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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Dramaturgie an der Schnittstelle der Disziplinen"
RessourcentypCall for Papers
TitelDramaturgie an der Schnittstelle der Disziplinen
BeschreibungCfp
Dramaturgie an der Schnittstelle der Disziplinen
Humboldt-Universität, Institut für Musik- und Medienwissenschaft, Studio / Medientheater, Sophienstr. 22A, 10178 Berlin, 2. HH

08.-09.07.2011

Der Dramaturgiebegriff wird mit Berufung auf Aristoteles seit der Antike immer wieder sowohl als Anleitung für die kreative Gestaltung als auch für die (wissenschaftliche) Analyse einer dramatischen Handlung genutzt. Inzwischen hat der Begriff mit der Multiplikation handlungsorientierter Medien (wie Film, Fernsehen, Computerspielen, Internet etc.) eine Konjunktur erfahren, die es notwendig erscheinen lässt, sich über seine Möglichkeiten und seinen Nutzen zu verständigen.

Wird der Begriff zu eng gefasst, verbleibt man zu sehr im Rahmen der Theatermetapher und der Analogie; weitet man ihn aus, nutzt ihn gar für Phänomene des kulturellen oder politischen Alltags oder für alle möglichen Arten performativer Darstellung und entsprechender Redeweisen einer „Dramaturgie“ des Lichts, der Klänge, des Raums, der Zeit usw., wird er kaum noch unterscheidbar von verwandten Begriffen wie Regie oder Inszenierung und droht darüber hinaus sich zu einem unspezifischen „Umbrella Term“ zu wandeln.
Hinzu kommt, dass in den letzten Jahrzehnten ganz unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, von der Theater- zur Film- und Fernsehwissenschaft, von der Germanistik hin zur Rechtswissenschaft, von der Religionswissenschaft zur Architektur, von der Psychologie hin zur Ökonomie usw., den Dramaturgiebegriff für sich in Anspruch genommen haben, jedoch meist nur, um einzelne Phänomene zu beschreiben, ohne die historische Entwicklung und die damit verbundenen definitorischen Setzungen des Begriffs aufzuarbeiten und damit auch das jeweils spezifische Erkenntnisinteresse herauszustellen. Dabei wird z.T. von einem grundlegend anderen Vorverständnis von Dramaturgie ausgegangen: Ist Dramaturgie nur die strukturelle Einteilung einer Handlung? Ist sie vor allem das Management von Emotionen bzw. kognitiver Prozesse? Oder beschreibt sie eher ein Set von technischen Gestaltungsmitteln? Lässt sich Dramaturgie losgelöst von konkreten Medien betrachten, gleichsam als ihr textuelles Skelett? Kann man sie nur auf den narrativen Kern einer Handlung reduzieren? Oder muss man sich auf die Besonderheiten von Medien, gar auf deren intermediales Zusammenspiel einlassen?
Die Tagung möchte eine Bestandsaufnahme des epistemologischen Potentials des Begriffs „Dramaturgie“ leisten, um zunächst das jeweilige Erkenntnisinteresse der verschiedenen Ansätze offenzulegen. Es wird daher vor allem um Beiträge gebeten, die auch die eigenen epistemologischen Voraussetzungen thematisieren oder zumindest das eigene Interesse reflektieren, mit denen ein Dramaturgiebegriff für die wissenschaftliche Analyse eingesetzt wird.
Die Tagung wird sich vor allem mit drei Themenkomplexen beschäftigen, die sich aus der Konfrontation tradierter Vorstellungen von Dramaturgie mit einer aktuellen Mediensituation ergeben:

1. Die historische Entwicklung des Verständnisses von Dramaturgie: Der erste Themenkomplex befasst sich mit der Veränderung von Vorstellungen von Dramaturgie. Wie hat sich der Dramaturgiebegriff historisch entwickelt? Gibt es prägnante Beispiele für dessen Wandel? Ist es allein die Medientechnik, die diesen Wandel forciert oder gibt es noch andere Faktoren?

