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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Fremde – Luxus – Räume: Konzeptualisierungen von Luxus in Vormoderne und Moderne "
RessourcentypCall for Papers
TitelFremde – Luxus – Räume: Konzeptualisierungen von Luxus in Vormoderne und Moderne
BeschreibungCall for Papers für NachwuchswissenschaftlerInnen

Fremde – Luxus – Räume: Konzeptualisierungen von Luxus in Vormoderne und Moderne

Internationale und interdisziplinäre Tagung, 29.6.–1.7.2012 an der Freien Universität Berlin.
Veranstaltet von Prof. Dr. Jutta Eming und Johannes Traulsen in Kooperation mit
Prof. Dr. Gaby Pailer (Vancouver) und Prof. Dr. Franziska Schößler (Trier).

Im Rahmen einer Tagung zum Thema "Luxus – Fremde – Räume" werden Vorschläge für Vorträge von Doktoranden an deutschen und internationalen Hochschulen erbeten.

Ziel der Tagung ist es, auf die Bedeutung der Kategorie 'Luxus' für die Analyse historischer und zeitgenössischer Kulturen aufmerksam zu machen. Im Alltagsverständnis ist Luxus überwiegend negativ konnotiert, und auch begriffs- und ideengeschichtlich tritt eine überwiegend negative Tradition zutage (Luxuria als Sünde im Mittelalter; als Hang zur Ausschweifung seit der Antike). Kulturgeschichtlich lässt sich Luxus als Distinktions- und Relationsbegriff auffassen. Seit der Antike mit der Frage nach der gerechten Verteilung von Gütern und ihrem sinnvollen Gebrauch verbunden, bildet Luxus somit ein wichtiges Kriterium zur internen Differenzierung von Kulturen, Sozietäten und Identitätsentwürfen. In metatheoretischer Perspektive erscheint Luxus als Kategorie für systemische Koppelungen, bildet gewissermaßen einen Interdiskurs zwischen medizinischen, theologischen, soziologischen, anthropologische, und bio-politischen Entwürfen.

Zwischen modernen und vormodernen Semantisierungen scheint es dabei Schnittstellen zu geben, von denen ausgehend Transformationen, Umcodierungen und Kontinuitäten beschreibbar werden. Ziel der Tagung ist es, solche historischen Übergänge und Verschiebungen zu analysieren, wobei die große Reichweite des Luxusdiskurses berücksichtigt werden soll: als Teil politischer, religiöser und medizinischer Diskurse, konnotiert mit Vorstellungen des Wissens, der Schönheit, der Fremde, der Macht. Die geplante Tagung möchte deshalb die funktionale Differenzierbarkeit des Begriffs nutzen und seine verschiedenen Konzeptualisierungen in Moderne und Vormoderne diskutieren. Folgende Themenfelder scheinen uns in diesem Zusammenhang von Interesse, die teilweise ineinander greifen:

1. Transzendenz

Erfahrungen von Transzendenz werden in der Vormoderne über Semantiken beschrieben, die sich kaum anders als luxuriös nennen lassen – Erfahrungen exquisiter sinnlicher Genüsse, der Entrückung an paradiesische Orte und der Begegnung mit Schönheit und Reichtum. Luxus ist ein Merkmal von Transzendenz. Die Sünde der luxuria bezeichnet im Gegensatz dazu einen Verstoß gegen die göttliche Ordnung, der in übermäßigem weltlichen Begehren begründet ist. Hier ließe sich zeigen, in welchem Maße sich Luxuskonzepte der Moderne in Abgrenzung von oder Anknüpfung an religiöse Dimensionen konstituieren.

2. Ästhetik

In diesem Zusammenhang ist die Bedeutung der detaillierten Beschreibung von Luxus und seiner Wirkung für die Genese ästhetischer Diskurse eigens hervorzuheben. Es gilt als charakteristisch für das Mittelalter, ästhetische Erfahrung nicht autonom zu setzen, sondern aus anderen, insbesondere religiösen Diskursen zu entwickeln. Daneben bieten auch die in der Literatur des Hochmittelalters verbreiteten Ekphrasen von Luxusgegenständen eine vorzügliche Möglichkeit, über Kunst und ihre Wirkung auf den Betrachter zu reflektieren. In der Moderne setzt sich eine Autonomievorstellung literarischer Produktivität durch, die sich auch an Luxusobjekten und ihrer Beschreibung manifestiert: Einen Kulminationspunkt findet dies in der Décadence um 1900, die sich durch die Archivierung preziöser Objekte auszeichnet.

