VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Der Dichter und sein Schatten. Fallstudien zur modernen Einfluss-Dichtung"
RessourcentypCall for Papers
TitelDer Dichter und sein Schatten. Fallstudien zur modernen Einfluss-Dichtung
BeschreibungAlfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, 27.-30. April 2011

Tagung: Der Dichter und sein Schatten.

Fallstudien zur modernen Einfluss-Dichtung

„[V]on Ihnen dependir‘ ich unüberwindlich“, gesteht Friedrich Hölderlin am 20. Juni 1797 Friedrich Schiller. „Fühlst Du mein Lebtum / Überall / Wie ferner Saum?“ fragt Else Lasker-Schüler 1912 in einem Gedicht an Gottfried Benn. Und Paul Celan, der seinen 1963 entstandenen Gedichtband Die Niemandsrose dem Andenken Ossip Mandelstamms gewidmet hat, spricht dort mit vielen: Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Ossip Mandelstamm, Rainer Maria Rilke oder etwa zu Nelly Sachs: „Dein Aug sah mir zu, sah hinweg, / dein Mund / sprach sich dem Aug zu, ich hörte“.

Das sind wenige Beispiele dafür, wie selbstverständlich und oft emphatisch sich Dichter zu anderen Dichtern bekennen. In ihren Werken erweisen sie dem Werk der Kollegen explizit oder
implizit poetische Reverenz. In der Forschung hingegen steht oft ein
Dichten unter Verdacht, das sich allzu stark an einer anderen Poetik
ausrichtet. Es ist das moderne Originalitätsparadigma, das den Dichter dazu zwingt,
sich von der Tradition zu lösen: Erst in der Verdrängung von Vorgängern sei für den
Nachfolger wahre Originalität möglich.



Mit der Tagung möchten wir das Phänomen der Einfluss-Lust (und nicht nur der „Einfluss-Angst“, mit der sich die wirkungsmächtige Studie von Harald Bloom auseinandergesetzt hat) unter der Perspektive ihrer Produktivität neu bewerten. Wir gehen davon aus, dass die Auseinandersetzung mit anderen Dichtern und ihrer Sprache konstitutiv ist nicht nur für die Entstehung der eigenen Dichtung, sondern auch für ihre Poetik. Dies gilt gerade für moderne Lyrik, in der im zwanzigsten Jahrhundert Formen wie Zitation und Montage, literarische ‚ready mades‘ und andere affirmative Formen von Intertextualität (bis zum Extremfall des Plagiats) ihre literarische Blüte erleben und aus dem Schatten des Trivialen treten.

Folgende Fragen werden leitend sein: Wie ändern sich die lyrischen Formen und Funktionen, wenn ein Dichter sich mit einem Vorbild konfrontiert? Inwiefern werden Dichter nicht nur vom konkreten Schaffen, sondern auch von poetologischen Positionen ihrer Kollegen beeinflusst? Wann und inwiefern verstecken die Dichter ihre Quellen und wann und warum stellen sie sie zur Schau? Welche Rolle spielt die Imitation eines bereits vorhandenen, auch trivialen oder kindhaften Stils? Welche Bedeutung hat das Übersetzen fremder Texte für das eigene Schaffen? Wie kann die Übersetzungstätigkeit und die Annäherung an eine andere Sprache und einen anderen kulturellen Kontext Konsequenzen für die eigene Poetik zeitigen?

Was bedeutet angesichts einer Neubewertung von Einfluss-Dichtung die Originalitätsthese der Moderne? Wird diese nicht als ihrerseits unoriginell kritisch perspektiviert? Das Verhältnis von Originalität und Epigonentum wird komplexer als bisher zu beschreiben sein. Nietzsche beklagt bereits 1879 in Der Wanderer und sein Schatten die „Originalitätswut“ der Modernen, die im Unterschied zu den antiken Autoren eine regelrechte Angst vor der Konvention an den Tag legen. Gerade nachdem sich die modernen Autoren seit der Romantik scheinbar oder wirklich von den „Ketten“ der Tradition und der Konvention befreien konnten (ein Bedürfnis jeder literarischen Avantgarde) und die vollständige Freiheit und Ungebundenheit ihrer künstlerischen Schöpfung behauptet haben, können sie sich ohne jegliche Einfluss- und Konventionsangst die „Freiheit“ nehmen, ‚epigonal‘ zu sein: Wo der Zwang der Konvention nicht mehr so stark ist, kann die dezidierte und erklärte Aneignung fremder Vorbilder anfangen.

Im Zentrum der Tagung steht die deutschsprachige Dichtung und ihr europäischer Kontext. Da ‚Dichten unter Einfluss‘ nicht selten von Übersetzungserfahrungen ausgeht, wird dezidiert zu mehrsprachigen Untersuchungen eingeladen. Hauptsächlicher Gegenstand der Fallstudien sollen Gedichte aus dem 20. Jahrhundert sein, in Einzelfällen sind auch Beiträge zum 18. oder 19. Jahrhundert denkbar.

Tagungssprache ist Deutsch, englischsprachige Beiträge sind ebenfalls willkommen.

Konzept: Uta Degner, Elisabetta Mengaldo und Silke Nowak.

Bitte schicken Sie ein kurzes Abstract (etwa eine Seite) Ihres geplanten Vortrags und einen knappen Lebenslauf bis zum 15. Juni an Dr. Elisabetta Mengaldo (elisabetta.mengaldo@uni-greifswald.de).

Für eine Unterkunft in Greifswald ist gesorgt, Reisekosten werden übernommen.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGreifswald
Bewerbungsschluss15.06.2010
Beginn27.04.2011
Ende30.04.2011
PersonName: Mengaldo, Elisabetta [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: elisabetta.mengaldo@uni-greifswald.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Lyriktheorie
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/13591

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 15.04.2010 | Impressum | Intern