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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Ausnahmezustände in der Literatur aus wissensgeschichtlicher Perspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelAusnahmezustände in der Literatur aus wissensgeschichtlicher Perspektive
Beschreibung"Ausnahmezustände in der Literatur aus wissensgeschichtlicher Perspektive"

Sektion bei der internationalen KCTOS-Konferenz "Wissen, Kreativität und Transformationen von Gesellschaften", Wien, 06.-09. Dezember 2007

Datum der Sektion: 08./09.12.2007
Deadline für Papers: 15.9.2007

Die Rede vom Ausnahmezustand beansprucht gegenwärtig einen populären Platz in der öffentlichen Diskussion. Mit dieser von politischen Demagogen und Ideologen, Staatstheoretikern und Menschenrechtsaktivisten je anders aufgefassten Gesellschafsformation korrespondiert allerdings eine in den neueren Philologien und Kulturwissenschaften vergleichsweise geringe Reflexion. Als prominentester Philosoph, der sich mit dem Thema beschäftigt, gilt Giorgio Agamben, der schlagkräftig ausgeführt hat, dass Natur- und Ausnahmezustände lediglich zwei Seiten des einen topologischen Prozesses sind, wo das, was als Außen vorausgesetzt worden ist (der Naturzustand), nun im Innern (als Ausnahmezustand) wieder erscheint. Mit Bezug auf Agamben kann der Ausnahmezustand als eine "komplexe topologische Figur" bestimmt werden, in der "nicht nur Ausnahme und Regel, sondern auch Naturzustand und Recht, das Draußen und das Drinnen ineinander übergehen". So verstanden, tragen Überlegungen zum Ausnahmezustand auf grundlegende Weise zur Fokussierung gesellschaftlicher Entwicklungen bei, indem sich dadurch Beobachtungen realer Geschehnisse fixieren lassen.

Dem skizzierten theoretischen und empirischen Verständnis des Ausnahmezustandes stehen dabei zahlreiche fiktionale Darstellungen gegenüber, die zurück liegende gesellschaftliche Transformationen begleiten und dokumentieren. Trotz dieses viel versprechenden Befundes wurde den Ausnahmezuständen in der Literatur bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses Desiderat ist als epistemologische Herausforderung aufzufassen, denn insbesondere eine wissensgeschichtliche Forschung, deren Gegenstand das ist, was Foucault die "Positivität des Diskurses" nennt, hat die Möglichkeit, Perspektiven des Ausnahmezustandes mit Hilfe der Literatur zu erproben.

Dessen literarische Phantasien sind in der Sektion zu analysieren, ihre erkenntnistheoretischen, ideengeschichtlichen und historischen Implikate zu entwickeln. Dass es, um diesem Thema gerecht zu werden, des interdisziplinären Austauschs bedarf, ist evident. Beiträge aus den Literaturwissenschaften sind deshalb ebenso erwünscht wie solche aus der Philosophie, der Theologie, der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Ethnologie, der Rechtswissenschaft, der Geschichtswissenschaft oder der Kunstgeschichte.

Die Sektion wird im Rahmen der internationalen KCTOS-Tagung "Wissen, Kreativität und Transformationen von Gesellschaften" des "Instituts zur Erforschung und Förderung regionaler und transnationaler Kulturprozesse" (INST) in Wien stattfinden, und zwar in der Sektionsgruppe "Konzepte der Gewalt, Konzepte des Friedens" an den beiden letzten Konferenztagen, d.h. am 8. und 9. Dezember 2007.

Das INST-Projekt wird auf einer siebensprachigem Homepage (http://www.inst.at) sowie durch zahlreiche Projektdokumentationen und -präsentationen öffentlich vorgestellt. Für die anstehende Konferenz werden etwa 7.000 Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer aus über 100 Ländern erwartet. Zur Konferenz werden grundsätzliche Beiträge erwünscht, aber auch eine Vielzahl von Referaten, die aus der Sicht ihrer Fachdisziplin, der Perspektive eines interdisziplinären Polylogs oder auch auf der Basis von Diplomarbeiten, Dissertationen, Studien, transdisziplinären Projekten Erfahrungen, Erkenntnisse, Vorschläge vorstellen.

Im Rahmen der Konferenz wird vor allem nach der Geschichte des Wissens in seiner Differenzierung gefragt und nach den gesellschaftlichen Veränderungen, die diese evoziert. Dass eine Betrachtung des Ausnahmezustandes in diesem Zusammenhang besonders lohnt, will die Sektion unterstreichen; sie wird sich dem Thema sowohl aus theoretischer, methodologischer als auch anwendungsorientierter Perspektive nähern. Im Einzelnen sind Vorträge etwa zu folgenden Themenfeldern vorstellbar:

1) Theoretische Grundlagen:
- Klassische Souveränitätstheorien (Hobbes, Rousseau u.a.)
- Ausnahmezustände aus Sicht der politischen Theologie (Carl Schmitt)
- Einführung in die Theorie Giorgio Agambens
- Rezeption und Kritik einer Theorie des Ausnahmezustandes
- Rechtliche Grundlagen und Dimensionen

2) Historische Überblicke:
- Ausnahmezustände in der Antike
- Ausnahmezustände im Mittelalter
- Ausnahmezustände in Renaissance und Reformation
- Ausnahmezustände seit dem 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart
- Ausnahmezustände in der bildnerischen Kunst

3) Literaturwissenschaftliche Einzelfallstudien:
- zu unterschiedlichen Epochen
- zu unterschiedlichen Gattungen
- zu einzelnen Autoren und/oder Werken
- aus verschiedenen Philologien

Vorschläge für einen Tagungsbeitrag sind mit kurzen bio-bibliographischen Angaben und in Form eines Abstracts von ca. 2.500-3.000 Zeichen (mit Leerzeichen) inklusive eines vorläufigen Vortragstitels als E-Mail-Attachment bis zum 15. September 2007 an den Sektionsleiter unter rufo3301@uni-trier.de zu richten. Die Vorträge sollen maximal 30 Minuten umfassen.

Die Beiträge werden zunächst in der Internet-Zeitschrift des INST (TRANS) sowie auf der CD-ROM der Konferenzdokumentation veröffentlicht und zudem in der Hardcover-Ausgabe der Konferenzdokumentation aufgeführt. Außerdem ist eine eigenständige Publikation in Form eines Sammelbandes vorgesehen.

Oliver Ruf
section chair
Universität Trier
FB II – Germanistik
Neuere deutsche Literaturwissenschaft

E-Mail: rufo3301@uni-trier.de
http://www.inst.at/kctos/index.htm

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Bewerbungsschluss15.09.2007
Beginn06.12.2007
Ende09.12.2007
PersonName: Ruf, Oliver 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: rufo3301@uni-trier.de 
KontaktdatenInternetadresse: http://www.inst.at/kctos/index.htm 
LandÖsterreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte
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