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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Pragmatischer Standard. Standardsyntax des Deutschen in pragmatischer Perspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelPragmatischer Standard. Standardsyntax des Deutschen in pragmatischer Perspektive
BeschreibungPragmatischer Standard
Standardsyntax des Deutschen in pragmatischer Perspektive

Zeit und Ort: Mi 29.02.2012 bis Fr 02.03.2012 in Würzburg
[überschneidungsfrei mit DGfS (06.03.-09.03) und IDS (13.03.-15.03.), Ostern (06.04.-09.04.) und Rosenmontag (20.02.)]

Inhalte und Call for papers:
Was ist Standard und wer benutzt diese Varietät? Antworten auf diese Frage werden häufig unter Verweis auf SprecherInnen entwickelt, die als Repräsentanten von Standardsprachlich-keit gelten können, z. B. Tagesschau-SprecherInnen oder PolitikerInnen vom Kreis- bis zum Bundestag (vgl. etwa Lameli 2004: 85f.). Was vor dem Hintergrund der Standard-Dialekt-Achse akzeptabel erscheinen mag, ist aus pragmatischer Sicht unbefriedigend. Die Beschrän-kung auf z. B. Nachrichten überregionaler Sender oder die Sprache der Politik(er) verstellt den Blick auf alltägliche sprachliche Phänomene. Durch die Konzentration auf bestimmte Redegattungen (Großformen des Sprechens, Textsorten u. Ä.) fallen viele pragmatische Phänomene aus dem Blickfeld. Im Fall der Tagesschau-SprecherInnen ist dies etwa fast der gesamte Bereich des Dialogischen, im Fall der Politiker ein Großteil des Bereiches nicht-diskursiver Redegattungen. Besteht die Standardvarietät des Deutschen pragmatisch nur aus dem Verlesen von Nachrichten, dem Redenhalten und dem Argumentieren?

Spielte der Standardbegriff bisher vor allem im Bereich des Lautlichen und des Lexikalischen eine Rolle, so rücken derzeit immer stärker auch morphologische und syntaktische Phäno-mene in den Vordergrund (vgl. etwa Patocka/Seiler 2008). Es setzt sich langsam die Erkennt-nis durch, dass prinzipiell alle Beschreibungsebenen des Deutschen herangezogen werden müssen, um eine oder die Standardvarietät des Deutschen angemessen beschreiben zu kön-nen. Die Pragmatik des Deutschen ist dabei bisher unberücksichtigt geblieben. Die Frage ist: Welche Rolle spielen pragmatisch zu begreifende Phänomene für das Standarddeutsche? Da die Syntax einer Sprache nicht selbstgenügsam ist, sondern kommunikativen Zwecken dient, steht hier besonders der Zusammenhang von Pragmatik und Syntax zur Debatte.

Trotz der Koexistenz verschiedener Ansätze zur pragmatischen Beschreibung des Deutschen haben sich bislang keine festen Formen übergreifender Zusammenarbeit entwickeln können. So haben die Sprechakttheorie, die Dialoganalyse, die Gesprächsanalyse, die Interaktionale Linguistik, die Gesprochene-Sprache-Forschung, die Funktionale Pragmatik und die Diskursanalyse je eigene Forschungsinteressen, Beschreibungsgegenstände und Methoden. Während etwa die Gesprächsanalyse und die Interaktionale Linguistik induktiv und datengeleitet vorgehen, entwickelt die Dialoganalyse deduktiv mögliche Sequenzmuster des Deutschen. Während die Gesprochene-Sprache-Forschung an einer Grammatik des gesprochenen Deutsch arbeitet, deren Schwerpunkt auf der funktionalen Beschreibung des Vorkommens spezifischer lexikalisch-syntaktischer Einheiten liegt, ist die Funktionale Pragmatik an Organisationsformen sprachlichen Handelns interessiert, an der Rekonstruk-tion sprachlicher Handlungsmuster. Während die Sprechakttheorie von der Regelhaftigkeit allen Sprechens ausgeht und versucht, die Regeln für die kleinsten Einheiten sprachlichen Handelns zu finden und zu beschreiben, widmen sich die verschiedenen Zweige der Diskurslinguistik übergreifenden, sich im Sprachgebrauch verschiedener SprecherInnen manifestierenden inhaltlichen Dimensionen.

