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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Concordia discors – Ästhetiken der Stimmung zwischen Literaturen, Künsten und Wissenschaften"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelConcordia discors – Ästhetiken der Stimmung zwischen Literaturen, Künsten und Wissenschaften
BeschreibungConcordia discors – Ästhetiken der Stimmung zwischen Literaturen, Künsten und Wissenschaften

Lausanne, 06.05.-08.05.2010

Der ästhetische Begriff 'Stimmung' ist signifikant unscharf. Er bezeichnet ein ungerichtetes ästhetisches Empfinden, bei dem ein Subjekt ganz bei sich oder ununterscheidbar mit seiner Umwelt verbunden ist. Daher lässt sich über eine 'Stimmung' nichts Genaueres aussagen, ohne dass damit ihr eigentümlicher Stimmungscharakter verloren ginge. Dieser signifikanten Unschärfe korrespondiert eine disziplinäre Mehrfachcodierung (musikalisch, physikalisch, psychologisch). Für ästhetische 'Stimmungen' ist es konstitutiv, dass sie diese verschiedenen Herkünfte integrieren oder mindestens integrieren sollen.

Am historischen Ursprung des ästhetischen Integrationsprogramms 'Stimmung' steht allerdings eine Differenz. Denn nur weil zwischen der mathematischen Berechnung musikalischer Intervalle und ihrer akustischen Wahrnehmung durch unser Ohr ein unaufhebbarer Fehlbetrag besteht, der lediglich unterschiedlich verteilt werden kann, entsteht das Bedürfnis nach 'Stimmungen' (Temperaturen) in der Musik. Weniger evident, aber kaum weniger effektiv als die semantische Unschärfe bestimmt diese Differenz die Ästhetik- und Wissensgeschichte der 'Stimmung' mit. Die traditionelle Formel für diese doppelte und widersprüchliche Bestimmung lautet: 'concordia discors'.

Die Lausanner Tagung will Unschärfe und Differenz als die beiden komplementären Grundmomente ästhetischer 'Stimmung' in ein wissenschaftlich produktives Verhältnis zueinander bringen. Der Gegenstand, das diffuse Phänomen ästhetischer 'Stimmung', darf im wissenschaftlichen Zugriff nicht einfach verdoppelt, er muss analytisch differenziert werden. Konsequenterweise ist auch nicht von einem monolithischen Stimmungsbegriff auszugehen, sondern mit verschiedenen, mitunter gegenläufigen Ästhetiken der Stimmung zu rechnen. Um eine differentielle Analytik einer in diesem Sinne komplexen Ästhetik der Stimmung zu gewinnen, müssen Standorte und Frageperspektiven zwischen ästhetischen Theorien, künstlerischen Praktiken und wissenschaftlichen Diskursen gesucht werden. Besondere Erkenntnischancen bieten hierbei die Übersetzungen des unübersetzbaren deutschen Wortes 'Stimmung' in fremdsprachigen Texten und Theoriezusammenhängen. Im Zentrum stehen in jedem Fall die Transferqualitäten und die Übertragungsschwierigkeiten des Stimmungsbegriffs und seiner metaphorischen Ersatzfiguren in der Ästhetik der Moderne. Ziel der Tagung ist es, eine kritische Diskursgeschichte und Metaphorologie an den Grenz- und Schnittstellen literarischer, künstlerischer und wissenschaftlicher Theorien und Praktiken zu entwerfen.

***

Programm:


Veranstaltungsort: Campus UNIL-Dorigny, Institut suisse de droit comparé (ISDC), salle du rez-de-chaussée

Donnerstag, 6. Mai 2010

14.00 Uhr
Hans-Georg von Arburg, Lausanne
Begrüßung und Einführung


I. Idee, Begriff, Metapher: ästhetische Stimmungen und ihre Sprachen

Moderation: Hans-Georg von Arburg, Lausanne

14.30 bis 15.15 Uhr
John Neubauer, Amsterdam
Differenzierung des Stimmungsbegriffs im Zeitalter der Nationalsprachen


15.15 bis 16.00 Uhr
Angela Esterhammer, Zürich
»In einer schwankenden Stimmung«: Poetic Improvisation and Audience Response in the Nineteenth Century

