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Ergebnisanzeige "Gisela Elsner im Kontext einer literarischen Kultur der Satire zwischen 1960 und 1989"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGisela Elsner im Kontext einer literarischen Kultur der Satire zwischen 1960 und 1989
Beschreibung„Ich war die erste Frau, die eine Satire schrieb“: Das Werk der Autorin Gisela Elsner im Kontext einer literarischen Kultur der Satire zwischen 1960 und 1989

Symposium vom 11. bis 12. Mai 2007 im Literaturhaus München

Veranstalter: Dr. Christine Künzel und Carsten Mindt (Universität Hamburg) in Kooperation mit der Monacensia. Bibliothek und Literaturarchiv, München

Am 2. Mai 2007 würde die Autorin Gisela Elsner ihren 70. Geburtstag feiern; zugleich fällt in den Mai 2007 der 15. Todestag der Schriftstellerin, die sich am 13. Mai 1992 in München das Leben nahm. Wir möchten diese bedeutungsträchtigen Daten zum Anlass nehmen, am 11. und 12. Mai 2007 im Literaturhaus München ein Symposium zu Ehren der Autorin Gisela Elsner zu veranstalten, einer Autorin deren Werk in der Literaturwissenschaft heute – wie wir meinen zu Unrecht – kaum mehr Beachtung findet. Ziel des Symposiums ist eine „Re-Vision“ der Autorin und ihres Werkes vor dem Hintergrund aktueller literatur- und kulturwissenschaftlicher Debatten, um das Elsnersche Oeuvre aus heutiger Perspektive literarisch zu verorten und ihm eine neue Bedeutung zu verleihen. In diesem Kontext gilt es, insbesondere Elsners Rolle als Wegbereiterin einer „weiblichen“ Tradition der Groteske und Satire herauszuarbeiten, die von so prominenten Autorinnen wie Elfriede Jelinek erfolgreich fortgeführt wird.

Wir meinen, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk Gisela Elsners nicht nur mehr als überfällig ist, sondern auch Innovationspotential für eine kulturwissenschaftlich orientierte Literaturwissenschaft liefert: „Es ist an der Zeit, Gisela Elsner vom Film in die Literatur zurückzuholen und dem lesenden Publikum Gelegenheit zu geben herauszufinden, was es an dieser Schriftstellerin verloren hat.“ (Günter Franzen im „Tagesspiegel“, 3.12.2000.) Gisela Elsner (1937-1992) ist ein „Sonderfall“ in der deutschen Literaturgeschichte, ihre Romane und Erzählungen sind gewissermaßen „Unikate“ (1) – und das nicht etwa, weil die für ihren Erstlingsroman „Die Riesenzwerge“ 1964 im Alter von 27 Jahren mit dem „Prix Formentor“ ausgezeichnete Autorin als „eiskalter Engel“ unter den weiblichen Schriftstellern, als „schreibende Kleopatra“ mit einem notorisch bösen Blick auf bürgerliche Rituale betrachtet wurde, sondern auch, weil ihre zunächst so steile literarische Karriere schließlich so abrupt endete. Obwohl Elsner ein beachtliches Werk hinterlassen hat (neun Romane, drei Bände mit Erzählungen, ein Band mit Aufsätzen, Hörspiele, Reportagen und sogar ein Opernlibretto), gibt es im Moment keinerlei Anzeichen dafür, dass dieser Autorin ein literarisches Comeback bzw. eine Befreiung aus dem „literarischen Ghetto“ – wie Elsner ihre Position einmal selbst definierte (2) – beschieden sein sollte.

Immerhin erschien im Anschluss an den Film „Die Unberührbare“ eine Ausgabe des Briefwechsels zwischen Gisela Elsner und Klaus Roehler (3). Außer den zahlreichen und kontroversen Zeitungskritiken, die sich mit dem Werk und dem literarischen Auf- und Abstieg der Autorin beschäftigten, liegen bis heute jedoch kaum ernsthafte literaturwissenschaftliche Arbeiten zum Werk Elsners vor. Die einzige umfangreichere Arbeit hat in diesem Zusammenhang Christine Flitner vorgelegt, die die Rolle der Literaturkritik in Bezug auf Elsner und Elfriede Jelinek detailliert diskutiert (4). Die wenigen literaturwissenschaftlichen Studien, die sich – wenn auch nur am Rande – mit Elsner beschäftigen, beziehen sich zumeist auf den Erstling der Autorin, „Die Riesenzwerge“ (1964) – wie auch die jüngste Studie von Dorothe Cremer (5) – bzw. lediglich auf Teilaspekte dieses Werkes, die in erster Linie das erste Kapitel „Die Mahlzeit“ betreffen (6).

