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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Skepsis und Literatur in der Aufklärung"
RessourcentypCall for Papers
TitelSkepsis und Literatur in der Aufklärung
BeschreibungCall for Papers
Skepsis und Literatur in der Aufklärung

Interdisziplinäres Kolloquium zum 260. Geburtstag von Johann Karl Wezel

1.-3.11.2007, Sondershausen


In einer 1776 erschienenen Rezension äußert sich Johann Karl Wezel
folgendermaßen zum Skeptizismus:

„Wer aber zwischen [den eignen Erfahrungen und den gelernten Meinungen]
mitten inne steht, gelangt zu dem Zustande der Ruhe, eines glücklichen
Skepticismus, des stetigen Zweifels: er nimmt die Meynungen, die ihm seine
bisherigen Erfahrungen als wahr bestätigt oder aufgedrungen haben,
unterdessen an, ohne die widersprechenden gelernten zu verwerfen: er
erschöpft seinen Glauben niemals ganz, sondern hebt immer etwas für das
Gegentheil auf, wenn es ihm vielleicht nachfolgende Erfahrungen zur Wahrheit
erheben sollten. Nur einiges ist ihm gegenwärtig Wahrheit, aber alles kann
ihm dazu werden. Diese wohlthätige Art des Zweifels gebiert vernünftige
Toleranz, macht der Belehrung fähig, gebiert Friede mit sich selbst und mit
andern Menschen.“

Wezels Skeptizismus-Definition liegt ein positives Verständnis von Skepsis
zugrunde, das wichtige Postulate der Aufklärung – Toleranz und Offenheit für
neue Erkenntnisse – einschließt. Skepsis und Aufklärung scheinen also
durchaus kompatibel. Deshalb kann ein Verständnis des Wezelschen Oeuvres
nicht wie bis in die 90er Jahre hinein auf der Frage basieren, ob Wezel
Skeptiker oder Aufklärer sei. Die Frage lautet vielmehr, wie Wezel Skeptiker
und Aufklärer sein kann, wie beides miteinander in Zusammenhang steht und
welche Potentiale Skepsis und Aufklärung füreinander bereithalten.

Wezel als Literat, Pädagoge und Anthropologe kann insofern als Modellfall
eines skeptischen Aufklärers beschrieben werden, der sich intensiv und
kritisch mit den literarischen, pädagogischen, philosophischen Texten
anderer Vertreter der Aufklärung auseinandersetzte. Darüber hinaus ist zu
fragen, ob sich ein solcher Zusammenhang nicht auch bei anderen
zeitgenössischen Autoren zeigt. Als Beispiele wären für die späte Aufklärung
in Deutschland Christoph Martin Wieland, Jakob Michael Reinhold Lenz,
Friedrich Maximilian von Klinger, Georg Christoph Lichtenberg oder Jean Paul
zu nennen.

In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende allgemeine Fragestellungen, die
das intedisziplinäre Kolloquium Skepsis und Literatur in der Aufklärung
untersuchen soll:

A.Skepsis und Aufklärung

- Was ist Skepsis?

- Wie wurde die in der antiken Philosophie verwurzelte Skepsis in der
Aufklärung rezipiert?

- Wie lassen sich Autoren der deutschen Spätaufklärung im skeptischen
Diskurs der europäischen Aufklärung situieren? Lassen sich konkrete
Einflüsse nachweisen?

- Inwiefern ist Skepsis ein Bestandteil der Aufklärung?
Findet Skepsis Eingang in die Literatur und Philosophie auch der Früh- bzw.
Hochaufklärung, oder ist sie eher kennzeichnend für die Spätaufklärung?

- In welchem Zusammenhang stehen sich in der Aufklärung
etablierende Wissenschaften wie beispielsweise die Anthropologie mit
Strukturen skeptischer Philosophie? Läßt sich in diesem Zusammenhang eine
»anthropologische Skepsis« ausmachen?

- Inwiefern sind skeptische Diskurse auch in anderen
pädagogischen, popularphilosophischen, literaturkritischen bzw.
–theoretischen Texten nachzuweisen?


B.Skepsis und Literatur

- In welcher Beziehung stehen Skepsis und Literatur
zueinander?

- Wie äußert sich Skepsis in verschiedenen literarischen
Genres?

- Gibt es spezifisch skeptische Motive/Topoi/Themen?

- Wie wird Skepsis bei Johann Karl Wezel und anderen Autoren
in literarischen Texten gestaltet? Gibt es eine »skeptische Poetik«?

Der Call for Paper richtet sich an Philologen, Philosophiehistoriker und
Kulturwissenschaftler.

Das Kolloquium wird von PD Dr. Jutta Heinz und Dr. Cornelia Ilbrig im
Auftrag der Johann-Karl-Wezel-Gesellschaft Sondershausen veranstaltet und
von Thüringischen Kulturministerium gefördert.

Exposés im Umfang von maximal einer Seite werden bis zum 15. Mai 2007
erbeten an:

PD Dr. Jutta Heinz, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für
Germanistische Literaturwissenschaft; e-mail: jutta.heinz@t-online.de

Dr. Cornelia Ilbrig, Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf, Bilkerstraße 12-14,
40213 Düsseldorf; e-mail: cornelia.ilbrig@gmx.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortSondershausen
Bewerbungsschluss15.05.2007
Beginn01.11.2007
Ende03.11.2007
PersonName: Jutta Heinz [PD Dr.] 
Funktion: Information 
E-Mail: jutta.heinz@t-online.de 
KontaktdatenName/Institution: Johann-Karl-Wezel-Gesellschaft  
Strasse/Postfach: Johann-Karl-Wezel-Straße 66 
Postleitzahl: 99706  
Stadt: Sondershausen 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation12.00.00 18. Jahrhundert > 12.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit > 13.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/1648

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