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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Heilkunst und schöne Künste im 18. Jahrhundert. Medizin – Literatur – Kunst – Wissenschaft"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelHeilkunst und schöne Künste im 18. Jahrhundert. Medizin – Literatur – Kunst – Wissenschaft
BeschreibungHeilkunst und schöne Künste im 18. Jahrhundert. Medizin – Literatur – Kunst – Wissenschaft.

2. Tagung im Rahmen der Trogener Bibliotheksgespräche vom 7.-9. Juni 2007, Kantonsbibliothek Trogen, Appenzell A.Rh.



Tagungskonzept

Im Zuge des germanistischen Forschungsparadigmas einer literarischen Anthropologie seit Schings und Pfotenhauer sind im Hinblick auf das 18. Jahrhundert insbesondere die philosophischen und vernünftigen Ärzte der Aufklärung in den Fokus zahlreicher Forschungsanstrengungen geraten. Die Konzentration auf die komplexen Austauschprozesse zwischen Literatur und Gelehrsamkeit hat methodisch dazu geführt, daß der seit Dilthey und Snow (insbes. im deutschsprachigen Raum) zementiert scheinende Hiatus zwischen zwei Kulturen – der ›Natur‹wissenschaften auf der einen, der ›Geistes‹wissenschaften auf der anderen Seite – sowohl auf Gegenstands- als auch auf Forscherseite überbrückt worden ist und zahlreiche interdisziplinäre Forschungsaktivitäten gerade in der 18.-Jahrhundert-Forschung, in der weiter Literaturbegriff und fächerübergreifende Forschungsaktivitäten seit jeher verbreitet waren, hervorgebracht haben. Die Forschungstätigkeit im Umfeld des 1997 gegründeten Jahrbuchs Scientia Poetica sei exemplarisch genannt.

Die methodische Zusammenführung von Wissenschaft und Literatur im Rahmen des Paradigmas der literarischen Anthropologie hat auch im Blick auf jene Autoren innovativ gewirkt, die in ihrer Doppelbegabung als Mediziner und Schriftsteller zwar stets germanistisches Interesse auf sich gezogen haben – namentlich natürlich der Frühaufklärer Haller und der Spätaufklärer Schiller –, jedoch hat die systematische Kontextualisierung der literarischen Werke in medizinischen, anthropologischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen ganz neue Dimensionen eröffnet und zur Neubewertung der Literaturfunktion im 18. Jahrhundert geführt, denkt man etwa an Wolfram Mausers Engführung von Literatur und Lebensführung, d.h. die Diät im Rahmen der medizinischen sex res non naturales, für die therapeutische Funktion von Dichtung und Ästhetik in der Früh- und Hochaufklärung (z.B. Anakreontik, Rokokoliteratur u.ä.) sowie an Wolfgang Riedels anthropologisch-medizinische Neubewertung des Werks des Arztes Schiller. Auch andere ›schreibende Ärzte‹ des 18. Jahrhunderts sind innerhalb dieses Forschungsparadigmas erneut bzw. erstmalig literaturwissenschaftlich gewürdigt worden, z.B. Zimmermann, Unzer, Krüger oder Platner.

In dieser ›Forschungslandschaft‹ nun soll der Appenzeller Arzt Laurenz Zellweger (1692-1764) positioniert werden. Zellweger, der zunächst Medizin in Zürich bei Scheuchzer studierte, an dessen Alpenreise 1709 er teilnahm, und anschließend – wie z.B. Hoffmann und Haller, die beiden bedeutendsten Mediziner der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum – bei Boerhaave in Leiden promoviert wurde, gehörte seit 1721 der ›Gesellschaft der Mahler‹ an, publizierte in deren Diskursen (z.B. ›Über die Verschiedenheit der Menschen‹) und fungierte ab den 40er Jahren als kultureller Katalysator im Bodmer/Breitinger-Kreis, insofern der als »Philokles« geachtete ›vernünftige Arzt‹ regelmäßig, u.a. Sulzer, Geßner, Hirzel, Klopstock oder Wieland, im Sommer zur ›Molkenkur‹ in seine ›förende Hütte‹ ins Appenzell einlud. Diese Daten sind bisher mehr oder weniger als kulturhistorische Curiosa bekannt gewesen, es kommt aber darauf an, das organisierende anthropologische Muster zu erkennen, in das medizinische Ausbildung, kulturanthropologisches Publikationsinteresse und aufklärerische Geselligkeitskultur signifikant zusammenschießen.

Die Tagung soll in exemplarischen Fallstudien den lebensweltlichen Zusammenhang, in dem Medizin, Gelehrsamkeit, Literatur, Kunst und Lebensführung im 18. Jahrhundert aufeinander bezogen waren, im interdisziplinären Gespräch zusammenbringen und dadurch Perspektiven für die weitere wissenschaftliche Forschung an den einschlägigen, z.T. auf Laurenz Zellweger zurückgehenden Beständen der Trogener Kantonsbibliothek aus dem 18. Jahrhundert sowie den beachtlichen, Laurenz Zellweger und seinen Freundeskreis betreffenden Autographenbestand in Trogen bzw. die in anderen Sammlungen (wie z.B. der Zentralbibliothek Zürich) erhaltenen Korrespondenzteile eröffnen.



