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Ergebnisanzeige "„Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier“: Poetologien des deutschsprachigen Gegenwartsromans"
RessourcentypCall for Papers
Titel„Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier“: Poetologien des deutschsprachigen Gegenwartsromans
BeschreibungCfP: „Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier“: Poetologien des deutschsprachigen Gegenwartsromans

Konferenz am Institut für Germanistik der Universität Leipzig in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse (14.-15.3.2012)

„Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier“: Der erste Satz aus Terézia Moras Debütroman Alle Tage (2004) wird zum Ausgangspunkt gemacht für eine Reihe komplexer Fragen an die deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Insbesondere poetologische Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Lassen sich die vielfältigen Erscheinungsformen literarischen Schreibens in der Gegenwart auf ein bestimmbares Maß gemeinsamer formaler und struktureller Merkmale zurückführen? Inwiefern sind – trotz eines heterogenen Textkorpus – gemeinsame Problem- und Gegenstandbezüge erkennbar? Oder ist angesichts der unmittelbaren zeitlichen Nähe der Literaturwissenschaft zum Gegenstand und in Anbetracht von dessen Vielfältigkeit eine übergreifende, synthetisierende Betrachtung der Gegenwartsliteratur (noch?) gar nicht möglich? Falls doch: Lassen sich neue Trends und Traditionslinien ausmachen, oder ist die Literatur der Gegenwart vor allem geprägt durch das Aufgreifen bereits vorhandener Stil- und Ausdrucksformen?

Insbesondere die Frage nach den Möglichkeiten realistischen Erzählens in der Gegenwartsliteratur soll dabei in den Fokus rücken. Grundlage dafür ist die Beobachtung, dass die deutschsprachige Gegenwartsliteratur im Spektrum potentieller Wirklichkeitsbezüge von Literatur vielfältige Positionen besetzt und zwischen realistischem und fantastischem Erzählen oszilliert – mitunter in ein und demselben Text (gedacht ist etwa an das Postulat eines magischen Realismus bei Daniel Kehlmann). Doch lässt sich trotz dieser Vielfalt ein spezifisches Verhältnis erkennen, in welches Autorinnen und Autoren ihre Texte zur ,Realität‘ stellen – und beruht dieses auf einem gemeinsamen Wirklichkeitsbegriff? Wie sind also „Zeit und Raum ins Erzählen zu bringen“, wie Mora in einem Interview zu ihrem Eingangssatz formulierte? Analoge Fragen gelten dem literarischen Bezug auf Geschichte, auf die zahlreiche Texte intensiv, jedoch in unterschiedlicher Weise referieren – etwa durch die Thematisierung der NS-Zeit (unter anderem bei Marcel Beyer, Nora Bossong oder Vladimir Vertlib) oder der DDR (Ingo Schulze, Uwe Tellkamp), aber auch in metahistoriographischen Romanen wie Michael Köhlmeiers Abendland. Lassen sich in der Literatur des 21. Jahrhunderts Gemeinsamkeiten im Zugang zu Geschichtlichkeit beschreiben, die eine analoge Begriffsbildung zu Linda Hutcheons Konzept einer „historiographic metafiction“ in der Postmoderne zulassen? Existiert also so etwas wie ein für das neue Millennium charakteristisches Konzept von Geschichte – und wie lässt sich dieses beschreiben?

Thema der Konferenz – und Hintergrund für die Frage nach einer Poetologie des Gegenwartsromans – ist deshalb nicht zuletzt dessen bisher ungeklärtes Verhältnis zu einer Epoche oder Schreibweise „Postmoderne“. Wir laden deshalb Beiträger ein, die sich der Frage stellen wollen: Was ist überhaupt postmodern? Ist dieses Attribut hilfreich für die Beschreibung gegenwärtiger Literatur, sei es in Anschließung oder Abgrenzung? Und falls ja, welche der vielfältigen Postmoderne-Definitionen ist dabei zu nutzen? Oder handelt es sich bei der Postmoderne vielmehr um eine bereits abgeschlossene literarische Epoche, so dass neue Begrifflichkeiten für eine Poetologie der Gegenwart gesucht werden müssen?

