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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Deutschlandreisen nach 1989"
RessourcentypCall for Papers
TitelDeutschlandreisen nach 1989
BeschreibungCFP: Selbstbespiegelungen. Repräsentationen Deutschlands in der deutschsprachigen Reiseliteratur nach 1989
Freiburg im Breisgau, 3.–5. November 2011
Nachwuchstagung des FRIAS (Freiburg Institute of Advanced Studies)
Organisation: Leslie Brückner, Christopher Meid, Christine Rühling

„Ich sitze im Zug und fahre weit weg. Nach Deutschland. […] Aber wo ist das?“ So beginnt Roger Willemsens 2002 erschienener Reisebericht "Deutschlandreise". Willemsen ist nur einer in einer langen Reihe von Autoren der Gegenwart, die aufbrechen, um Deutschland zu erkunden. Ob Wolfgang Büscher Deutschland entlang seiner äußeren Grenze umrundet, Landolf Scherzer zu Fuß der ehemaligen innerdeutschen Grenze folgt, Ralph Giordano Orte der (persönlichen) Erinnerung aufsucht oder Wladimir Kaminer sich in die deutsche Provinz aufmacht, deutlich wird: Reiseberichte über Deutschland erleben seit 1989 eine wahre Hochkonjunktur. Auch in der fiktionalen Literatur, von Christians Krachts Roman "Faserland" bis Wolfgang Herrndorfs "Tschick", ist das Thema Reisen präsent. Es scheint, als habe die deutsche Wiedervereinigung das Bedürfnis nach einer erneuten Bestandsaufnahme, nach geographischer Vermessung und Vergewisserung der ‚eigenen‘, der ‚deutschen‘ Identität hervorgebracht.

Die Tagung „Selbstbespiegelungen. Repräsentationen Deutschlands in der deutschsprachigen Reiseliteratur nach 1989“ geht von dieser Konjunktur aus und versucht, das bisher noch weitgehend unerforschte reiseliterarische Textkorpus erstmals systematisch zu erfassen und zu diskutieren.

Zunächst ist nach den soziopolitischen Kontexten dieser Konjunktur von Selbstbespiegelungen zu fragen. Die Reiseliteratur ist Teil eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses über deutsche Identität und kulturelle Eigenart, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands an Bedeutung gewinnt und der Tendenz der zunehmenden Vernetzung zwischen den Kulturen entgegen zu stehen scheint. Die Reise durch Deutschland scheint eine besondere Nähe zum Land und seinen Menschen zu versprechen. Im Medium Reiseliteratur wird das nun vereinte Deutschland (wieder-)entdeckt: Geht es um Versuche nationaler und kultureller Selbstverortung? Wie wird Nation geographisch bzw. kulturell definiert? Auf welche Weise bestimmt der durchgängige Bezug auf die Geschichte des Landes das Bild, das in den Texten von Deutschland konstruiert wird? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Subjekt und bereistem Land? Was leisten die Reiseberichte im Kontext der virulenten Erinnerungs- und Identitätsdebatte? In welchem Verhältnis stehen persönliche Identitätskonstruktion und kollektive Abstrakta wie Nation oder Heimat?

Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang die Funktion und Leistungsfähigkeit der literarischen Gattung Reisebericht zu diskutieren. Es stellt sich die Frage, wie die nach 1989 erschienenen Texte zum Medium der (Selbst-)Reflexionen werden: Auf welche Weise findet die Literarisierung der Reise statt? Welche Darstellungsstrategien verwenden die Texte und wie transportieren sie die in ihnen vermittelten Wissensbestände? Welche Autorbilder entwerfen sie? Dabei ist zu fragen, in welchen unterschiedlichen (Gattungs-)Kontexten (etwa Essay, Reportage) und Traditionslinien (etwa der intertextuelle Bezug auf Vorläufertexte wie Heines "Reisebilder") sich die zeitgenössischen Texte verorten lassen. Die Autoren setzen diese Traditionsbestände gezielt ein, um ihre Texte mit Bedeutung aufzuladen. Welche Schreibformen und literarischen Traditionen sind also sowohl für die Reise als auch die Reiseberichte prägend und wie tragen sie dazu bei, die ‚deutsche‘ Kultur zu beschreiben?

Betrachtet man die Darstellungsformen der nach 1989 entstandenen Texte, stellt sich unweigerlich die Frage, wie die ‚eigene‘ Kultur im Text repräsentiert wird. Das Tagungsprojekt setzt sich also von der in der Reiseliteraturforschung dominierenden Forschungsrichtung ab, die den Reisebericht vor allem als Gattung begreift, die interkulturelle Verstehensprozesse thematisiert. Nicht die Reise in exotische Räume, sondern der Blick auf das ‚eigene‘ Land und die ‚eigene‘ Kultur stehen im Mittelpunkt. Um diese innerkulturelle Perspektive zu ergänzen, sollen auch Deutschlandbeschreibungen fremdsprachiger Autoren nach der Wiedervereinigung hinzugezogen werden. Inwiefern unterscheidet sich der ‚fremde‘ Blick von den ‚Selbstbespiegelungen‘ der genannten Autoren?

Vorträge können beispielsweise die folgenden Themenkomplexe erörtern:

- Die Vermessung Deutschlands: Grenze – Raum – Topographie
- Kulturelles Gedächtnis – Erinnerungsorte – Konstruktion der ‚eigenen‘ Identität in der Reiseliteratur
- Konstruktionen der deutschen Geschichte im Reisebericht
- Der Blick des deutschen Ostens auf den Westen und vice versa
- „Ethnologie des Eigenen“
- Praxis des Reisens und die Deutschlandreisen nach 1989
- Blicke europäischer und außereuropäischer Reisender auf Deutschland nach 1989
- interkulturelle Perspektiven innerhalb der deutschsprachigen (Migrations-)Literatur
- Die deutsche Provinz – das ultimative Fremderlebnis?
- Reportage und Reiseliteratur – Literatur und journalistische Textformen
- Intermedialität der Reiseliteratur, etwa zur Filmreportage, zum Dokumentarfilm
- Deutschlandreisen und die Fuß- und Pilgerreisen in der Gegenwartsliteratur

Wir bitten um Vorschläge mit einem Abstract (ca. 300–500 Wörter) und einem Lebenslauf bis spätestens 25. April 2011 per Email an Christine Rühling (christine.ruehling@germanistik.uni-freiburg.de).

Auf Anfrage kann eine Übersicht über die nach 1989 erschienenen Deutschlandreisen zur Verfügung gestellt werden. Arbeitssprache der Tagung ist Deutsch; englische Beiträge sind möglich. Die Vorträge sollten eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten. Aufenthalts- und Reisekosten der Vortragenden werden übernommen. Die zeitnahe Veröffentlichung der Tagungsbeiträge innerhalb eines Sammelbandes ist geplant.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFreiburg i.Br.
Bewerbungsschluss25.04.2011
Beginn03.11.2011
Ende05.11.2011
PersonName: Rühling, Christine, M.A. 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: christine.ruehling@germanistik.uni-freiburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), School of Language and Literature 
Strasse/Postfach: Albertstraße 19 
Postleitzahl: 79104 
Stadt: Freiburg i.Br. 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
Ediert von  H-Germanistik
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