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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Das Dämonische. Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDas Dämonische. Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit
BeschreibungDas Dämonische
Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit

Organisation:
Lars Friedrich/Eva Geulen/Kirk Wetters

Kontakt: sekretariat.geulen@uni-bonn.de

Großer Beliebtheit und Aktualität erfreut sich das Dämonische gegenwärtig im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sowie in der Architektur von Computerspielwelten. Hier wie dort erscheinen Dämonen als Zwischenwesen, die weder der göttlichen noch der menschlichen Sphäre eindeutig zuzuordnen sind, aber gerade dadurch beide Bereiche zu einer Konstellation zusammentreten lassen können – häufig mit fatalen Folgen. In solchen Zwischenzonen und Schwellenbereichen sind dämonische Figuren auch in theologisch-philosophischen und kulturhistorischen Kontexten von jeher heimisch gewesen. Angesichts der derzeitigen Konjunktur von Ambivalenztheorien, eines neu erwachten Interesses am politisch-theologischen Erbe (Sloterdijk, Agamben, Žižek) und genereller Neugier gegenüber Mischwesen (Engel, Androiden, Monster und andere ‚Hybride‘) muss verwundern, dass das Dämonische bisher unbefragt geblieben ist, obwohl gerade diese Kategorie in der Moderne immer wieder aufgenommen wurde und, gewissermaßen selbst dämonisch, ihr Wesen oder Unwesen in der Literatur und der Theoriebildung getrieben hat: bei Goethe und Dostojewski, bei Doderer und Benjamin, Joyce, Thomas Mann und Bulgakov, bei Lukács und Blumenberg. Eine entsprechend interdisziplinär orientierte Untersuchung des Dämonischen fehlt allerdings bis heute. Paul Tillichs 1923 publizierte Studie ist der letzte Versuch, sich der Kategorie des Dämonischen in systematischer Absicht zu nähern; mit Hans Blumenbergs Goethe-Deutung in „Arbeit am Mythos“ (1979) scheint die Reflexion über das Dämonische vorläufig abgebrochen zu sein. Auch im Licht der Selbstverständlichkeit, mit der Dämonen im Rahmen eines allgemeinen Bedürfnisses nach Esoterik die nicht-wissenschaftliche Umwelt derzeit bevölkern, gibt es hier Nachholbedarf. Die abgebrochene Diskussion ist aufzunehmen und zu vertiefen mit dem Ziel, eine vernachlässigte, oft latente, aber offenbar bis in die jüngste Gegenwart relevante Kategorie neu in den Blick zu rücken.

Programm:

7. Juli 2011 (Uni-Club Bonn, Konviktstr. 9, 53113 Bonn)

16.00-16.30 Eva Geulen (Bonn): Einführung

Sektion I: Grenzen des Dämonischen (Diskussionsleitung: Kirk Wetters, Yale/Bonn)

16.30-17.30 Georg Essen (Nijmegen): „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“. Das Dämonische als Thema christlicher Theologie

17.30-18.30 Bettina Schlüter (Bonn): daemon.exe - Szenarien von Dienst und Herrschaft im 21. Jahrhundert

Festsaal Uni-Bonn (Hauptgebäude)
19:00: Festvortrag von Rüdiger Campe (Yale) anlässlich der Verleihung des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung:
Das Argument der Form in Friedrich Schlegels „Gespräch über Poesie“. Eine Wende im Wissen der Literatur

8. Juli 2011 (Uni-Club Bonn)

Sektion II: Konstellationen des Dämonischen (Diskussionsleitung: Elke Dubbels, Bonn)

9.30-10.30 Peter Geimer (Berlin): Das „Rätsel aufgebende Ungeheuer“. Bilder der Sphinx

10.30-11.00 Kaffeepause

11.00-12.00 Vivian Liska (Antwerpen) Eudaimonia und Melancholie. Über das Dämonische in Walter Benjamins „Agesilaus Santander“

12.00-13.00 Arne de Winde (Leuven/Gent): Die Physiognomik des Dämonischen: Wilhelm Fraengers „Bildlektüren“

13.00-14.30 Mittagspause

Sektion III: Techniken des Dämonischen (Diskussionsleitung: Stephan Kraft, Bonn)

14.30-15.30 Rüdiger Campe (Yale): Der Dämon im System: Pierre Simon de Laplace

15.30-16.30 Hans-Christian von Herrmann (Berlin): Die Figur des Laplace’schen Dämons in der Technikphilosophie Max Benses

16.30-17.00 Kaffeepause

Sektion IV: Klassiker des Dämonischen (Diskussionsleitung: Christoph Brecht, Bonn)

17.00-18.00 Cornelia Zumbusch (München): Der durchkreuzte Wunsch. Dämonische Texturen in Goethes Romanen

18.00-19.00 Roland Borgards (Würzburg): Morphologie, Dämonologie, Zoologie. Goethes poetische Tierwelt

20.00 Gemeinsames Abendessen der Tagungsteilnehmer

9. Juli 2011 (Festsaal Uni Bonn)

Sektion V: Literarische Dämonologie (Diskussionsleitung: Christian Meierhofer, Bonn)

10.00-11.00 Daniel Weidner (Berlin): „Ungeheure Gespenster am mitternächtlichen Himmel“. Heinrich Heines Dämonen am Ende der Literatur

11.00-12.00 Lars Friedrich (Bonn): Das dämonische Werktheater. Hofmannsthals Selbstinterpretationen

12.00-13.30 Mittagspause

Sektion VI: Medien des Dämonischen (Diskussionsleitung: Lars Friedrich, Bonn)

13.30-14.30 Ethel Matala de Mazza (Berlin): Schneegestöber und Abfall. Residuen des Dämonischen in Siegfried Kracauers Essay über die Photographie

14.30-15.30 Harun Maye (Weimar): Das Dämonische der Kultur bei Thomas Mann und Oswald Spengler

15.30-16.00 Kaffeepause

Sektion VII: Chronik des Dämonischen (Diskussionsleitung: Eva Geulen, Bonn)

16.00-17.00 Rudolf Helmstetter (Erfurt): Tangentiale Dämonologie. Zum Dämonischen bei Heimito von Doderer

17.00-18.00 Kirk Wetters (Yale/Bonn): Dämonische Erbschaften und Erbschaften des Dämonischen in Heimito von Doderers „Die Dämonen“

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBonn
Beginn07.07.2001
Ende09.07.2011
PersonName: Dr. Christian Meierhofer 
Funktion: Akademischer Rat 
E-Mail: meierhofer@uni-bonn.de 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Christian Meierhofer, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 
Strasse/Postfach: Am Hof 1d 
Postleitzahl: 53113 
Stadt: Bonn 
Telefon: 0228-737880 
E-Mail: meierhofer@uni-bonn.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
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