Da literarische Ästhetiken sich nicht in einem Vakuum herausbilden, spielt die Einbettung der literarischen Produktion in kulturelle, soziale und (markt-)wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle für die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen. Neben ästhetischen und Periodisierungsfragen soll im Rahmen der Konferenz also auch ganz konkret nach der pragmatischen Funktion von Institutionen und Instanzen des literarischen Marktes für die Ausbildung von Poetologien der Gegenwart gefragt werden. Spezifischer Anlass für die entsprechenden Reflexionen ist die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse am zweiten Konferenztag, die die Konferenz intensiv begleiten und beobachten wird.

Im Einzelnen wird sich die Konferenz in vier thematischen Sektionen folgenden Aspekten widmen:

1. Möglichkeiten des Realismus, Formen der Fantastik
Welche Formen des Wirklichkeitsbezuges gibt es in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur? Lassen sich Tendenzen beobachten? Inwieweit werden Wirklichkeitsbezüge poetologisch reflektiert (z.B. in Formen selbstreflexiven Erzählens, Autorenstatements oder im Rahmen von Poetikvorlesungen)?

2. Literarische Formen von Geschichtlichkeit
Welche Bedeutung haben geschichtliche Themen in der Gegenwartsliteratur, auf welche Weise werden Geschichtsbilder konstruiert und Diskurse von Erinnern und Vergessen bedient? Und auf welches Konzept von Geschichtlichkeit lassen sich diese Geschichtsbilder zurückführen?

3. Instanzen und Institutionen des Buchmarktes
Welche Bedeutung hat der Buchmarkt für die Entwicklung von Poetologien des Gegenwartsromans? Welchen Einfluss haben Institutionen wie z.B. Buchpreise und Poetikdozenturen auf kollektive Vorstellungen von „guter Literatur“?

4. Moderne - Postmoderne - und dann? 
Inwieweit sind Begriffe und Definitionen von „Postmoderne“ geeignet, den Zustand von Gegenwartsliteratur zu beschreiben? Ist der Begriff der Postmoderne überhaupt in der Lage, eine literarische Epoche zu beschreiben? Und falls ja: Befinden wir uns noch in einer Epoche namens „Postmoderne“, oder müssen für das Schreiben in der Gegenwart neue literarhistorische Begrifflichkeiten gebildet werden?

Die Konferenz findet in enger Kooperation mit der Leipziger Buchmesse (15.-18.3. 2012) statt. Sie wird ins Programm der Buchmesse aufgenommen und ist durchgängig für das gesamte Buchmessepublikum geöffnet. Neben dem konventionellen Vortrag mit Diskussion sind Podiumsdiskussionen/Podiumsgespräche und Plenumsdiskussionen als Arbeitsformen geplant.

Erbeten werden Beiträge von Literaturwissenschaftlern, Schriftstellern und Akteuren des Literaturbetriebs, die sich einzelnen Autoren und/oder Werken widmen oder auch Überblickscharakter haben können. Dazu können beispielsweise neuste literarische Entwicklungen anhand exemplarischer Werkanalysen skizziert, nach ihren literarischen Traditionen befragt oder in einen übergreifenden Kontext eingeordnet werden. Explizit erwünscht sind komparatistische Beiträge, die die deutschsprachige Literatur ins Verhältnis zu internationalen und intermedialen Einflüssen und zu ihren Nachbarliteraturen setzen. Dabei sollen Werke im Vordergrund stehen, die seit der Jahrtausendwende erschienen sind.

Beitragsangebote mit einem Exposé von max. 400 Wörtern Länge werden bis zum 15.3. erbeten an silke.horstkotte@uni-leipzig.de und lherrma@uni-leipzig.de . Bitte geben Sie an, welcher Sektion der Beitrag zugeordnet werden soll. Eine Veröffentlichung ausgewählter Beiträge ist in Planung.

PD Dr. Silke Horstkotte
Dr. Leonhard Herrmann
Institut für Germanistik
Universität Leipzig
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLeipzig
Bewerbungsschluss15.03.2011
Beginn14.03.2012
Ende15.03.2012
PersonName: PD Dr. Silke Horstkotte 
E-Mail: silke.horstkotte@uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik 
Strasse/Postfach: Beethovenstr. 15 
Postleitzahl: 04107 
Stadt: Leipzig 
E-Mail: silke.horstkotte@uni-leipzig.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeErzähltheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik > 03.08.02 Dichtung und Sprache; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
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