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Ergebnisanzeige "1517-1545: The Northern Experience. Mysticism, Art, and Devotion in Northern Europe between the Late Medieval and Early Modern Periods"
RessourcentypCall for Papers
Titel1517-1545: The Northern Experience. Mysticism, Art, and Devotion in Northern Europe between the Late Medieval and Early Modern Periods
Beschreibung1517-1545: The Northern Experience
Mysticism, Art, and Devotion in Northern Europe between the Late Medieval and Early Modern Periods

Ruusbroec Genootschap – Universität Antwerpen: 12-14 Dezember 2011

Call-for-Papers

Vom 12. bis zum 14. Dezember 2011 veranstaltet die Ruusbroecgenootschap der Universität Antwerpen eine internationale Konferenz, um eine bisher eher vernachlässigte Periode der kulturellen und religiösen Geschichte des nördlichen Europa – mit Schwerpunkt auf Deutschland und die Niederlande – aus interdisziplinärer Perspektive zu beleuchten. Umrahmt von Luther und der Gegenreformation stellen sich die Jahre zwischen 1517 und 1545 quasi als Bühne dar, auf der sich der Übergang von einer spätmittelalterlichen zu einer frühneuzeitlichen Gesellschaft vollzog. Diesen vielschichtigen Prozess vermag keine akademische Disziplin im Alleingang zu erfassen,; vielmehr muss er von verschiedenen sich gegenseitig ergänzenden Perspektiven beleuchtet werden.

m zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts traten die schon länger schwelenden doktrinären und kirchenpolitischen Konflikte offen zu Tage. Es bedurfte lediglich eines einzigen auslösenden Momentes: Als Luther 1517 seine 95 Thesen in Wittenberg veröffentlichte und darin fundamental die gängigen Lehrmeinungen der römischen Kirche kritisierte, hatte dies eine unwiederbringliche Teilung innerhalb des christlichen Europas zur Folge. Erst 1545 mit dem Trienter Konzil (1545-1563) reagierte die römischen Kirche als Institution koordiniert und zentralisiert auf die Herausforderung des Protestantismus als auch auf die unabdingbare Notwendigkeit einer internen Reform der Kirche.

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung wurden die Ereignisse, die zwischen den beiden benannten Eckpfeilern liegen, oft vernachlässigt oder gar übersehen. Die Jahre 1517-1545 sind gekennzeichnet von Turbulenz, Unsicherheit, Konflikt und Transformation. Eine Vielzahl, z.T. unorganisierte, Strömungen entstanden, deren Wirkmächtigkeit niemand absehen konnte. Es ist diesbezüglich zwingend, die Phänomene der Gegenreformation und der katholischen Reformbewegung strikt zu unterscheiden, um diese Periode angemessen zu verstehen. Die katholische Reform zielte durch eine demonstrative Wiederbelebung einer innigen Spiritualität darauf ab, der Bewegung der protestantischen Reformation ihren Nährboden zu entziehen. In dieser katholischen Reformbewegung sind die Grenzen zwischen Selbstbestätigung und Erneuerung häufig schwer von der Zurückweisung und Verurteilung der Luther’schen Neuerungen zu unterscheiden.

Eine Region, in der sich das katholische Streben nach Reform besonders stark in einer wiederbelebten „Innerlichkeit“ zeitigte, stellt das Gebiet zwischen dem Herzogtum Geldern (Gelre) und dem Einflussbereich der Stadt Köln im angrenzenden Rheinland dar. Eine Schlüsselstellung nahmen dabei die Kölner Kartause und der St. Agnes Konvent in Arnheim ein. Gerade die jüngste Forschung förderte die besondere Bedeutung des Arnheimer Konvents als Zentrum einer wiederbelebten Mystik zu Tage: Die Schwestern des St. Agnes Konvents lebten ein Leben mystischer Spiritualität, inspiriert von den Idealen mystischer „Klassiker“ des 14. Jahrhunderts. Die Kölner Kartäuser unterstützten diese Renaissance eines „Wegs nach Innen“ durch die umfassende Publikation eben dieser klassischen aber auch zeitgenössischer mystischer Texte.

