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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "CFP: Die Stimmen des Epos"
RessourcentypCall for Papers
TitelCFP: Die Stimmen des Epos
BeschreibungMorphomata des Schöpferischen - Workshop am 15./16. Juni 2010
DIE STIMMEN DES EPOS
Jan Soeffner/Günter Blamberger/Sebastian Goth

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte "Internationale Kolleg Morphomata" an der Universität zu Köln veranstaltet vom 15.-16. Juni 2010 einen zweitägigen Workshop zum Thema "Die Stimmen des Epos".

CALL FOR PAPERS
Die Präsenz der Sangesstimme einer Göttin (Ilias I,1) oder Muse (Odyssee I,1) in Homers Epen lässt sich schwer im Rahmen einer herkömmlichen Narratologie bestimmen: Die göttliche Stimme lässt sich von der des Aoiden nicht recht trennen, und doch scheint dieser weit mehr Autonomie zu besitzen, als dass man ihn als bloßes Sprachrohr bestimmen könnte. Die musische Gegenwart verbürgt zudem Gegenstandswissen über die vergangene Zeit (Ilias II, 494-759), sie treibt die Sänger an (Odyssee VIII, 485-545), aber sie scheint auch eine latent rituelle Dimension zu haben, die im Gesang zum Tragen kommt.

Dass die Stimme des Epos nicht dem Sänger oder dem Autor allein gehört, scheint maßgeblich an der Totalität beteiligt zu sein, die man epischem Erzählen oft unterstellt – teils ohne sie wirklich an der vom Epos modellierten Welt dingfest machen zu können: Ist die Odyssee nicht diskrepant und plural angelegt? Wird mit der Geschichte des Affekts eines einzelnen Helden in der Ilias wirklich die ganze Kultur erzählt? Basiert eine totalisierende Lektüre Homers nicht auf einer unterstellten Ganzheit, die die erzählte Welt selbst gar nicht einlöst? Die Frage nach der Stimme legt nahe, dass eine solche Lektüre die epische Totalität vielleicht an der falschen Stelle sucht: Die inhaltliche Diskrepanz und die Partialität der erzählten Welt scheint eher in der Musikalität einer Stimme als in der umfassenden Subjektivität eines Autors ein Gegengewicht zu finden – und entsprechend sah ja bereits Georg Lukács die Totalität des Epos u.a. im Epenvers verortet. Die epische Totalität wäre demgemäß nicht so sehr oder zumindest nicht allein diejenige eines totalisierenden Weltmodells als diejenige einer unterschwelligen Teilhabe des inhaltlich Pluralen und Partialen an einer aisthetischen, auf emotionale Stimmigkeit gerichteten Praxis, die zudem zwischen Heiligem und Profanem, zwischen modellbildendem und enaktivem Wissen nicht unterscheidet. Neben der Präsentation einer evozierten und nicht immer zusammenhängenden Welt steht die Möglichkeit, dieses Unzusammenhängende in einer Gemeinschaft zu erleben und dem Pluralen, Unzusammenhängenden damit eine unterschwellige Ganzheit zu verleihen.

Die Frage nach der Stimme und den Stimmen im Epos steht damit einer narratologisch bestimmten Erzählerstimme im Roman gegenüber. Insofern diese Erzählerstimme diejenige eines Subjekts und dessen Ausdruck ist, wird die Frage nach der Ganzheit – oder eben deren Unmöglichkeit – nunmehr als eine Frage subjektiver Kohärenz oder persönlicher Innerlichkeit gestellt. Damit rücken Fragen der Inszenierung von Autorität und Autorschaft, der Ironie und des Verhältnisses zwischen Erzählersubjekt und erzählter, konstituierter Welt in den Vordergrund, während diejenige nach einer Welt, die Autor, Text und Rezipient teilen, in den Hintergrund rückt. Die Erzählerstimme wird als eine Stimme untersucht, die die Selbstpräsenz eines Subjekts inszeniert – und sie ist im Rahmen dieser Inszenierung auch von Anfang an dekonstruiert.

Wenn man Georg Lukács’ Hoffnung auf eine Wiederkehr des Epos von der Gesinnung zur Totalität entbindet, so stellt sich doch die Frage, wie und ob in epischen Texten des 20. Jahrhunderts die Teilhabe an der Pluralität inszeniert und legitimiert wird, welche Funktionsäquivalente für das Morphom der Muse hier gebraucht werden, die Eigensinn und Beziehungssinn, eigene Stimme und die Stimmen der anderen miteinander vermitteln helfen. Das soll an Versepen des 20. Jahrhunderts erprobt werden, wobei wir vor allem an Studien zu modernen Versepen nicht-abendländischer Tradition interessiert sind, da das "Internationale Kolleg Morphomata" den Kulturvergleich präferiert: an Epen wie Derek Walcotts ‚Omeros’ und Pablo Nerudas ‚Canto General’ etc.

Der Workshop folgt in der Frage nach Kontinuität und Wandel kultureller Figurationen der Kreativität im Vergleich der Kulturen dem Programm des "Internationalen Kollegs Morphomata" (siehe www.ik-morphomata.uni-koeln.de).

Der Workshop wird in deutscher und englischer Sprache gehalten. Eine Publikation der Vorträge ist geplant. Reise- und Unterbringungskosten werden im dafür üblichen Rahmen übernommen.

Falls Sie Fragen bezüglich des Programms unseres Kollegs wie auch zum Workshop haben, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung und empfehlen Ihnen auch unsere Website unter www.ik-morphomata.uni-koeln.de.

Themenvoschläge für mögliche Referate werden (mit einer Erläuterung des Themas und CV) bis zum 17. Mai 2010 per E-Mail erbeten an:

Sebastian Goth
Universität zu Köln
Albertus-Magnus-Platz
D-50923 Köln
E-Mail: sebastian.goth@uni-koeln.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressewww.ik-morphomata.uni-koeln.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKöln
Bewerbungsschluss17.05.2010
Beginn15.06.2010
Ende16.06.2010
PersonName: Sebastian Goth 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: Sebastian.goth@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Sebastian Goth, Universität zu Köln 
Strasse/Postfach: Albert-Magnus-Platz 
Postleitzahl: 50923 
Stadt: Köln 
Telefon: 0221-470-5222 
E-Mail: sebastian.goth@uni-koeln.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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