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Ergebnisanzeige "screen strike! Gender, Medien, Kritik"
RessourcentypCall for Papers
Titelscreen strike! Gender, Medien, Kritik
Beschreibungscreen strike!
Gender, Medien, Kritik

Tagung der Arbeitsgruppe „Gender & Medien“
der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)
10. – 12. Mai 2012, Wien

Call for Papers/Panels/Workshops

Was kommt nach dem Postfeminismus in Gender Studies und
Medienwissenschaft?

Welche Befunde lassen sich an der Schnittstelle medialer und
geschlechterpolitischer Ordnungen aktuell ausmachen?

Welche Rolle spielen Begriffe wie „Ermächtigung“, „agency“ und „choice“
und in der aktuellen Medien- und Populärkultur?

Hintergrund
An der Schnittstelle von Medienwissenschaft und Gender Studies wurden in
der Vergangenheit äußerst produktive Instrumente entwickelt, um nicht
nur Geschlechterdarstellungen in Medien, sondern auch die medialen
Anteile innerhalb von Geschlechterentwürfen und -konzepten zu
untersuchen. Medien wurden dabei als „Technologien des Geschlechts“ (de
Lauretis) untersucht und kritisiert. Gefragt wurde aber auch, welches
Geschlechterwissen in Technologien einfließt oder in welcher Weise
Techniken der Selbstführung auf Medien basieren. Es ist der komplexe
Zusammenhang von Diskursen, Ästhetik, Gesellschaft und Technik, den die
Gender Studies anhaltend befragen, und der auch für die
Medienwissenschaft zentral ist.

Seit den Diskussionen um die Schriften von Theresa de Lauretis oder
Judith Butler, von denen seit den 1990er Jahren zentrale Impulse für die
Gendertheorie ausgingen, hat das Nachdenken über den Zusammenhang von
prozessual verstandenen Selbsttechnologien, sozialen Technologien und
Medientechnologien weit reichende Verschiebungen erfahren. Die
theoretischen Grundpfeiler der Gender Studies wie Diskursanalyse,
Performativitätsanalyse und Dekonstruktion haben spezifische Versionen
dieses Verhältnisses bereitgestellt, die in jüngster Zeit in
verschiedener Hinsicht befragt werden. Von besonderer Relevanz scheint
für die Gender Studies vor allem das Hinterfragen des Kritikpotentials
dieser Ansätze. War dieses in den 1990er Jahren noch Gegenstand einer
internen Auseinandersetzung in der Frauen- und Geschlechterforschung, so
ist diese interne Debatte einer umfassenderen Diskussion gewichen, in
der poststrukturalistische Methoden und Analyseverfahren einer
kritischen Revision unterzogen werden. Aus kulturwissenschaftlicher
Perspektive wird bezweifelt, ob der Gestus der Distanznahme und der
Fokus auf die Prozesshaftigkeit von Bedeutungsproduktionen aktuell noch
eine angemessene Form der kritischen Intervention in hegemoniale
Diskurse darstellen können. Auch aus der Sicht der Governmentality
Studies wird das kritische Potenzial der für die Gender Studies bislang
zentralen Theoriegebäude (Diskursanalyse, Dekonstruktion) mittlerweile
bezweifelt. Dabei wird konstatiert, dass die aktuellen
gesellschaftspolitischen Entwicklungen mit einer Theoriebildung, die an
Fragen der Normierung (und deren Überschreitung) ausgerichtet ist, nicht
mehr einzuholen wären. Es wird argumentiert, dass neoliberale Formen der
Selbstregierung sich dadurch auszeichnen würden, dass sie Distinktion
statt Konformität, Überschreitung statt Regelbefolgung fordern.

‚Anders’ zu sein, sich selbst zu vervielfältigen, sich neu zu erfinden,
seien nicht länger als Auswege oder als subversive Praxis zu betrachten,
sondern mittlerweile selbst Teil des Systems.

Aus der Sicht der Gender Studies ist dieser Befund, besonders mit Blick
auf aktuelle Reality-TV-Formate, TV-Serien, Filmproduktionen,
Sendeplätzen, Online-Medien, Games etc., zu befragen. Wird hier die
Abweichung zur Norm oder verschiebt sich nur das Verhältnis von Norm und
Abweichung? Lässt sich mit dem feministischen Vokabular der ‚agency’ und
des ‚empowerment’ unter diesen veränderten Bedingungen noch operieren?
Oder sind diese längst in aktuelle Subjektivierungsimperative
eingegangen? Wie lässt sich politische Kritik an herrschenden
Geschlechterverhältnissen in den Medien formulieren ohne mit
zeitgeistigen Distinktionsformen verwechselt zu werden?

