VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Aussiger Beiträge 6 (2012): National – postnational – transnational? Neuere Perspektiven auf die deutschsprachige Gegenwartsliteratur aus Mittel- und Osteuropa"
RessourcentypCall for Papers
TitelAussiger Beiträge 6 (2012): National – postnational – transnational? Neuere Perspektiven auf die deutschsprachige Gegenwartsliteratur aus Mittel- und Osteuropa
BeschreibungAussiger Beiträge 6 (2012) – Themenschwerpunkt:

National – postnational – transnational? Neuere Perspektiven auf die deutschsprachige Gegenwartsliteratur aus Mittel- und Osteuropa

Die Tendenzen und Entwicklungslinien innerhalb der Literatur eingewanderter AutorInnen können in Bezug auf unterschiedliche Koordinatensysteme beobachtet und analysiert werden. Einerseits sind sie gekoppelt an neuere Kulturkonzepte, die den veränderten politischen, sozialen, wirtschaftlichen und demographischen Bedingungen der letzten Jahrzehnte, u.a. der Durchlässigkeit der Grenzen, der Mobilität und der zunehmenden sozialen Heterogenität gerecht zu werden versuchen. Für die Vermischung von Kulturelementen und die gegenseitige Beeinflussung werden Konzepte und Theoreme von globaler ›Melange‹ (S. Rushdie), ›Kreolisierung‹ (U. Hannerz), ›kulturellem Synkretismus‹ (M. Canevacci), ›globaler Crossover-Kultur‹ (J. Nederveen Pieterse), ›Hybridität‹ (S. Hall, H. Bhabha), ›Interkulturalität‹ (A. Wierlacher, C. Chiellino), ›Transkulturalität‹ (W. Welsch) u. a. entwickelt, die einen ›dritten Raum‹ (H. Bhabha) zwischen den bisherigen vermeintlichen ›Monokulturen‹ (C. Chiellino) zu erfassen versuchen. Auf der anderen Seite wird die Literatur von Einwanderern als eine der Erscheinungen gesehen, die einen Umbruch in der herkömmlichen nationalkulturellen Meistererzählung bewirken. Alternativ zur Vorstellung einer homogenen Leitkultur, die aus der ethnischen, sprachlichen und nationalen Zugehörigkeit schöpft, etabliert sich aufgrund einer Dynamisierung von Kulturträgern (Mobilität, Vernetzung, Dezentralisierung) die Perspektive der Inter- und Transkulturalität, Hybridität und Postnationalität, die eine Mehrfachcodierung ermöglicht und aus der variable und inhomogene Identitäten gespeist werden.
Zwischen diese beiden Problemstellungen ist die Perspektive der Tagung eingespannt. Der Fokus richtet sich auf AutorInnen, die aus unterschiedlichen Gründen zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Leben in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind und die Deutsch, obwohl nicht ihre Erstsprache, als ihre Literatursprache gewählt haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf AutorInnen aus Mittel- und Osteuropa, die zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur der letzten Jahrzehnte mit wichtigen Impulsen beigetragen haben. Die Fokussierung auf den mittel- und osteuropäischen Raum ergibt sich einerseits aus einer bereits konstatierten „Osterweiterung der deutschsprachigen Literatur“ durch eine neue europäische Generation (BÜRGER-KOFTIS: Eine Sprache – viele Horizonte..., 2008; vgl. dazu auch BEHRING u.a.: Grundbegriffe und Autoren ostmitteleuropäischer Exilliteraturen 1945-1989, 2004), andererseits durch den besonderen Dreieck-Standort der organisatorisch beteiligten Universitäten (Österreich, Tschechien und Polen).
Zum einen gilt die Aufmerksamkeit den theoretischen, ästhetischen und poetologischen Fragestellungen, der Sprache, dem Transfer von Kulturbildern, der Wahrnehmung der Welt, wobei der kulturelle Hintergrund der Herkunftsländer unabdingbar in den analytischen Ansatz mit einbezogen werden sollte. Zu fragen wäre aber auch, welche Implikationen das Zielland innerhalb des deutschsprachigen Raumes hat (etwa Deutschland für Zsuzsanna Gahse, György Dalos, Terézia Mora, Artur Becker, Libuše Moníková, Jan Faktor, Jiří Gruša, Maxim Biller, Tzveta Sofronieva, Saša Stanišic u. a., Österreich für Vladimir Vertlib, Radek Knapp, Dimitré Dinev, Michael Stavarič, Magdalena Sadlon; die Schweiz für Ilma Rakusa, Catalin Dorian Florescu, Aglaja Veteranyi, Irena Brežná oder Melinda Nadj Abonji), unterscheiden sich doch kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen sowie die Arbeitsmöglichkeiten im jeweiligen Land voneinander. Zum anderen soll das im literaturwissenschaftlichen Diskurs entstehende Konzept einer postnationalen deutschsprachigen Literatur auf seine Gültigkeit und Verbindlichkeit hin im Spannungsfeld zwischen politischem Postulat, theoretischer Reflexion und gesellschaftlicher Praxis untersucht werden.

