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Ergebnisanzeige ""We are ugly but we have the music" - Jüdische Identität und Subkultur in den Jahren 1967-77 zwischen Bürgerrechtsbewegung und Punk"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
Titel"We are ugly but we have the music" - Jüdische Identität und Subkultur in den Jahren 1967-77 zwischen Bürgerrechtsbewegung und Punk
Beschreibung„We’re ugly, but we have the music“ - Jüdische Identität und Subkultur in den Jahren 1967–77 zwischen Bürgerrechtsbewegung und Punk.

Dass es sich beim Auftreten des Punk in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre um eine Art Provokation, Kritik und doch auch Weiterführung des Systems der bis dahin etablierten Rock- und Popkultur und seiner Erscheinungen und Ausdifferenzierungen handelt, lässt sich im Rückgriff auf Peter Bürgers „Theorie der Avantgarde“ (1974) ebenso vertreten wie im Zusammenhang der Studie von Greil Marcus zur Geschichte der popkulturellen Avantgardebewegungen im 20. Jahrhundert („Lipstick Traces“, 1989). Neben der formalen Innovation und Provokation lässt sich der Punk aber auch als Reaktion auf jene emanzipatorischen, aufklärerischen und gesellschafts-reformerischen Impulse verstehen, wie sie von Beginn der 1960er an von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, einer durch die Kulturkritik der Frankfurter Schule angestoßenen Gesellschaftskritik, der Frauenbewegung und anderen, auch lebensreformerischen Bewegungen (Ökologie, Gleichstellung von Schwulen und Lesben usw.) ausgingen und den Siegeszug der Populär-kultur und Popindustrie zumindest bis in die 1970er Jahre auch begleiteten. Dazu gehörte auch, zumal für die Studentenbewegung in Deutschland, die Auseinandersetzung mit der national-sozialistischen Vergangenheit, eine Bezugslinie, die sich als Erbe und Schatten der Shoah freilich auch in den jugendkulturellen und emanzipatorischen Strömungen anderer westlicher Gesellschaften auch findet; auch die englischen und amerikanischen Musiker, Texter und Underground-Aktivisten wollten keine „Nazis“ sein.

Demgegenüber stellt der Gebrauch von Hakenkreuzen und anderen Nazisymbolen, mit denen in der zweien Hälfte der 1970er Jahre Punker in New York und anderswo auftraten, nicht nur eine Provokation des gerade durch die Popkultur auch noch einmal bestätigten und sogar verfestigten Bildes eines „erfolgreichen“ westlich-liberalen Selbstbildes moderner „fortgeschrittener“ Industrie- und Bürgergesellschaften dar (vgl. Beeber 2008), sondern, da es sich auch um Vertreter jüdischer Familiengeschichten handelte, eine doppelte Provokation dar. Pop und Punk, populäre Kulturen und künstlerische Avantgarde erscheinen vor diesem Hintergrund noch immer auch als Formen der Bearbeitung bzw. der Reaktion auf die Traumatisierungen der in der Shoah kulminierenden jüdischen Geschichte auch noch in der dritten Generation und stellen zugleich eine Herausforderung, Prüfung und Kritik der bis dahin etablierten Formen der „Aufarbeitung der Vergangenheit“ (T. W. Adorno) in einem gleichsam „illegitimen“ Medium (Bourdieu, Boltanski) dar.

Hier setzt die vorliegende Tagung an. Da es sich um ein ebenso facettenreiches wie in seinen Zusammenhängen noch weitgehend unbestimmtes Arbeitsfeld handelt, steht der explorative Charakter des Unternehmens im Vordergrund; dem entsprechend werden Beiträge unterschiedlichster Diszi-plinen und Themengebiete abgedeckt.
Folgende Themenkreise werden besprochen:

- Von der Bürgerrechtsbewegung zum Punk: Theoretische Ansätze und Geschichte jüdischer Identitätsbildung in den westlichen Gesellschaften des 20. Jahrhunderts - Popkulturen und Subkulturen; Subkulturelle Milieus und dominante Rahmungen (z. B. lokale Szenen, übergreifende Strukturen; globale Orientierungen, vergleichende Studien)
- Fallstudien zu einzelnen Biographien, Bands, Stars, Produzenten und anderen Vermittlern (von Lou Reed, Bob Dylan und Patti Smith über Leonard Cohen bis Jonathan Richman, Debbie Harry und Serge Gainsbourgh)
- Ausdrucksmittel, Interferenzen der Künste, musikalische und audiokulturelle, literarische und bildkünstlerische Formen der Gestaltung/Bearbeitung; Film und andere elektronische Medien
- Popkultur und Shoa: Referenzen, Etappen, Rahmungen, Situationen und Perspektiven