So verschieden die Ausrichtungen und Herangehensweisen auch sind, zumindest ein gemeinsames Interesse haben diese Ansätze: die pragmatische Beschreibung des Deutschen. Ob sie von der Beschreibung des Gebrauchs zu Regelmäßigkeiten im Gebrauch vorstoßen, oder ob sie von der Ableitung konversationslogischer Muster zur Ermittlung der Möglichkeiten der sprachlichen Umsetzung dieser Muster kommen – sie alle beschreiben Vorkommen sprachlicher Einheiten des Deutschen unter einer funktionalen Perspektive. In ihrer Verschiedenheit liegt zugleich eine Chance. Wenn diese Ansätze unter einer gemeinsa-men Fragestellung zusammengeführt werden könnten, würde sich deren deskriptives und analytisches Potential verstärkt fruchtbar nutzen lassen.

Eine solche Fragestellung ist insbesondere im Bereich der pragmatischen Beschreibung des Standarddeutschen zu sehen. Gibt es einen pragmatischen Standard des Deutschen? Was ist Standarddeutsch in funktionaler, in pragmatischer Hinsicht? Wie wäre eine pragmatische Standardvarietät des Deutschen zu beschreiben?
Ein wichtiges Arbeitsfeld im Rahmen dieser Fragestellung ist die pragmatische Beschreibung syntaktischer Phänomene. Am weitesten vorgedrungen sind hier bisher die Gesprochene-Sprache-Forschung (vgl. Fiehler 2006, Fiehler et al. 2004, Schwitalla 32006, Hennig 2006, Ágel/Hennig 2006) sowie die Gesprächsanalyse und die Interaktionale Linguistik (vgl. Deppermann/Fiehler/Spranz-Fogasy 2006, Deppermann 2007, Günthner 2005, Günthner/Bücker 2009) mit vielen Studien zu einzelnen sprachlichen Einheiten. Erste Sammelbände haben aber auch die Funktionale Pragmatik (vgl. Hoffmann 2003) und die Sprechakttheorie und Dialoganalyse (Liedtke/Hundsnurscher 2001) hervorgebracht. Als Neuansatz zur globalen syntaktischen Beschreibung wird derzeit vor allem die Construction Grammar nutzbar gemacht (vgl. Deppermann 2006, Günthner/Imo 2006, Imo 2007).

Ein Ziel der Tagung besteht darin, einen Dialog dieser unterschiedlichen Ansätze unter der einenden Fragestellung, wie die Standardvarietät des Deutschen pragmatisch erfasst und mit besonderer Berücksichtigung syntaktischer Phänomene beschrieben werden kann, zu ermöglichen. Als Sektionen sind geplant:

1.) Was ist Standard? (Plenarvortrag: Prof. Dr. W. Peter Klein)

Hier stehen vor allem methodische Fragen im Vordergrund: Nach welchen Kriterien kann eine Varietät als Standard charakterisiert werden? Wie kann die Standardvarietät ermittelt werden? Wer spricht in welchen Situationen Standard? Was ist eine Standardsyntax und wie ist sie zu beschreiben? Wie ist das Verhältnis von Syntax und Pragmatik, wenn beide als Beschreibungsebenen der Standardvarietät angesehen werden?
Die erste Sektion ist der inhaltliche Rahmen für die jeweiligen Kernfragen der weiteren Sektio¬nen. Dort steht die Frage nach dem Profil des sprachlichen Standards für je einen Phänomenbereich im Vordergrund:

2.) Sprechhandlungen (Plenarvortrag: Prof. Dr. Eckard Rolf)
3.) Sequenzen (Plenarvortrag: Prof. Dr. Susanne Günthner)
4.) Gespräche (Plenarvortrag: Prof. Dr. Arnulf Deppermann)
5.) Diskurse (Plenarvortrag: Prof. Dr. Ingo Warnke)

Eine pragmatische Standardsyntax des Deutschen ist nicht nur deskriptiv (theoretisch und empirisch) relevant, sondern auch für viele Anwendungsmöglichkeiten (etwa im Bereich DaF). Dafür ist ebenfalls eine eigene Sektion vorgesehen:

6.) Anwendungsperspektiven

Die Sektionen werden voraussichtlich an drei Tagen stattfinden. Jede Sektion wird mit einem Plenarvortrag eingeleitet. Für die einzelnen Vorträge sind jeweils 20 min Vortragszeit und 10 min Diskussionszeit vorgesehen.

Call for papers:
Bitte reichen Sie Ihre Vortragsvorschläge als PDF-Datei bis zum 30.11.2011 via E-Mail an Sven Staffeldt (sven.staffeldt@uni-wuerzburg.de) ein. Die Abstracts sollten in deutscher Sprache abgefasst und kurz, aber aussagekräftig sein.