Die wissenschaftliche Berücksichtigung der Relevanz dieser mystischen Kultur – einer relativ kurzlebigen Renaissance der Mystik – im Kontext der katholischen Reform des 16. Jahrhunderts, liefert den Anstoß, das Blickfeld zu erweitern, um Verbindungen mit anderen Entwicklungen in der nordeuropäischen Region festzustellen: Welche Manifestationen von Transformation und Wechsel ereigneten sich in anderen Bereichen? Gab es Assimilate dieser katholisch-mystischen Spiritualität in Kunst, religiöser Praxis und Buchkultur? Wie reagierte die protestantische Bewegung auf jene (neuen) Strömungen? Dies äußerst komplexe Phänomen einer Übergangs- und Umbruchphase verlangt die interdisziplinäre Perspektive von Literaturwissenschaft, (Kunst-) Geschichte, und Religionswissenschaft. Nur durch eine integrale Zusammenschau wird es möglich sein, ein vertieftes Verständnis dieser entscheidenden Phase im nördlichen Europa zu erlangen.

Während das Gros der wissenschaftlichen Erforschung des frühen 16. Jahrhunderts sich zumeist auf die großen Wendemarken der Luther’schen Reformation (1517) und der Gegenreformation (1545) konzentriert, wurde die Zwischenphase häufig außer Acht gelassen. Einerseits besteht ein großes Korpus an Literatur über Luther und die Reformation. Andererseits setzt die akademische Auseinandersetzung über die Reaktionen der römischen Kirche hierbei meist erst mit der Gegenreformation ein. Ziel dieser Konferenz soll es daher sein, diese Lücke zu füllen. Der Fokus liegt hierbei auf der „Northern Experience“: d.h. der mystischen Spiritualität, die sich während dieser Periode in den Niederlanden und dem Rheinland entwickelte. Die Konferenz will Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, um somit das zuvor skizzierte breite Feld dieser Zeit der Transformation von spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Spiritualität unter verschiedenen Blickwinkeln abstecken zu können. Als Keynote-Speaker werden Bernard McGinn (Chicago) und Volker Leppin (Tübingen) in Erscheinung treten.

Wir laden Forscher ein ihre Arbeit bezüglich des Komplexes der oben beschriebenen Belange einer „Northern Experience“ zur Diskussion zu bringen. Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch. Ein Abstract von max. 400 Wörtern für einen 30-minütigen Vortrag sind bis zum 15. Mai 2011 einzureichen. Neben den Keynote-Speakern sind pro Sektion drei weitere Sprecher vorgesehen. Alle Beiträge werden im Anschluss an die Konferenz in einem erweiterten Sammelband veröffentlicht.

Organisatoren:
Prof. Dr. Kees Schepers: Ruusbroecgenootschap, Universität Antwerpen, Belgien
Prof. Dr. Thom Mertens: Ruusbroecgenootschap, Universität Antwerpen, Belgien
Prof. Dr. Frank Willaert: Universität Antwerpen, Belgien
Prof. dr. Johan Oosterman: Radboud Universität, Nimwegen, Niederlande
Dr. Hans Kienhorst: Radboud Universität, Nimwegen, Niederlande
Prof. dr. Youri Desplenter: Universität Gent, Belgien
Daniëlle Prochowski M.A.: Junior Researcher, Ruusbroecgenootschap
Markus Polzer M.A.: Junior Researcher, Ruusbroecgenootschap

Für weitere Information und zur Einreichung der Abstracts kontaktieren Sie bitte:

Markus Polzer M.A.
markus.polzer@ua.ac.be
Ruusbroecgenootschap
Universiteit Antwerpen
Prinsstraat 13
2000 Antwerpen
Belgien

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortAntwerpen
Bewerbungsschluss15.05.2011
Beginn12.12.2011
Ende14.12.2011
PersonName: Polzer, Markus 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: markus.polzer@ua.ac.be 
KontaktdatenName/Institution: Ruusbroecgenootschap - Universiteit Antwerpen 
Strasse/Postfach: Prinsstraat 13 
Postleitzahl: 2000 
Stadt: Antwerpen 
E-Mail: markus.polzer@ua.ac.be 
LandBelgien
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeBuchwissenschaft (Bibliotheks-, Verlagsgeschichte); Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Leserforschung; Literatur 1500 - 1580
Klassifikation10.00.00 16. Jahrhundert
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