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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Faszination. Zur historischen Konjunktur und heuristischen Tragweite eines Begriffs"
RessourcentypCall for Papers
TitelFaszination. Zur historischen Konjunktur und heuristischen Tragweite eines Begriffs
BeschreibungCFP: Faszination. Zur historischen Konjunktur und heuristischen Tragweite eines Begriffs -- Berlin, 30. November bis 1. Dezember 2007

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für deutsche Sprache und Literatur II

Deadline: 10. Juli 2007

Interdisziplinäre Arbeitstagung


Kaum ein Begriff im deutschen Sprachraum kann im 20. Jahrhundert eine derartig steile Karriere aufweisen wie derjenige der ,Faszination'. Stand er noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein im eng begrenzten Kontext der charismatischen oder magischen ,Verzauberung' oder ,Behexung' einer Person durch eine andere, so haben sich der Gebrauch und die Semantik des Begriffs in den letzten Jahrzehnten enorm erweitert. Faszination fungiert gegenwärtig nicht nur als alltägliches und ubiquitäres Versprechen einer sich intensivierenden Kulturindustrie in der "Erlebnisgesellschaft" (G. Schulze), sondern erfährt auch eine immense Aufwertung in kulturhistorischen, literaturwissenschaftlichen, medienpsychologischen und populärwissenschaftlichen Arbeiten. Ein Blick in die einschlägigen Kataloge und Bibliographien genügt, um zu erkennen, dass sich der Hinweis auf den Faszinationswert eines Gegenstandes oder Themas zu einer bemerkenswerten Strategie für die Legitimierung wissenschaftlicher Fragestellungen entwickelt hat. Umso erstaunlicher erscheint daher der augenscheinliche Mangel an weitergehenden Überlegungen darüber, was unter Faszination zu verstehen ist, wie Faszinationen entstehen und welche wissenschaftlichen Ansätze und Methoden dazu geeignet sind, diese zu erforschen.

Diesem Defizit will die interdisziplinäre Arbeitstagung entgegenwirken. Aufbauend auf den grundlegenden Überlegungen des Religionswissenschaftlers Klaus Heinrich zur "Faszinationsgeschichte", den verstreuten Studien, die diese Impulse aufnehmen (E. Schütz, Th. Macho) und den aktuellen methodischen Strömungen der historischen Anthropologie und Kulturpoetik sowie den jüngsten Beiträgen zur Dingforschung (K.-H. Kohl) und zum Fetisch (H. Böhme) soll der Begriff der Faszination näher bestimmt und für die kulturanalytische Arbeit fruchtbar gemacht werden. Folgende Aspekte sollen dabei berücksichtigt und durch die Konferenzbeiträge aufgearbeitet werden:

1. Begriffsgeschichte der Faszination.

Der Begriff der Faszination ist in seiner historischen Semantik bislang weitgehend unaufgearbeitet. In Frage steht, wann und über welche Zwischenstufen sich ein Begriff, der ursprünglich in magisch-obskuren Bedeutungszusammenhängen stand, zum Synomym für jede Art von lustvoll erlebter Anziehung wandelt, die von allen möglichen kulturellen Artefakten, Menschen, Medien oder Techniken ausgehen kann. Dabei ist insbesondere die Wandlung der Faszination vom /transitiven/ Phänomen zu einem auch /intransitiven/ Phänomen zu beschreiben, die sich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert vollzieht und das Zustandekommen der Faszination nicht bloß auf eine Art der "Behexung" zurückführt, sondern mit der positiven Empfänglichkeit des Faszinierten und seinem "Willen zum Fasziniertsein" rechnet. Die Entwicklung des Begriffs der Faszination ist dabei auch vor dem Hintergrund und in Abgrenzung von Kategorien wie Interesse, Aufmerksamkeit, Ergriffenheit, Charisma, Aura, Fetisch usw. zu verhandeln.

