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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Der Neue Mensch. Ein ideologisches Leitbild der frühen DDR-Literatur und sein Kontext"
RessourcentypCall for Papers
TitelDer Neue Mensch. Ein ideologisches Leitbild der frühen DDR-Literatur und sein Kontext
BeschreibungBetr.: CfP: Der Neue Mensch. Ein ideologisches Leitbild der frühen DDR-Literatur und sein Kontext

Tagung am Institut für Germanistik der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig (21.–23. Juni 2012)

Die Erziehung eines »neuen Menschen« war eines der »Heilsziele« (G. Küenzlen) weltanschaulicher Bewegungen der Moderne, zu denen der Sozialismus resp. Kommunismus zu zählen ist. Im ersten Jahr-zehnt der DDR und darüber hinaus war deshalb oft vom »neuen Menschen« die Rede. Partei- und Staatsführung verstanden die Erziehung des sozialistischen Menschen als Angelegenheit von existenzieller Bedeutung. Mit der Fortschrittsgläubigkeit auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technik korrelierte die Überzeugung, durch »wahrhaft humane« Verhältnisse, die auf dem gesellschaftlichen Charakter der Arbeit basierten, einen neuen, in seinem Wesen gewandelten, guten Menschen zu formen. Man wollte die aus der »Klassengesellschaft« stammenden schlechten Eigenschaften bekämpfen und »immer mehr das Gute im Menschen« entwickeln. Im Rückgriff auf Karl Marx, wenn auch in ökonomistischer Verkürzung, kam der Arbeit für die Definition des Menschen eine zentrale Rolle zu. Der Neue Mensch betrachtete idealiter die Arbeit als Bedürfnis und ehrenvolle gesellschaftliche Verpflichtung, er ordnete seine individuellen Interessen den gesellschaftlichen unter, ihm waren Neid, Konkurrenzdenken und Habgier fremd, er schaute optimistisch in die Zukunft. »Vom Ich zum Wir« lautete eine viel gebrauchte Parole der Zeit – die Erziehung des Neuen Menschen war Erziehung zum Kollekti-vismus.
Parallel zur Durchsetzung sozialistischer Produktionsverhältnisse unternahm die Partei- und Staatsfüh-rung große Anstrengungen der ideologischen Erziehung durch Werke der Kunst, die unter dem Schlag-wort der »Kulturrevolution« firmierten. Den Schriftstellern wurde die Rolle von »Volkspädagogen« zugeteilt, die das Werden des Neuen Menschen darstellen und dadurch die Leser für den Aufbau des Sozialismus begeistern sollten. Mit dem »Bitterfelder Weg« verstärkte sich am Ende der 1950er Jahre der ideologische Druck auf die Schriftsteller. Zweifellos besaß die Kulturpolitik repressiven Charakter, es wür-de jedoch zu kurz greifen, den Blick nur darauf zu richten. Anzunehmen ist vielmehr, dass nach der ver-heerenden Bilanz des NS-Regimes das positive sozialistische Menschenbild besonders von Teilen der jungen Autoren- und Lesergeneration als attraktives Identifikationsangebot wahrgenommen wurde, weil es als Gegensatz zum nationalsozialistischen Menschenbild bzw. als Alternative zum westlichen »Indivi-dualismus« und Pessimismus erschien.
Die Tagung soll einen differenzierten Blick auf die Werke der DDR-Literatur der 1950er und 1960er Jahre als literarische Zeugnisse der Identitäts- und Sinnsuche ermöglichen und aufzeigen, wie die Autoren in der Auseinandersetzung mit den kulturpolitischen Vorgaben das Leitbild vom Neuen Menschen über-nahmen, problematisierten oder gar konterkarierten. Zu fragen ist beispielsweise, ob und wie in Texten über die sozialistische Umgestaltung von Industrie und Landwirtschaft der gewünschte Neue Mensch tatsächlich dargestellt wird. Gesucht sind auch Beiträge, die einzelne Aspekte des sozialistischen Menschenbilds und seiner Aporien in den Mittelpunkt stellen. Wie wird die »höhere Moral« des Neuen Menschen literarisch propagiert oder hinterfragt; wie gestalten Autoren den Menschen des Übergangs in der Auseinandersetzung mit Krieg und Nationalsozialismus? Was bedeuten der geforderte Optimismus und das prometheische Streben des Neuen Menschen für die Kategorie des Tragischen, und wie ist der Neue Mensch im »sozialistischen Entwicklungsroman« und in der Science-fiction-Literatur beschaffen? Besaß der Kriminalroman das Potential, destruktive und egoistische Kräfte des »Menschen an sich« zu thematisieren? Ebenso willkommen ist ein komparativer Blick auf die Menschenbilder in der westdeutschen Literatur der 1950er und 1960er Jahre.

Beitragsangebote in Form eines Exposés von maximal 2000 Zeichen Länge werden bis zum 1. Dezember 2011 erbeten an kloeff@rz.uni-leipzig.de.
Dr. Katrin Löffler, Institut für Germanistik, Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLeipzig
Bewerbungsschluss01.12.2011
Beginn21.06.2012
Ende23.06.2012
PersonName: Dr. Katrin Löffler 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: kloeff@rz.uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik der Universität Leipzig 
Strasse/Postfach: Beethovenstraße 15 
Postleitzahl: 04107 
Stadt: Leipzig 
Telefon: 0341 9737350 
E-Mail: german@uni-leipzig.de 
Internetadresse: http://www.uni-leipzig.de/~germ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur nach 1945
Klassifikation05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR
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