Format

Es sind drei Sektionen bzw. Themenblöcke sowie ein öffentlicher Eröffnungsvortrag und eine öffentliche Abendveranstaltung mit Lesung und musikalischer Begleitung vorgesehen. Die Themenblöcke betreffen:
(1) Medizin und Wissenschaft
(2) Medizin und schöne Künste
(3) Medizin und schöne Literatur
Für den Eröffnungsvortrag sind 50-60 Minuten, für die Sektionsvorträge 25-30 Minuten plus 15 Minuten Diskussion eingeplant. Die Drucklegung der Tagungsakten ist geplant.



Programm:

Donnerstag, 7. Juni 2007

14 Uhr: Tagungsbeginn/Begrüßung

Themenblock 1: Medizin und Wissenschaft (Moderation: Anett Lütteken)

14.15 Uhr: Vortrag/Diskussion: Simone De Angelis (Bern): Albrecht von Haller: Medizin – Gelehrsamkeit – Literatur

15.00 Uhr: Vortrag/Diskussion: Carsten Zelle (Bochum): Träume eines ›vernünftigen Arztes‹ – zum literarischen Werk des Naturlehrers Johann Gottlieb Krüger

15.45-16.15 Uhr: Kaffeepause

16.15 Uhr: Vortrag/Diskussion: Heidi Eisenhut (Trogen): Gelehrte auf Molkenkur – Laurenz Zellweger und sein Kreis in Trogen

17.00 Uhr: Vortrag/Diskussion: Urs Meyer (Fribourg): ›Die Göttinger‹ – Kästner, Lichtenberg und andere

18.00-19.00 Uhr: Möglichkeit zur Besichtigung der Kantonsbibliothek Appenzell A.Rh. (für Referentinnen und Referenten)

19.00 Uhr, Hotel Krone: Apéro

20.00 Uhr, Hotel Krone
(Grußwort) Jürg Wernli (Regierungsrat, Dept. f. Inneres und Kultur)
(öffentlicher Vortrag): Heinz Schott (Bonn): Heilkunst und Schöne Künste. Ein Aufriß


Freitag, 8. Juni 2007

Themenblock 2: Medizin und schöne Künste (Moderation: Heidi Eisenhut)

8.30 Uhr: Vortrag/Diskussion - Edgar Bierende (Bern): Christus-Darstellungen in Lavaters Physiognomik

9.15 Uhr: Vortrag/Diskussion - Ulrich Pfarr (Frankfurt am Main): Experimente eines Bildhauers: die Köpfe Franz Xaver Messerschmidts

10.00 Uhr: Vortrag/Diskussion - Elisabeth Décultot (Paris): Winckelmann studiert Krügers Naturlehre und andere Medizinbücher des 17. und 18. Jahrhunderts

10.45-11.15 Uhr: Kaffeepause

11.15 Uhr: Vortrag/Diskussion - Gernot Gruber (Wien): Heilende Kraft und Zauberwirkung der Musik

12.00 Uhr: Vortrag/Diskussion - Cristina Urchueguía (Zürich): Medizin und Musik bei Zelenka – ZWV 187, Hipocondrie à 7 concertanti

13-15 Uhr Mittagspause


Themenblock 3: Medizin und schöne Literatur (Moderation: Carsten Zelle)

15.00 Uhr: Vortrag/Diskussion - Klaus Manger (Jena): Literatur als Heilmittel der Seele betrachtet

15.45 Uhr: Vortrag/Diskussion - Tanja van Hoorn (Oldenburg): »Verachte alle unvernünftigen Aerzte!« Komödiantische Medizindiskurse um 1750

16.30 Uhr: Kaffeepause

17.00 Uhr: Vortrag/Diskussion - Anett Lütteken (Bern): Literatur und Kur

18.00 Uhr: Abendimbiss

20.00 Uhr, Hotel Krone, Trogen
»Literarische Molkenkur«. Lesung mit musikalischer Umrahmung
Lesung: Jürgen Stenzel (Braunschweig/Hamburg)


Samstag, 9. Juni 2006

Themenblock 3: Medizin und schöne Literatur - Fortsetzung (Moderation: Élisabeth Decultot)

8.30 Uhr: Vortrag/Diskussion - Barbara Mahlmann-Bauer (Bern): Blumenbach und Kant in Bürgers Münchhausen-Bearbeitung (1786 und 1788)

9.15 Uhr: Vortrag/Diskussion - Gilles Darras (Paris): »Die Kenntnis der Krankheit mußte der Heilung vorangehen«. Heilkunst und Literatur im Frühwerk von Friedrich Schiller

10.00-10.30 Uhr: Kaffeepause

10.30 Uhr: Vortrag/Diskussion - Benedikt Jeßing (Bochum): Musikalische Therapeutik – Goethes Lila

11.15 Uhr: Vortrag/Diskussion - Markus Winkler (Genf): Die Heilung des Orest. Heilkunde und Humanität in Goethes Iphigenie

12.00 Uhr: Schlussdiskussion/Zusammenfassung

13.00-15.00 Uhr: abschließendes gemeinsames Mittagessen



Die Vorträge finden in der Zellwegerstube in Trogen (Dorfplatz, Haus 5) statt und sind öffentlich. Interessentinnen und Interessenten sind herzlich hierzu eingeladen. Die Drucklegung der Beiträge ist vorgesehen.

