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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Unübersetzbarkeit II"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelUnübersetzbarkeit II
BeschreibungUnübersetzbarkeit II

13.-15. Januar 2011

13. Januar, ab 18 Uhr: Festsaal des Erfurter Rathauses:
Eröffnungsveranstaltung: Lesung mit der Schriftstellerin Yoko Tawada

14. Januar, 9 Uhr - 15. Januar, ca. 14 Uhr: Kleine Synagoge Erfurt, An der Stadtmünze 4, 99084 Erfurt
Fortsetzung der Tagung


Programm

Donnerstag 13. 1. 2011 – Festsaal des Erfurter Rathauses

18:00 Begrüßung, Eröffnung
18:30 Lesung: Yoko Tawada, „Abenteuer der deutschen Grammatik“
(Moderation: Hansjörg Bay), anschließend: Empfang im Rathaus

Freitag, 14. 1. 2011 – Kleine Synagoge Erfurt

Sektion I: Sprache

9:00-9:15 Einführung in die Sektion I (& Moderation: Martin Schäfer)
9:15-10:00 Hansjörg Bay (Erfurt): „Lücken der Übertragbarkeit: Yoko Tawada“
10.00-10:45 Martin v. Koppenfels (München): „Kommissbrot. Jonathan Littells Glossar“

10:45-11:15 Kaffeepause

(Moderation: Jessica Wilker)
11:15-12:00 Bénédicte Dacquin (Lille): „Psychopathologie et traduction chez Lewis Carroll, Antonin
Artaud et Louis Wolfson: un moyen d’ en finir avec le langage?“
12:00-12:45 Nils Plath (Erfurt): „‚Um Antwort wird gebeten.‘ Von Worten zu Räumen bei Samuel
Beckett.“

12:45-14:30 Mittagspause

Sektion II: Kultur
14:30-14:45 Einführung in die Sektion II (& Moderation: Jörg Dünne)
14:45-15:30 Thomas Jonas (Lille): „L’universalité du mythe et le rôle de la traduction, ou le
paradoxe de l’impossible transmission culturelle : étude comparée de quelques Faust
français“
15:30-16:15 Katrin Trüstedt (Erfurt): „Rechtliche und literarische Stellvertretung in Hobbes’
Leviathan und Kleists Michael Kohlhaas“

16:15-16:45 Kaffeepause

(Moderation: Kathrin Fehringer)
16:45-17:30 Myriam Suchet (Lille / Montréal): „(Ne pas) traduire: accueillir l’Autre en tant
qu’Autre ou se poser comme étranger?“
17:30-18:15 Thomas Glaser (Erfurt): „Translatio imperii – dilatio nominis. Gestörte Politik der
Übertragung in Otto III. Rede von der Engelsburg“
18:15-19:00 Jörg Dünne (Erfurt), „Translatio studii in Peru: Garcilaso de la Vega, el Inca, als
Übersetzer“

ab 20:00 Abendessen (für die Referenten der Tagung)

Samstag, 15. 1. 2011 – Kleine Synagoge Erfurt

Sektion III: Medien

10:00-10:15 Einführung in die Sektion III (& Moderation: Daniel Eschkötter)
10:15-11:00 Jana Mangold (Weimar), „Theorieübertragungen und ihre Übersetzungspraktiken. Von der
translatio studii zur Medientheorie“
11:00-11:45 Annina Klappert (Erfurt): „Auflösung der Übertragung: J. L. Borges’ El libro de arena“

11:45-12:15 Kaffeepause

(Moderation: Martin Schäfer)
12:15-13:00 Isabel Kranz (Erfurt), „‚No movie simply about flowers.‘ Von der Unübersetzbarkeit der
Blumen“
13:00-13:45 Wolfgang Struck (Erfurt): „‚Mumbo Jumbo geht um‘: Claire Golls Übersetzungen (Batouala,
The Kongo)“
13:45-14:15 Abschlussdiskussion, Ende des Forschungsateliers

Konzept:
Das zweite Atelier zum Thema Unübersetzbarkeit öffnet das enger gefasste Thema des ersten Ateliers, das der sprachlichen, speziell der literarischen Übersetzbarkeit gewidmet war, auf ein weiteres sprach-, medien- und kulturwissenschaftliches Feld – dieses Feld soll hier mit dem Ausdruck Übertragbarkeit belegt werden. Beiden Veranstaltungen gemeinsam ist das besondere Interesse an den intrinsischen Grenzen jeder Form von Übersetz- bzw. Übertragbarkeit.

