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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Konjektur und Krux. Eine Tagung zur Methodik der Philologie"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelKonjektur und Krux. Eine Tagung zur Methodik der Philologie
BeschreibungKonjektur und Krux. Eine Tagung zur Methodik der Philologie am ZfL

Fr/Sa, 13.-14.07.2007
Ort: Zentrum f. Literatur- und Kulturforschung, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum 308

Konzeption und Organisation: Kai Bremer und Uwe Wirth

"Kommt man bei einem Schriftsteller auf eine verdorbene Stelle", heißt es bei Friedrich Schleiermacher, "und man hat dann nur eine Ausgabe, so entsteht die Konjektur, also das divinatorische Verfahren". Nun ist das divinatorische Verfahren nur eine Seite der philologischen Medaille: Auf der anderen Seite steht das urkundliche Verfahren der "bestätigenden Vergleichung". Die divinatorische Methode des Konjizierens geht auf Sinn, sobald sie vom Teil aufs Ganze schließt. Die urkundliche Methode der Komparation hebt dagegen auf das Partikulare ab, auf das, was buchstäblich da ist - oder eben nicht. Schleiermacher spricht mit Blick auf die "Abschätzung beider Methoden" von einem "hermeneutischen Interesse", so dass der Schluss nahe liegt, es gebe so etwas wie eine
Politik der Konjektur, die der Nukleus dessen ist, was man als philologische Kompetenz bezeichnen könnte. Die Politik der Konjektur
oszilliert zwischen dem Erraten eines größeren Sinnzusammenhangs einerseits und dem Respekt vor den beobachtbaren Text-Tatsachen
andererseits.

Philologische Kompetenz besteht demnach darin, aufgrund von Kenntnis und Können zu entscheiden, wann es angemessen ist, vom urkundlichen auf das divinatorische Verfahren umzuschalten. Insbesondere die Geschichte der neugermanistischen Edition lässt allerdings vermuten, dass es fraglich ist, ob diese Entscheidungen theoretisch fundiert sind. Die Tagung will daher die Frage nach der konjekturalen Kompetenz als gemeinsame Schnittmenge von Editionspraxis und -theorie in den Mittelpunkt stellen. Möglicherweise etabliert das unbestimmte Verhältnis von urkundlicher und divinatorischer Methode eine Zone des Übergangs, in der der Philologe
auf seiner Suche noch gar nicht eigentlich weiß, was er sucht, während er es unwissentlich bereits weiß. Demnach wäre die 'philologische Methode' ein durch Textbeobachtungen kontrolliertes Raten.

Indes impliziert die Politik der Konjektur nicht nur ein Schwanken zwischen divinatorischem und urkundlichem Verfahren, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, die Konjektur selbst auszusparen, sich der Konjektur bewusst zu enthalten und die verdorbene Stelle als monumentale Leerstelle zu erhalten. An die Stelle einer Konjektur tritt die Krux. Während die Konjektur eine tastende, mehr oder weniger riskante Überschreitung der Grenze zwischen Nicht-Wissen und Wissen vornimmt, markiert die Krux eine Grenze, durch die eine Zone des Noch-Nicht-Wissens ausgezeichnet wird. Mit anderen Worten: Die Krux markiert ein ungelöstes Problem der Leerstellenergänzung, das zugleich als zukünftiges Forschungsprojekt einen offenen Bezirk umgrenzt.

PROGRAMM

Freitag, 13. Juli 2007

14:00 Uhr Begrüßung

14:15 Uhr
Kai Bremer(ZfL), Uwe Wirth (Gießen):
Konjektur und Krux. Theoretische und methodische Voraussetzungen

16:00 Uhr
Robert Stockhammer (ZfL): Konjektur und Korrektur. Zum Umgang mit Anomalien

16:45 Uhr
Ursula Kocher (Berlin): Crux und frühe Textkritik. Überlegungen zu Denkfiguren am Beginn der Editionswissenschaft

17:30 Uhr
Perspektiven. Diskussion moderiert von Almuth Grésillon (Paris)


Samstag, 14. Juli 2007

10:00 Uhr
Stephan Kammer (Frankfurt a. M.): Kühne Konjekturen. Hardouin, Bentley, Bodmer

10:45 Uhr
Daniel Weidner (ZfL): "den Text auseinander werfen" - das Comma Johanneum und die hartnäckigen Konjekturen im Neuen Testament

12:00 Uhr
Martin Schubert (Berlin): Das Kreuz mit der Krux. Altgermanistische Editionspraxis seit Lachmann

12:45 Uhr
Marcel Lepper (Marbach): Hierarchisierung, Enthierarchisierung. Zur Ebene der Konjektur, zur Ebene der Krux

15:00 Uhr
Stefan Willer (ZfL): Kreuzwege des Philologen - Über die Möglichkeit und Unmöglichkeit philologischer Experimenta crucis

15:45 Uhr
Irmgard Wirtz (Bern): Editorische Prozeduren um Kafkas Prozess

17:00 Uhr
Anne Bohnenkamp-Renken (Frankfurt a.M.): Bericht aus dem Archiv

17:45 Uhr
Abschlussdiskussion


Kontakt:
uwe.wirth@germanistik.uni-giessen.de
bremer@zfl.gwz-berlin.de
Tel: 030/20192-303
Fax: 030/20192-154
http://www.zfl.gwz-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungen//_/223/?cHash=c03c15f458



Susanne Hetzer
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
Schützenstr. 18, R. 333
10117 Berlin
Fon: 0049/30/20192-188
Fax: 0049/30/20192-154
http://www.zfl.gwz-berlin.de/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.zfl.gwz-berlin.de/veranstaltungen/veranstaltungen//_/223/?c...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn13.07.2007
Ende14.07.2007
PersonName: Uwe Wirth; Kai Bremer 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: uwe.wirth@germanistik.uni-giessen.de; bremer@zfl.gwz-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Zentrum für Literatur- und Kulturforschung 
Strasse/Postfach: Schützenstr. 18, R. 333 
Postleitzahl: 10117  
Stadt: Berlin 
Internetadresse: http://www.zfl.gwz-berlin.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeArbeitstechniken, Einführungen; Editionstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.04.00 Methodik
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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