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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Friedrich Schlegel und die Philologie"
RessourcentypCall for Papers
TitelFriedrich Schlegel und die Philologie
BeschreibungFriedrich Schlegel und die Philologie

Dritte Jahrestagung der Friedrich Schlegel-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien
12.-14.4.2012, FU Berlin

In der Unbestimmtheit der Konjunktion ›und‹, die im Tagungstitel den Namen Friedrich Schlegel mit der Disziplin der Philologie verknüpft, liegen Verheißungen und Zumutungen des Themas eng beisammen. Während der junge Friedrich Schlegel, seinerseits teils Dilettant, teils Mann vom Fach, der aktuell in Bedrängnisse geratenden Disziplin weiterhin auf die Sprünge zu helfen vermag – auch über das vielfach beschworene Schlagwort einer »Philosophie der Philologie« hinaus –, bietet der alte Schlegel das Schreckbild eines nationalphilologisch verengten, im Dienste von Ideologien operierenden Literaturhistorikers; eine Figur, die im 19. und 20. Jahrhundert zum Ansehensschwund der Philologien erheblich beigetragen hat. Die Tagung will das Innovationspotential der Konjunktion zwischen Schlegel und der Philologie freilegen und schlägt daher vor, die Zumutungen dieser Konjunktion symptomatisch aufzufassen: als die ›andere Seite‹ einer offenen Disziplin und eines beweglichen Autors.

Das Thema der Tagung soll in vier Sektionen bearbeitet werden. Sie beziehen sich auf das Verhältnis des Forschers und wissenschaftlichen Autors Friedrich Schlegel zur antiken und zur neuzeitlichen Philologie, insbesondere zu zeitgenössischen Philologen (Genealogie), die Aufnahme von Friedrich Schlegels Überlegungen zur Theorie und Praxis der Philologie in der zeitgenössischen Philologie und die Wirkungsgeschichte dieser Überlegungen (Rezeption), die Erforschung von Friedrich Schlegels Schriften (im weitesten – die Konzepte und Notizen sowie Briefe einschließenden – Sinne des Worts) mit philologischen Mitteln (Studium) und nicht zuletzt auf grundsätzliche Überlegungen zur ›Philologie‹ am Beispiel dieses Autors oder anhand seiner Schriften (Disziplin).

Im Einzelnen geht es um folgende Problemstellungen:

1) Genealogie
Unter diesem Aspekt ist zwischen dem frühen (dazu zuletzt Benne/Breuer), dem mittleren und dem späten Friedrich Schlegel zu differenzieren, denn dessen Verhältnis zur Sprache und zur Schrift in den Notizheften »Zur Philologie« (1797) über das Buch »Über die Sprache und Weisheit der Indier« (1808) bis zu der Vorlesung »Philosophie der Sprache und des Wortes« (1828) unterliegen einem erheblichen Wandel. Von grundlegender Bedeutung sind Ermittlungen zu den philologischen Autoren, auch Editoren, die der jüngere wie der ältere Friedrich Schlegel tatsächlich gekannt, gelesen, benutzt hat (J. J. Winckelmann, Ch. G. Heyne, F. A. Wolf, F. Hemsterhuis, u. a. m.).

2) Rezeption
Hier gilt es ein weitgehend unbekanntes Gelände zu erschließen, auf das es bisher zumeist nur mehr oder minder vage Hinweise gibt. Einige Beispiele wären G. A. F. Ast, »Grundriß der Philologie« (1808), ein Wissenschaftler, der an die ›historische Kritik‹ Friedrich Schlegels anschließt, der unter dem Einfluss Friedrich Schlegels stehende Übersetzer J. D. Gries oder H. Th. Roetscher mit seiner Studie »Aristophanes und sein Zeitalter. Eine philologisch-philosophische Abhandlung zur Alterthumsforschung« (1827), ein Buch, das in seinen zentralen Thesen auf Friedrich Schlegels frühen Komödien-Aufsatz zurückgeht.

3) Studium
Hinsichtlich der Erforschung von Friedrich Schlegels Schriften ist im Sinne des Tagungsthemas zu unterscheiden zwischen der reflexiven Betrachtung einer gegebenen Forschungspraxis und der praktischen (exemplarischen) Demonstration einer spezifisch philologischen Vorgehensweise in einem Einzelfall (einem Text, einer Gruppe von Texten, einer historischen Konstellation, einem Problem). Dies schließt auch die Erweiterung des Begriffs ›Philologie‹ ein: So gerät das Verhältnis von Philologie und Kunsttheorie sowie von Text- und Bildwissenschaft in den Blick, damit aber viel grundlegender das Verhältnis von (Literatur )Theorie und Studium.

4) Disziplin
In Schlegels Poetik identifizieren sich poststrukturalistisch geprägte und klassisch-hermeneutisch ausgerichtete Literaturwissenschaft gleichermaßen als Philologie; die Germanistik sieht ihre Nähe zur Allgemeinen Literaturwissenschaft und die Komparatistik ihre Ursprünge gerade auch in der deutschen romantischen Literaturtheorie. In diesem Kontext wäre u. a. anzuschließen an fachgeschichtliche Befunde zu Schlegels Klassiker-Lektüre (Wegmann) sowie an aktuelle Debatten über die Leistungen und Grenzen der Philologie (Gumbrecht, Alt, Nutt-Kofoth/Plachta, Schwindt) und ihre Methodenpolitik (Bremer/Wirth, Bohnenkamp et al.). Nicht zuletzt ist nach den gegenwärtigen Wirkungen von Schlegels Werk im Selbstverständnis der Literaturwissenschaften im deutschsprachigen Raum zu fragen.

Interessenten werden gebeten, ihren Themenvorschlag zusammen mit einem Abstract von ca. 400–500 Wörtern bis zum 31. Juli 2011 an die Organisatoren der Tagung
- Ulrich Breuer (ulrich.breuer@uni-mainz.de),
- Remigius Bunia (mail@litwiss.bunia.de)
- Armin Erlinghagen (armin-erlinghagen@web.de),
- Stefan Keppler-Tasaki (keppler-tasaki@gmx.de)
zu schicken. Bewerbungen von Nachwuchswissenschaftlern sind ausdrücklich erwünscht. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist vorgesehen.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://schlegel-gesellschaft.de/folders/sb/Call_for_Papers.pdf
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss31.07.2011
Beginn12.04.2012
Ende14.04.2012
PersonName: Univ.-Prof. Dr. Ulrich Breuer 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: ulrich.breuer@uni-mainz.de 
KontaktdatenName/Institution: Friedrich Schlegel-Gesellschaft 
Strasse/Postfach: Marc-Chagall-Straße 3b 
Postleitzahl: 55127 
Stadt: Mainz 
Telefon: +49 6131 39-22756 
E-Mail: ulrich.breuer@uni-mainz.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeEditionstheorie; Geschichte der Germanistik; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Klassiker; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationstheorie; Rhetorik; Stilistik
Klassifikation14.00.00 Romantik > 14.12.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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