1) Von der Übersetzung zur Übertragung
Es ist ein Kennzeichen von Übertragungs-Phänomenen, dass ihnen nicht nur im Übergang zwischen den Sprachen, sondern auch in den mit dem Gebrauch einer Sprache verbundenen medialen und kulturellen Praktiken eine konstitutive Rolle spielen. Die (literarische) Übersetzung im engeren Sinn, von der das erste Atelier ausgegangen ist, kann hier in ein sehr viel weiteres Feld von Prozessen der Übertragung eingebettet werden, die auch ihre eigenen Theoriemodelle jenseits der Übersetzungstheorie hervorgebracht haben.

- Im Bereich der Sprachlichkeit wären insbesondere Konzeptionen zu nennen, die sprachliche Kommunikation nicht nur als Übertragung von einer Ausgangs- in die Zielsprache verstehen, sondern die

– insbesondere in Anschluss an die neuere Metaphernforschung – sprachliche Darstellung generell als im Prozess einer konstitutiven Übertragung oder ‚Meta-phorik‘ fundiert sehen, ohne dass dabei ein fester Ausgangspunkt bzw. ‚Original‘ zu fixieren wäre.

- Im Bereich der Medialität stellt die Übertragung eine konstitutive Bedingung von Medialität dar: Übertragungsprozesse werden durch die Entwicklung ‚raumüberwindender‘ technischer Medien besonders evident; prinzipiell müssen aber mediale Übertragungsprozesse bereits im vortechnischen Mediengebrauch der Nähe-Kommunikation mitgedacht werden. Medialität muss somit nicht nur als ein Mittel zum Zweck gedacht werden, sondern als ein vermittelndes Drittes, das seine Eigendynamik besitzt.

- Im Bereich der Kultur stellt Übertragung außerdem – mindestens seit der ausgehenden Antike – das privilegierte Modell des Kulturtransfers bereit, zunächst im Modell der translatio imperii et studii; aktuell beruhen etwa Netzwerktheorien auf einem Modell von Übertragung im weiteren Sinn – z.B. die Akteur-Netzwerk-Theorie Bruno Latours, in der Übertragung als ständige Transformation der operationalen Beziehungen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren verstanden wird.

2) Grenzen der Übertragbarkeit
Die unter Punkt 1) genannten Übertragungsphänomene sind in den letzten Jahren vor allem von kulturwissenschaftlicher Seite hervorgehoben worden, was sogar zur Ausrufung eines umfassenden translational turn geführt hat. Die kulturwissenschaftliche Forschung übertreibt zwar sicherlich die Ausdehnung des Begriffs der Übersetzung in einer Weise, dass sich dadurch alle möglichen kulturellen Übertragungsprozesse bezeichnen lassen – Harish Trivedi hat diese Neigung zur Katachrese bereits kritisiert. Dennoch hat die kulturwissenschaftliche Übersetzungsforschung das unschätzbare Verdienst, die Machtverhältnisse ins Zentrum der Diskussion zu stellen. Weit davon entfernt, ein unschuldiges Instrument zur Stiftung von Eintracht zwischen den Völkern zu sein, erweist sich die Übersetzung oft als imperialistisch und ethnozentrisch. Ist die Grenze zwischen Übersetzbarkeit und Unübersetzbarkeit also vielleicht aufs Engste mit sehr viel weniger metaphorischen Grenzen verknüpft? Anstatt auf einem Modell der generalisierten Übertragbarkeit zu beharren, sollen in der Folge der Fragestellung des ersten Ateliers hier vor allem die Grenzen und Störungen solcher Prozesse untersucht werden. Geht man davon aus, dass Übertragungsprozesse die Kommunikation unter Umständen immer schon von ihrem ursprünglichen (sprachlichen, medialen oder kulturellen) Ziel ablenken, so werden auf dieser Grundlage unter Umständen sehr viel komplexere Ergebnisse denkbar als wenn man von einem generalisierten kulturellen Übertragungsmodell ausgeht. Die Übertragungsstörung ist also nicht als zufällige Abweichung, sondern als unverzichtbares Element für das Zustandekommen und sogar für das Gelingen von Kommunikation zu sehen. Die Unübertragbarkeit wäre somit weniger als die Grenze der Übertragbarkeit als vielmehr als ihre Möglichkeitsbedingung zu verstehen, genauso wie Übersetzung durch Unübersetzbarkeit erst möglich wird.

