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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Hieroglyphe der Epoche"? Zum Werk der österreichisch-jüdischen Autorin Anna Maria Jokl (1911-2001)"
RessourcentypCall for Papers
Titel"Hieroglyphe der Epoche"? Zum Werk der österreichisch-jüdischen Autorin Anna Maria Jokl (1911-2001)
BeschreibungCall for Papers
„Hieroglyphe der Epoche“? Zum Werk der österreichisch-jüdischen Autorin Anna
Maria Jokl (1911-2001)

Konferenz im Institut für Wissenschaft und Kunst, Berggasse 17, 21.- 22. Oktober 2011
OrganisatorInnen: Susanne Blumesberger (Universität Wien, Institut für Wissenschaft und
Kunst, ÖG-KJLF); Bettina Kümmerling-Meibauer (Universität Tübingen); Jana Mikota
(Universität Siegen); Ernst Seibert (Universität Wien, ÖG-KJLF)
in Kooperation mit dem Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag (Berlin)

Einführungsvortrag: Prof. Dr. Itta Shedletzky (Universität Jerusalem; Verwalterin des
Nachlasses von Anna Maria Jokl)

In diesem Jahr wäre Anna Maria Jokl, die 1911 in Wien geboren wurde und 2001 in
Jerusalem verstarb, 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass findet an ihrem Geburtsort die
erste internationale Konferenz statt, die sich mit dem Werk der österreichisch-jüdischen
Schriftstellerin auseinandersetzt.

Die Bedeutung Jokls für die Literatur der Weimarer Republik, der jüdischen Exilliteratur und
der deutschen Nachkriegsliteratur ist unbestritten. Nur wenige Autorinnen ihrer Zeit verfügten
über ein entsprechend breites Repertoire an Gattungen und Genres – sie verfasste u.a.
Kinderromane, Texte für Bilderbücher, Erzählungen, autobiographische Texte, Essays,
Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher für Radio und Film. Darüber hinaus war sie als
Übersetzerin (aus dem Englischen und Hebräischen), Journalistin (für verschiedene
deutschsprachige Zeitschriften) und in ihrer Funktion als Psychoanalytikerin (in Westberlin
und Jerusalem) auch wissenschaftlich tätig. Ihre literarische Bedeutung wurde durch die
Verleihung des Hans-Erich-Nossack-Preises im Jahr 1995 gewürdigt.

Die politische Situation nach 1933 zwang Jokl, die sich seit 1928 in Berlin aufhielt und dort
bei Erwin Piscator studierte, zu mehrmaligen Ortswechseln. Bis 1937 hielt sie sich in Prag
auf. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten gelang ihr die
Flucht über Polen und Schweden nach England. 1948 begann sie eine Ausbildung als
Psychotherapeutin am C.G. Jung-Institut in Zürich, die sie wegen einer gegen sie gerichteten
Intrige nicht abschließen konnte. 1950 hielt sie sich auf Einladung des Kultusministeriums der
DDR für zwei Monate in Ost-Berlin auf, um an dem Drehbuch ihres erfolgreichen
Schülerromans Die Perlmutterfarbe (verfasst 1937, publiziert 1948) mitzuarbeiten. Ohne
Angaben von Gründen musste sie dann binnen 24 Stunden die DDR verlassen und siedelte
sich für vierzehn Jahre in Westberlin an, bevor sie sich 1965 für die Emigration nach Israel
entschied.

Ihr Leben und Werk ist folglich durch zahlreiche Brüche und Ortswechsel geprägt. Darüber
hinaus kam sie mit vielen bedeutenden Künstlern, Philosophen und Schriftstellern in Kontakt,
u.a. mit Johannes R. Becher, Martin Buber, Albert Ehrenstein, John Heartfield, Ottilie Kafka,
Zvi Kolitz, Franz Carl Weiskopf und Ludwig Winder. Mit ihren journalistischen Artikeln,
Filmessays und Buchbesprechungen beteiligte sie sich zudem aktiv an den zeitgenössischen
Debatten. Ihre theoretischen und journalistischen Schriften werden mittlerweile als wichtige
Dokumente zur Zeit- und Kulturgeschichte beurteilt, die sowohl die historischen
Umbruchsituationen (Weimarer Republik, Machtergreifung, Exil, Nachkriegszeit)
reflektieren, als sich auch mit ihrem Selbstverständnis als Frau und Jüdin auseinandersetzen.
Als ihr wichtigstes Werk wird heutzutage der Schülerroman Die Perlmutterfarbe (1948)
angesehen. Er zeigt, wie sich im Verband einer Schulklasse Strukturen der Unterdrückung
entwickeln können und ist als Gleichnis für den zeitgenössischen Faschismus zu deuten. Ein
wesentlicher Beitrag zur Erinnerungskultur und sachlichen Auseinandersetzung mit der Shoah
sind ihre Schriften Reise nach London (1999), Essenzen (1993), Zwei Fälle zum Thema
Bewältigung der Vergangenheit (1997) sowie Aus sechs Leben (2011, aus dem Nachlass), die
sowohl autobiographische Eindrücke als auch Einsichten aus ihrer Tätigkeit als
Psychoanalytikerin (in Berlin und Jerusalem) vermitteln. Obwohl Jokls Werk durchgehend
von einer tiefen Sprachskepsis geprägt ist, hat die Autorin doch immer wieder darüber
reflektiert, inwiefern Sprache und Dialog zum politischen Bewusstsein und zur Aussöhnung –
insbesondere zwischen Juden und Deutschen – nach dem Zweiten Weltkrieg beitragen
können.
.
Das Ziel der geplanten interdisziplinär ausgerichteten Konferenz besteht folglich darin,
WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Fachrichtungen (Literaturwissenschaft,
Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft, Geschichte, Gender Studies, Jüdische Studien,
Gedächtnisforschung, Psychologie) zusammenzubringen, um auf diese Weise die vielfältigen
Facetten und Aspekte in Jokls Werk herauszustellen und ihre literarische und
wissenschaftliche Leistung in einen kulturhistorischen Kontext zu stellen.
Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.

Wir sind bemüht, Reise- und Aufenthaltskosten zumindest partiell zu übernehmen, können
derzeit aber noch keine definitive Zusage machen.

Die Deadline für die Einreichung von Vorschlägen ist der 30.4.2011
Interessierte sind herzlich eingeladen, ein Abstract (300 Wörter für einen Vortrag von 30
Minuten Länge mit anschließender Diskussion) und eine kurze Biographie (20 Zeilen) als
Word-Dokument an die folgende Adresse zu schicken:
s_blumesberger@yahoo.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Bewerbungsschluss30.04.2011
Anmeldeschluss30.04.2011
Beginn21.10.2011
Ende22.10.2011
PersonName: Bettina Kümmerling-Meibauer 
Funktion: Professorin 
E-Mail: betitna.kuemmerling-meibauer@uni-tuebingen.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Tübingen, Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Wilhelmstr. 50 
Postleitzahl: 72071 
Stadt: Tübingen 
E-Mail: bettina.kuemmerling-meibauer@uni-tuebingen.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Genderforschung; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.11.00 Übersetzung; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.17.00 Deutschunterricht. Literaturdidaktik; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.06 Frauenliteratur; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.07 Kinder- und Jugendliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.05.00 Österreich; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.15.00 Exilliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.12.00 Österreich > 18.12.03 Geistes- und Kulturgeschichte
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