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Ergebnisanzeige "Grenzdiskurse – Kulturelle Selbstverortung und Kulturtransfer in der Tagespresse deutschsprachiger Minderheiten in Mitteleuropa"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGrenzdiskurse – Kulturelle Selbstverortung und Kulturtransfer in der Tagespresse deutschsprachiger Minderheiten in Mitteleuropa
BeschreibungTagungsankündigung
Grenzdiskurse – Kulturelle Selbstverortung und Kulturtransfer in der Tagespresse deutschsprachiger Minderheiten in Mitteleuropa

Eine gemeinsame Veranstaltung des Germanistischen Seminars der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Prof. Dr. Sibylle Schönborn) und der Nationalen Iwan Franko Universität Lviv (Dr. Larissa Cybenko) vom 11. bis 12 Mai 2007 in Lemberg/Ukraine

"In alten Zeiten […] kannte man keine einzige der Nationen Mitteleuropas. Unter ‚man’ ist hier die okzidentale Welt zu verstehen. So zum Beispiel hat sie keine Karpatho-Russen gekannt. […] Die okzidentale Welt war gleichsam der Pflicht enthoben, mitteleuropäische Geographie zu studieren."
Joseph Roth über „Unterricht in Geographie“ in der „Pariser Tageszeitung“ (1939)

Die internationale Tagung wird, unter Beteiligung von Historikern, Sprach- und Literaturwissenschaftlern aus Tschechien, Polen, Slowenien, Kroatien, Russland, der Ukraine und Deutschland, Zeitungen deutschsprachiger Minderheiten in Mitteleuropa als Kom-munikationsmedien der kollektiven Selbstverortung sowie des kulturellen Transfers in multiethnischen und multilingualen Räumen untersuchen.
Auf der Tagung sollen daher zwei untrennbar miteinander verbundene Fragestellungen diskutiert werden: Welchen Anteil hat das Medium Zeitung an der Ausbildung, Vermittlung und Diskussion kollektiver Identitäten und welche Abgrenzungs- und Austauschprozesse finden in Tageszeitungen statt, über die sich ein sprachlich, ethnisch und kulturell heterogenes Europa als labile Einheit der Vielfalt bis zum Zweiten Weltkrieg konstituiert hat und heute neuerlich konstituieren muss?
Die Tagung versteht sich damit als internationaler Beitrag zur Erforschung der Geschichte eines Europas der Heteronomien am Beispiel der vielfältigen Presselandschaft deutschsprachiger Minderheiten. Als Tagungsort wurde daher bewusst Lemberg gewählt, weil Lemberg als Zentrum der Westukraine seine europäische Vergangenheit und umgekehrt der Westen das ehemalige Galizien als Teil Europas wieder zu entdecken beginnt.
Wer das gegenwärtige Europa, dessen Mitte sich Karl Schlögel zufolge in Zukunft allmählich und unaufhaltsam nach Osten verschieben wird, in seiner Komplexität, seinen Möglichkeiten wie seinen Grenzen und Gefährdungen verstehen will, bedarf historischer Einblicke in seine Entwick¬lungsgeschichte während der Schwellenzeit der Moderne und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die einzelnen Vorträge der Tagung behandeln in diesem Sinne exemplarische Zeiträume, in denen die Umbrüche der politischen und kulturellen Topografie Europas manifest werden.
Der erste Tag der Tagung ist der Darstellung und Analyse verschiedener Zeitungen deutschsprachiger Minderheiten gewidmet. Dabei wird es um deutschsprachige Zeitungen in Galizien, der Bukowina, an der Wolga, in Kroatien, Slowenien und Böhmen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg gehen. Die Konflikte, die durch den Kontakt deutschsprachiger Minderheiten mit der Mehrheitsbevölkerung und anderen Minderheiten entstehen, werden entweder durch mediale Grenzziehungen und Markierungen von Differenz in der Tagespresse bearbeitet oder durch Öffnung auf das Fremde zur Übersetzung von Kultur über (Sprach)Grenzen hinweg nutzbar gemacht.
Während die Zeitungen im politischen Teil überwiegend die Funktion der Homogenisierung und der Konstruktion eines geschlossenen, stabilen Selbstverständnisses wahrnehmen, öffnet das Feuilleton als ‚unterhaltender’ Teil des Mediums den Blick auf kulturelle Austausch- und Öffnungsprozesse, um die es am zweiten Tag der Tagung vorrangig gehen wird.
Das Feuilleton in den Zeitungen deutschsprachiger Minderheiten kann in diesem Zusammenhang als Forum für eine andere Kartierung Europas begriffen werden, die weniger den geopolitischen Nationalitätendiskurs bedient, sondern diesen bewusst unterläuft. Diese kulturellen Raummodelle korrelieren daher mit der Vorläufigkeit, Unabschließbarkeit und Heterogenität des Mediums. Innerhalb der Zeitung finden die Diskurse der kulturellen
Verortung somit ihr Zentrum im Feuilleton, das selbst als Hybridtext zwischen literarischer Fiktion, Reportage, Dokumentation und freier Reflexion vagabundierend, einer anderen heterogenen, tendenziell offeneren Ordnung des Diskurses als der von Politik und Geschichte folgt. Im Feuilleton kreuzen sich verschiedene Prozesse kollektiver Selbstverortung mit Positionen des Nicht-Identischen. Über ihren Austausch finden in diesem medialen Raum des ‚Dazwischen’ Prozesse kultureller Übersetzung statt.
Die Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Tagespresse in Mitteleuropa leistet nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Konstitution eines europäischen Gedächtnisses auf der Basis des Wissens um seine lange, wenn auch mehrfach gewaltsam unterbrochene, Tradition kultureller Vielfalt.


