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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Experimentalanordnungen der Bildung: Exteriorität – Theatralität – Literarizität"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelExperimentalanordnungen der Bildung: Exteriorität – Theatralität – Literarizität
BeschreibungInternationales und interdisziplinäres Symposium,
23. - 25. Juni in Erfurt, veranstaltet vom "Forum: Texte.Zeichen.Medien" der Universität Erfurt

Noch in aktuellen Debatten, die die Bildung eines Menschen im Spannungsfeld von extrinsischer intentionaler oder funktionaler Bestimmtheit einerseits, intrinsischer Prozessualität andererseits verhandeln, findet sich ein alter Gegensatz: der Gegensatz zwischen äußerer, fremdbestimmter Instruktion und innerer, autonomer Bildung des (jungen) Menschen, wie er im abendländischen philosophisch-pädagogischen Diskurs schon früh ausgebildet wurde. Dieser Gegensatz, der sich historisch und sprachlich-kulturell spezifisch strukturiert zeigt, ist ein maßgeblicher Faktor jenen Wissens von den menschlichen „Entwicklungsmöglichkeiten“, das die Humanwissenschaften seit dem 18. Jahrhundert erarbeitet haben. So unterscheidet etwa Rousseau um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Begriffe institution bzw. instruction, die Verstand (raison) und Tugend (vertu) des Zöglings schulen sollten, von éducation, die in einem früheren Entwicklungsstadium allein gewährleiste, dass seine Natur ungestört von kulturellen Einflüssen zur Entfaltung kommt. Im deutschsprachigen Raum wird während der Aufklärung das „rein Geistige“ mit den lediglich praktischen Dingen der Erziehung konfrontiert und diesen gegenüber zunehmend positiv bewertet. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird der Erziehung als äußere, monologische Instruktion im Dienst von Ökonomie und Nützlichkeit in der deutschen Diskussion jene Bildung entgegengesetzt, die „etwas zugleich Höheres und mehr Innerliches“ (W. v. Humboldt) als lediglich Civilisation oder Cultivirung sein sollte und als autonomer und dialogischer Prozess der Bildung des autonomen Selbst Karriere machte.

Im Symposium sollen solche Konstrukte von Bildung, wie sie sich zu verschiedenen Zeiten und in den verschiedenen Sprachbereichen unterschiedlich ausgeprägt haben, untersucht werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese Konstrukte wesentlich durch Experimentalanordnungen profiliert sind, in denen und als die sich der Bildungsprozess eines Zöglings darstellt. Unter Berücksichtigung neuester Forschungsergebnisse zu „Experiment“ im Allgemeinen und „Menschenversuchen“ im Besonderen sollen darum Experimentalanordnungen der Bildung in ihrer historischen, sprachlichen, kulturellen und medialen Spezifik analysiert werden, um Aufschluss darüber zu gewinnen, inwiefern ein inneres Bildungsgeschehen nicht nur im Spannungsverhältnis zu äußerlicher Erziehung steht, sondern immer schon auf Äußerlichkeit, Rahmungen, Anordnungen oder Theatralität, wie sie die experimentelle Situation ausmachen, angewiesen ist. Um dies in transnationaler und interphilologischer Perspektive sowie im Austausch der Disziplinen diskutieren zu können, nehmen an dem Symposium in Erfurt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der romanistischen, anglistischen, slawistischen, germanistischen sowie der allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaften, der Medienwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte und Pädagogik aus den USA und Europa teil.

Organisation: Bettine Menke und Thomas Glaser

Weitere Informationen unter:
www.uni-erfurt.de/literaturwissenschaft/experimentalanordnungen-der-bildung

Kontakt: thomas.glaser@uni-erfurt.de

Tagungsplan

Donnerstag, 23.06.20011

15.00 – 20.00 Coelicum

Einführung, Begrüßung (Bettine Menke)

Sektion I: Regel – Spiel

Christophe Martin: "Faire violence à la nature"? Éducation négative et tentation expérimentale dans l'Émile

Christian Huck: Experimentelle Bildung im Medium des Romans. Jane Barkers 'A patch-Work screen for the ladies' (1723)

Anja Lemke: Das Drama der politischen Bildung – Lykurg um 1800

Daniel Müller-Nielaba: "Ich wünsche, dass dieser sonderbare Versuch gelingen möge" - Das Bildungsexperiment "Wilhelm Meister"

Freitag, 24.06.2011

9.30 – 13.00 Coelicum

Martin Jörg Schäfer: Die Theatralität des Philantropismus. Salzmanns Exempel

Maud Meyzaud: Erziehung zur Erregung. Zur republikanischen Bildung des Marquis de Sade

Annina Klappert: Zurückgezogene Erzieher. Bildungsanordnungen bei E.T.A. Hoffmann

14:30 – 18:00 Coelicum: Seminarraum 1

Sektion II: Kontrolle – Desaster

Thomas Glaser: Disziplinierte Töchter 1790/1852. Bildungsversuche aus väterlicher Rache in Schillers "Menschenfeind" und Stifters "Turmalin"

Annette Keck: Von Monstern, Wechselbälgern und großen Häuptern: Experimentelle (Miss‑)Bildungen der Literatur im 19. Jahrhundert

Michael Gamper: "Mir war, als gingen mir neue Kenntnisse auf". Bildungsversuche in Adalbert Stifters "Nachsommer"

18:30 – 19:30 Coelicum

Eva Geulen: Reihen-Bildung bei Goethe

Samstag, 25.06.2011

9.30 – 12.30 Coelicum

Sektion III: Anpassung - Kontingenz

Elisabeth Strowick: „Wolkenbildung“. Goethes experimentelle Bewegungsstudien und Aggregate des Literarischen

Dietmar Schmidt: "Assimilations-Experimente. Oskar Panizza liest Karl Marx"

Markus Rieger-Ladich: Mangelnde "Tatbestands-Gesinnung". Organisation als blinder Fleck des pädagogischen Diskurses

14:00 – 17:00 Uhr Coelicum: Seminarraum 1

Stefan Rieger: Erziehung zur Spaltung. Zur Ökonomie des Multi-Tasking

Hans-Christian von Herrmann: "Von Mäusen und Menschen. Optische und taktile Rezeption in Computerspielen

Nils Plath: 'Bildung auf verlorenem Posten': zu Alexander Kluges Erziehungs-Zeit-Nacherzählungen in Prosa und Film
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.uni-erfurt.de/literaturwissenschaft/experimentalanordnungen...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortErfurt
Beginn23.06.2011
Ende25.06.2011
PersonName: Thomas Glaser 
Funktion: PostDoc im Forum: Texte. Zeichen. Medien 
E-Mail: thomas.glaser@uni-erfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Erfurt, Allg. und vergl. Literaturwissenschaft 
Strasse/Postfach: Nordhäuser Straße 63 
Postleitzahl: 99089 
Stadt: Erfurt 
Telefon: 0361 737 4210 
Internetadresse: www.uni-erfurt.de/literaturwissenschaft/experimentalanordnungen-der-bildung 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationstheorie; Rhetorik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 12.00.00 18. Jahrhundert; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.08.00 Aufklärung; 13.00.00 Goethezeit; 14.00.00 Romantik; 15.00.00 19. Jahrhundert; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945)
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