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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Konstruktionen als soziale Konventionen und kognitive Routinen"
RessourcentypCall for Papers
TitelKonstruktionen als soziale Konventionen und kognitive Routinen
BeschreibungCall for Papers

http://konstruktionsgrammatik.files.wordpress.com/2011/03/cfp_konstruktionsgrammatik_ddorf.pdf

Konstruktionen als soziale Konventionen und kognitive Routinen Gesprächsforschung, Text- und Diskurslinguistik
im Fokus der Konstruktionsgrammatik

Veranstalter: Alexander Ziem in Kooperation mit Dietrich Busse (Düsseldorf) & Alexander Lasch (Kiel)
Als Initiative des Arbeitskreises „Konstruktionsgrammatik des Deutschen“ ist die Tagung zugleich
das dritte Treffen des Arbeitskreises. Mehr Informationen finden Sie unter:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ziem/arbeitskreis-konstruktionsgrammatik-des-deutschen/
http://konstruktionsgrammatik.wordpress.com/
Ort: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Schloss Mickeln
Zeit: 31. August – 1. September 2011




Die Konstruktionsgrammatik hat in den letzten zehn Jahren vor allem am Beispiel des Englischen
zeigen können, dass es der Erhellung systematischer Zusammenhänge in der Sprache dienlich sein
kann, von Konstruktionen als Form-Bedeutungspaaren auszugehen. Alle Ausprägungsformen der
Konstruktionsgrammatik gehen dabei von einem „gebrauchsbasierten Sprachmodell“ aus (usagebased model, zuletzt etwa Tummers & Geeraerts 2005), das mit funktionalen und kommunikationstheoretisch fundierten Sprachtheorien die fundamentale Annahme teilt, dass Sprache eine soziale
Gestalt ist (Feilke 1996). Umso erstaunlicher ist, dass diese soziale Dimension bislang nur sehr unzureichend zum Gegenstand der Forschung geworden ist. Dies zeigt sich etwa an der fehlenden Reflexion über den Konventionsbegriff, der der Definition von Konstruktionen als Form-Bedeutungspaaren
zugrunde liegt. Der Grund für dieses Forschungsdesiderat ist in dem Umstand zu finden, dass trotz
der grundsätzlichen Skepsis gegenüber rein mentalistischen Ansätzen Kognition primär als individuelle und weniger als soziale Kognition verstanden wird. Hat sich die Konstruktionsgrammatik in den
1980er Jahren von dem dominierenden Paradigma der generativen Grammatik abgesetzt, die die
menschliche Sprachkompetenz unter völliger Ausblendung von Performanz-Phänomenen in den Blick
nimmt, ist es ihr dennoch bislang nicht gelungen, soziale Parameter in ihr Modell zu integrieren. Zwar
hat Tomasello (etwa 2003, 2006) in Spracherwerbsstudien wiederholt auf die Unverzichtbarkeit von
intersubjektiv geteilter Intentionalität (shared intentionality) und einem gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus (joint attention) in der Kommunikation hingewiesen; in konstruktionsgrammatischen Studien
hat diese dezidiert soziale Perspektivierung auf Konstruktionen jedoch bislang keinen erkennbaren
Niederschlag gefunden. Zugespitzt formuliert: Kritisieren Konstruktionsgrammatiker das generativgrammatische Sprachmodell als kognitiv und psychologisch nicht realistisch, könnte aus kommunikationstheoretischer Sicht der Vorwurf an die Konstruktionsgrammatik herangetragen werden, ihr Modell sei hinsichtlich sozialer, kultureller und pragmatischer Aspekte blind.
Ausgangpunkt der Tagung ist daher der Befund, dass eine erweiterte Definition von Konstruktionen
nötig ist, die auch die Interaktion von kognitiven und sozialen Strukturen und Prozessen bei der Entstehung von Konstruktion im Sprachgebrauch einbezieht. Denn Konstruktionen sind immer sozial
geteiltes Wissen und mithin das – immer nur vorläufige – Ergebnis von Konventionalisierungsprozessen innerhalb einer bestimmten Sprachgemeinschaft. Einerseits sind Konstruktionen kognitive Verfestigungen (entrenchment) im Wissen von SprachbenutzerInnen, andererseits sind sie konventioneller
und mithin genuin sozialer Natur. Das übergeordnete inhaltliche Ziel dieser Tagung besteht deshalb
darin, in vier Themensektionen relevante Aspekte sowohl sprachtheoretisch zu reflektieren als auch in
konkreten Fallstudien empirisch zugänglich zu machen:
• Konstruktionen als kognitive Einheiten und soziale Gestalten. Ist Sprache – verstanden als
Repertoire miteinander vernetzter Konstruktionen („Konstruktikon“) – in hohem Maße mit
Common-Sense-Wissen durchdrungen, muss dies in der Bestimmung von Konstruktionen
selbst Ausdruck finden. In diesem Zusammenhang besteht eine zu diskutierende These darin,
dass sowohl soziale Prägungen als auch kognitive Verfestigungen (entrenchment) von Konstruktionen als „Phänomene der dritten Art“ (Keller 1994: 87-95) zu betrachten sind. • Soziale und kognitive Prozesse im Konstruktionswandel. In Sprachwandelprozessen wird
deutlich, dass Konstruktionen nicht adäquat in Absehung vom sprachlichen Kontext beschrieben werden können, in dem sie rekurrent auftreten. Welche kognitiven Mechanismen und sozialen Parameter zeigen sich für Konstruktionswandel verantwortlich? Inwiefern kann Konstruktionswandel als nicht-intendiertes Ergebnis gleichgerichteter Handlungen verstanden
werden?
• Konstruktionen in der Interaktion. Die Interaktionslinguistik hat in jüngerer Zeit verstärkt konstruktionsgrammatische Aspekte in ihre Überlegungen einbezogen und dabei deutlicher als in
anderen Ansätzen auf die interaktive und prozessuale Dimension der Entstehung von Konstruktionen hingewiesen: Wie ist der Übergang von ad hoc gebildeten sprachlichen Konstrukten zu sozial verbindlichen und mithin konventionalisierten Konstruktionen zu konzeptualisieren? Welche Rolle spielt dabei der Prozess der sozialen und kognitiven Routinisierung?
• Konstruktionen als Ergebnisse sprachlicher Praktiken. Werden sprachliche Einheiten innerhalb der Text- und Diskurslinguistik stets als Resultate kommunikativer Handlungen betrachtet, ist diese Sicht bislang nur vereinzelt in der Konstruktionsgrammatik angewendet worden.
Weder auf diskurslinguistische Methoden der qualitativen und quantitativen Korpusanalyse wurde bislang zurückgegriffen, noch wurden Erkenntnisse der Textlinguistik in konstruktionsgrammatischen Analysen zur Kenntnis genommen. Mögliche Einbindungen von text- und diskurslinguistischen Methoden stehen deshalb im thematischen Mittelpunkt dieser Sektion.
Mit der Tagung sollen im Rahmen des Arbeitskreises „Konstruktionsgrammatik des Deutschen“ der
intensive Austausch fortgesetzt und langfristige interdisziplinäre Forschungsperspektiven der Konstruktionsgrammatik im deutschsprachigen Raum konsolidiert werden.

