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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Verwandtschaft im Konflikt. Literarische Konzeptionen von Zugehörigkeit zwischen Kirche und Aristokratie im Mittelalter"
RessourcentypCall for Papers
TitelVerwandtschaft im Konflikt. Literarische Konzeptionen von Zugehörigkeit zwischen Kirche und Aristokratie im Mittelalter
BeschreibungVerwandtschaft im Konflikt. Literarische Konzeptionen von Zugehörigkeit zwischen Kirche und Aristokratie im Mittelalter

Workshop am 25. November 2011 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Veranstaltet vom Frankfurter Leibniz-Projekt „Verwandtschaft in der Vormoderne. Institutionen und Denkformen intergenerationeller Übertragung“ (www.verwandtschaftsforschung.de)

In den letzten beiden Dekaden hat sich die mediävistische Literaturwissenschaft vermehrt mit der Frage befasst, wie in fiktionalen mittelalterlichen Texten das Verhältnis verwandtschaftlich bestimmter Zugehörigkeiten zu konkurrierenden Konzepten von Zugehörigkeit verhandelt wird (z.B. Strohschneider, Kiening).

Die Frage nach konkurrierenden Zugehörigkeiten ist besonders dadurch zu einer Herausforderung geworden, dass die sozialhistorische Forschung ihre Vorstellungen von der Geschichte der Verwandtschaft im Mittelalter zur Zeit einer Revision unterzieht. Erörtert werden die Konsequenzen der Annahme, dass die lateinischen Gesellschaften von der Karolingerzeit bis ins 15./16. Jahrhundert entschieden anders organisiert waren, als sich dies noch Georges Duby vorgestellt hatte. Als spezifisch lateineuropäische Organisation des Sozialen zeichnet sich für das gesamte Mittelalter eine fundamentale Schwäche verwandtschaftlicher Strukturen ab. Dieser Schwäche steht seit dem hohen Mittelalter eine starke diskursive Präsenz der Verwandtschaft in der Aristokratie gegenüber. Sinngeber dieser kulturellen Formation war das Christentum, das die Abstammung ‚dem Fleische nach’ nie prämiert hat. Gegenüber dem Interesse an der Stabilität ausgedehnter verwandtschaftlicher Netzwerke bevorzugte die Kirche theologisch und rechtlich zölibatäre Lebensformen und die lebenslange Einheit des ehelichen Paares (grundlegend: Goody, Mitterauer).

Während sich die Kirche vom Modell der Verwandtschaft zugunsten stärker inkludierender Zugehörigkeitskategorien distanzierte, verwendete die laikale Gesellschaft Verwandtschaft affirmativ als exkludierende Denkfigur in einem Elitendiskurs. Joseph Morsel zufolge handelt es sich bei einer Vielzahl von aristokratischen Zugehörigkeitsdarstellungen, die zunächst einer Logik der Verwandtschaft zu folgen scheinen, tatsächlich um Repräsentationen der Konzentration von Herrschaft und um Strategien der Elitenbildung.

Mithin wird Verwandtschaft einerseits in der höfischen Gesellschaft ablehnend als Hindernis auf dem Weg zu einer umfassenden Gemeinschaft von Gläubigen gedacht, andererseits als nützliches Mittel weltlicher Machtkonzentration.

Vielversprechende Perspektiven auf das Phänomen verwandtschaftlicher Repräsentation in einer verwandtschaftlich nur schwach strukturierten Gesellschaft bietet die Literaturwissenschaft. Besonders deutlich sichtbar werden die Spannungen und Konflikte zwischen geistlichen und weltlichen Auffassungen von Verwandtschaft an literarischen Schnittstellen, an denen kirchliche und aristokratische Orientierungen aufeinanderprallen.

Der Workshop erkundet die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen in erzählenden Texten des 12. und 13. Jahrhunderts Verwandtschaft als Denkfigur dieser beiden entgegengesetzten Gebrauchsweisen literarisch entfaltet wird. Wie werden Ehe- und Liebespaare zwischen diesen beiden Modellen positioniert? Auf welche Weise und mit welchen Mitteln werden Konflikte um die Ansprüche und Aporien von Verwandtschaft zwischen Kirche und Aristokratie im Medium fiktionaler Literatur ausgetragen?

Senden Sie Vorschläge (500-600 Wörter) bitte bis zum 30. Juli 2011 an Astrid Lembke (lembke@lingua.uni-frankfurt.de). Beiträge aus allen europäischen Philologien sind willkommen.

Reise- und Aufenthaltskosten der Teilnehmenden werden vom Leibniz-Projekt übernommen. Die Veröffentlichung einer Auswahl der Ergebnisse des Workshops in einem Sammelband ist geplant.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Bewerbungsschluss30.07.2011
Beginn25.11.2011
Ende25.11.2011
PersonName: Astrid Lembke 
Funktion: Koordinatorin 
E-Mail: Lembke@lingua.uni-frankfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Historisches Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main 
Strasse/Postfach: Grüneburgplatz 1 
Postleitzahl: 60629 
Stadt: Frankfurt am Main 
Telefon: 069-798-32323 
Fax: 069-798-32425 
Internetadresse: www.verwandtschaftsforschung.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1150 - 1300; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 06.00.00 Mittelalter; 08.00.00 Hochmittelalter
Ediert von  H-Germanistik
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