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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "„Ins Tal der Schatten“. Patrick Roths Schreiben zwischen Hölderlin und Hollywood"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
Titel„Ins Tal der Schatten“. Patrick Roths Schreiben zwischen Hölderlin und Hollywood
Beschreibung„Ins Tal der Schatten“
Patrick Roths Schreiben zwischen Hölderlin und Hollywood
Wissenschaftliche Tagung im Deutschen Literaturarchiv Marbach am 29./30. Juni 2007

Auf den Schriftsteller Patrick Roth trifft zu, was einer dem Formalismus und der Theorie ergebenen Literaturwissenschaft noch nie geheuer war: die Einheit von Leben und Werk. Begebenheiten des eigenen Lebens sind Stoff des Werkes, eingeschrieben ist allem Erzählten die Erfahrung des Erzählers, der autobiographische Züge trägt. Man fühlt sich an Michel Foucault erinnert, der einmal schrieb: „Das Werk eines Schriftstellers sind nicht einfach seine Bücher, das, was er publiziert; sein Hauptwerk ist letztlich er selbst, der seine Bücher schreibt.“ Das Werk Patrick Roths ist eng mit seinem Leben verknüpft, nicht weil das Werk das individuelle Leben eins zu eins übersetzt, sondern weil die Person Teil des Werkes ist, ihm untersteht. Das Werk ist mehr als das Werk, es umfaßt das Leben. Die Prozesse, denen die Person unterliegt, die Bilder und Erfahrungen, die ihr zustoßen, bevor sie ins Werk Eingang finden, sind unter der subjektiven Oberfläche von universalem Charakter: Exemplarische, wiederkehrende Muster liegen ihnen zugrunde, die jedes Individuum in sich trägt. Es sind diese archetypischen, grenzüberschreitenden Bilder und Konstellationen, die das Werk Patrick Roths strukturieren. Aufgrund ihres mythologischen Charakters, ihrer allgemeinen Gültigkeit vermögen sie, an die Erfahrungen der Leser und über sie an die „Urgründe des Lebens“ (C.G. Jung) anzuschließen.
Nicht von ungefähr knüpft Patrick Roth seine Poetik ans mythische Modell des Orpheus und seinen legendären Abstieg in die Unterwelt, Eurydike zu retten. Der Gang ins „Tal der Schatten“ beschreibt die Introversion des Bewußtseins in die tiefen Schichten der Psyche. Sie enthalten die „toten“ (unbewußten) Seelenbilder und Grunderfahrungen, die vom Autor gesammelt, d.h. erinnert werden, um sie im Licht des Bewußtseins schreibend wieder zum Leben zu erwecken: „Denn darin besteht das Werk - und es vollzieht sich also gleichzeitig an ihm, der es ausführt, und am Stoff, den er aufführt.“ [Ins Tal der Schatten]
Der Dialog mit dem Unbewußten ist das Fundament der schriftstellerischen Arbeit, die selbst durch einen Traum begründet wurde. Im Dokumentarfilm „In My Life“, einer 12-Stationen-Reise zurück zu seinen amerikanischen Anfängen, erzählt Patrick Roth, wie dieser Traum 1978 ins Leben eingriff und es nachhaltig veränderte. Seitdem umkreist sein Schreiben diese Urszene, die sich immer wieder neu manifestiert - als latent wirkende, die Banalität der Wirklichkeit aufsprengende numinose Macht. Alle seine Helden leben in einer Welt, in der Innen und Außen sich für Momente verschränken, ein Göttliches in die Welt der Erscheinungen bricht, und das symbolische Leben der Seele genauso real wird wie die konkrete Wirklichkeit. Es sind Momente des „Dissolve“, in denen Bereiche, die der analytische Verstand als different und gegensätzlich qualifiziert, sich in Schichten simultan überlagern, Hölderlin auf dem Hollywood-Boulevard erklingt und plötzlich klar wird: „Es gibt keine Trennung zwischen den Welten, das ist das Geheimnis“ [Zur Stadt am Meer]

Die Tagung nähert sich dem Werk Patrick Roths aus Perspektiven, die sein Schreiben inspirieren. Sie fragt aus literaturwissenschaftlicher, theologischer, filmwissenschaftlicher und tiefenpsychologischer Sicht nach dem Transzendenzbezug, den darstellerischen Mitteln, die die andere Sicht auf Wirklichkeit ermöglichen, und nach der Funktion der Evokation von Sinnpotentialen für die kulturelle Gegenwart.


