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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Expressionismus 1960: Die Konstituierung eines literaturgeschichtlichen Begriffs"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelExpressionismus 1960: Die Konstituierung eines literaturgeschichtlichen Begriffs
BeschreibungEXPRESSIONISMUS 1960: DIE KONSTITUIERUNG EINES LITERATURGESCHICHTLICHEN BEGRIFFS


Marbach am Neckar, 23. September 2010

Workshop
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Tagungsraum 2 + 3

Die Herausbildung des ‚Expressionismus‘ als ein literaturgeschichtliches Faktum fand maßgeblich zwischen 1950 und 1960 statt: In Forschungsberichten, Anthologien und wegweisenden Studien bemühten sich Germanisten, die von der Kulturpolitik der Nationalsozialisten negierte ästhetische Avantgarde in einer beispiellosen Recherchearbeit wiederzugewinnen. Zuvor hatte es zwar Versuche gegeben, zusammen mit unmittelbaren Zeitgenossen zu einer Terminologisierung des Gegenstandes zu kommen, doch war während des so genannten ‚expressionistischen Jahrzehnts‘ der ‚Expressionismus‘ noch allzu sehr markiert durch polemische Semantik und als Schlagwort terminologisch untauglich geblieben. Dies trifft für die negative Formulierung bei Lukács, aber auch für die nationalsozialistische Reaktion zu, da hier verurteilt worden war, was als literaturgeschichtliches Faktum noch gar nicht bestanden hatte. Die wenigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen konnten angesichts ihrer begrifflichen Defizienz der Nachkriegsgermanistik nicht mehr genügen, wenngleich sie als Ausgangspunkte für die spätere Forschung nicht zu unterschätzen sind.
Mit dieser Vorgeschichte ist auf die wichtigste diskurspragmatische Ausgangsbedingung für die neue Beschäftigung mit dem ‚Expressionismus‘ nach 1945 hingewiesen. In der ersten Phase der wissenschaftlichen Konstituierung befinden sich die Forscher weiterhin in der Defensive: gegenüber der realsozialistischen Literaturpolitik der DDR hier, gegenüber dem bundesdeutschen Erwartungshorizont dort, der erst einmal für die Rezeption einer deutschsprachigen Avantgarde sensibilisiert werden musste. Mit großer Resonanz gelang dies durch Paul Raabes Marbacher Ausstellung von 1960.
Aus der defensiven Forschungssituation heraus erklären sich Heroisierung, Tragisierung und Auratisierung der Protagonisten. Die Wiedergutmachung an den Opfern als Movens literaturgeschichtlicher Forschung hat für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung Konsequenzen, insofern die Debatte von Anfang an weniger ästhetisch, denn ethisch geführt wird. Wie kam es zu dieser eigentümlichen Bevorzugung der expressionistischen Bewegung als der deutschen Avantgardebewegung? Welchen Stellenwert nimmt die Problematisierung der Form ein? Wie wird der Expressionismus-Begriff stilgeschichtlich oder epochengeschichtlich definiert, wo erhellt er seinen Gegenstand, wo verdunkelt er Zusammenhänge? Dass Wissenschaftsgeschichte sich nicht auf institutionenhistorische Bewertungen am Rande der philologischen Disziplinen beschränken muss, sondern konstituierungsgeschichtlich in der Mitte wissenschaftlicher und kultureller Debatten steht, will die Marbacher Tagung unter Beweis stellen.

Donnerstag, 23. September 2010

13.00 Uhr
Eröffnung
Marcel Lepper (Marbach) und Alexander Nebrig (Berlin)

13.15 Uhr

Alexander NEBRIG (Berlin): Bewegung oder Revolution? Der Avantgarde-Begriff in Paul Raabes und Paul Pörtners expressionistischen Materialsammlungen

14.00 Uhr

Marcel LEPPER (Marbach): Historisierung der Klassischen Moderne: Zur Konstituierungsgeschichte des Expressionismus-Begriffs

14.45 Uhr
Kaffeepause

15.15 Uhr
Jan BEHRS (Berlin): Zwischen Expertentum und Zeitzeugenschaft – Kurt Pinthus’ rezeptionslenkende Interventionen

16.00 Uhr
Walter FÄHNDERS (Osnabrück): Der „Expressionist“ Franz Jung

16.45 Uhr
Kaffeepause

17.15 Uhr

Regine PRANGE (Frankfurt/Main): Begriffsbestimmung, Popularität und Kritik des Expressionismus in der kunsthistorischen Kommentarliteratur

18.00 Uhr

Lidia GLUCHOWSKA (Warschau): Die Ästhetik ist nicht neutral. Expressionismus als Begriff, seine Historisierung und Umwertung in Polen seit 1910

18.45 Uhr
Abendessen

20.00 Uhr
Buchvorstellung
Hubert VAN DEN BERG, Walter FÄHNDERS
Metzler Lexikon Avantgarde

20.30 Uhr
Yvonne SCHWEIZER (Tübingen): Zur Marbacher Ausstellung 1960

Konzept
Dr. Alexander Nebrig, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur
Mail: alexander.nebrig@hu-berlin.de

Dr. Marcel Lepper, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Leiter des Forschungsreferats und der Arbeitsstelle Geschichte der Germanistik
Mail: lepper@dla-marbach.de

Kontakt
Dr. Marcel Lepper, Forschungsreferat – Sekr.: Birgit Wollgarten
E-Mail: wollg@dla-marbach.de – Telefon: +49-7144-848-175 – Fax: +49-7144-848-191

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMarbach am Neckar
Beginn23.09.2010
Ende23.09.2010
PersonName: Nebrig, Alexander [Dr.] 
Funktion: Organisation 
E-Mail: alexander.nebrig@hu-berlin.de 
Name: Lepper, Marcel [Dr.] 
Funktion: Organisation 
E-Mail: lepper@dla-marbach.de 
KontaktdatenName/Institution: Deutsches Literaturarchiv Marbach 
Strasse/Postfach: Schillerhöhe 8-10 
Postleitzahl: 71672  
Stadt: Marbach am Neckar 
Telefon: +49-7144-848-175 
Fax: +49-7144-848-191 
E-Mail: wollg@dla-marbach.de 
Internetadresse: http://www.dla-marbach.de/startseite/index.html 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.01.00 Forschung; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.11.00 Expressionismus
Ediert von  H-Germanistik
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