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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literaturwissenschaftliches Kolloquium"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelLiteraturwissenschaftliches Kolloquium
BeschreibungLiteraturwissenschaftliches Kolloquium
SoSe 2011

Universität Duisburg-Essen, Campus Essen
Fakultät für Geisteswissenschaften
Universitätsstraße 12, 45117 Essen

In dieser Veranstaltungsreihe haben fortgeschrittene Studierende, Lehrende und Interessierte die Gelegenheit, aktuelle Forschungsbeiträge (auch aus den Nachbarphilologien), aber auch Positionen von Literaturwissenschaftler/innen, die in der Praxis tätig sind, kennenzulernen. Zugleich erleben die Teilnehmer die wissenschaftliche Praxis einer Forschungskiskussion, da sich an die in der Regel 45-60-minütigen Vorträge eine kritische Diskussion anschließt.

Die Veranstaltungen finden jeweils mittwochs 18-20 Uhr im Raum R12 S03 H20 (Eingang R12, Gladbecker Straße / Universitätsstraße) statt.

Veranstalter:
Prof. Dr. U. Renner-Henke, Prof. Dr. R. Parr,
Dr. J. F. Lehmann, Prof. Dr. C. Kammler,
Prof. Dr. C. Bauer-Funke.

Detailierte Informationen finden Sie unter
http://www.renner-henke.de/ in der Rubrik "Termine"


Termine:


13.4.2011
Prof.Dr.Achim Geisenhanslüke (Regensburg): Die Sprache der Infamie. Literatur und Ehrlo-sigkeit

20.4.2011
Prof. Dr. Georg Mein (Luxemburg): »Was untergeht, muß gewesen sein«. Scheitern als Kategorie des Literarischen

11.5.2011
[Achtung: Findet im Glaspavillon statt!]
Prof. Dr. David Nelting (Bochum): Selbstautorisierung in der Frühen Neuzeit im Spannungsfeld von Kollektivierung und Singularisierung (Pietro Bembo, Pietro Aretino, Joa-chim Du Bellay)

25.5.2011
Dr. Brigitte Burmeister (Waren): „In der Gegenwart des Schreibens“. Über das Romanwerk Claude Simons

1.6.2010
Prof. Dr. Wolfgang Matzat (Tübingen): Roman und Gesellschaft

8.6.2011
Prof. Dr. Alexander Honold (Basel): Das Risiko des Schauspiels. Die prekäre Balance dramatischer Verstellungskunst

22.6.2011
Jo Lendle (DuMont, Köln): Wie Bücher in die Welt kommen. Innenansich-ten eines Verlags

6.7.2011
Dr. Hans-Ulrich Wagner (Hamburg) : Symbiose. Der Rundfunk und der literarische Markt



Abstracts


1. Prof. Dr. Achim Geisenhanslüke (Germanistik, Universität Regensburg)
Die Sprache der Infamie. Literatur und Ehrlosigkeit,

Das Interesse am Thema der Ehre und der Ehrlosigkeit ist in den letzten Jahren meist von den Geschichts- und Sozialwissenschaften bestimmt. Eine literatur- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung kann dagegen bei den Arbeiten Michel Foucaults ansetzen. In kritischer Auseinandersetzung mit Foucaults Begriff der Infamie möchte ich eine Geschichte der literarischen Infamie skizzieren, deren wesentliche Stationen u.a. Villon, Sade, Schiller und Kafka sind. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die Frage nach Subjektbildungen im Medium der Literatur und der Dialektik von Ehrverlust und dunklem Ruhm, den Foucault nachzeichnen möchte, ohne doch die Literatur zu berücksichtigen.


2. Prof. Dr. Georg Mein (Germanistik, Universität Luxemburg)
»Was untergeht, muß gewesen sein.« Scheitern als Kategorie des Literarischen.

Liebe, die andauert, war noch nie ein Erfolgsrezept der Literatur. Was biografisch erfüllend sein mag, gerät im Literarischen allzu schnell unter Kitschverdacht. Interessant wird Liebe erst dort, wo sie scheitert, die Figuren in den Abgrund treibt – zumindest aber zu aberwitzigen Taten motiviert und ihre Lebensläufe, wie kurz- oder langfristig auch immer, jenseits des Normalitätsdispositivs lokalisiert. Der Vortrag fragt nach der Kategorie des Scheiterns in der Literatur bzw. nach der Don Quijot’schen Möglichkeit des Scheiterns in die Literatur. Im Mittelpunkt steht Martin Mosebachs neuer Roman »Was davor geschah«.