Eingeladene HauptreferentInnen

Hans C. Boas (Austin/Texas), Kerstin Fischer (Sønderborg), Susanne Günthner (Münster), Rudi Keller
(Düsseldorf), Tania Kouteva (London/Düsseldorf), Andreas Langlotz (Lausanne), Anatol Stefanowitsch
(Bremen)

Poster und Vorträge

Neben Vorträgen wird es die Möglichkeit geben, Poster zu präsentieren.

Abstracts und Fristen

Abstracts im Umfang von maximal *500 Wörtern* zu Vorträgen oder Posterpräsentationen sind bis zum *15. April 2011* zu den oben genannten Themenbereichen per E-Mail an eine der unten aufgeführten Kontaktpersonen zu richten. Die behandelte Zielsprache sollte nach Möglichkeit Deutsch sein; Abweichungen sind in begründeten Einzelfällen aber möglich. Oberstes Kriterium der Auswahl eingegangener Vorschläge ist die inhaltliche Einschlägigkeit sowie die klare Darstellung der zu verfolgenden Forschungsfrage und des gewählten methodischen Zugangs zum behandelten Thema.
Finanzierung
Die Tagung wird finanziell durch eingeworbene Drittmittel unterstützt. Übernachtungs- und Fahrtkosten der Vortragenden können übernommen werden.

Kontakt

*Dr. Alexander Ziem*
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Germanistische Sprachwissenschaft
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf
E-Mail: ziem@phil-fak.uni-duesseldorf.de
URL: www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ziem/

*Dr. Alexander Lasch*
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Germanistisches Seminar
Leibnizstraße 8
24118 Kiel
E-Mail:
lasch@germsem.uni-kiel.de
URL:
http://germa.germsem.uni-kiel.de/hundt/pers-lasch.html
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortDüsseldorf
Bewerbungsschluss15.04.2011
Anmeldeschluss31.07.2011
Beginn31.08.2011
Ende01.09.2011
PersonName: Dr. Alexander Ziem 
Funktion: Mitveranstalter 
E-Mail: ziem@phil-fak.uni-duesseldorf.de 
Name: Dr. Alexander Lasch 
Funktion: Mitveranstalter 
E-Mail: lasch@germsem.uni-kiel.de 
KontaktdatenName/Institution: HHU Düsseldorf / Germanistische Sprachwissenschaft 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 1 
Postleitzahl: 40225  
Stadt: Düsseldorf  
E-Mail: ziem@phil-fak.uni-duesseldorf.de 
Name/Institution: CAU zu Kiel | Germanistisches Seminar 
Strasse/Postfach: Leibnizstraße 8 
Postleitzahl: 24118 
Stadt: Kiel 
E-Mail: lasch@germsem.uni-kiel.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLinguistik; Gesprächsanalyse / gesprochene Sprache; Grammatik (Wortarten, Flexion, Syntax, Grammatiktheorien, Grammatikographie); Kognitive Linguistik (Metapherntheorie, Prototypentheorie, Konzeptualisierung); Korpuslinguistik / Computerlinguistik; Pragmatik (Sprechakttheorie, Implikatur, Handlungstheorien, Historiopragmatik); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Textlinguistik (Textbegriff, Textgrammatik, Textsorten, Hypertexte, Textsortengeschichte)
Zusätzliches SuchwortKonstruktionsgrammatik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl); 02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.05.00 Grammatik; 02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.07.00 Textwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 25.03.2011 | Impressum | Intern