Während der Tagung sollten u.a. folgende literaturwissenschaftliche, literaturtheoretische und literaturhistorische Fragestellungen berücksichtigt werden:
• Welche Impulse erfährt der gegenwärtige literaturtheoretische Diskurs durch die Beschäftigung mit der deutschsprachigen Literatur von zugewanderten AutorInnen aus Mittel- und Osteuropa? Wie ist er im Spannungsfeld von postnationalen, interkulturellen und transkulturellen Konzepten zu positionieren?
• Inwiefern kann ein Einfluss der Schreibpraktiken zugewanderter AutorInnen (insbesondere mittel- oder osteuropäischer Herkunft) auf den Schreibstil bzw. die Poetik nicht zugewanderter AutorInnen im deutschsprachigen Raum festgestellt werden? Wird das intertextuelle Bezugsgeflecht um bisher Unbekanntes erweitert? Spielt dabei eine Rolle, dass es sich um zugewanderte AutorInnen handelt, die ihre literarischen Werke auf Deutsch schreiben?
• Gibt es generations- oder länderspezifische Gemeinsamkeiten der deutschsprachigen Literatur von zugewanderten AutorInnen aus Mittel- und Osteuropa? Kann deren Werk bereits im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede monographisch analysiert werden?
• Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit bzw. Exophonie der zugewanderten AutorInnen bei der sprachlichen und formal-ästhetischen Gestaltung ihrer literarischen Werke?
• Wie stellt sich das Verhältnis zwischen Autorenbiographie und literarischem Schaffen bei den zur Debatte stehenden Texten dar? Erscheint die Biographie der AutorInnen von besonderer Relevanz? Sind thematische Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Vermittlung zwischen den Kulturen oder im Hinblick auf einen transkulturellen Raum festzustellen?

Wir laden alle Interessierten zum gemeinsamen Nachdenken über diese und ähnliche übergreifende Fragestellungen ein, sowie zu ihrer Konkretisierung am Beispiel einzelner Fallstudien und möchten Sie bitten, Ihr voraussichtliches Beitragsthema sowie ein kurzes Abstract spätestens bis zum 31. August 2011 an die Redaktion der Aussiger Beiträge (ABredaktion@ujep.cz) zu schicken.. Entsprechend der Vorauswahl durch den Redaktionsrat (Herbst 2011), der Abgabe der ausgewählten Beiträge (bis Ende Mai 2012) und nach einem erfolgreichen Peer-Review-Verfahren (anonyme Begutachtung durch zwei unabhängige Rezensenten) werden die Beiträge in den Aussiger Beiträgen 6 (2012) Ende 2012 veröffentlicht.

Ihr Herausgeberteam
Renata Cornejo (Usti nad Labem), Sławomir Piontek (Posen) und Vlasta Sandra (Wien)
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://kgerff.ujepurkyne.com/mainGER.asp
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortÚstí nad Labem
Bewerbungsschluss31.08.2011
PersonFunktion: Kontakt 
E-Mail: renata.cornejo@ujep.cz 
KontaktdatenName/Institution: J.E.Purkyne-Universität in Ústí nad Labem 
Strasse/Postfach: Ceske mladeze 8 
Postleitzahl: CZ-400 96 
Stadt: Ústí nad Labem 
E-Mail: renata.cornejo@ujep.cz 
Internetadresse: http://kgerff.ujepurkyne.com/mainGER.asp 
LandTschechische Republik
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur nach 1945
Klassifikation19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.01.00 Forschung; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland > 19.10.08 Stoffe. Motive. Themen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/20242

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 06.06.2011 | Impressum | Intern