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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Körperbilder in Kunst und Wissenschaft"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelKörperbilder in Kunst und Wissenschaft
BeschreibungInterdisziplinäre Tagung:
KÖRPERBILDER IN KUNST UND WISSENSCHAFT
(Pontresina-St. Moritz, 7.-11. September 2011)

Idee und Konzeption: Wolf Gerhard Schmidt (KU Eichstätt-Ingolstadt) / Simone Schütz-Bosbach (Max-Planck-Institut Leipzig)
Gefördert von: Junge Akademie (JA) und Schering Stiftung

Der Körperdiskurs wird seit dem späten 20. Jahrhundert von vielen Forschungsbereichen thematisiert. In Medizin, Kognitions- und Neurowissenschaften genießt er besondere Aufmerksamkeit, für die Geistes- und Sozialwissenschaften ist er geradezu ›Modethema‹ geworden (was in jüngster Zeit vermehrt zu kritischen Repliken geführt hat). Dennoch fehlt bisher ein systematisch orientierter Versuch interdisziplinärer Synopse, der die kritische Reflexion des in den Einzeldisziplinen Geleisteten bzw. noch zu Leistenden einschließt. Hierbei sind einige übergreifende Frage- und Problemstellungen relevant, die zur interdisziplinären Grundlage der Tagung respektive des Publikationsprojekts (peer reviewed) dienen sollen.

Sowohl in den Geistes- und Sozialwissenschaften als auch in Medizin, Kognitions- bzw. Neurowissenschaften ist eine Abkehr vom cartesianischen Dualismus zugunsten des Paradigmas der ›embodied cognition‹ festzustellen. Denkakt und Kunstproduktion vollziehen sich demnach nicht nur im Körper, sondern auch durch ihn. Offenbar konstruiert das Gehirn aus primären sensorischen Informationen eine höhere, kognitive Körperrepräsentation, wobei deren Verhältnis zum kulturell kodierten Kontext (›sozialer Spiegel‹) bisher kaum ansatzweise bestimmt ist. Obwohl die Körpervorstellungen der verschiedenen Kunst- und Wissenschaftsbereiche entsprechend vielfältig sind, wird durch die noch immer unzureichend geklärte Interferenz von Anthropologie und Sozialität, Selbst- und Fremdbestimmung zugleich ein gemeinsamer Fragehorizont eröffnet:

Wie lassen sich die verschiedenen Körperbilder modernehistorisch (diachron) und interkulturell (synchron) verorten, und zwar mit Blick auf folgenden Nukleus an Aspekten/Tendenzen von Körperlichkeit?

Totalisierung (Ganzheitserfahrung, Organismus-Modell, Diätetik)
Hypostasierung (Extremerfahrung, Grenzerlebnis, Hedonismus)
Künstliche/metaphysische Extension (Prothese, mechanisches Supplement, Transplantation, Transzendenzerfahrung)
Fragmentarisierung (Groteske, Deformation, Entfremdung, Pathologie)
Nivellierung (Vergeistigung, Meditation, Askese)?

Um die Frage- und Problemstellungen aus verschiedener Perspektive zielführend beleuchten zu können, müssen diskursive Schwerpunkte etabliert werden, die fachübergreifend Virulenz besitzen. Gleichzeitig ist jedoch mit Blick auf die genannten Aspekte/Tendenzen zu fragen, ob im Vergleich der einzelnen Forschungsbereiche und ihrer Geschichte ähnliche oder differente Dominanzbildungen begegnen und wie diese Entwicklungen metatheoretisch zu erklären bzw. für den Wissenschaftsdiskurs der Einzeldisziplinen fruchtbar zu machen sind. Die Tagung gliedert sich vor diesem Hintergrund in sechs Sektionen, die bewusst interdisziplinär orientiert sind:


Programm


Mittwoch, 07.09.

