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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Franz Kafka – Wirkung, Wirkungsverhinderung, Nicht-Wirkung"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelFranz Kafka – Wirkung, Wirkungsverhinderung, Nicht-Wirkung
BeschreibungFranz Kafka – Wirkung, Wirkungsverhinderung, Nicht-Wirkung

Prag, 24.11.-25.11.2011

Kafkas Werk ist „ist zum Opfer einer Massenvergewaltigung durch nicht weniger als drei Armeen von Interpreten geworden.“ Diese 1982 von Susan Sontag formulierte Skepsis gegenüber einer überbordenden Kafka-Forschung scheint nichts an Aktualität verloren zu haben, wobei sich viele interpretative Ansätze mehr und mehr vom Werk Kafkas zu entfernen, ihrerseits zeitspezifischen Paradigmen verpflichtet sowie nationalen Wissenschaftstraditionen oder gar literaturpolitischen Machtdispositiven unterworfen zu sein scheinen. Die jüngste Forschung berücksichtigt zwar stärker als früher Kontextualisierungen, was sich an vermehrten biographischen Ansätzen auf der einen, an kultur-, sozial- und sprachwissenschaftlichen Verortungen von Kafkas Werk und Person auf der anderen ablesen lässt.
Nicht berücksichtigt werden allerdings die kultur- und ideologiedifferenten Rahmenbedingungen für Rezeptions- und Wirkungsprozesse. Schon innerhalb Westeuropas liegen gravierende Unterschiede vor, die sich noch verstärken, nimmt man Ostmittel- und Osteuropa in den Blick. Man hat mit Formen „fortgesetzter Horizontstiftung und Horizontverschiebung“ (Jauss) zu tun, die über die Art und Weise der Aufnahme oder Nichtaufnahme Kafkas entscheiden.
Ausgehend von einer kulturwissenschaftlichen und interkulturellen Erweiterung der Philologie soll auf der Tagung nach den zugrunde liegenden literatur- und kulturpolitischen Bedingungen von Rezeption und Wirkung und den damit verbundenen kultur- und ideologiespezifischen Konstruktionsvoraussetzungen gefragt werden. Welche Texte von Kafka bzw. über Kafka und für welche Rezipientengruppen waren überhaupt zugänglich? Welche Formen produktiver Aneignung existierten? Ob und auf welche Weise fanden Texte Kafkas bzw. über Kafka in die bildungs- und kulturpolitische Argumentation Eingang? Wie sind diese in übergreifende Fachdiskurse integriert worden? Neben der Rekonstruktion der literarischen Norm und der Wertehierarchien geht es auch um die Rekonstruktion der literarischen Werke und ihrer Konkretisationen (Vodička) in ausgewählten Kulturen im Sinne von Rezeptions- und Wirkungszentren, wobei ein ‚westlicher‘ Blick in Kontrast zu einem ‚östlichen‘, ein europäischer in Kontrast zu einem außereuropäischen gewählt werden soll.
Ein zentrales Ziel der Tagung liegt in der Verbindung von Rezeptions- und Wirkungsgeschichte mit der Historiographie literaturpolitischer bzw. -soziologischer Kommunikation in unterschiedlichen Kulturen am Beispiel Franz Kafka.

Donnerstag 24.11.2011
14.00 Uhr: Begrüßung, Heinrich Blömeke (Goethe-Institut)
14:10 Uhr: Eröffnung, Kurt Krolop zur Kafka-Forschung in Prag

