VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Vormärz und Hellenismus"
RessourcentypCall for Papers
TitelVormärz und Hellenismus
BeschreibungAufruf zur Mitarbeit: Vormärz und Hellenismus

Das Streben der Griechen nach Unabhängigkeit gipfelt im Krieg gegen die osmanische Fremdherrschaft 1821-1829. Der Ruf nach Freiheit hat ein europaweites Echo, vor allem in Deutschland, wo viele Dichter ihre Unzufriedenheit mit Politik und Gesellschaft häufig versteckt in hymnischen Versen auf die tapferen Hellenen artikulieren. Dabei werden traditionsreiche Stoffe und Motive bearbeitet und mit neuen Bedeutungen aufgeladen: Anders als in der Weimarer Klassik ist Griechenland im Vormärz nicht mehr vornehmlich als rückwärts gewandte Utopie oder überhöhtes anthropologisches Ideal zu denken, sondern dient u. a. der Verbreitung liberaler, demokratischer Vorstellungen. Auch beeinflussen humanistische und idealistische Ideen aus dem 18. Jahrhundert – beispielsweise Winckelmanns – Bildungs- und Unterrichtskonzepte im 19. Jahrhundert wesentlich, wie etwa Wilhelm von Humboldts Ideen zur Nationalerziehung, und prägen auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem antiken und dem zeitgenössischen Griechenland.
In anderen Ländern sind die Griechen und ihr Unabhängigkeitsstreben gleichfalls Gegenstand intensiver literarischer Auseinandersetzung und einer breit geführten öffentlichen Diskussion: in Griechenland selbst, wie populäre Kriegslieder u.a. von Rígas Ferréos zeigen, Solomos’ „Ode auf die Freiheit“ und auch politi-sche Satiren aus den Federn etwa Alexandros und Panagiótis Soutsos und Alexandros Rízos Rangavís. In Frankreich und England tragen beispielsweise Victor Hugo und Lord Byron zur Verbreitung des griechischen Freiheitsgedankens bei.
Das geplante Jahrbuch dient vor diesem Hintergrund der Fortführung und Ergänzung einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Hellenismus, die u.a. durch die grundlegenden Arbeiten von Regine Quack-Eustathiades, Alfred Noes, Evangelos Konstantinous und Friedgar Löbkers eine sichere Basis erhalten hat. Durch die verdienstvolle Erarbeitung umfangreicher Corpora etwa durch Lampros Mygdalis und Michael Busse wurden zahlreiche deutschsprachige literarische Quellen erschlossen.
Es fällt jedoch auf, dass die oben genannten literarischen wie kulturellen und politischen Phänomene selten einer komparatistischen oder interkulturell orientierten Betrachtung unterzogen worden sind. Gerade diese Perspektiven aber tragen dazu bei, wichtige übergeordnete Fragen zu präzisieren; beispielsweise nach wechselseitigen Einflüssen europäischer Literatur über den griechischen Unabhängigkeitskrieg, nach Wegen der Kultur- und Wissensvermittlung, transnational vergleichbaren Formen politisch engagierter Dichtung und nach kulturreflexiven Ausdrucksformen, in denen Erfahrungen von Alterität und Identifikation gestaltet sind. Im Fokus sollen deswegen folgende Aspekte stehen:

Hellenismus in Literatur und bildender Kunst
– Bezüge der Vormärz-Literatur zur griechischen Mythologie, deren Funktionen und Bedeutungen in politisch aktuellen Kontexten
– Formen politisch engagierter Dichtung in komparatistischer Perspektive, v.a. in Hinblick auf griechische Literatur, z.B. von Dionysos Solomos, Adamántios Koraís, Ferréos (i.e. Rigas Velestinlis), Andréas Kálvos, Panagiótis und Alexander Soutsos, Aléxandros Rízos Rangavs u.a.; deutsche Literatur, z.B. von Christian Borg, Friederike Brun, Adelbert von Chamisso, Franz Wilhelm von Dithfurth, Ernst Grosse, Wilhelm Mül-ler, Gustav Schwab, Ludwig Rellstab, Heinrich Stieglitz, sowie französische und englische Literatur
– Phänomene von Kulturtransfer, z.B. durch die 1793 in Wien gegründete Zeitung Ephemeris, durch die zeitgenössische griechische Literatur in deutschsprachigen Ländern bekannt wurde.
– Darstellungen des griechischen Freiheitskampfes nicht nur in der Lyrik, sondern auch in Romanen und Dramen
– Griechenland-Rezeption in der Malerei, u.a. bei Karl Friedrich Schinkel und Eugène Delacroix
– ethische und ästhetische Aspekte der Kriegsdarstellung, etwa in Bezug auf das Massaker von Chios
– Figurationen der Osmanen als ‚Barbaren’ und ‚Fremde’, als Symbol für Alterität, das sprachliche Inszenierungen kultureller Unterschiede und kulturdistinktive Beziehungsdefinitionen ermöglicht

Kulturtransfer und Wissensvermittlung in politischen Zirkeln, Vereinen sowie durch Zeitungen und Augenzeugen
– Gründung philhellenischer Vereine und die Zusammenarbeit deutscher und griechischer Aktivisten darin
– Tätigkeiten exilierter griechischer Intellektueller in revolutionären Geheimorganisationen
– Formen und Strukturen journalistischer Berichterstattung über Griechenland bzw. den Unabhängigkeitskrieg
– autobiographische Erlebnisberichte philhellenischer Freiheitskämpfer, z.B. von Harro Paul Harring

‚Griechenland’ in der deutschsprachigen Wissenschaft, im Bildungskanon und in Unterrichtskonzepten
– Griechenland z.B. in der Orientalistik, griechischen Philologie, Philosophie, z.B. bei Jacob Philipp Fallmerayer, Friedrich Thiersch, Wilhelm Traugott Krug
– die Verbindung neuhumanistischer, idealistischer Ideen mit Nationalerziehung
– autobiographische Schriften, die Bildungserfahrungen von Schülern und Studenten im Vormärz erkennen lassen, wie z.B. Ludwig Steub: Bilder aus Griechenland (1841)
– Übersetzungen und Verbreitung griechischer Literatur.

Vorschläge mit einem kurzen Exposé (nicht länger als 500 Worte) bitte bis zum 31. Dezember 2011 an JProf. Dr. habil. Anne-Rose Meyer

Anne-Rose.Meyer@uni-hamburg.de.

Abgabeschluss für die fertigen Beiträge ist der 30. November 2012.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.12.2011
PersonName: Meyer, Anne-Rose JProf. Dr. habil. 
Funktion: Herausgeberin 
E-Mail: Anne-Rose.Meyer@uni-hamburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Hamburg, Institut für Germanistik II 
Strasse/Postfach: Von-Melle-Park 6 
Postleitzahl: 20146  
Stadt: Hamburg 
Telefon: 040/ 42838-5965 
Fax: 040/ 42838-3553 
E-Mail: Anne-Rose.Meyer@uni-hamburg.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1770 - 1830
Klassifikation15.00.00 19. Jahrhundert > 15.11.00 Vormärz und Revolution 1848
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/18902

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 23.03.2011 | Impressum | Intern