14.30 Uhr
Empfang und Imbiss

15.30 Uhr
Begrüßung durch die »Junge Akademie« (JA)


SEKTION I: KÖRPER UND KOGNITION

15.45 Uhr
Simone Schütz-Bosbach (Kognitions-/Neurowissenschaft, Leipzig – JA):
Vom Körper zum Selbst – Eine neurokognitive Perspektive

16.30 Uhr
Thomas Metzinger (Neurophilosophie, Mainz):
Der Körper und das Selbst: Drei Stufen von Embodiment

17.15 Uhr
Kaffeepause

17.45 Uhr
Peter König (Neurobiopsychologie, Osnabrück):
Wahrnehmung benötigt Handlung

18.30 Uhr
Peter Brugger (Neuropsychologie, Zürich):
Phantomologie: Zur virtuellen Realität von Körper und Welt

19.30 Uhr
Abendessen


Donnerstag, 08.09.

SEKTION II: KÖRPER UND IDENTITÄTSBILDUNG

08.30 Uhr
Karl Sperling (Humangenetik, Berlin):
»Es kommt alles aus mir selbst«:
Die Rolle von Erbe und Umwelt am Beispiel der Kunst

09.15 Uhr
Gerhard Lauer (Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Kunstanthropologie, Göttingen – Göttinger Akademie der Wissenschaften):
Hinter den Spiegeln des Körpers. Wie wir Geschichten teilen

10.00 Uhr
Kaffeepause

10.30 Uhr
Olaf Blanke (Kognitive Neurowissenschaft, Lausanne):
Selbstportraits in Wissenschaft und Bildender Kunst

11.15 Uhr
Martin Huber (Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Kunstanthropologie, Bayreuth):
Erlesene Körper. Stimme und Selbstkonzept in der Literatur

12.00 Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
Axel Hübler (Anglistische Sprachwissenschaft, Jena):
Der Körper im Gespräch. Kognitive und soziale Bestimmungen seines Spielraumes

14.45 Uhr
Magdalena Nowicka (Soziologie, München – JA) und Eva Tolasch (Soziologie, München):
(Un)fassbarer Körper – Frauen erzählen von ihrer Schwangerschaft

15.30 Uhr
Kaffeepause


SEKTION III: KÖRPER UND ÄSTHETIK

16.00 Uhr
Ernest W.B. Hess-Lüttich (Linguistik/Kulturwissenschaft, Bern):
Körper, Bild und Sprache: Über Kunst-Werke als Texte – oder: die wechselseitige Inspiration ästhetischer Semiosen

16.45 Uhr
Monika Schmitz-Emans (Komparatistik, Bochum):
Schrift als Spur: Spielformen und Semantisierungen eines poetologischen Konzepts im Kontext wechselnder Körperdiskurse und ästhetischer Programme

17.30 Uhr
Kaffeepause

18.00 Uhr
Kirill Dmitriev (Arabistik, Berlin – JA):
Körper als Emotion. Literarische Körperbilder der altarabischen Dichtung

18.45 Uhr
Cornelia Logemann (Kunstgeschichte/Kulturwissenschaft, Heidelberg):
Von gescheiterten Bildern: Frederick MacMonnies Civic Virtue und der allegorische Körper in der amerikanischen Kunst der 1920er Jahre

19.30 Uhr
Abendessen


Freitag, 09.09.

SEKTION IV: KÖRPER UND DISZIPLIN / VERAUSGABUNG

08.30 Uhr
Liselotte Fonseca (Politische Psychologie, Hamburg):
Fleischgewordene Transzendenz des totalen Körpers
Körper und Leben als »Beschränkung von Freiheit«

09.15 Uhr
Peter J. Bräunlein (Religionswissenschaft/-pädagogik, Bremen):
Passion und Transformation –
Über christliche Rituale des Schmerzes

10.00 Uhr
Kaffeepause

10.30 Uhr
Wolf Gerhard Schmidt (Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Musikwissenschaft, Eichstätt-Ingolstadt – JA):
Der Körper des Musikers: Gefühlloses Werkzeug oder Universalsensorium?
Zur Interferenz von Askese und Exzess im deutschsprachigen Gegenwartsroman

11.15 Uhr
Harald Schmid (Leichtathletik/Sportmanagement, Hasselroth):
Der Körper des Sportlers im Hochleistungsbereich
Ein Gespräch mit Wolf Gerhard Schmidt

12.00 Uhr
Fahrt per Standseilbahn zum Romantik-Hotel Muottas Muragl (2453 m) mit anschließender Wanderung zur Segantinihütte auf dem Schafberg (2731 m)

19.30 Uhr
Abendessen


Samstag, 10.09.