Tagungsprogramm:

Freitag, den 11. Mai 2007: Kollektive Identitätsstiftung in der deutschsprachigen Presse Mittelosteuropas

9.00
Begrüßung durch den Dekan der Fremdsprachenfakultät Dr. Wolodymyr Sulym

9.15
Einführung: Larissa Cybenko, Sibylle Schönborn

9.30–10.15
Larissa Cybenko (Lemberg): Die deutschsprachigen Zeitungen in Lemberg

10.15–11.00
Peter Rychlo (Czernowitz): Aspekte der deutsch-jüdischen Kultursymbiose in den Publikationen der Zeitung „Czernowitzer Morgenblatt“

11.30–12.15
Maria Gierlak (Torun): Deutschsprachige Presse in Westpolen 1919-1939. Forschungsstand und -desiderata

12.15–13.00
Olga Kozonkova (Saratow): Die Zeitungen der Wolga-Deutschen in der Zwischenkriegszeit

14.30–15.15
Marina Čizmić Horvat (Zagreb): Die deutschsprachige Zeitschrift CROATIA (1839–1842) und die kroatische Identitätsfrage

15.15–16.00
Tanja Žigon (Ljubljana): Die publizistischen Organe der Deutschen in Ljubljana in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

16.30–17.15
Petra Kramberger (Ljubljana): Das Jahr 1929 in der Presse des untersteirischen Deutschtums in Maribor, Celje und Ptuj


17.15–18.00
Mirek Nĕmec (Aussig): Das Feuilleton der Bohemia als deutschnationales Verständigungszentrum in der Zwischenkriegszeit

Samstag, den 12. Mai 2007: Kulturelle Differenz und Kulturtransfer im Feuilleton

9.00–9.45
Katerina Čapková (Prag): Die jüdischen Zeitungen in Prag und Böhmen 1918-1939

9.45–10.00
Tetjana Bujnytz'ka (Lemberg): Mittel von Humor und Satire in den frühen Reportagen von Egon Erwin Kisch

10.30–11.15
Michael Wögerbauer (Wien/Prag): Pavel Eisners deutsch-tschechische Kolumnen in der Prager Presse als Kulturtransfer

11.15–12.00
Scott Spector (Ann Arbor): Egon Erwin Kisch als Feuilletonist

14.00–14.45
Almut Todorow (Konstanz): Ekphrasis im Feuilleton: Robert Walser

14.45–15.30
Christian Jäger (Berlin): Mediale Räume im Feuilleton von Ernst Weiß und Hermann Ungar

16.00–16.45
Anke Uhlenbruck (Düsseldorf): Medientheorie und Medienkritik im Prager Feuilleton

16.45–17.30
Sibylle Schönborn (Düsseldorf): Heine – Kisch – Biller: Spuren einer (mittel)europäischen Feuilletonkultur


Weitere Informationen unter: www.grenzdiskurse.de
Mail: infos@grenzdiskurse.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLemberg
Beginn11.05.2007
Ende12.05.2007
PersonFunktion: Informationen 
E-Mail: infos@grenzdiskurse.de  
KontaktdatenName/Institution: Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 1 
Postleitzahl: 40225  
Stadt: Düsseldorf 
Internetadresse: www.grenzdiskurse.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur
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