Kaffeepause

16.30 bis 17.15 Uhr
Klaus Müller-Wille, Zürich
Kierkegaards Stimmungen

17.15 bis 18.00 Uhr
Étienne Barilier, Lausanne
Mallarmé, Debussy, Nijinski: variations sur un Faune

Abendessen


Freitag, 7. Mai 2010

II. Stimmung macht Geschichte: Aspekte der Literatur- und Gattungsgeschichte

Moderation: Peter Utz, Lausanne

09.30 bis 10.15 Uhr
Manuel Baumbach, Zürich
Vom Nutzen und Nachteil der Stimmung für antike Gattungskonzepte: Versuch einer Poetik

10.15 bis 11.00 Uhr
Rolf-Peter Janz, FU Berlin
'Gemischte Empfindungen': Affektive Mehrwertbildung in der Literatur der Romantik

Kaffeepause

11.30 bis 12.15 Uhr
Saskia Haag, Konstanz
Stimmung machen: Die Produktion des Intérieurs im 19. Jahrhundert

12.15 bis 13.00 Uhr
Angelika Jacobs, Hamburg
Lyrisches Drama als Stimmungskunst: Bemerkungen zu Mallarmé

Mittagessen

III. Inter-Arts: Stimmung zwischen den Künsten

Moderation: Sergej Rickenbacher, Lausanne

15.00 bis 15.45 Uhr
Boris Previsic, Basel
"… auf eine sehr unregelmäßige Art durch die Semitonia gehen": Die potenzierte Dissonanz der Temperierung für ein 'vollkommen harmonisches Ganzes'

15.45 bis 16.30 Uhr
Alexander Becker, Frankfurt am Main
Die verlorene Harmonie der Harmonie: Einige Überlegungen zur musikästhetischen Rolle des Stimmungsbegriffs

Kaffeepause

17.00 bis 17.45 Uhr
Nils Röller, Zürich
Reine Mittel: Zur Ästhetik der Subversion

Abendessen


Achtung! geänderter Veranstaltungsort: Campus UNIL-Dorigny, Bâtiment Anthropole, salle 4021

Samstag, 8. Mai 2010

IV. Kunst–Wissenschaft: Zur Wissensgeschichte ästhetischer Stimmung

Moderation: Irene Weber Henking, Lausanne

09.30 bis 10.15 Uhr
Caroline Welsh, Erlangen-Nürnberg
Stimmungsstörungen und ihre Folgen in Psychologie und Ästhetik

10.15 bis 11.00 Uhr
Anna-Katharina Gisbertz, Mannheim
Unrettbare Wissenschaft? ›Stimmung‹ im Diskurs der Ästhetik und Psychologie um 1900«

Kaffeepause

11.30 bis 12.15 Uhr
Sergej Rickenbacher, Lausanne
»Alles Erzählende ins Beiwerk«: Die kritische Stimmung in Robert Musils »Die Vereinigungen«

12.15 bis 13.00 Uhr
Heinz Hiebler, Hamburg
Tuning in: Stimmung als medienästhetisches und epistemologisches Konzept

Mittagessen

Moderation: Arno Renken, Lausanne

15.00 bis 15.45 Uhr
Stefan Hajduk, Limerick/Berlin
Kann es eine Theorie der Stimmung geben? Phänomenale, mediale und rhetorische Aspekte eines Schlüsselkonzepts

15.45 bis 16.30 Uhr
Hans-Georg von Arburg, Lausanne
Stimmung und Methode: Die Staiger- Heidegger-Spitzer-Debatte (1950/51)


Schluss der Tagung

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.unil.ch/stimmung
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLausanne
Beginn06.05.2010
Ende08.05.2010
PersonName: Hans-Georg von Arburg, Prof. Dr. 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: hg.vonarburg@unil.ch 
Name: Sergej Rickenbacher, lic. phil. 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: sergej.rickenbacher@unil.ch 
KontaktdatenName/Institution: Section d'allemand, Université de Lausanne 
Strasse/Postfach: Anthropole 5059 
Postleitzahl: CH-1015 
Stadt: Lausanne 
Telefon: +41 (0)21 692 29 81 
Internetadresse: http://www.unil.ch/stimmung 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Rhetorik; Stilistik
Zusätzliches SuchwortStimmung
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