderen Zentren der Rousseau-Verehrung. Decken sich die sich mit den Stätten der ‚offiziellen‘ Feiern? Welche besonderen, gesellschaftlichen, sozialen, intellektuellen etc. Bedingungen und Strukturen müssen erfüllt sein, um eine ‚massierte‘ Rousseau-Rezeption hervorzurufen? Welche Voraussetzungen führten zu einer Ablehnung von Rousseau? Zu denken ist hierbei nicht nur an geographische Orte, sondern auch an soziale oder auch ideologische, zum Beispiel:
• Rousseau und Zürich
• Rousseau im Sturm und Drang
• Rousseau und die Frauen
• etc.
4. Der Rousseau der wissenschaftlichen Disziplinen
Die vierte Sektion möchte vor allem die wissenschaftliche Rousseau-Rezeption beleuchten. Hier soll auf die unterschiedlichen Rezeptionsaktivitäten in den verschiedenen Fachdisziplinen aufmerksam gemacht werden, wobei interdisziplinäre Ansätze besonders fruchtbar wären. Hier liesse sich den verschiedenen ‚Rousseaus‘ nachspüren:
• Der Rousseau der Theologen
• Der Rousseau der Philosophen
• Der Rousseau der Literaturwissenschaftler
• Der Rousseau der Pädagogen
• Der Rousseau der Musikwissenschaftler
• etc.

Organisatorisches
Die Beiträge können auf Französisch, Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Exposés (max. eine A4-Seite, bitte mit kurzen biobibliographischen Angaben zum Verfasser) bitte bis Mitte November 2011 an die Herausgeber schicken.
Der Band soll 2012 bei Slatkine Genf, in der Reihe Travaux sur la Suisse des Lumières, erscheinen. Abgabetermin für die fertigen Beiträge: Ende April 2012.

Anschrift der Herausgeber

Dr. Jesko Reiling
Universität Bern
Institut für Germanistik
Länggassstr. 49
CH-3000 Bern 9
jesko.reiling@germ.unibe.ch
Prof. Dr. Daniel Tröhler
Université du Luxembourg
Faculté des Lettres, des Sciences Humaines, des Arts et des Sciences de l’Education
Route de Diekirch
L-7220 Walferdange
daniel.troehler@uni.lu


Angeführte Literatur:
Verehrung, Kult, Distanz. Vom Umgang mit dem Dichter im 19. Jahrhundert. Hg. v. Wolfgang Braungart. Tübingen 2004 (Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte, 120).
Zur Inszenierungsgeschichte pädagogischer Erlöserfiguren. Hg. v. Patrick Bühler, Fritz Osterwalder. Bern 2012 [im Druck].
Rousseau in Deutschland. Neue Beiträge zur Erforschung seiner Rezeption. Hg. v. Herbert Jaumann. Berlin, New York 1994
Barbara Mahlmann-Bauer: Johann Jakob Bodmers Rousseau-Lektüre. In: Les écrivains suisses alémaniques et la culture francophone au XVIIIe siècle. Actes du colloque de Berne 24-26 novembre 2004. Hg. v. Michèle Crogiez Labarthe, Sandrine Battistini, Karl Kürtös. Genf 2008, S. 209-272.
Bürgerliche Feste. Symbolische Formen politischen Handelns im 19. Jahrhundert. Hg. v. Manfred Hettling, Paul Nolte. Göttingen 1993.
F.V.N. Painter: A history of education. New York 1896.
Jesko Reiling: Die Genese der idealen Gesellschaft. Studien zum literarischen Werk von Johann Jakob Bodmer (1698-1783). Berlin, New York 2010.
Daniel Tröhler: Republikanismus und Pädagogik. Pestalozzi im historischen Kontext. Bad Heilbrunn 2006.
Christine Weder: Erschriebene Dinge. Fetisch, Amulett, Talisman um 1800. Freiburg im Breisgau 2007 (Rombach Wissenschaften, Reihe Litterae, 149).
Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften. Hg. v. Uwe Wirth. Frankfurt a. M. 2002 (stw 1575).

Weitere Literatur:
Heide von Felden: Die Frauen und Rousseau. Die Rousseau-Rezeption zeitgenössischer Schriftstellerinnen in Deutschland. Frankfurt a.M. 1997 (Campus Forschung, 749)
Uwe Hentschel: „...da wallfahrte ich hin, oft mit der neuen Héloise in der Tasche...“. Zur deutschen Rousseau-Rezeption im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. In: Euphorion 96 (2002), S. 47-74.
Rousseauismus. Naturevangelium und Literatur. Hg. v. Jürgen Söring, Peter Gasser. Frankfurt a.M. 1999.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.11.2011
PersonName: Jesko Reiling 
E-Mail: jesko.reiling@germ.unibe.ch 
KontaktdatenName/Institution: Universität Bern, Institut für Germanistik 
Strasse/Postfach: Länggassstr. 49  
Postleitzahl: CH-3000 
Stadt:  Bern 9 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortJean-Jacques Rousseau, Rezeptionsgeschichte
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 12.00.00 18. Jahrhundert; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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