Der im nachhinein, quasi in der Rückschau attestierte Erfolg der „Riesenzwerge“ diente und dient leider immer noch dazu, die folgenden Werke abzuwerten und die Autorin – immer mit dem Rückbezug zu ihrem Erstling – lediglich als „Epigonin ihrer selbst“ (7) zu betrachten, der es nie gelingen sollte, an den Erfolg des Erstlings anzuknüpfen. Eines der wesentlichen Ziele dieses Symposiums soll es daher sein, die Wahrnehmung auch auf die anderen, für die Literaturwissenschaft nicht minder spannenden Werke zu lenken und hier, da sich die Situation im Hinblick auf literaturwissenschaftliche Arbeiten in diesen Fällen noch dürftiger gestaltet, erste umfassendere Werkanalysen vorzulegen.

(1) Vgl. Marlis Gerhardt, Gisela Elsner, in: Neue Literatur der Frauen – Deutschsprachige Autorinnen der Gegenwart, Heinz Puknus (Hg.), München 1980, S. 88.

(2) Gisela Elsner, Autorinnen im literarischen Ghetto, in: Kürbiskern, H. 2 (1983), S. 136-144.

(3) Gisela Elsner/Klaus Roehler, Wespen im Schnee – 99 Briefe und ein Tagebuch, Franziska Günther-Herold/ Angela Drescher (Hg.), mit einem Vorwort von Reinhart Baumgart, 1. Aufl., Berlin 2001.

(4) Christine Flitner, Frauen in der Literaturkritik: Gisela Elsner und Elfriede Jelinek im Feuilleton der Bundesrepublik Deutschland (= Frauen in der Literaturgeschichte, Bd. 3), Pfaffenweiler 1995.

(5) Dorothe Cremer, „Ihre Gebärden sind riesig, ihre Äußerungen winzig“: Zu Gisela Elsners „Die Riesenzwerge“. Schreibweise und soziale Realität der Adenauerzeit, Herbolzheim 2003.

(6) So u.a. Peter Brodbeil, Beate Pichta, Nicolai Riedel und Walter Schedlinski vorgelegt: Literarische Objektivation – Entfremdung in der Literatur oder entfremdete Literatur. Interpretation zu Gisela Elsners „Die Riesenzwerge“, Typoskript 1975, leicht überarbeitet 1977 (Selbstverlag); Jürgen Lieskounig, Gisela Elsner: „Die Riesenzwerge“, in: ders., Das Kreuz mit dem Körper, Frankfurt a.M. u.a. 1999, S. 95-111; Alois Wierlacher, Vom Essen in der Deutschen Literatur: Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass, Stuttgart/Berlin/Köln/ Mainz 1987; Franziska Meyer : Women Writing in the 1950s and 1960s, in: Chris Weedon (Hg.), Post-War Women´s Writing in German, Providence, RI 1997, S. 25-43; Dagmar C. G. Lorenz: Humor bei zeitgenössischen Autorinnen, in: The Germanic Review 62, 1 (Winter 1987), S. 28-36.

(7) Günter Blöcker, Kummer mit dem Nachwuchs, in: Süddeutsche Zeitung, 19.10.1968.

Programmablauf:

Freitag, den 11. Mai 2007

10.00 Uhr
Begrüßung
Christine Künzel & Carsten Mindt (Universität Hamburg)

10.15 Uhr
Gisela Elsner – eine persönliche Betrachtung
Alfred Hackensberger (Tanger/Marokko)

11.00 Uhr
Von den „Riesenzwergen“ direkt ins „Abseits“? Zu Gisela Elsners Prosa und ihren Kritikern
Werner Preuß (Berlin)