3. Wissen

Luxus hat in der Vormoderne eine Verbindung zum Erwerb von Wissen. Zu verweisen ist auf die Neigung, sogenannte 'Wunderkammern' anzulegen, Sammlungen verschiedener Objekte, die aus unterschiedlichen Gründen als 'wunderbar' und in diesem Sinne als kostbar galten – von Einhörnern und Straußeneiern über magische Steine zu missgebildeten Föten. Besonders aufschlussreich ist dabei, dass sich in der Frühen Neuzeit eine merkliche Veränderung hin zum Sammeln von 'überflüssigen' exquisiten Objekten vollzieht. Insbesondere das 19. Jh. mit seinen historistischen Tendenzen wird diese Archivierungsanstrengungen fortführen, jedoch den Verlust von transzendenten Ordnungen sowie von Totalität reflektieren und zudem der zunehmenden Bedeutung des Ökonomischen Rechnung tragen.

4. Alterität und Raum

Mit dem Interesse am exotischen Objekt ist schließlich eine Verbindung zu zwei Bereichen angesprochen, die besonders häufig mit Luxus assoziiert werden, und die viele der bereits angesprochenen Aspekte zu integrieren vermögen, nämlich die Projektion von Luxus auf die Fremde und den fremden Raum. Die Beschäftigung mit Raumentwürfen eröffnet ebenso wie Luxus als Transzendenzmerkmal einen Zugang zu den imaginären Anteilen von Luxus und zu den durch ihn organisierten Dichotomien, wie Orient und Okzident, Stadt und Land, Kultur und Wildnis, Welt und Anderswelt. Hier könnte ein Vergleich vormoderner und imperialistischer bzw. postimperialistischer Orientbilder zu einer produktiven Diskussion führen.

Erkenntnisleitend für die Tagung ist mithin ein modernes Verständnis von Luxus, das bestimmte Objekte und Praktiken als luxuriös identifiziert (Verschwendung, exorbitanter Reichtum, exotische Schätze), um ihre davon abweichende historische Signatur zu untersuchen. Es ist zu fragen, ob Luxus in der Moderne tatsächlich so eindeutig dem sozio-ökonomischen Diskurs vorbehalten ist wie üblicherweise angenommen, oder ob er nicht ebenfalls ästhetische, moralisierende, eskapistische Funktionen übernimmt, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Dafür sollen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Disziplinen – vor allem Literaturwissenschaftler der älteren und neueren Philologien, Kunsthistoriker, Soziologen, Religionswissenschaftler – in einen Dialog treten. Um dem wissenschaftlichen Nachwuchs Gelegenheit zu Beiträgen zu geben, richtet sich dieser Call for Papers an Doktoranden, deren Projekte einen deutlichen Anschluss an die Thematik aufweisen.

Die Ergebnisse sollen in einem Kongressband veröffentlicht werden; sobald die Teilnehmerliste feststeht, werden wir uns um eine finanzielle Förderung der Veranstaltung bemühen. Die Tagungssprache ist Deutsch, einzelne englische Vorträge sind jedoch möglich. Vorschläge mit Titel, Abstract und kurzem Lebenslauf erbitten wir bis zum 31. Juli 2011 per email an die Tagungsleitung:

Prof. Dr. Jutta Eming (j.eming@fu-berlin.de) und

Johannes Traulsen (j.traulsen@fu-berlin.de).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss31.07.2011
Beginn29.06.2012
Ende01.07.2012
PersonName: Traulsen, Johannes 
Funktion: Ansprechpartner, Veranstalter 
E-Mail: j.traulsen@fu-berlin.de 
Name: Eming, Jutta [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: j.eming@fu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin 
Strasse/Postfach: Habelschwerdter Allee 45 
Postleitzahl: 14195 
Stadt: Berlin 
LandDeutschland
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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