VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Sich-Erinnern ist gegen den Strom schwimmen" – Christa Wolf und ihr Werk "
RessourcentypCall for Papers
Titel"Sich-Erinnern ist gegen den Strom schwimmen" – Christa Wolf und ihr Werk
Beschreibung"Sich-Erinnern ist gegen den Strom schwimmen" – Christa Wolf und ihr Werk

Wissenschaftliche Tagung vom 16. – 18. Juni 2011
am Zentrum für Deutschsprachige Gegenwartsliteratur und Medien
der Universität Zielona Góra

Tagungsleitung und Veranstalter:
Prof. Dr. Carsten Gansel (Universität Gießen, Deutschland)
und Prof. Dr. Pawel Zimniak (Universität Zielona Góra, Polen)


Im September 2010 erhielt Christa Wolf für ihren neuen Roman »Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud« (2010) den Uwe-Johnson-Literaturpreis. In der Begründung zur Preisverleihung hieß es u.a.: “Christa Wolf entwirft in ihrem Roman »Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud« ein faszinierendes Netzwerk, in dem die Ich-Erzählerin alltägliche Begebenheiten, Assoziationen, Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen verwebt. Dabei taucht die Protagonistin, die sich auf der Gegenwartsebene in Los Angeles befindet, tief in den Zeitschacht hinab und sucht bohrend den eigenen Erinnerungen an Ereignisse auf die Spur zu kommen, die viele Jahrzehnte zurück liegen." Wenig später wurde Christa Wolf dann mit dem neuen Thomas-Mann-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Die Preisverleihungen sind auf der einen Seite lediglich der äußere Anlass, um sich erneut dem Werk einer Autorin zuzuwenden, deren internationales Renommee sich in einer Vielzahl von Monographien und Einzeluntersuchungen niedergeschlagen und die weltweit eine umfassende Rezeption erfahren hat. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass Christa Wolf nach 1989 zum Gegenstand heftiger Kritik wurde und die Strahlkraft ihres Werkes zeitweise abgenommen hat. Christoph Hein brachte dies in seiner Laudatio für den Uwe-Johnson-Preis so auf den Punkt:
„In den letzten zwanzig Jahren hatte Christa Wolf Irritationen, Angriffe, Kampagnen erlebt und durchstehen müssen wie wenige deutsche Autoren vor ihr. Die, die sie liebten und schätzten, waren um sie besorgt, fürchteten um sie, um ihre Gesundheit, um ihre Arbeitskraft.“
In „Stadt der Engel“ nun sucht die Autorin nach erzählerischen Möglichkeiten, diese durchaus existentiell zu nennende Krise vom Anfang der 1990er Jahre durch eine Selbstbefragung des Ichs zu erinnern und dieses noch einmal in den Zeitschacht der Geschichte abtauchen zu lassen.
Die Tagung zielt darauf, sich im historischen Abstand dem Werk von Christa Wolf unter Einbeziehung neuerer kulturwissenschaftlicher Theorien zuzuwenden. Es soll darum gehen, die Bedeutung der Autorin für die deutsche (Literatur-) Geschichte zu diskutieren und die Frage zu beantworten, in welcher Weise Christa Wolf mit ihren Texten den zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Systemen jeweils gegebenen gesellschaftlichen Normalismus ‚aufgestört’ hat. Insofern versteht sich die Tagung auch als ‚fortgesetzter Versuch’, mit der Kategorie „Störung“ zu vertieften Erkenntnissen in Hinblick auf das Handlungs- und Symbolsystem Literatur zu gelangen. Am Beispiel von Christa Wolf zeigt sich nämlich, dass in dem Maße, wie sich die gesellschaftlichen Toleranzgrenzen verengen, Systeme auf offensichtliche Störungen mit Mitteln der Kritik, der Repression und gegebenenfalls des Ausschlusses reagieren.
Für die Tagung bieten sich u.a. folgende Schwerpunkte an:

- Die Autorin ist in den Kontext jener Autoren-Generation und der sich ausbildenden poetologischen Konzepte zu stellen, die nach dem Zivilisationsbruch der Jahre 1933 bis 1945, nach Krieg und Holocaust 1945 in der DDR einen Neuanfang suchte und die Vision von einem neuen Deutschland annahm. Von daher kann es darum gehen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Autorinnen und Autoren wie Generationen einsehbar zu machen wie etwa: Anna Seghers, Johannes R. Becher, A. Zweig, Hans Fallada, Franz Fühmann, Uwe Johnson, Brigitte Reimann, Volker Braun. Ausdrücklich sind Bezüge zu jenen Autorinnen und Autoren erwünscht, die in der Bundesrepublik zum Umfeld der ‚Gruppe 47’ gehörten.

- Von Interesse kann es sein, etwa dem Frühwerk von Christa Wolf auf Grund der einsehbar gewordenen Archivmaterialien nachzugehen. Die Anfänge der Autorin reichen zurück in die frühen 1950er Jahre und an die Schwelle der Etablierung zweier unterschiedlicher Literatursysteme in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Christa Wolf hat noch bis zum Anfang der 1960er Jahre ästhetische Positionen bzw. ‚Vereinbarungen’ der frühen DDR-Literatur mit getragen. Dies betrifft ihre Arbeit als Literaturkritikerin oder auch ihre Erzählung „Moskauer Novelle“ (1961). Zunehmend aber suchte die Autorin mit ihren Texten der „wirklichen Wirklichkeit“ (Anna Seghers) auf die Spur zu kommen. Spätestens Mitte der 1960er Jahre hatte sich die Autorin dann mit dem von ihr entworfenen Prinzip der ‚subjektiven Authentizität’ frei geschrieben.

