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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "The Parallax View. Zur Mediologie der Verschwörung"
RessourcentypCall for Papers
TitelThe Parallax View. Zur Mediologie der Verschwörung
BeschreibungCALL FOR PAPERS

The Parallax View
Zur Mediologie der Verschwörung

Konferenz, Köln, 18./19. Oktober 2007
Beitragsdeadline: 26.3.2007

Verschwörungstheorien handeln von Doppelagenten, unsichtbaren Netzwerken und verdächtigen Objekten. Sie postulieren geheime Dimensionen des Politischen. Als „Verschwörungstheoretiker“ wird in der Regel der politische Gegner bezeichnet. In diesem Zusammenhang artikuliert der Begriff den Vorwurf, dass eine simplifizierende, meist manichäische Logik und ein pathologisches Denken an die Stelle eines rationalen Diskurses treten. Was aber, wenn man Verschwörungstheorien als Theorien und somit als Verfahren der Wissensgenerierung ernst nimmt? Sie weisen dann, so die These, nicht nur logische und häufig komplexitätssteigernde Züge auf, sondern auch aufschlussreiche Parallelen zu anderen Formen der Wissens- und Theoriebildung.

Die spezifische Leistung der Verschwörungstheorie kann dabei als „Parallaxe“ („parallax view“) begriffen werden. Obwohl ihre Formen der Beobachtung, Speicherung und Auswertung denen wissenschaftlicher Vorgehensweisen ähnelt, gewährleistet sie einen fremden Blick auf die Welt, eine Verschiebung der Perspektive, die neues Wissen generieren kann. In der Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorie wird überdies deutlich, dass die Produktion von Wissen grundsätzlich narrativ verfasst ist und zwischen Fakten und Fiktion oszilliert.

Medien bilden den zentralen Reflexionsgegenstand der Verschwörungstheorie. Diese thematisiert asymmetrische Wissensbestände unterschiedlicher Gruppen (Arkanwissen), die Zirkulation von Information und Desinformation zwischen ihnen (simulatio/dissimulatio/Spionage), Überwachung und verborgene Kontrolle. Verschwörungstheorie und Medientheorie sind sich insofern ähnlich, als sie beide Agenten der Wissensproduktion unter der Oberfläche zu lokalisieren suchen.

Die Tagung nähert sich dem spezifischen Wissen der Verschwörungstheorie aus drei Perspektiven:

I. Epistemologie der Paranoia
„Ob in der Theorie mehr Wahn enthalten ist, als ich möchte, oder in dem Wahn mehr Wahrheit, als andere heute glaublich finden“, fragte sich bereits Sigmund Freud bei der Formulierung seiner Theorie der Paranoia. Grundlegend gemeinsam ist Theorie und Paranoia der Versuch, Strukturen und Regelmäßigkeiten zu beobachten sowie Ursache-Wirkungs-Verhältnisse etablieren und Handlungen zuschreiben zu können. In der Paranoia werden zwar nicht die Phänomene selbst registriert, ihre wahnhafte Verdopplung lässt aber die Ordnung erkennbar werden, die ihren symbolischen und imaginären Verknüpfungen zugrunde liegt. Im Aufschreibesystem des Verfolgungswahns werden die medialen Formationen, die epistemischen Bedingungen und die rhetorischen Verfahren, die der Produktion von Wissen zugrunde liegen, sichtbar.

II. Poetologie des Verdachts
Der Verdacht ist die entscheidende poetologische Figur der Verschwörungstheorie. Sie erzeugt immer wieder von neuem die Vermutung, dass sich hinter der sichtbaren Oberfläche der Zeichen eine unsichtbare Zone, ein „submedialer Raum“ (Groys), befindet, in der Manipulation, Intrige und Verschwörung wirken. In den Narrativen des Verdachts geht es nicht mehr primär um die Markierung von Freund und Feind. Stattdessen beginnt in Anknüpfung an phantastische Motive sich die Grenze zwischen Subjekt- und Dingwelt aufzulösen. Die Dinge entwickeln ein Eigenleben in der unheimlichen Ikonographie einer globalen Totalität technischer Medien.

III. Verschwörungskulturen
Verschwörungstheoretische Wissensproduktion trägt zur kulturellen Differenzierung bei. Sie realisiert einen distinkten „Denkstil“, der nach Ludwik Fleck durch ein „gerichtetes Wahrnehmen“ gekennzeichnet ist. Am deutlichsten zeigt sich dies an der Ausbildung so genannter Subkulturen entlang von paranoiden Szenarien. Die Inszenierung eines übermächtigen Gegners sowie die Anstrengungen und Gefahren der verschwörungstheoretischen Recherche dem eigenen Wissen höchste Relevanz, Exklusivität und somit kulturelle Bindungskraft. Spezifische und hoch selektive Formen der Wissensgenerierung und der Mediennutzung etablieren subtile Codes von Andeutungen, von Sagbarkeiten und von plötzlichen Evidenzen. Die Verschwörungskulturen sehen sich allerdings auch der Gefahr ausgesetzt, mit dem Verdacht in alle Richtungen jede stillschweigende kulturelle Voraussetzung und Gemeinsamkeit über kurz oder lang in Frage zu stellen.

Vorschläge für einen Tagungsbeitrag richten Sie bitte mit einigen persönlichen Angaben in Form eines Abstracts von ca. einer Seite als E-Mail-Attachment bis zum 26. März an die Adresse arno.meteling@uni-koeln.de.

Universität zu Köln – SFB/FK 427
Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg
„Medien und kulturelle Kommunikation“
Bernhard-Feilchenfeld-Str. 11
50969 Köln
Sabine Hänsgen, Marcus Krause, Arno Meteling, Markus Stauff
E-Mail: arno.meteling@uni-koeln.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKöln
Bewerbungsschluss26.03.2007
Beginn18.10.2007
Ende19.10.2007
PersonName: Arno Meteling 
Funktion: Information 
E-Mail: arno.meteling@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität zu Köln – SFB/FK 427, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg, „Medien und kulturelle Kommunikation“ 
Strasse/Postfach: Bernhard-Feilchenfeld-Str. 11 
Postleitzahl: 50969  
Stadt: Köln 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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