Zur Wahl des Tagungsortes: Der ostschweizerische Ort selbst, dessen außergewöhnliche Architektur noch heute eindrucksvoll seine Bedeutung im 18. Jahrhundert als Sitz der mächtigen Textilfabrikanten-Dynastie Zellweger belegt, sowie seine geographische Nähe zu Österreich, Deutschland und Frankreich legen Grenzgänge und -überschreitungen – auch im wissenschaftlichen Bereich – nahe. Namentlich die in der Kantonsbibliothek Trogen überlieferten, außerordentlich reichhaltigen Bestände aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, deren Grundstock u.a. die Bibliothek Laurenz Zellwegers bildet, laden zu fächerübergreifenden Studien förmlich ein. Der Wunsch, den gewachsenen historischen Bestand aus interdisziplinärem Blickwinkel stärker als bisher zu erschließen, führte zum Entschluß, eine Folge von Tagungen in den Räumlichkeiten der Kantonsbibliothek unter dem Titel Trogener Bibliotheksgespräche zu initiieren, deren einzelne Veranstaltungen in etwa zweijährigem Abstand geplant sind. Das 1. Trogener Bibliotheksgespräch fand am 1.-3. Juni 2005 zum Thema Der Kanon im Zeitalter der Aufklärung statt. Die Tagungsakten befinden sich augenblicklich in Drucklegung.

Bei diesen Überlegungen wurde nicht zuletzt dem Umstand Rechnung getragen, daß der Kantonsbibliothek Trogen eine besondere Verantwortung im Hinblick auf die wissenschaftliche Auswertung der in Appenzell A.Rh. überlieferten Quellen und alten Drucke zukommt, weil der Kanton nicht über eine Universität und somit auch nicht über eine direkte Anbindung an wissenschaftliche Institutionen verfügt. Dieser Sachverhalt soll durch die enge Kooperation mit den germanistischen Instituten der Universitäten Bern und Bochum kompensiert werden. Eine durch impulsgebende Tagungen forcierte wissenschaftliche Erschließung soll dabei die herausragende Bedeutung der Appenzeller Bestände in angemessenem Umfang hervorheben helfen und läßt sich daher nicht zuletzt auch als ein nationales schweizerisches Anliegen bewerten.

Die Trogener Bibliotheksgespräche sollen den organisatorischen Rahmen für eine gezielte, bestandsnahe und insgesamt vornehmlich quellenorientierte Erschließung bieten, die dieses Vorhaben aber nicht als Selbstzweck verstanden wissen will, sondern als eigenständigen Beitrag zu den aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen, insbesondere auf dem Sektor der Aufklärungsforschung.


Weitere Informationen:
Dr. Heidi Eisenhut, Appenzell A.Rh., Departement Inneres und Kultur, Kantonsbibliothek, Landsgemeindeplatz 1 / 7, CH-9043 Trogen
Tel.: 0041/(0)71/3436421
Fax: 0041/(0)71/3436429
Email: Heidi.Eisenhut@ar.ch

Dr. Anett Lütteken, Universität Bern, Institut für Germanistik, Unitobler, Länggass-Str. 49, CH-3000 Bern 9
Tel.: 0041/(0)31/631 8354
Email: anett.luetteken@germ.unibe.ch

Prof. Dr. Carsten Zelle, Ruhr-Universität Bochum, Germanistisches Institut, D-44780 Bochum
Tel.: 0049/(0)234/3225108
Fax: 0049/(0)234/3214254
Email: Carsten.Zelle@ruhr-uni-bochum.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTrogen
Beginn07.06.2007
Ende09.06.2007
PersonName: Zelle, Carsten [Prof. Dr.] 
Funktion: Information 
E-Mail: Carsten.Zelle@ruhr-uni-bochum.de 
KontaktdatenName/Institution: Ruhr-Universität Bochum, Germanistisches Institut 
Postleitzahl: 44780 
Stadt: Bochum 
Telefon: +49 (0)234-3225108 
Fax: +49 (0)234-3214254 
E-Mail: Carsten.Zelle@ruhr-uni-bochum.de 
Internetadresse: http://www.ruhr-uni-bochum.de/germanistik/ 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation12.00.00 18. Jahrhundert > 12.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit > 13.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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