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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literatur und Interview"
RessourcentypCall for Papers
TitelLiteratur und Interview
BeschreibungCFP: Literatur und Interview (26.-28. September 2012, Literaturhaus Frankfurt a.M.)

Organisation: Jun.-Prof. Dr. Torsten Hoffmann (Frankfurt a.M.) und Apl. Prof. Dr. Gerhard Kaiser (Göttingen)

Interviews, erst im 19. Jahrhundert erfunden und damit eine der jüngeren Textsorten, sind seit dem frühen 20. Jahrhundert fest im Literaturbetrieb etabliert (schon Thomas Mann gab mehr als 650 Interviews). Die Attraktivität des Interviews besteht im zunehmenden Reichtum seiner Formen und Funktionen: Dem Publikum als Text, Radio- und Fernsehmitschnitt, als Netzauftritt oder in Literaturhäusern präsentiert, wird es von Autoren zu völlig unterschiedlichen Spielarten der Selbstkommentierung und Selbstinszenierung genutzt. Je nach Autor und Gesprächspartner kann es sich zwischen der Sekundärkommunikation über das gedruckte Werk des Autors und der Produktion eines eigenständigen ‚Primärtextes‘ bewegen. Und längst beschäftigen sich nicht nur Interviewer mit Autoren, sondern auch Autoren mit Interviews: wenn Interviews in fiktionalen Texten Verwendung finden oder wenn Autoren über ihre Interviewer schreiben (wie kürzlich Elfriede Jelinek über André Müller). Gleichwohl hat sich die Literaturwissenschaft bisher kaum einmal gezielt mit Interviews beschäftigt. Noch immer gilt es Gerard Génettes Ansicht zu widerlegen, nach der sich Autoren „eher passiv und anscheinend ohne große intellektuelle Motivation“ (Paratexte, 1987) mit Interviews befassen. Die Tagung „Literatur und Interview“ geht dieses Unternehmen in vier Sektionen an.

1) Interviews über Literatur
Im klassischen Autoreninterview werden Schriftsteller nach ihren Werken, ihren Schreibanregungen und -intentionen, aber davon ausgehend oft auch nach ihren Weltanschauungen und (politischen) Überzeugungen befragt. Die Beiträge dieser Sektion sollen der Geschichte und der Typologie des Schriftstellerinterviews von Eckermanns „Gesprächen mit Goethe“ bis heute nachgehen. Zu fragen ist dabei z.B. nach narrativen Strategien, Personalstilen und Inszenierungstechniken von Autoren, nach Fragetechniken der Interviewer, nach den aufgerufenen Autorkonzepten, nach der Medialität des Interviews (in Zeitungen, im Rundfunk, im Fernsehen, in Blogs usw.), und nicht zuletzt nach dem Status, den solche Interviews bei der Interpretation der in ihnen verhandelten Werke spielen können.

2) Interviews als genuine Kunstform
Während Gerard Génette das Interview ausnahmslos zu den Paratexten rechnet, haben neuere Forschungen zwischen dem Interview als Informationsvermittlung und dem Interview als Kunstform unterschieden. Insbesondere die Gespräche Heiner Müllers, die drei Bände seiner Suhrkamp-Werkausgabe füllen, wurden als Beispiele dafür herangezogen, dass in Interviews Literatur nicht nur kommentiert, sondern auch erzeugt wird. In dieser Sektion soll diskutiert werden, anhand welcher Kriterien sich zwischen diesen Typen unterscheiden lässt: Wo können Interviews, in denen sich Formen des Erzählens, des dramatischen Dialogs und vor allem der Performance verbinden, gattungstheoretisch verortet werden? Gehören die ‚literarischen’ Interviews ebenso oder noch enger zum ‚Werk‘ eines Autors als Tagebücher oder Briefe? Berücksichtigt werden können dabei auch jene Interviews, die von Autoren selbst geführt und z.T. ihrem ‚Werk‘ zugerechnet worden sind, etwa die so genannten „St. Pauli Interviews“ Hubert Fichtes oder Uwe Johnsons Interviews mit Fluchthelfern.

3) Interviews in Literatur
Mit der Etablierung des Schriftstellerinterviews finden Interviews auch Eingang in fiktionale Texte und werden (mit unterschiedlichem Innovationsgehalt) als Spielform des Erzählens genutzt: z.B. als Interview mit getilgten Fragen in Ingeborg Bachmanns „Malina“ (1971), als ständig explizierte Arbeitsgrundlage in Kathrin Rögglas Roman „wir schlafen nicht“ (2004), als durchgängiges Erzählprinzip in Wolf Haas’ „Das Wetter vor 15 Jahren“ (2006) oder als fiktionales „Interview gegen mich selbst“ in Franz Schuhs „Memoiren“ (2008). In welchen Formen und mit welchen Funktionen, so lauten die Leitfragen der dritten Sektion, wird also in literarischen Texten auf Interviews zurückgegriffen?

4) Kulturgeschichte des Interviews
Der Fokus der Tagung soll hier über den deutschsprachigen Bereich und das literarische Feld hinaus erweitert werden, um so den Platz des Literaturinterviews in einer allgemeinen Kulturgeschichte des Interviews besser verorten zu können. Dabei geht es um folgende Leitfragen: Wie, wann, wo und durch welche Akteure präg(t)en sich beispielgebende Strategien und Muster des Interviews aus, etwa in Politik, Recht, Sport, Populärkultur oder in anderen Bereichen? Welche zentralen – Maßstäbe setzenden oder verletzenden – Interview-Ereignisse lassen sich in der Kulturgeschichte des Interviews rekonstruieren? Gibt es nationale Spezifika im Interview-Verhalten?

Aufgrund der noch recht undifferenzierten Forschungslage beschränken wir die Tagung in den ersten drei Sektionen auf die deutschsprachige Literatur und möchten insbesondere in den Sektionen 1) und 3) zu vergleichenden Studien anregen, in denen mehrere Autoren und Texte zueinander in Beziehung gesetzt werden (Dauer der Vorträge: 30 min). Die Beiträge werden in einem Band veröffentlicht.
Die Tagung findet in Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt, der Georg-August-Universität Göttingen und des Literaturhauses Frankfurt statt.

Themenvorschläge (mit einem Exposé von ca. 300 Wörtern und knappen Angaben zur Biographie) schicken Sie bitte bis zum 30. November 2011 an Jun.-Prof. Dr. Torsten Hoffmann (t.hoffmann@lingua.uni-frankfurt.de) und an Apl. Prof. Dr. Gerhard Kaiser (Gerhard.Kaiser@phil.uni-goettingen.de).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt a.M.
Bewerbungsschluss30.11.2011
Beginn26.09.2012
Ende28.09.2012
PersonName: Jun.-Prof. Dr. Torsten Hoffmann 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: t.hoffmann@lingua.uni-frankfurt.de 
Name: Apl. Prof. Dr. Gerhard Kaiser 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: Gerhard.Kaiser@phil.uni-goettingen.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Editionstheorie; Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortInterview; Interviewforschung; Génette
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.01 Allgemeines; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.09.00 Literarisches Leben; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.06.00 Literarisches Leben
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