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Ergebnisanzeige "Im Zentrum der Moderne: Max Herrmann-Neisse (1886-1941)"
RessourcentypCall for Papers
TitelIm Zentrum der Moderne: Max Herrmann-Neisse (1886-1941)
BeschreibungIm Zentrum der Moderne: Max Herrmann-Neisse (1886-1941)
Tagung des Max-Herrmann-Neisse-Instituts Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Universität
01.-03. Dezember 2011

Max Herrmann-Neisse ist eine der zentralen Gestalten der deutschen Literatur der Moderne, die von der Peripherie, der oberschlesischen Provinz, nach Berlin in das Zentrum des kulturellen Lebens während der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts aufbrach und mit dem Ende der Weimarer Republik von Hitler aus Deutschland ins Exil nach London vertrieben wurde.

In Berlin tritt Max Herrmann-Neisse einerseits als Akteur in den unterschiedlichen Kunst- und Kulturszenen in Erscheinung und wird andererseits als Außenseiter in mehrfacher Hinsicht ihr aus kritischer Distanz beobachtender Chronist. Der Lyriker, Dramatiker, Romanautor, Literaturkritiker und Essayist kann mit seinen vielfältigen literarischen, künstlerischen, politischen und kulturkritischen Aktivitäten als einer der Protagonisten in verschiedenen Künstlerkreisen der Moderne vor und nach dem Ersten Weltkrieg begriffen werden, weil sich in seinen Werken die unterschiedlichsten künstlerischen Ideen und Programme, Stile und Tendenzen treffen und überkreuzen, die die Vielschichtigkeit und „Ambivalenz der Moderne“ (Zygmunt Bauman) von bewusster Heterogenität bis zum unversöhnlichen Widerspruch sichtbar machen.

In diesem Sinne siedelt Max Herrmann-Neisses Werk in einem Zwischenraum der verschiedenen Epochenstile, literarischen Programme und künstlerischen Formen. Mit den Mitteln eines modernen Eklektizismus entsteht so ein unverwechselbares Werk aus irritierenden Formexperimenten, das seine kritische Schlagkraft und kompromisslose Radikalität aus dem Ereignis des Ersten Weltkriegs bezieht. Nach den Anfängen im satirisch-selbstironischen Heine-Ton der frühen Lyrik experimentiert Max Herrmann-Neisse in seinen Gedichten mit dem gesamten Spektrum expressionistischer Formen. 1914 bezieht er als einer der Ersten mit seiner pazifistischen Einstellung gegenüber dem Ersten Weltkrieg an der Seite von Pfemferts „Aktion“ eine eindeutige Position. Das Romanwerk Max Herrmann-Neisses, in dem fast immer die Figur des Künstlers im Zentrum steht, liefert als Gegenwartschronik einen eigenständigen, bisher zu Unrecht kaum beachteten Beitrag zur Literatur der Neuen Sachlichkeit. Mit seinen Literaturkritiken und Essays erweist er sich ebenso als genauer Kenner und Vermittler der zeitgenössischen Literatur-, Kunst- (Zille, Grosz, Meidner, Schad, Kokoschka) und Kulturszenen wie durch sein Engagement für neue intermediale, performative Formate der Aktionskunst, z. B. dem Kabarett, als Teil kultureller Innovationsprozesse. Auf die Entstehung neuer Medien, den Hörfunk und den Film, reagiert Max Herrmann-Neisse mit seinen Beiträgen zu der jungen Gattung des Hörspiels und Nebenrollen im Spielfilm. Frühe Formen der Intermedialität der Moderne spielen daher in Max Herrmann-Neisses Arbeiten wie auch in seinen späten Text-Bild-Collagen eine nicht unerhebliche, bisher kaum wahrgenommene Rolle.