Literatur
Ágel, Vilmos und Mathilde Hennig (Hrsg.) (2006): Zugänge zur Grammatik der gesprochenen Sprache. Tübingen: Niemeyer.
Deppermann, Arnulf (2006): Construction Grammar – Eine Grammatik für die Interaktion? – In: Deppermann et al. (Hrsg.). S. 43-65.
Deppermann, Arnulf (2007): Grammatik und Semantik aus gesprächsanalytischer Sicht. Berlin/New York: de Gruyter.
Deppermann, Arnulf, Reinhard Fiehler und Thomas Spranz-Fogasy (Hrsg.) (2006): Grammatik und Interaktion. Untersu-chungen zum Zusammenhang von grammatischen Strukturen und Gesprächsprozessen. Radolfzell: Verlag für Gesprächsfor¬schung.
Fiehler, Reinhard (2006): Was gehört in eine Grammatik gesprochener Sprache? Erfahrungen beim Schreiben eines Kapitels der neuen Duden-Grammatik. – In: Deppermann et al. (Hrsg.). S. 21-41.
Fiehler, Reinhard et al. (2004): Eigenschaften gesprochener Sprache. Tübingen: Narr.
Günthner, Susanne (2005): Grammatikalisierungs-/Pragmatikalisierungserscheinungen im alltäglichen Sprachgebrauch. Vom Diskurs zum Standard? – In: Eichinger, Ludwig M. und Werner Kallmeyer (Hrsg.): Standardvariation. Wie viel Varia¬tion verträgt die deutsche Sprache? ( = IDS-Jahrbuch 2004). S. 28-62.
Günthner, Susanne und Jörg Bücker (Hrsg.) (2009): Grammatik im Gespräch: Konstruktionen der Selbst- und Fremdpositionie¬rung. Berlin/New York: de Gruyter.
Günthner, Susanne und Wolfgang Imo (Hrsg.) (2006): Konstruktionen in der Interaktion. Berlin/New York: de Gruyter.
Hennig, Mathilde (2006): Grammatik der gesprochenen Sprache in Theorie und Praxis. Kassel: Kassel University Press.
Hoffmann, Ludger (Hrsg.) (2003): Funktionale Syntax. Die pragmatische Perspektive. Berlin/New York: de Gruyter.
Imo, Wolfgang (2007): Construction Grammar und Gesprochene-Sprache-Forschung. Konstruktionen mit zehn matrixsatzfähi¬gen Verben im gesprochenen Deutsch. Tübingen: Niemeyer.
Lameli, Alfred (2004): Standard und Substandard. Regionalismen im diachronen Längsschnitt. Wiesbaden: Steiner. ( = Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik – Beihefte; Heft 128).
Liedtke, Frank und Franz Hundsnurscher (Hrsg.) (2001): Pragmatische Syntax. Tübingen: Niemeyer.
Patocka, Franz und Guido Seiler (Hrsg.) (2008): Dialektale Morphologie, dialektale Syntax. Beiträge zum 2. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen, Wien, 20.-23. September 2006. Wien: Praesens.
Schwitalla, Johannes (32006): Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung. Berlin: Schmidt.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/lehrstuehle/lehrstuhl_fuer_deu...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWürzburg
Bewerbungsschluss30.11.2011
Beginn29.02.2012
Ende02.03.2012
PersonName: Sven Staffeldt 
Funktion: Mit-Organisator 
E-Mail: sven.staffeldt@uni-wuerzburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Würzburg, Institut für deutsche Philologie, Sprachwissenschaftliche Abteilung 
Strasse/Postfach: Am Hubland 
Postleitzahl: 97074 
Stadt: Würzburg 
Telefon: 0931 31 88 804 
Fax: 0931 31 81 114 
E-Mail: sven.staffeldt@uni-wuerzburg.de 
Internetadresse: http://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/lehrstuehle/lehrstuhl_fuer_deutsche_sprachwissenschaft/forschung/tagung_pragmatischer_standard/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeGesprächsanalyse / gesprochene Sprache; Grammatik (Wortarten, Flexion, Syntax, Grammatiktheorien, Grammatikographie); Pragmatik (Sprechakttheorie, Implikatur, Handlungstheorien, Historiopragmatik); Soziolinguistik (Varietätenlinguistik, div. Lekte, Register, Code); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Textlinguistik (Textbegriff, Textgrammatik, Textsorten, Hypertexte, Textsortengeschichte)
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