- Bereits Mitte der 1960er Jahre hat die Autorin auf die Bedeutung des Erinnerns für das eigene Schaffen aufmerksam gemacht. Nachfolgend bilden das erinnernde Nach-Denken und die damit verbundene Selbsterkundung einen Kern dessen, was Christa Wolf ‚subjektive Authentizität‘ nennt. Es ist dies für die DDR der 1960er Jahre ein Neuansatz, weswegen in Verbindung mit „Nachdenken über Christa T.“ auch die Rede davon war, dass dies die Gründungsurkunde der neueren Literatur in der DDR gewesen sei. Zu fragen ist daher nach der Rolle des „Prinzips Erinnerung“ im Schaffen von Christa Wolf, ebenso wie nach den ästhetischen Formen, in denen Erinnerung inszeniert wird (‚Rhetorik der Erinnerung’).

- Mit dem Werk von Christa Wolf steht einerseits die Frage nach der Wirkungskraft von Literatur im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Stabilisierungsprozessen und Störung im Raum. Andererseits geht es in diachroner Perspektive jeweils um spezifische ‚Einschnitte’ im Literaturprozess, die deshalb heute im kollektiven Gedächtnis erinnert werden, weil sie aufstörende Wirkungen hatten. Der beständig einsetzende kulturpolitische Schlagabtausch um die Texte der (jungen) ostdeutschen Autorengeneration seit den 1950er war Ausdruck des Versuchs des SED-Apparates gesellschaftliche Stabilität durch Ausschluss von ‚abweichenden‘ Positionen zu erreichen. Welche zentrale Bedeutung dem kulturellen Feld beigemessen wurde, zeigen die zahlreichen Kontroversen in den 1950er und 1960er Jahren (1953, 1956, 1959, 1961, 1965, 1968, 1976). Zu fragen ist, welche Rolle Christa Wolf und ihre Texte in diesen Prozessen jeweils spielten.

- Bei einem Blick auf das Werk der Autorin sind die unterschiedlichen Facetten wie der literaturgeschichtliche Ort des Schreibens zwischen Roman, Erzählung und Essay im Kontext der Entwicklungen innerhalb wie außerhalb der Literatur in der DDR zu beleuchten.

- Christa Wolf hat gemeinsam mit Gerhard Wolf ab Mitte der 1960er Jahre auch Drehbücher verfasst (u.a. „Der geteilte Himmel“, 1964; „Till Eulenspiegel“, 1975). Diese Seite des künstlerischen Schaffen ist bislang nicht hinreichend erfasst.

- Die inzwischen vorliegenden Briefbände geben ein Bild davon, welche Rolle in der DDR Freundschaften zwischen Autoren gespielt haben und lassen Rückschlüsse zu über die Spezifik von literarischen Gruppenbildungen in ‚geschlossenen Gesellschaften’.

- An und mit den Texten von Christa Wolf wird es möglich, unter Einbeziehung neuerer Gender-Theorien den Stellenwert ‚weiblichen Schreibens’ zu bestimmen.

- Von Interesse sind Phasen wie Besonderheiten der internationalen Rezeption der Texte von Christa Wolf etwa in Nordamerika oder den Ländern des Real-Sozialismus. Dies betrifft auch Fragen der Kanonisierung oder Dekanonisierung im Deutschunterricht vor und nach 1989.

- Von besonderer Bedeutung und bislang nicht hinreichend erfasst, sind jene Texte von Christa Wolf, die nach 1989 entstanden sind. Zu fragen ist dabei, ob sich Neuerungen, Modifizierungen, Veränderungen im Schreiben ergeben oder gar ein anderer Ton angeschlagen wird (etwa in „Stadt der Engel“.

- Da Christa Wolf in vielfältigen Rollen agiert hat, erscheint es angeraten, neben den Texten selbst auch die ‚Handlungsrollen‘ (Literarische Produktion, Distribution, Rezeption) und die entsprechenden Institutionen in den Blick zu nehmen. Dies um so mehr, da es um Entwicklungen in der DDR, um deutsch-deutsche wie internationale Literatur- bzw. Kulturbeziehungen geht.

Weitere Konkretisierungen und Präzisierungen durch die Referenten/innen sind innerhalb des vorgegebenen Themenrahmens ausdrücklich erwünscht.

Bei Interesse bitten wir um Rückmeldung mit einem konkreten Themenangebot bis zum 31. März 2011 an eine der beiden folgenden Adressen:

Prof. Dr. Carsten Gansel
Justus-Liebig-Universität Gießen
FB 05 Sprache, Literatur, Kultur
Institut für Germanistik
Otto-Behaghel-Str. 10
35394 Gießen
Carsten.Gansel@germanistik.uni-giessen.de

Prof. Dr. Pawel Zimniak
Uniwersytet Zielonogórski
Instytut Filologii Germańskiej –
Wydział Humanistyczny
ul. Wojska Polskiego 69
65–762 Zielona Góra, Polen
P.Zimniak@ifg.uz.zgora.pl

http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/glm/forschung/tagungen/cfp-christa-wolf

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/glm/for...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortZielona Góra, Polen
Bewerbungsschluss31.03.2011
Anmeldeschluss15.05.2011
Beginn16.06.2011
Ende18.06.2011
PersonName: Prof. Dr. Carsten Gansel 
Funktion: Mitveranstalter 
E-Mail: carsten.gansel@germanistik.uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution: Justus-Liebig-Universität Gießen 
Strasse/Postfach: Otto-Behaghel-Str. 10B 
Postleitzahl: 35394 
Stadt: Gießen 
Telefon: 0641/99-29121 
E-Mail: carsten.gansel@germanistik.uni-giessen.de 
Internetadresse: http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/glm 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.13.00 Literaturkritik. Wertung; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/18096

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 07.02.2011 | Impressum | Intern