Nach 1933 spiegeln sich in Max Herrmann-Neisses Lebensgeschichte typische Stationen der Exilerfahrung seiner Künstlergeneration. Eine Dokumentation seiner Aktivitäten als Mitbegründer des deutschen Exil-PEN in London und eine wissenschaftliche Würdigung seines Spätwerks, in dem er lyrisch seine Exilerfahrung reflektiert und in seinem letzten Fragment gebliebenen Roman eine kritische Bilanz über den Kunstbetrieb seiner Zeit zieht, steht bisher noch aus.

Die Tagung setzt sich zum Ziel, das vielfältige Werk Max Herrmann-Neisses im Kontext der Kunst- und Kulturszenen der Moderne und des Exils zu diskutieren. Aus den Beziehungen zwischen Max Herrmann-Neisse und Künstlern und Autoren der schlesischen Provinz, der Berliner Moderne und des Exils, die erst durch eine vollständige Publikation des umfangreichen Briefnachlasses bewertet werden können, soll die Bedeutung dieses zu Unrecht marginalisierten Autors der Weimarer Republik im Jahr seines siebzigsten Todestages in den Blick genommen werden. Daher bitten wir um Beiträge zu Max Herrmann-Neisse im Zusammenhang mit den folgenden Themengebieten:

Moderne:

- Moderne und Modernetheorien
- Europäische und amerikanische Literaturen der Moderne

Kulturelle Topografien:

- Zentren und Peripherie / Metropole vs. Provinz
- (Ober)Schlesien als Literaturraum

Epochenstile:

- Literarische Beziehungen, Künstlerkreise, -freundschaften, Kontroversen, Briefwechsel
- Theorie, Literatur und Kunst des Expressionismus
- Theorie, Literatur und Kunst der Neuen Sachlichkeit


Gattungen, Formen, Medien:

- Lyrik, Prosaformen
- Literatur- , Kunst- und Kulturkritik, Essayistik
- Performative Künste: Kabarett, Theater
- Medien der Moderne (Zeitschriften, Hörfunk, Film) und Formen der Intermedialität

Literatur und Politik:

- Theorien und Modelle
- Der Erste Weltkrieg und die Künste
- Antisemitismus und Literatur der Moderne

Exil:

- Orte des Exils, Exilkreise, Organisations- u. Publikationsformen, Briefwechsel
- Exilliteratur, Formen, Themen



Bitte richten Sie Ihr einseitiges Exposé zu einem Vortrag von 30 Minuten an

schoenborn@phil.uni-duesseldorf.de

Einsendeschluss ist der 7. Januar 2011.


Kontaktadresse:

Prof. Dr. Sibylle Schönborn
Institut für Germanistik II
Heinrich-Heine-Universität
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ2/b_witte/mhn/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortDüsseldorf
Bewerbungsschluss07.01.2011
Beginn01.12.2011
Ende03.12.2011
PersonName: Prof Dr. Sibylle Schönborn 
Funktion: Leitung Max-Herrmann-Neisse-Institut 
E-Mail: schoenborn@phil.uni-duesseldorf.de 
KontaktdatenName/Institution: Heinrich-Heine-Universität, Institut für Germanistik II 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 1 
Postleitzahl: 40225  
Stadt: Düsseldorf 
Telefon: 02118115333 
Fax: 0211812951 
E-Mail: schoenborn@phil.uni-duesseldorf.de 
Internetadresse: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ2/b_witte/mhn/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Genderforschung; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Lyriktheorie; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie; Motiv- u. Stoffgeschichte; Theater (Aufführungspraxis)
Zusätzliches SuchwortModerne, Exil, Kulturelle Topografie, Schlesien
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.09.00 Literarisches Leben; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.10.00 Zeitschriften; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.11.00 Expressionismus; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.12.00 Dadaismus; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.15.00 Exilliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen > 17.16.02 Drama. Theater; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen > 17.16.03 Epik; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen > 17.16.04 Lyrik; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen > 17.16.05 Weitere Formen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.17.00 Stoffe. Motive. Themen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren
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