3. Prof. Dr. David Nelting (Romanistik, Ruhr-Universität Bochum)
Selbstautorisierung in der Frühen Neuzeit im Spannungsfeld von Kollektivierung und Singu-larisierung (Pietro Bembo, Pietro Aretino, Joachim Du Bellay)

In diesem Vortrag soll thesenhaft folgenden Fragen nachgegangen werden: Was bedeutet literarische Autorschaft in der Frühen Neuzeit? Wie konfiguriert sich literarische Autorschaft als Autorität unter den Denkvoraussetzungen der Nachahmungspoetik? Welches sind die spezifisch poietischen, also nicht theoretischen, sondern in der Hervorbringung des literarischen Werks selbst wirksamen Verfahren zur Selbstautorisierung eines Autors? Ausgangspunkt für die Beleuchtung dieser Fragen ist Petrarcas Canzoniere, in dem sich das auktoriale Ich zum Einen als einzigartiger Diskursivitätsbegründer in Szene setzt, zum Anderen sich aber auch in einer idealen humanistischen Gemeinschaftlichkeit verortet. Auf diese Dispositive der Selbst-stilisierung und -autorisierung greifen im 16. Jahrhundert auf je unterschiedliche Weise Pietro Bembo (in dem Dialog der Asolani), Pietro Aretino (in seinen Lettere) und Joachim Du Bellay in der Gedichtsammlung der Olive zurück. Dabei sind die genannten Autoren insofern paradigmatisch, als sie jeweils anschaulich die Dispositive der Kollektivierung (Bembo) und der Singularisierung (Aretino) ausschreiben bzw. der Petrarkischen Kompositstrategie folgen (Du Bellay).


4. Dr. Brigitte Burmeister (Romanistin und Autorin, Waren)

„In der Gegenwart des Schreibens“. Über das Romanwerk Claude Simons

Claude Simon, der 1985 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, bleibt ungeachtet hervorragender Übersetzungen immer noch zu entdecken. Seine Romane handeln von traumatischen Erlebnissen in den geschichtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und sind in ihren Erzählformen selbst eine Antwort auf den radikalen Einschnitt des Krieges, den Zusammenbruch einer Welt. Er könne nur über sich, aus seiner eigenen Welterfahrung heraus schreiben, sagte Simon und zugleich: Was ihn als Schriftsteller zum geschichtlichen Subjekt mache, sei einzig die Art seines Schreibens. Um diesen Simonspezifischen Zusammenhang von autobiographischer Darbietung und einer Poetik der Moderne (Nouveau roman und Nouveau Nouveau roman) soll es in dem Vortrag gehen.


5. Prof. Dr. Wolfgang Matzat (Romanistik, Uni Tübingen)
Roman und Gesellschaft

Gegenstand des Vortrags sind romantheoretische Überlegungen – u.a. von Bachtin, Auerbach und B. Anderson –, welche die Gestaltungsmöglichkeiten der Gattung vor allem darin sehen, Bilder der Gesellschaft, der gesellschaftlichen Sprache und der gesellschaftlichen Existenz zu entwerfen. Diese Konzeptionen des Romans sollen an drei historischen Beispielen konkretisiert, überprüft und weiter entwickelt werden. Cervantes‘ Don Quijote soll den Ausgangspunkt für eine Diskussion des mit den Verfahren der Karnevalisierung und der Dialogizität verbundenen Gesellschaftmodells bilden, Flauberts Éducation sentimentale wird Gelegenheit geben, die Implikate der realistischen Gesellschaftsdarstellung zu besprechen, und Gabriel García Márquez‘ Cien años de soledad kann schließlich einen Blick auf die sozialen Implikate eines postkolonialen und postmodernen Romantyps erlauben.


