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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Die Zukunft von Gender"
RessourcentypVortragsreihen
TitelDie Zukunft von Gender
BeschreibungDie Zukunft von Gender
Ring-Vorlesung an der Feien Universität Berlin
WS 2011/12, Do 18-20 h, Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 2

Die Geschlechterforschung ist heute insbesondere in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern aus den Universitäten nicht mehr wegzudenken. Doch im Schatten der selbstbewussten Etablierung der genderstudies haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten wichtige Fragen angesammelt, die entscheidend für das Selbstverständnis und die Zukunft der Geschlechterforschung sind. Die interdisziplinäre Ring-Vorlesung setzt sich daher zum Ziel, eine kritische Bestandsaufnahme der Forschung zu leisten und neue Perspektiven auszuloten.
Die intensive Rezeption von Judith Butlers Studie Gender Trouble (1990; dt. Das Unbehagen der Geschlechter, 1991) und die Aufnahme ihrer Thesen zur Performativität von Geschlecht bzw. der rhetorischen Verfasstheit von Gender und Sex haben seit den 1990er Jahren in Deutschland zu einem produktiven Schub und komplexer Theoriebildung innerhalb der Gender Studies im engeren und Literatur- und Kulturwissenschaften im weiteren Sinne geführt. Doch ist die Rezeption Butlers – retrospektiv betrachtet – relativ einseitig verlaufen und hat dadurch unvorhergesehene Effekte gezeitigt.
Dies betrifft vor allem die Kategorie Gender, die mittlerweile als weithin etabliert gelten kann. Doch hat gerade ihre erfolgreiche Durchsetzung zu einer Hegemonialisierung des Begriffs geführt, die den komplexen Zusammenhang von Sex und Gender aufgelöst und die kritische Funktion der Kategorie Gender nivelliert hat. Heute wird mit dem ‚Gender-Aspekt’ nicht selten apostrophiert, was früher die ‚Frauenfrage’ war; zudem wird Gender synonym für ‚Frauen’ verwendet. Damit verkehrt sich der Begriff in sein Gegenteil und beginnt ein Eigenleben zu führen, das wissenschaftlich und politisch problematische Konsequenzen nach sich zieht.
Zudem hat sich in die Kategorie Gender eine merkwürdige Ahistorizität eingeschlichen, die zumal der deutsche Begriff Geschlecht nicht kennt: In ihm bleibt die Spannung von Sex und Gender vielmehr als offene Frage erhalten. Entsprechend bietet er sich für Untersuchungen zur historischen Konstruktion von Geschlecht ebenso an wie für strukturelle Analysen der Wirkungsmechanismen biologischer, kultureller und sozialer Diskurse über die Geschlechterdifferenz. Bedarf die Forschung also einer Renaissance des Geschlechter-Begriffs, um die blinden Flecken der Gender-Euphorie seit den neunziger Jahren aufarbeiten zu können?

Eine solche Rehabilitierung des Begriffs Geschlecht böte auch die Chance, die ‚Körperlosigkeit’ performativer gender identity erneut zu betrachten. Insbesondere Butler wurde in der unmittelbaren Rezeption von Gender Trouble angelastet, den Körper ‚vergessen’ und die Kontingenz der Leiblichkeit vollständig in die Diskursivität verschoben zu haben. Zwar hat sie sich gegen diesen Vorwurf gewehrt (Bodies that Matter, 1993; dt. Körper von Gewicht, 1995), doch korrespondiert der Topos der entkörperlichten Diskursivität von Geschlecht darüber hinaus mit einer prinzipiellen Kritik am postmodernen linguistic turn. Wieder von Geschlecht zu sprechen, eröffnet demgegenüber nicht nur die Möglichkeit, neu über Sex und Gender nachzudenken, sondern auch die Chance, die Grenze von Moderne und Postmoderne neu zu verhandeln.

Prgramm:

27.10.2011 Anne Fleig (FU Berlin): Die Zukunft von Gender – Zur Einführung; Sabine Schülting (FU Berlin): Die Vergangenheit von Gender –Zum Zusammenhang von Sex und Gender in der historischen Geschlechterforschung

03.11.2011 Sigrid Nieberle (Erlangen): Gender, wie's im Lehrbuch steht. Ein Arbeitsbericht

10.11.2011 Bozena Choluj (Frankfurt/Oder): Gelebte Vielfalt trotz ideologischer Erstarrung. Doing Gender in Polen?

17.11.2011 Rita Casale (Wuppertal): Zur Verwechslung von Subjekt und Identität in der Geschlechterforschung

24.11.2011 Eva Boesenberg (HU Berlin): Gender in Bewegung - De/Naturalisierungen im Sport

01.12.2011 Angela McRobbie (London): Gender, Sexuality, Post-Feminism: New Dynamics from Modesty to Mainstreaming Pornography

08.12.2011 Ida Dominijanni (Rom): Perché la differenzasessuale/Warum sexuelle Differenz (Vortrag in italienischer Sprache mit deutscher Übersetzung)

15.12.2011 Katharina Pühl (FU Berlin): Gender &Diversity: Kritische Fragen zum Verhältnis von Theorie und Praxis

05.01.2012 Ulrike Vedder (HU Berlin): 'Genderedobjects' und ihre Subjekte. Vom Nutzen wissenschafts- und kulturtheoretischer Perspektiven auf die Dinge für die Geschlechterforschung

12.01.2012 Franziska Schößler (Trier): Sex/Gender und die geschlechtlichen Adressierungen der Ökonomie

19.01.2012 Hilge Landweer (FU Berlin): Das lästige Geschlecht. Begriffliche und sozialtheoretische Überlegungen

26.01.2012 Tove Soiland (Zürich): Jenseits von sex und gender: die sexuelle Differenz. Zeitdiagnostische Einwürfe von Seiten der Psychoanalyse
02.02.2012 Karin Gludovatz (FU Berlin): Geschlecht und Repräsentation. Zur Revision der Kategorie "Gender" unter den Bedingungen visueller Produktion

09.02.2012 Elvira Scheich (FU Berlin): Queering Nature: Feminismus, Politik, Ökologie

16.02.2012 Sabine Hark (TU Berlin): Kontingente Fundierungen. Über Gender, Feminismus und die Zukunft der Geschlechterforschung

Leitung: Prof. Dr. Anne Fleig
Kontakt: Renate Mehls (Sekretariat) mehls@zedat.fu-berlin.de
Adresse: Institut für deutsche und niederländische Philologie, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin
Telefon: 030 838 54438
Fax: 030 838 56749

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn27.10.2011
Ende16.02.2012
PersonName: Prof. Dr. Anne Fleig 
Funktion: Leitung 
E-Mail: annefleig@zedat.fu-berlin.de  
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche und niederländische Philologie,FU Berlin 
Strasse/Postfach: Habelschwerdter Allee 45 
Postleitzahl: 14195 
Stadt: Berlin 
Telefon: 030 838 54438  
Fax: 030 838 56749  
E-Mail: mehls@zedat.fu-berlin.de  
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeGenderforschung
Ediert von  H-Germanistik
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