SEKTION V: KÖRPER UND KULTURGESCHICHTE

08.30 Uhr
Andreas Kablitz (Romanistik/Komparatistik, Köln – Leopoldina):
Die Präsenz des Körpers im Denkens Alteuropas

09.15 Uhr
Klaus Oschema (Mittelalterliche Geschichte, Heidelberg/Bern – JA):
Die ganze Person –
der Körper als Medium der Authentizität in der mittelalterlichen Gesellschaft

10.00 Uhr
Kaffeepause

10.30 Uhr
Rebekka von Mallinckrodt (Neuere Geschichte, Berlin – JA):
Der Körper als Erkenntnisinstrument in der frühneuzeitlichen Wissenschaft


SEKTION VI: KÖRPER UND KUNSTPRAXIS

11.15 Uhr
Bettina Bläsing (Sportwissenschaft/Biomechanik, Bielefeld):
Repräsentationen von Körper und Bewegung in Tanz und Wissenschaft

12.00 Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
Jens Wawrczeck (Schauspieler/Synchronsprecher, Hamburg):
Der ›unkörperliche‹ Körper. Über die Arbeit am Mikrophon
Ein Gespräch mit Wolf Gerhard Schmidt

14.45 Uhr
Hans Pleschinski (Schriftsteller, München):
An diesem Schenkel möcht’ ich ruhen. Ein Essay

16.00 Uhr
Besuch des Nietzsche-Hauses (Sils Maria)

19.30 Uhr
Abendessen


Sonntag, 11.09.

08.30 Uhr
Peter Gülke (Dirigent/Musikwissenschaft, Berlin – Präsident der Sächsischen Akademie der Künste):
Schwerarbeit und »Vogelflug«: Carlos Kleiber dirigiert
Ein Gespräch mit Jens Malte Fischer (Theater-/Kulturwissenschaft – Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur)

09.15 Uhr
Wolfgang Brendel (Opernsänger/Bariton, München):
Der Sänger auf der Bühne. Stimme und Körper
Ein Gespräch mit Jens Malte Fischer

10.00 Uhr
Abschlussdiskussion

11.00 Uhr
Ende der Tagung / Abreise


Kontakt:
PD Dr. Wolf Gerhard Schmidt
E-mail: wolf.schmidt@ku-eichstaett.de
Web: http://www.diejungeakademie.de/arbeitsgruppen/template.php?id_agtitel=51&id_tmpl=194&ttyp_s=0&nav=159

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPontresina-St. Moritz
Anmeldeschluss15.08.2011
Beginn07.09.2011
Ende11.09.2011
PersonName: PD Dr. Wolf Gerhard Schmidt 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: wolf.schmidt@ku-eichstaett.de 
KontaktdatenName/Institution: PD Dr. Wolf Gerhard Schmidt / KU Eichstätt-Ingolstadt / SLF Germanistik - NDL 
Strasse/Postfach: Universitätsallee 1 
Postleitzahl: D-85072  
Stadt: Eichstätt 
Telefon: 08421/931519 
Fax: 08421/931797 
E-Mail: wolf.schmidt@ku-eichstaett.de 
Internetadresse: http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/SLF/Germanistik/deutschlitwi/Mitarbeiter/Wolf%20Gerhard%20Schmidt.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeSprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Sprachphilosophie / Kommunikationstheorie (Sprachtheorie, Sprachbegriffe); Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortKörperlichkeit, Körperrepresentation
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/20995

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