Freitag, 29. Juni 2007

9.15 - 9.30 Uhr
Begrüßung
Prof. Dr. Ulrich Raulff, Marbach / PD Dr. Michaela Kopp-Marx, Heidelberg

9.30 - 10.15 Uhr
PD Dr. Dirk von Petersdorff (Saarbrücken)
„Als ich aufsah, stand der Engel im Zimmer“. Religiöse Vorstellungsformen in der Gegenwartsliteratur

10.15 - 11.00 Uhr
PD Dr. Lothar van Laak (Bielefeld)
Alchemie und Mythos. Patrick Roth und die literarische Tradition der Romantik

Kaffeepause

11.15 - 12.00 Uhr
PD Dr. Martin Gessmann (Heidelberg)
„Das Eine-im-Anderen“. Patrick Roths Philosophie des „Dissolve“

12.00 - 12.45 Uhr
Prof. Dr. Jochen Hörisch (Mannheim)
Medien und Formen. Zum Rendezvous von Erzählung und Film im Werk Patrick Roths

[Moderation: PD Dr. Michaela Kopp-Marx]

Mittagessen
14.30 - 15.15 Uhr
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Schwab (Münster)
Patrick Roths frühe Hörspiele und szenische Arbeiten

15.15 - 16.00 Uhr
Prof. Dr. Michael Braun (Bonn)
Erinnerung und Mythos in „Johnny Shines“

Kaffeepause

16.15 - 17.00 Uhr
Prof. Dr. Oliver Jahraus (München)
Epiphanie als Medienereignis. Patricks Roths Brief an „Chaplin“ und seine Medienpoetik

17.00 - 18.00 Uhr
Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster)
„The Boxer“ und „The Killers“. Zwei frühe Kurzfilme von Patrick Roth

[Moderation: Prof. Dr. Helmuth Kiesel]

Abendessen


Abendveranstaltung
20.00 Uhr Filmvorführung und Gespräch
„In My Life - 12 Places I Remember“
Elektronisches Tagebuch. Drehbuch und Regie: Patrick Roth, ZDF 2006.
Diskussion mit Patrick Roth, Thomas Hocke, Michaela Kopp-Marx
Moderation: Jan Bürger


Fortsetzung Tagung
Samstag, 30. Juni 2007

9.15 - 10.00 Uhr
PD Dr. Michaela Kopp-Marx (Heidelberg)
Sehnsucht nach Erneuerung. Das Prinzip der Liebe in „Die Nacht der Zeitlosen“

10.00 Uhr - 10.45 Uhr
Prof. Dr. Susanne Sandherr (München)
„No restauration“. Patrick Roths Erzählung „Mulholland Drive: Magdalena am Grab“

Kaffeepause

11.00 - 11.45 Uhr
Lic. phil Eva Wertenschlag-Birkhäuser (Bern)
Der „große Traum“. Eine tiefenpsychologische Annäherung an „Starlite Terrace“

11.45 - 13.00 Uhr
Prof. Dr. Gerhard Kaiser (Freiburg)
Das Erzählen ist die Handlung. Zur Erzählung „Der Mann an Noahs Fenster“ aus „Starlite Terrace“

[Moderation: Dr. Jan Bürger]


13.00 - 13.30 Uhr
Lesung
Patrick Roth liest aus „Corpus Christi“


Mittagessen


Die Tagung ist öffentlich, die Teilnahme kostenlos. Eintritt Abendveranstaltung: 5.- /3.-

Um Voranmeldung wird gebeten:
Deutsches Literaturarchiv
Frau Birgit Wollgarten
Fax: 07144 - 848-490
Email: wollg@dla-marbach.de

Anfahrtsweg und Anreise:
www.dla-marbach.de/informationen_fuer_besucher/anfahrtsweg_und_anreise/index.html


Kooperationsveranstaltung

Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
Hauptstr. 207-209
69117 Heidelberg
PD Dr. Michaela Kopp-Marx
Tel. 0621 - 15 37 16
Email: michaela.kopp-marx@gs.uni-heidelberg.de

Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8-10
71672 Marbach am Neckar
Tel. 07144 - 848-0
Email: info@dla-marbach.de


Die Tagung wird gefördert durch die Konrad-Adenauer-Stiftung


Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Tagung werden 2008 im Verlag
Königshausen & Neumann, Würzburg veröffentlicht.


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMarbach
Beginn29.06.2007
Ende30.06.2007
PersonName: Michaela Kopp 
Funktion: Information 
E-Mail: michaela.kopp-marx@gs.uni-heidelberg.de 
KontaktdatenName/Institution: Deutsches Literaturarchiv Marbach 
Strasse/Postfach: Schillerhöhe 8-10 
Postleitzahl: 71672  
Stadt: Marbach am Neckar 
Telefon: +49 (0)7144 - 848-0 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Klassifikation19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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