Frühe Rezeption und Wirkung (Moderation: L. Udolph)
14.30 Uhr: Marek Nekula (Regensburg), Einblendung u Ausblendung: Erstveröffentlichungen von Kafkas tschechischen Texten im Kontext
15.00 Uhr: Anne Hultsch (Dresden), Kafka-Rezeption in der ČSR vor 1957
15:30 Uhr: Manfred Voigts (Potsdam), Entdeckung Kafkas als jüdischer Autor
16:30 Uhr: Volker Rühle (München), Die Verzeitlichung der Erfahrung in der Moderne. Kafkas Werk im Spiegel philosophischer Rezeption
17:00 Uhr: Bettina von Jagow (Erfurt), „... man lernt, wenn man einen Ausweg will“. Die Rezeption der Texte Kafkas in den Kulturwissenschaften
17:30 Uhr: Christine Ivanović (Wien), Kafka in der Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Hannah Arendts Geschichtskonzeption im Ausgang ihrer Kafkalektüren

Freitag 25.11.11: Kafka im Sozialismus (Moderation: H. Koch)
9.00 Uhr: Christian Prunitsch (Dresden), Kafka-Rezeption in Polen seit 1936
9.30 Uhr: Karol Sauerland (Ústí/Warschau), Kafka in Polen
10.00 Uhr: Slobodan Grubačić (Belgrad), Die Anfänge der Kafka-Rezeption in Jugoslawien. Rezeption und Rezeptionsverhinderung nach dem 2. Weltkrieg
11.00 Uhr: Ludger Udolph (Dresden), Kafka-Rezeption in der UdSSR
11.30 Uhr: Manfred Weinberg (Prag), Zwischen ‚Entfremdung‘ und ‚Realismus ohne Ufer‘. Die Kafka-Konferenz in Liblice 1963
12:00 Uhr: Milan Tvrdík (Prag), Kafka in Tschechien seit 1980

Freitag 25.11.11: Kafka und Mitteleuropa (Moderation: H. D. Zimmermann)
14.00 Uhr: Josef Čermák, Kafkas Rezeption in Tschechien im Lichte ungenutzter Möglichkeiten
14.30 Uhr: Eckard Haring (Wien/Nitra), Produktive Missverständnisse. Kafka in der DDR der 1970/80er Jahre
15.00 Uhr: Michael Rohrwasser (Wien), Der Streit um Kafka in Österreich
16.00 Uhr: S. Höhne (Weimar), Kafka im austriazistisch-kakanischen Kontext
16.30 Uhr: Benno Wagner (Siegen), Kafkas Österreich
17.00 Uhr: Paul Peters (Montreal), Die Kafka-Verfilmung von Orson Welles, The Trial
17:30 Uhr: Alice Stašková (Berlin)/Jörn Peter Hiekel (Dresden), Franz Kafka und die Musik in Ost und West

Samstag 26.11.11: Kulturelle Bedingungen von Rezeption und Wirkung (Moderation: Steffen Höhne)
9.00 Uhr: Jean-Pierre Lefebvre (Paris), Kafka in Frankreich
9.30 Uhr: Philippe Wellnitz (Berlin), Traduttore, tradittore. Die frz. Kafka-Übersetzungen von Alexandre Vialatte bis heute
10.00 Uhr: Richard T. Gray (Seattle), Der Un-Verschollene: Kafka in Amerika
11.00 Uhr: Takahiro Arimura (Tokio), Die frühe Kafka-Wirkung in Japan: Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
11.30 Uhr: Yoshihiko Hirano (Tokio), Die Kafka-Rezeption in Japan um 1960. Partei von Kurahashi Yumiko und Die Frau in den Dünen von Abe Kobo
12:00 Uhr: Hans Gerd Koch (Wuppertal), Wem gehört Franz Kafka?
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPrag
Beginn24.11.2011
Ende25.11.2011
PersonName: Höhne, Steffen 
E-Mail: steffen.hoehne@hfm-weimar.de 
KontaktdatenName/Institution: Höhne, Steffen, HfM Weimar 
Strasse/Postfach: Platz der Demokratie 2 
Postleitzahl: 99423  
Stadt: Weimar 
Telefon: 03643-555128 
Fax: 03643-555130 
E-Mail: steffen.hoehne@hfm-weimar.de 
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Zusätzliches SuchwortLiteraturpolitik
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.06.00 Prag
Ediert von  H-Germanistik
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