2. Faszination als Analysekategorie zur Beschreibung individueller Bedeutungsbildung.

Der Begriff der Faszination ist als analytische Kategorie auszuarbeiten, die eine neue Beschreibung individueller Wahrnehmungs- und Bedeutungsbildungsprozesse ermöglicht. Dominiert bislang eine psychoanalytisch geprägte Deutung, wird es für eine kulturwissenschaftliche Faszinationsforschung darum gehen, weitere Perspektiven zu entwickeln, in denen die individuelle Erfahrungswirklichkeit der Faszination gefasst werden kann. Eine genauere phänomenologische Beschreibung ist dabei genauso wünschenswert wie die weitergehende Ermittlung der historischen, medialen und anthropologischen Bedingungen, die es erlauben, dass bestimmte Vorstellungen, Personen, Zeichenpraktiken, Orte oder Ereignisse als faszinierend erlebt werden.

3. Kulturgeschichtliche Beispielanalysen.

In Beispielanalysen sollen kollektive Faszinationen als kulturgeschichtlich relevante Phänomene erforscht werden. Auszugehen ist dabei von einer vielgestaltigen Zirkulationsbewegung: Was fasziniert, das wird repräsentiert, wieder und wieder erzählt, illustriert und über sämtliche Kanäle distributiert und vervielfältigt. Faszinationen besitzen dabei gleichermaßen einen produktiven wie symptomatischen Charakter. Einerseits stimulieren und synchronisieren sie die kulturelle Produktion über die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Teilsysteme hinweg, andererseits artikulieren sich in den Faszinosa die latenten Konflikte, Wünsche und Phantasmen einer Gesellschaft. Kollektive Faszinationen sind damit in der Regel politische, kulturelle und ökonomische Ereignisse ersten Ranges (vom Führerkult bis zum iPod), deren Beschreibung und Analyse eine besondere Perspektive auf die Entwicklung moderner Gesellschaften ermöglicht.


4. Faszination als methodologisches Moment der Kulturwissenschaften und der Musealisierung von Kultur.

Die Bedeutung der Faszination für die kulturwissenschaftliche Themenfindung und Interpretationsarbeit ebenso wie für die Inszenierung kulturgeschichtlicher Objekte in Ausstellungen und Museen bedarf der selbstreflexiven Bestandsaufnahme und Ausarbeitung. Die Kategorie der Faszination prägt in zunehmendem Maße das Selbstverständnis der historisch arbeitenden Wissenschaften und ist mittlerweile, wie beispielsweise im New Historicism Greenblattscher Prägung, zum integrativen Bestandteil ihrer methodologischen Reflexion und analytischen Praxis avanciert. Gleichzeitig lässt sich in der Ausstellungspraxis und musealen Inszenierung kulturgeschichtlicher Objekte die wachsende Bedeutung eines auf Faszination abzielenden Designs beobachten. Faszination ist somit in fundamentaler Weise an den kulturellen Tradierungsprozessen beteiligt und steuert als Movens der kulturgeschichtlichen Forschung und ästhetisches Moment der musealen Vergegenwärtigung die Selektion, Interpretation und Präsentation, mithin: die Valorisation des im kulturellen Archiv verfügbaren Bestandes tradierbarer Objekte.

Vorschläge für zwanzigminütige Beiträge schicken Sie bitte bis zum 10. Juli 2007 in Form eines Abstracts von max. 1 DIN A4-Seite zusammen mit einem kurzen Lebenslauf an folgende Adressen:

Andy Hahnemann
Institut für deutsche Literatur
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Andyhahnemann@gmx.de

oder

Björn Weyand
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Deutsche Sprache und Literatur II
Grüneburgplatz 1
Hauspostfach 140
D-60629 Frankfurt am Main
weyand@lingua.uni-frankfurt.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss10.07.2007
Beginn30.11.2007
Ende01.12.2007
PersonName: Andy Hahnemann 
Funktion: Information 
E-Mail: Andyhahnemann@gmx.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin 
Strasse/Postfach: Unter den Linden 6 
Postleitzahl: 10099 
Stadt: Berlin 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
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