Die Grenzen der Übertragbarkeit gilt es zunächst auf jeder der oben genannten Ebenen Sprache, Medien und Kultur untersuchen: Texte insbesondere literarischer Provenienz, die sich aufgrund
ihres spezifischen Umgangs mit der Materialität der Zeichen der Übersetzbarkeit entziehen, wären hier als beispielhafte Untersuchungsgegenstände genauso zu nennen wie mediale Übertragungsstörungen von den apparativen Grundlagen bis hin zum Feld der Intermedialität, wo sich die Probleme der sprachlichen Übersetzung noch einmal potenzieren. Schließlich gilt es auch in der neuen kulturwissenschaftlichen ‚Hochburg‘ der translation studies die Aufmerksamkeit vermehrt auf die Bruchstellen kultureller Übertragung zu richten, wo Transferprozesse gewaltsam abgebrochen werden oder wo von vornherein bestimmte kulturelle Akteure aus ihnen ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus ermöglicht es die gemeinsame Frage nach den Grenzen von Übertragungsprozessen auch, eine ‚transversale‘ Perspektive einzunehmen, die letztlich die Übertragungsverhältnisse zwischen den drei Feldern Sprache, Medien und Kultur selbst in den Blick nehmen. Dabei könnten zum einen im Detail Konstellationen beschrieben werden, bei denen sprachliche, mediale und kulturelle Übertragungen in mehr oder weniger gelingende Interaktion treten. Zum anderen lässt sich diese Interaktion auf verschiedenste Arten von Störungen befragen: Verhalten sich Übertragbares und Nichtübertragbares in allen genannten
Feldern analog oder artikulieren sie sich jeweils unterschiedlich? Treten spezifische produktive oder unproduktive Störungen bei Übertragungen zwischen diesen drei Feldern auf? Wann und unter welchen Bedingungen entsteht in welchen Feldern ein historisches Bewusstsein nicht nur von der Notwendigkeit, sondern auch von den Grenzen der Übertragbarkeit? Gehen weiterhin das Vertrauen auf die sprachliche, mediale und kulturelle Übertragbarkeit und die Wahrnehmung ihrer Grenzen historisch stets Hand in Hand oder kommt es vielmehr zu charakteristischen Verwerfungen?

Schließlich: Wo liegen die Grenzen der Analogisierbarkeit von bzw. Übertragbarkeit zwischen sprachlichen, medialen und kulturellen Übertragungsprozessen und welche Folgen hat eine Differenzierung dieser drei Felder? Wäre bspw. die sprachliche Übersetzung als eine Form von medialer oder kultureller Übertragung zu verstehen, die einerseits zu besonderer Effizienz fähig ist, die andererseits aber auch – insbesondere in literarischen und vor allem in lyrischen Texten – die konstitutiven Grenzen von Übertragungsprozesse besonders deutlich hervortreten lässt?

Eine gemeinsame Veranstaltung der Literaturwissenschaftlichen Seminare der Universität Erfurt und der Université Lille III
Organisation: Jörg Dünne, Martin Jörg Schäfer (Erfurt), Myriam Suchet, Jessica Wilker (Lille)
Gefördert durch die Deutsch-Französische Hochschule und die Stadt Erfurt


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.uni-erfurt.de/literaturwissenschaft/romanistik/unuebersetzb...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortErfurt
Beginn13.01.2011
Ende15.01.2011
KontaktdatenName/Institution: Literaturwissenschaftliches Seminar, Universität Erfurt 
Strasse/Postfach: Nordhäuser Straße 63 
Postleitzahl: 99089  
Stadt: Erfurt 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.11.00 Übersetzung; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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