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Ergebnisanzeige "Die «fortschrittliche Kultur» des Kalten Kriegs (1945-1989)"
RessourcentypCall for Papers
TitelDie «fortschrittliche Kultur» des Kalten Kriegs (1945-1989)
BeschreibungDie « fortschrittliche Kultur » des Kalten Kriegs (1945-1989)
Donnerstag und Freitag 15-16.9.2011 - Université Stendhal-Grenoble 3


Der Kalte Krieg wurde auch kulturell ausgetragen: während die kommunistische Bewegung an den antifaschistischen Kampf der dreißiger Jahre anzuknüpfen vorgab und weltweit „Kulturträger“ gegen den „US-Imperialismus“ zu mobilisieren suchte, gelang es den Mächten der „freien Welt“, zahlreiche Intellektuelle und Künstler für den Kampf gegen die „rote Gefahr“ und die Verbrechen des Stalinismus zu gewinnen. Im Osten waren die Kunst und das Denken einer offenen und brutalen Kontrolle unterworfen, der Westen begnügte sich mit subtileren Methoden. Eine vermittelnde oder nuancenreiche Stellungnahme wurde beispielsweise unumgänglich als Bekenntnis zum feindlichen Lager ausgelegt.
Allerdings hat der ideologische Krieg die Künstler und Denker beider Lager nicht von der Aufgabe befreit, dieselben Fragen zu behandeln. Welche Lehren konnten aus den Schrecken der vorhergegangenen Jahrzehnte gezogen und für die Neudeutung der Vergangenheit und den Aufbau einer besseren Welt nutzbar gemacht werden? Welchen Grundsätzen sollte nun die neue Wirtschafts-, Gesellschafts- und Staatspolitik folgen? Wie sollten Intellektuelle und Künstler ihre Rolle als engagierte Staats- und Weltbürger und ihr Verhältnis zum Staat definieren? Sollte Kunst einer offenen Absicht entsprechen, oder war es im Gegenteil vergeblich, sie irgendeinem politischen oder sozialen Ziel unterordnen zu wollen? Zu diesen Fragen, die an Probleme der zwanziger und dreißiger Jahre anknüpften, kamen neue hinzu: die nukleare Bedrohung, die Entkolonialisierung und das plötzliche Auftreten der „Dritten Welt“ , insbesondere der blockfreien Staaten, auf der politischen und kulturellen Weltbühne. Thematisiert wurden auch der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Gebiete, sowie die Eroberung des Weltraums, das Entstehen der Konsumgesellschaft, die Demokratisierung der Gymnasial- und Hochschulbildung, die exponentielle Entwicklung der modernen Medien (Vinylschallplatten, Fernsehen, Transistorradio, Tonbandgerät) und die Dominanz der USA in vielen Sektoren, zum Beispiel Comics, Kunstmarkt, Film, Fernsehen und Popmusik. Der Aufschwung der angelsächsischen Massenkultur sicherte der „freien Welt“ bei der Jugend der industrialisierten Länder beider Lager einen Vorsprung.
Heute heben die meisten Veröffentlichungen die Amerikanisierung der populären Kultur sowie den gescheiterten Versuch einer Lenkung und Kontrolle des Kulturlebens im real existierenden Sozialismus hervor, wobei durchaus auf gewisse Unterschiede hingewiesen wird, zum Beispiel zwischen Staaten, in denen der Bruch zwischen „realer“ und „vorgeblicher“ Gesellschaft besonders eklatant war, und solchen, die für die Demokratie noch nicht ganz reif waren. Diese Tagung möchte das Problem der Bilanz „anders“ aufwerfen, nämlich im Rückgriff auf den mit der gehörigen Vorsicht zu verwendenden Begriff „fortschrittliche Kultur“ oder „Kultur des fortschrittlichen Lagers“ zur Bezeichnung von künstlerischen und intellektuellen Produktionen, in denen nach 1945 im Osten und im Westen der Versuch unternommen wurde, die Welt neu zu interpretieren und zu verändern.
Die Beiträge sollten sich primär mit der Zeit des Kalten Krieges von 1945 bis 1989 befassen. Alle künstlerischen und intellektuellen Ausdrucksformen, ob elitär oder für ein Massenpublikum bestimmt, sind von Belang: das philosophische Denken, die zeitgenössische bildende Kunst oder die literarische Avantgarde sind genauso relevant wie beispielsweise Volks- und Popmusik oder Fernsehshows, wobei eventuelle Übergänge von der E- („ernsten“) zur U(nterhaltungs)-Kultur möglicherweise besonders interessante Aufschlüsse liefern könnten. Auch wenn die Erforschung des „nationalen“ Kulturlebens ¬ – für die beispielsweise die Feldtheorie Pierre Bourdieus neue Zugänge erschlossen hat – hier ebenfalls eine Rolle spielt, sollte insgesamt vor allem die internationale Resonanz der „fortschrittlichen Kultur“ im Vordergrund stehen.

Die Beiträge sollten vorzugsweise in französischer Sprache gehalten und verfasst werden, auch Deutsch, Englisch und Spanisch sind möglich. Die Teilnehmer werden gebeten, den Veranstaltern spätestens zwei Wochen nach dem Symposium eine den typographischen Normen des Verlegers entsprechende Datei (Word oder Word-kompatibel) + Druckfassung zuzusenden. Die Beiträge erscheinen in der Online-Zeitschrift ILCEA.

Die Vorschläge (max. 4000 Zeichen, einschl. einer kurzen bio-bibliografischen Notiz) sollten bis zum 13. März 2011 eingereicht werden.

François Genton, professeur, études germaniques francois.genton@u-grenoble3.fr
Edmond Raillard, professeur, études ibériques et ibéro-américaines edmond.raillard@u-grenoble3.fr

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://w3.u-grenoble3.fr/ilcea/ceraac/spip.php?rubrique3
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGrenoble
Bewerbungsschluss13.03.2011
Anmeldeschluss13.03.2011
Beginn15.09.2011
Ende16.09.2011
PersonName: François GENTON 
Funktion: Professeur des universités, département d'études allemandes et néerlandaises 
E-Mail: francois.genton@u-grenoble3.fr 
KontaktdatenName/Institution: ILCEA (Institut des langues et des cultures d'Europe et d'Amérique) UFR langues Université Stendhal 
Postleitzahl: 38040 
Stadt: Grenoble CEDEX 9 
Telefon: 0033-476826856 
Fax: 0033-476824351 
E-Mail: francois.genton@u-grenoble3.fr 
Internetadresse: http://w3.u-grenoble3.fr/ilcea/ceraac/spip.php?breve4 
LandFrankreich
SchlüsselbegriffeGeschichte der Germanistik; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Klassiker
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990 > 18.10.03 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR > 18.11.03 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.13.00 Schweiz; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.13.00 Schweiz > 18.13.03 Geistes- und Kulturgeschichte
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