VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Jean Paul und die literarische Moderne"
RessourcentypCall for Papers
TitelJean Paul und die literarische Moderne
BeschreibungJean Paul und die literarische Moderne
Bayreuth, 21.–24. März 2013

»Er aber steht geduldig an der Pforte des zwanzigsten Jahrhunderts und wartet lächelnd, bis sein schleichend Volk ihm nachkomme«. Ludwig Börnes Bemerkung anlässlich der Trauerrede für Jean Paul (1825), die u.a. Peter Bichsel 1991 (mit dem Motto seiner Rede zur Bayreuther Jean-Paul-Woche) zitiert und bekräftigt hat, verortet Jean Paul an der Schwelle zur Zukunft. Jean Paul als Avantgardist avant la lettre, der für die langsam Nachkommenden den Weg ins 20. Jahrhundert weist – das Bild lässt mehrere Auslegungen zu: Man kann es auf die Vorstellung beziehen, große Literatur müsse sich ihre Leserschaft erst heranziehen; man kann es auf politische und pädagogische Ideen beziehen; Bichsel etwa würdigt Jean Paul nicht zuletzt als Verfasser der »Fastenpredigten« sowie der »Friedenspredigt« und als Pädagogen, sieht in ihm den Visionär einer »Pädagogik der Geduld« und den girondistischen Sympathisanten der französischen Revolution. Man kann Börnes Jean-Paul-Vision aber auch auf die Schriftsteller beziehen, die Jean Paul im folgenden Jahrhundert als Orientierungshilfe oder Leitbild wählten, sich von ihm herausgefordert fühlten, sich an ihm abarbeiteten. Welche Bedeutung hat Jean Paul für die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts? Welche Formen der Jean-Paul-Rezeption sind in nichtdeutschsprachigen Ländern zu beobachten? Und in der Sichtweise von Jean Paul her: Was qualifiziert die poetische Produktion Jean Pauls dazu, als eine mögliche Matrix der Moderne zu fungieren?
Thema der Jean-Paul-Tagung 2013 ist einerseits die produktive Rezeption Jean Pauls in der Literatur und Poetik des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei wegweisende Schriftsteller des späteren 19. Jahrhunderts miteinbezogen werden können, andererseits die Frage nach der diese Rezeption ermöglichenden Modernität Jean Pauls.
Der Terminus der produktiven Rezeption ist also in einem doppelten Sinne, quasi auch in der Gegenrichtung zu gebrauchen: Welche Produktivität spurt bei Jean Paul selbst die Rezeptionswege vor? In welchem qualifizierten Sinne ist Jean Paul modern zu nennen? Öffnet seine Dichtung eine spezifische Matrix der Modernität? Wenn man bei den rezipierenden Autoren nach dem fundamentum in re ihrer Bezugnahmen auf Jean Paul fragt, wird man auch die Gegensicht mit zu bedenken haben: Wie würden diese Autoren vor dem Urteil Jean Pauls bestehen?
Gefragt ist also nach Beiträgen, die die Jean-Paul-Rezeption bei Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts thematisieren, dabei Jean Paul aber nicht zum bloßen Stichwortgeber dieser jeweiligen Poetiken und Bezugnahmen machen. In diesem Sinne sind auch Beiträge erwünscht, die weitgehend die Modernepotentiale Jean Pauls analysieren, um von dieser Position aus den Blick ins 20. und 21. Jahrhundert zu öffnen.
Das vielfache (und vielstimmig-disparate) Echo auf Jean Paul sollte über eines allerdings nicht hinwegsehen lassen: Jean Paul stellt nicht erst heute den Leser vor komplexe Herausforderungen, denen sich mancher nicht mehr aussetzen mag; er ist schon für seine Zeitgenossen eine Zumutung gewesen, un-zeitgemäß und unverständlich. Die Publikumserfolge einzelner Werke können darüber nicht hinwegtäuschen. Verschiedene Äußerungen Jean Pauls betreffen dieses erwartbare, ja unvermeidliche Mißverstanden-Werden durch Leser, die Diskrepanz zwischen Publikumserwartungen und den Anforderungen des Textes, die notwendigen Kompromisse, die zwischen Schriftsteller und Publikum zu schließen sind. (Aus diesem Thema wird dann im Werk Jean Pauls selbst ein regelrechtes Spiel, das der Pakte, Versprechungen, Vertröstungen des Publikums, das der Leserlenkung, der Leserschelte und der Imaginationen idealer Leser. Ähnlich ist auch die Erfahrung literarischer Fehlschläge, die in der Makulierung gedruckter Werke ihren sinnfälligen Ausdruck findet, ein Anlaß zur Literarisierung, zum Erzählen thematisch einschlägiger Geschichten und zum Spiel mit Rahmen- und Materialfiktionen.) Die vielfältigen Hinweise auf Kommunikationsmedien und -formen zwischen Autor und Leser erscheinen insgesamt als Reaktionen auf die Inkommensurabilität eines Schreibens, doch wirken sie, vielleicht entgegen dem vordergründigen Anschein, nicht etwa kompensatorisch, sondern komplexitätssteigernd und insofern alles andere als harmonisierend. So führt offenkundig die Frage nach der Rezeption in einer spezifischen Weise wieder auf das Werk Jean Pauls zurück: Die Frage nach dem Fehllesen und nach den Anschlussmöglichkeiten angesichts eines überkomplexen Texte macht stärker als bei anderen Autoren die Lektüre Jean Pauls notwendig, so dass hier offenkundig über die Spezifik der Rezeption nachgedacht werden muss.

Themenvorschläge sollten bis zum 1. Juni 2011 an eine der folgenden Adressen (Herausgeber des Jahrbuchs) gerichtet werden:

Prof. Dr. Elsbeth Dangel-Pelloquin
Universität Basel
Deutsches Seminar
Nadelberg 4
CH-4051 Basel
(elsbeth.dangel-pelloquin@unibas.ch)

Prof. Dr. Helmut Pfotenhauer
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Institut für Deutsche Philologie
Am Hubland
D-97074 Würzburg
(pfotenhauer@mail.uni-wuerzburg.de)

Prof. Dr. Ralf Simon
Universität Basel
Deutsches Seminar
Nadelberg 4
CH-4051 Basel
(ralf.simon@unibas.ch)

Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans
Ruhr-Universität Bochum
Lehrstuhl für Allgemeine und
Vergleichende Literaturwissenschaft
Universitätsstraße 150
D-44780 Bochum
(monika.schmitz-emans@rub.de)

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBayreuth
Bewerbungsschluss01.06.2011
Beginn21.03.2013
Ende24.03.2013
PersonName: Elsbeth Dangel-Pelloquin 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: elsbeth.dangel-pelloquin@unibas.ch 
KontaktdatenName/Institution: Jean-Paul-Gesellschaft; Ruhr-Universität Bochum 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 150 
Postleitzahl: 44780 
Stadt: Bochum 
Internetadresse: http://www.jean-paul-gesellschaft.de/ 
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Klassiker; Literaturtheorie: Themen; Motiv- u. Stoffgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/19802

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 09.05.2011 | Impressum | Intern