VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Adelbert von Chamisso: Korrespondenzen und Transformationen"
RessourcentypCall for Papers
TitelAdelbert von Chamisso: Korrespondenzen und Transformationen
BeschreibungAdelbert von Chamisso: Korrespondenzen und Transformationen

Internationale Chamisso-Konferenz an der Universität Tromsø in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin, 9.-11. Juni 2011

Obwohl Adelbert von Chamisso mit seiner Peter Schlemihl-Erzählung Weltliteratur geschaffen hat, gehört er zu den Autoren, denen die Literaturwissenschaften bislang eher weniger Aufmerksamkeit gewidmet haben. Eine Werkausgabe, die auch das umfangreiche wissenschaftliche Werk berücksichtigte, gibt es nicht; die wichtigste, gelegentlich an abgelegener Stelle ergänzte Briefausgabe ist mehr als anderthalb Jahrhunderte alt. Dies, obwohl der Nachlass Chamissos das vergangene Jahrhundert relativ unbeschadet überstanden hat.

Verantwortlich dafür ist wohl weniger die Position des Dichters zwischen deutscher und französischer Kultur, eine Beschreibung, die den Umstand unterschlüge, dass er eben nicht nur deutsch und französisch schrieb, sondern auch das Latein des Gelehrten. Es wäre vernünftiger anzunehmen, dass seine Stellung zwischen den zwei Kulturen im Sinne Charles P. Snows, also der humanistisch-literarischen und der naturwissenschaftlichen, zu einem Problem der mangelnden Zuständigkeit führte. Nachdem es der Germanistik erst einmal gelungen war, Chamisso als grossen deutschen Autor zu vereinnahmen, wusste sie mit dem Naturforscher und Linguisten, Ethnologen und Weltreisenden vergleichsweise wenig anzufangen (vgl. aber Liebersohn 2006; Dürbeck 2007). Zwar wird gelegentlich darauf verwiesen, daß Chamisso die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Flora Alaskas begründet und die erste hawaiische Grammatik verfaßt hat. Doch seine verstreut erschienenen, wenig umfangreichen, zumeist lateinischen wissenschaftlichen Schriften gerieten schlichtweg in Vergessenheit. Die grundlegende Bibliographie von Günther Schmid zu den naturwissenschaftlichen Schriften Chamissos erschien während des Zweiten Weltkrieges (1942), viel wissenschaftliche Wirkung war ihr bislang nicht beschieden. Völlig unbeachtet sind bisher auch Chamissos umfangreiche Studien zur hawaiischen Sprache, von denen nur ein kleinerer Teil veröffentlich wurde, der größte Teil hingegen, im Nachlass aufbewahrt, noch erschlossen werden müßte.

Der Nachlass Chamissos liegt seit 1937 in der Staatsbibliothek zu Berlin, wurde aber bisher nur in einzelnen Teilen ausgewertet. Die geschlossene Überlieferung von Manuskripten, Briefen, Notizen und Dokumenten Chamissos ist eine bisher ungenutzte Grundlage, sich ihm und seinem Werk mit neuen Forschungsansätzen zu nähern. Mit dem Beginn der digitalen Erschließung des gesamten, 35 Kästen umfassenden Nachlasses durch die Staatsbibliothek zu Berlin bietet es sich an, Chamisso-Forscherinnen und –Forscher zu einer internationalen Konferenz einzuladen, um neue Forschungsperspektiven zu erproben. Indem die Organisatorinnen die Konferenz unter die Begriffe ”Korrespondenzen und Transformationen” stellen, markieren sie bereits Interessenschwerpunkte. Gefragt sind Beiträge, die Chamissos wissenschaftliche Verbindungen und Kontakte darstellen, seine Einbindung in wissenschaftliche Netzwerke untersuchen bzw. im Anschluß an die neuere sozio-historische Netzwerk- und Patronage-Forschung der Frage nachgehen, inwieweit er zum Aufbau von Netzwerken beitrug. Ein besonderes Interesse gilt dabei dem umfangreichen Brief-Nachlass.

Weiterhin interessieren auch die teils als Separatdrucke, teils als Zeitschriftenbeiträge erschienenen kleineren wissenschaftlichen Schriften als Teil bzw. Fortsetzung dieser Korrespondenzen. Dabei könnten die popularisierenden Schiften, also insbesondere die Reisebeschreibung und die Pflanzenkunde, als Versuch einer Vermittlung zwischen den Kulturen aufgefasst werden.

Da Korrespondenz auch Entsprechung bedeutet, öffnet der das Thema der Konferenz außerdem das weite Feld der literarischen, intertextuellen und interkulturellen Beziehungen in den literarischen Texten Chamissos, die immer ein Element von Veränderung implizieren. Dabei sollte der Schwerpunkt auf den Transformationsprozessen liegen, in denen Chamisso als Übersetzer oder anderweitig als Vermittler – etwa auch als Zeichner und Graphiker – auftritt. Im Anschluß an ein erweitertes Übersetzungsverständnis (’Translational Turn’), das Übersetzen aus dem linguisitsch-textlichen Paradigma herauslöst und das Übersetzen von und zwischen den Kulturen in den Blick nimmt, wäre auch Chamissos Vernetzung in unterschiedlichen nationalen bzw. intellektuellen Kulturen (Literatur und Wissenschaften) darzustellen. Kulturelle Übersetzungsprozesse, Kulturenkontakt, Spielräume im Umgang mit kulturellen Differenzen, das Ausloten von Nahtstellen zwischen Kultur- und Naturwissenschaften, für alle Themen bieten sich bei Chamisso Entsprechungen in Leben, Werk und Wirkung.

Wünschenswert sind also Beiträge (20 Min.) zum Werk Chamissos, die sich wissenschaftlichen bzw. wissenschaftshistorischen Fragestellungen, literatur- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen und editionsphilologischen Fragen widmen. Es wird gebeten, Abstracts der geplanten Beiträge (max. 1 Seite) bis spätestens 31. Januar 2011 an die Konferenzveranstalterinnen zu schicken: Jutta.Weber@sbb.spk-berlin.de oder marie-theres.federhofer@uit.no
Die Konferenzsprachen sind deutsch und englisch, eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.


Prof. Dr. Marie-Theres Federhofer
Fakultet for humaniora, samfunnsvitenskap og lærerutdanning
Institutt for kultur og litteratur
Universitetet i Tromsø
N – 9037 Tromsø

Dr. Jutta Weber
Stellvertr. Leiterin der Handschriftenabteilung
Staatsbibliothek zu Berlin
D – 10772 Berlin

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTromsø
Bewerbungsschluss31.01.2011
Anmeldeschluss31.01.2011
Beginn09.06.2011
Ende11.06.2011
PersonName: Marie-Theres Federhofer 
Funktion: Professorin für deutsche Literaturwissenschaft 
E-Mail: marie-theres.federhofer@uit.no 
KontaktdatenName/Institution: Marie-Theres Federhofer, Universitetet i Tromsø 
Strasse/Postfach: Breivika 
Postleitzahl: N - 9037 
Stadt: Tromsø 
Telefon: 0047/77 64 66 21 
E-Mail: marie-theres.federhofer@uit.no 
LandNorwegen
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.04.00 Wissenschaftsgeschichte; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.05.00 Editorik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.11.00 Übersetzung
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/15301

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 02.09.2010 | Impressum | Intern