Gender, Medien, Kritik – die Frage nach dem Kritikpotenzial von Gender
Studies und Medienwissenschaft gerät somit in den Blick. Wenn die
Abweichung zur Norm wird, wo ist dann der Ansatzpunkt für Kritik? Haben
die Gender Studies das Konzept der ‚agency’, d.h. einer Handlungsmacht
durch verschiebende Wiederholung, womöglich zu positiv und optimistisch
eingeschätzt? Haben sie übersehen, dass gerade die Bereitstellung von
Handlungsmöglichkeiten einen wesentlichen Faktor liberaldemokratischer
Gesellschaften darstellt? Und dass es schon in Foucaults
Sexualitätsdispositiv nicht um die Einschränkung, sondern vielmehr um
Anreizung, Bereitstellung und Ermöglichung von Verhaltensweisen und
Lüsten ging? In welchem Verhältnis stehen Feminismus und neoliberale
Verschiebungen der Geschlechterdifferenz als Ressource der
Selbstverwirklichung? Selbst wenn es nicht einen einzigen, gesicherten
Ort der Kritik und Analyse von Medien geben kann, stellt sich aktuell
die Frage, ob die für die Gender Studies bislang zentralen Strategien
der Verflüssigung und der Vervielfältigung der Geschlechterentwürfe als
ein politisches Instrument weiterhin gewinnbringend sein, und dem
aktuellen Flexibilisierungsimperativ etwas entgegensetzen können.

Zentrale Fragestellungen
Die Kritik steht offenbar vor der Aufgabe, anders ‚anders’ zu sein. Wie
aber könnte dies aussehen? Und wie wäre die in jüngster Zeit viel
diskutierte Frage der verteilten Handlungsmacht, die nicht mehr nur
humanen Akteuren, sondern auch Akteuren im Übergang von Mensch, Ding und
Artefakte zugesprochen wird, für die Gender Studies zu
operationalisieren?

Folgenden Fragen soll im Rahmen der Tagung nachgegangen werden:

*Haben die medienwissenschaftlichen Gender Studies die Frage der Technik
bislang zu sehr vernachlässigt? Wie verändert sich der Blick auf Medien,
wenn diese nicht mehr als Dispositive, sondern als Netzwerke von humanen
und nicht-humanen Aktanten angesehen werden?

*Welche Öffnungen ergeben sich aus der Aufhebung der Trennung von
nicht-/humanen Aktanten für benachbarte Dichotomien (Subjekt/Objekt,
Passivität/Aktivität, Handeln/Behandeln), die die Gender Studies ebenso
seit langer Zeit in den Blick nehmen und problematisieren?

*Welche Interventionsmöglichkeiten ergeben sich vor dem Hintergrund oben
beschriebener Vereinnahmungen diversifizierter Praxis- und/oder
Analysemodelle?

*Inwiefern haben die aktuellen Fragestellungen von Gender Studies und
Medienwissenschaft bestehende Herrschaftsverhältnisse aus dem Blick
verloren, beispielsweise im Hinblick auf eine zunehmende Prekarisierung
der Lebens- und Arbeitsbedingungen (nicht nur) von Frauen?

*Und nicht zuletzt: An welche feministischen Utopien wäre heute noch
bzw. wieder anzuknüpfen? Gibt es neue Entwürfe, Ideen, Visionen und wie
könnten sie aussehen?

Einreichungen
Ausgehend von diesen Fragestellungen sollen im Rahmen der Tagung
Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven versammelt werden.
Herangehensweisen, die methodisch oder theoretisch argumentieren sind
ebenso willkommen wie solche, die konkrete mediale Formate (Filme,
Websites, Games, Serien, TV-Formate etc.) thematisieren.

Folgende Bereiche und Disziplinen (Liste nicht erschöpfend) sind als
Hintergrund der Vortragsvorschläge denkbar:

- Feministische Film-, Fernseh-, Medienwissenschaft
- Queer Theory
- Medienwissenschaftliche Governementality Studies
- Gender Media Studies
- Film- und Fernsehgeschichtsforschung
- Performativitätstheorie
- Feministische Medienpraxis und Medienaktivismus
- Postcolonial Studies

Call for Papers: Bitte schicken Sie uns ein Abstract von 300 - max. 500
Wörtern zum geplanten Vortrag sowie eine Kurz-CV incl. Angabe der
wichtigsten Veröffentlichungen.

Call for Panels: Bitte schicken Sie uns Abstracts mit ca. 200 Wörtern
zum Panelkonzept und den jeweiligen Einzelvorträgen des Panels sowie
Kurz-CVs aller Beteiligten incl. Angabe der wichtigsten
Veröffentlichungen.

Call for Workshops: Bitte schicken Sie uns ein Abstract zum geplanten
Workshop (offenes Format, je nach Konzept der Einreichenden) und Kurz-CV
incl. Angabe der wichtigsten Veröffentlichungen.

Einsendeschluss für die Abstracts ist der 15. November 2011.
Mailadresse: synema@chello.at


Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Das Organisationsteam:
Andrea B. BRAIDT (Akademie der bildenden Künste Wien)
Angela KOCH (Institut für Medien, Kunstuniversität Linz)
Brigitte MAYR (Synema - Gesellschaft für Film & Medien, Wien)
Sabine NESSEL (Institut für Theaterwissenschaft, FU Berlin)
Andrea SEIER (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft,
Universität Wien)
Hedwig WAGNER (Europäische Medienkultur, Bauhaus Universität Weimar)
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Bewerbungsschluss15.11.2011
Beginn10.05.2012
Ende12.05.2012
PersonFunktion: Kontakt 
E-Mail: synema@chello.at 
LandÖsterreich
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/21979

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