6. Prof. Dr. Alexander Honold (Deutsches Seminar, Universität Basel)
Das Risiko des Schauspiels. Die prekäre Balance dramatischer Verstellungskunst

Zur Bildungsgeschichte der deutschen Literatur vor 1800 gehört als wichtige Konstituente die „dramatische Sendung“ ihrer Autoren, Vermittler und Träger. Theorie und Praxis der Schauspielkunst sowie die textuelle Dramatik und theatrale Performanz des fingierenden (Rollen-)Spiels sind im Kontext der Herausbildung des deutschsprachigen Literaturtheaters bislang überwiegend als literaturgeschichtlicher Prozess der Verdrängung von improvisierendem Spiel (in der Tradition der Commedia dell’arte) durch ein Theater der Autoren und als Vorgang der professionellen Institutionalisierung (Hof- und Nationaltheater) nachgezeichnet worden. Zu den edukatorischen Implikationen einer theatralen Sozialisation gehört indes die gefährliche Gabe der wirkungsvollen Illusionserzeugung, die sich auf drei sachlich verbunde-nen Ebenen der Ausbalancierung einer Situationsspaltung vollzieht, nämlich a) spieltechnisch-performativ, b) im Binnenspiel der handlungsinternen Verstellungskunst und c) in den gattungspoetischen Irritationen der Rezeption.
Wenn Friedrich Schiller in seiner frühen Mannheimer Theaterrede den Schauspieler als „Nachtwandler“ bezeichnet, der, um wirkungsvoll sich und anderen gegenüber seine Rolle zu verkörpern, stets auf dem schmalem Grat zwischen Illusion und Selbstkontrolle zu wandeln habe, ist damit die techne des fingierenden Spiels als eine heikle Abwägung aus bewußtem Einsatz dramatischer Mittel und emotionaler Eigendyamik skizziert. Die Balance zwischen der emotiven ‚Macht, zu bewegen‘ und ihrer Zügelung mithilfe der semiotischen Instrumentierung des Körperausdrucks beruht auf einem Zugleich der dem Schauspieler abgeforderten, widerstreitenden Haltungen von Immersion und Reflexion.
Als intra- bzw. metadramatische Selbstthematisierungen der gefährlichen Wirkungsambivalenz fingierenden Spiels lassen sich die komödiantische Spiel-im-Spiel-Einlage in Lessings Minna von Barnhelm wie auch die konträren Loyalitätsdefizite der hilflosen Helfer Leicester und Mortimer in Schillers Maria-Stuart analysieren. Ebenso spielen sich die Jungfrau von Or-leans und Penthesileas Kampfgegner Achill durch allzu überzeugende (Dis)simulationen indi-rekt um ihr Leben.


7. Jo Lendle (Verleger, DuMont Verlag, Köln)
Wie Bücher in die Welt kommen. Innenansichten eines Verlags

Anfang und Ende im Leben eines Buches sind bekannt: Schreiben und Lesen. Was aber geschieht dazwischen, in der Black Box des Verlages? Was alles gehört zum Lektorat und wie entsteht ein literarisches Programm? Verlage treten im Literaturbetrieb mal als Kulturinstitution, mal als Wirtschaftsunternehmen auf - aus dieser Doppelrolle erklärt sich ihre eigentüm-liche Stellung in Aufbau und Begleitung von Autoren und ihrem Werk.


8. Dr. Hans-Ulrich Wagner (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Hamburg)
Symbiose. Der Rundfunk und der literarische Markt

Gerade auch die Literatur hatte Anteil am Aufbau der Mediengesellschaft, deren Aufbruch im frühen 20. Jahrhundert einsetzte und deren Durchbruch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte. Im Vortrag werden die Beziehungen des Massenmediums Rundfunk und des literarischen Marktes beleuchtet – systematisch und exemplarisch. Aktuelle medien- und literaturwissenschaftliche Forschungsansätze bilden den Hintergrund für Fallstudien, die keineswegs nur aus der vermeintlich „Blütezeit des Radios“ und der Marktführerschaft der „Gruppe 47“ stammen, sondern auch die gegenwärtige Situation kritisch beleuchten.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.renner-henke.de/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortEssen
Beginn13.04.2011
Ende06.07.2011
PersonName: Prof. Dr. Ursula Renner-Henke 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: ursula.renner@uni-duisburg-essen.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Duisburg-Essen, Campus Essen / Fakultät für Geisteswissenschaften 
Strasse/Postfach: Universitätsstraße 12 
Postleitzahl: 45117 
Stadt: Essen 
Telefon: 0201/183-3313 (Sekretariat) 
Fax: 0201/183-3347 (Sekretariat) 
E-Mail: monika.eder@uni-due.de (Sekretariat) 
Internetadresse: http://www.renner-henke.de/  
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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