2. Dramaturgie im Zeichen der Multiplikation von Medien: Der zweite Themenkomplex stellt die Frage nach dem Status des Dramaturgiebegriffs im Hinblick auf die Multiplikation von Medien im 20. Jahrhundert. Wie soll die Auswirkung der Ausdifferenzierung der Medien auf Dramaturgie beschrieben werden? Gibt es hierzu spezifische disziplinäre Methoden oder eher transdisziplinäre Ansätze, die jeweils unterschiedliche Aspekte von Dramaturgie hervorheben? Besteht die Gefahr, die Einheitlichkeit des Dramaturgiebegriffs angesichts der Fülle der medialen Anwendungen aufzugeben? Oder wäre eine Rückbesinnung auf den narrativen Kern jeder Handlung oder die Reduktion auf ihr textuelles Skelett eine Möglichkeit der medienunabhängigen Beschreibung? Oder sollte man sich nicht vielmehr auf die Wirkung einer dramatischen Konstruktion, d.h. auf die Form der menschlichen Apperzeption, die Erzeugung von Emotionen und den Kognitionsprozess selbst beziehen? Oder müssen nicht gerade auch die Besonderheiten der einzelnen Medien berücksichtigt werden, d.h. von einer Vielzahl unterschiedlicher medialer Dramaturgien gesprochen werden? Lassen sich diese Besonderheiten – gerade im Zeichen der Intermedialität, der Interdependenz von Medien und ihrer wechselseitigen Remediation – medienvergleichend, medienkomparatistisch erfassen?

3. Hybride Formen medialer Dramaturgien: Der dritte Themenkomplex befasst sich mit crossmedialen, medienkonvergenten bzw. transmedialen Dramaturgien, bei denen mediale Darstellungen nicht mehr auf ein spezifisches Medium beschränkt, sondern auf verschiedene Medien verteilt werden. Wie verändern sich unter diesen Bedingungen dramaturgische Strukturen? Welchen Einfluss haben insbesondere Computerspiele und Internet, die tradierte Kategorien von Dramaturgie aufbrechen oder hybridisieren („Prosumer“, Differenz von Figur und Persona, von Handlungs- und Aktivitätsstruktur etc.)? Wie sehen medienübergreifende Strategien z.B. von Fernsehsendern aus, die nicht nur über das tradierte Programm, sondern über WebSites, Downloadforen für mobile Geräte, Fanforen oder Blogs eine Beziehung zu den Zuschauern aufbauen? Und wie verändern z.B. Alternate Reality Games unsere Vorstellung von Dramaturgie?
Vorschläge sollten als Exposé von nicht mehr als einer Seite plus Kurz-CV bis zum 31.03.2011 eingereicht werden. Bis zum 30.04.2011 werden alle Einreichenden über die Annahme oder Ablehnung ihrer Vorschläge informiert.

Die Veranstaltung wird am Fr und Sa, den 08. und 09. Juli 2011 im Medientheater des Instituts für Musik- und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, Sophienstr. 22a, 10178 Berlin, 2. Hinterhof, Erdgeschoss links, stattfinden. Die Tagung wird Workshop-Charakter haben; Vortragende haben eine Stunde zur freien Gestaltung (in der Regel 30 Min. für den Vortrag, 30 Min. für die Diskussion).

Wir weisen die Teilnehmer ausdrücklich daraufhin, dass sie nur auf eigene Kosten an der Tagung teilnehmen können. Eine Publikation der Tagungsbeiträge wurde durch den AVINUS e.V. zugesichert (vorbehaltlich einer Qualitätsprüfung der Beiträge).

Veranstalter: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Musik- und Medienwissenschaft, PD Dr. Eleonore Kalisch und PD Dr. Thomas Weber im Rahmen des „Mediologischen Kolloquiums“ und der AVINUS e.V.

Anmeldungen bitte als E-Mail an kontakt@avinus.de mit dem Betreff „Dramaturgie“.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressewww.avinus.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss31.03.2011
Anmeldeschluss31.03.2011
Beginn08.07.2011
Ende09.07.2011
PersonName: Kalisch, Eleonore [PD Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: kontakt@avinus.de 
Name: Weber, Thomas [PD Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: kontakt@avinus.de 
KontaktdatenName/Institution: AVINUS e.V. 
Strasse/Postfach: Gustav-Adolf-Str. 9 
Postleitzahl: 13086 
Stadt: Berlin 
Telefon: 030-92 405 410 
Fax: 030-92 405 411 
E-Mail: kontakt@avinus.de 
Internetadresse: www.avinus.de 
LandDeutschland
Zusätzliches SuchwortDramaturgie, Medien, Epistemologie, Geschichte
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