PROGRAMM


Donnerstag, 22. April 2010

Sektion I
Theoretische Perspektiven und geschichtliche Rahmen

14:00 Tagungseröffnung
Grußworte

14:30 Dr. Peter Waldmann (Mainz):
„Arbeit macht niemals frei.“ Zur Notwendigkeit der Judaisierung des Punk

15:00 Dr. des. Fernando Esposito (Tübingen):
Punk und die Rache der Außenseiter. Eine Begriffsgeschichtliche Annäherung an die Zeit nach dem Boom

15:30 Diskussion

16:00 Kaffeepause

16:30 Avi Pitchon (Tel Aviv/London):
Punk as a promised land within the promised land – a personal account

17:00 Prof. Dr. Werner Nell (Halle):
„Punk, Müsliman, Stadtindianer.“ Antibürgerliche Rebellion und bürgerliche Kultur in nachbürgerlicher Zeit

17:30 Diskussion

20:00 Abendvortrag
Klaus Walter (Frankfurt a. M.): Metropolen, Szenen, jüdische Subkultur


Freitag, 23. April 2010

Sektion II
Fallstudien und globale Entwicklungen

09:00 Dr. Kerstin Dingeldein, Rochus Ensslin (Selzen):
Räume schaffen und bewahren/ Popkultur – Aufbrechen, um zu bleiben

09:30 Dr. Sascha Seiler (Mainz):
Lou Reed zwischen Dichtung und Wahrheit

10:00 Diskussion

10:30 Kaffeepause

11:00 Dr. Corinna Kaiser (Oxford):
Punk und Panther. Die Anfänge des israelischen Punk

11:30 Caspar Battegay (Basel):
Der dunkle Ritter – Das jüdische alter ego in Mordechai Richlers Roman „St. Urbain‘s Horseman“

12:00 Diskussion

12:30 Mittagspause

14:00 Frank Apunkt Schneider (Bamberg):
„My Future In The SS.“ Punkprovokation in Deutschland

14:30 Sebastian Görtz M. A. (Ludwigshafen):
Die Entwertung der Symbole. Shoah und Nationalsozialismus als Themen der epigonalen Punk-Subkultur im geteilten Land der Täter

15:00 Diskussion

15:30 Kaffeepause

16:00 Jonas Engelmann M. A. (Mainz):
„Gefangen auf dem Höllenplaneten!“ Flucht, Verwandlung und Subversion im Frühwerk von Art Spiegelman

16:30 Holger Adam (Frankfurt a. M.):
Subversive Humorstrategien im Punk

17:00 Diskussion

19:00 Abendvortrag
Alexander Pehlemann (Greifswald): „Punk & Post-Punk behind the Iron Curtain.“
Eine Rundreise durch die Subversions-Versionen des Realsozialismus in Klang & Bild


Samstag, 24. April 2010

Sektion III
Mediale Ausarbeitungen und Perspektiven

09:00 Thomas Wallner (Leipzig):
Rollentausch und Anverwandlung. Provokation und Generationsspezifik in der Literatur der zweiten Generation

09:30 Dr. Berthold Molden (Wien):
Holocaust-Diskurs im Kontext des Vietnam-Krieges

10:00 Diskussion

10:30 Kaffeepause

11:00 Dr. Ivo Ritzer (Mainz):
Life Stinks. Jüdische Identität im Kino von Mel Brooks

11:30 Dr. Andreas Stuhlmann (Hamburg):
John Zorn, New York, „Sabath in Paradise“

12:00 Diskussion

12:30 Abschlussdiskussion/ Konstitution einer Projekt-Gruppe zur Weiterarbeit

13:00 Ende der Tagung


Tagungsort:
Hallescher Saal über der Burse "Zur Tulpe"
Universitätsplatz

Kontakt:
Prof. Dr. Werner Nell
E-mail: werner.nell@germanistik.uni-halle.de

Web: http://www.germanistik.uni-halle.de/
Flyer: http://www3.germanistik.uni-halle.de/massenphaenomene/seiten/tagungen%20und%20veranstaltungen.html

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www3.germanistik.uni-halle.de/massenphaenomene/seiten/tagungen%...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHalle-Wittenberg
Beginn22.04.2010
Ende24.04.2010
PersonName: Prof. Dr. Werner Nell 
E-Mail: werner.nell@germanistik.uni-halle.de 
KontaktdatenName/Institution: Germanistisches Institut 
Strasse/Postfach: Herweghstraße 96 
Postleitzahl: 06109 
Stadt: Halle/Saale 
Internetadresse: http://www.germanistik.uni-halle.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Klassifikation18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/13639

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