11.45 – 12.00 Uhr
Kaffeepause

12.00 Uhr
Gisela Elsner und die DDR
Chris Hirte (Berlin)

13.00 – 14.30 Uhr
Mittagspause

14.30 Uhr
Alltagsrituale unter dem Mikroskop oder Wie Gisela Elsner aus dem Nähkästchen plaudern lässt
Evelyne Polt-Heinzl (Hirschwang/Österreich)

15.15 Uhr
„Was, schon fertig, sagte sie“: Ein Versuch über den Roman „Das Berührungsverbot“
Marlis Gerhardt (Baden-Baden)

16.00 – 16.30 Uhr
Kaffeepause

16.30 Uhr
„Fliegeralarm“ – oder Die Freilegung der bösen Familie mit Hilfe von Bomben
Bernhard Jahn (Magdeburg)

17.15 Uhr
„Vor den Vätern sterben die Söhne“: Anmerkungen zu dem verschmähten Roman „Heilig Blut“
Christine Künzel (Hamburg)

18.00 Uhr
Präsentation von Songs aus der Elsner-Oper „Friedenssaison“
Christof Herzog und Christa Weber (Berlin)

18.45 – 19.45 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Lesung und Präsentation des Romans „Heilig Blut“ – in Kooperation mit dem Literaturhaus München
(Moderation: Christine Künzel, Lesung: Thomas Keck)

Der Roman „Heilig Blut“ ist eine Rarität, denn zu Lebzeiten der vor 15 Jahren verstorbenen Gisela Elsner erschien der Text lediglich in einer russischen Übersetzung – und das, obwohl Kenner des Elsnerschen Oeuvres den Text für eines der gelungensten Werke der Autorin halten. Nun liegt die deutschsprachige Erstveröffentlichung im Berliner Verbrecher Verlag vor (hg. von Christine Künzel).


Samstag, den 12. Mai 2007

10.00 Uhr
Bandwürmer vs. Tausendfüßler: Gisela Elsners „Riesenzwerge“ und der „nouveau roman“
Carsten Mindt (Hamburg)

10.45 Uhr
„Man sieht, was man sieht“: Minimalistische Strukturen in Giselas Elsners „Riesenzwergen“
Andrea Gnam (Berlin)

11.30 –12.00 Uhr
Kaffeepause

12.00 Uhr
Eigenheim eigenartig: Zur satirischen Erziehung in Elsners „Der Nachwuchs“
Carrie Smith-Prei (Dublin/Irland)

12.45 Uhr
Gisela Elsners Kommunismus. Anmerkungen zum essayistischen Werk (Vortrag und Lesung)
Tjark Kunstreich und Thomas Keck (Berlin)

14.00 Uhr
Vorschlag und Diskussion zur Gründung einer „Gisela Elsner-Gesellschaft“

ca. 15.00 Uhr
Ende des Symposiums

Das Symposium findet im Literaturhaus München statt:

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1, 80333 München
Tel.: (089) 29 19 34 – 0

U-Bahn Odeonsplatz (U3, U4, U5, U6)

Kartenbestellung für die Präsentation des Romans „Heilig Blut“ am Freitag, den 11. Mai 2007 um 20.00 Uhr bitte direkt beim Literaturhaus.

Nähere Informationen unter: http://www.literaturhaus-muenchen.de


Anmeldungen zur Teilnahme am Symposium werden bis zum 8. Mai 2007 erbeten an:

Dr. Christine Künzel
Institut für Germanistik II
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 6
D – 20146 Hamburg
E-Mail: christine.kuenzel@uni-hamburg.de

Die Teilnahmegebühr für das Symposium beträgt 20 Euro für beide Tage (10 Euro pro Tag). Für Studierende 10 Euro für beide Tage (5 Euro pro Tag).


Der Programmflyer zum Symposium ist herunterzuladen unter:

http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/fb07/LitS/Lehrende/Chr_Kue_Tagungsprogramm.pdf

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. (ALG) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünchen
Beginn11.05.2007
Ende12.05.2007
PersonName: Künzel, Christine [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: christine.kuenzel@uni-hamburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Literaturhaus München 
Strasse/Postfach: Salvatorplatz 1 
Postleitzahl: 80333 
Stadt: München 
Telefon: +49(0)89 29 19 34 – 0 
Internetadresse: http://www.literaturhaus-muenchen.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Klassifikation19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland > 19.10.05 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland > 19.10.07 Gattungen und Formen
Ediert von  H-Germanistik
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