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Ergebnisanzeige "Mythos ,Sphinx' - Chimäre der Kunst, Literatur und Wissenschaft"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelMythos ,Sphinx' - Chimäre der Kunst, Literatur und Wissenschaft
BeschreibungMythos ,Sphinx‘ – Chimäre der Kunst, Literatur und Wissenschaft
Internationale und interdisziplinäre Tagung, gefördert von der DFG und Ethik der Textkulturen (Elitenetz-Werk Bayern)

Universität Augsburg, 14.-16.4.2010

Tagungsort:
Gästehaus St. Ulrich (Kappelberg 1, 86150 Augsburg)

Organisatoren:
PD Dr. Bernadette Malinowski (bernadette.malinowski@phil.uni-augsburg.de)
PD Dr. Jörg Wesche (joerg.wesche@phil.uni-augsburg.de)
Dr. Doren Wohlleben (doren.wohlleben@phil.uni-augsburg.de)

Tagungsbeschreibung:
Sphinx, ein Mischwesen zwischen Mensch und Tier, versinnbildlicht wie kaum ein anderes Fabelwesen die Chancen und Gefahren menschlicher Grenzüberschreitung: Zwischen Diesseits und Jenseits, Eros und Thanatos, Intellekt und Einbildungskraft, verführerischer Kunst und vernichtender Gewalt oszilliert die Faszinationskraft dieser fast fünftausend Jahre alten Chimäre, die immer wieder zur Standortbestimmung des Eigenen in Abgrenzung zum Fremden herangezogen wird. In Ägypten männliches Statussymbol des regierenden Pharao, feminisiert im Orient, rezipiert und weiblich dämonisiert in der antiken griechischen Mythologie (Verknüpfung mit der Ödipus-Sage), avanciert sie seit der frühen Neuzeit zu einem europäischen Leitbild aufklärerischen Denkens: Francis Bacon (1561-1626) liest die Sphinx als Allegorie für die „Wissenschaft, insbesondere in ihrem Bezug zur Praxis“. Hegel, dem die Sphinx als Metasymbol („Symbol des Symbolischen selber“) gilt, deutet die Antwort des Ödipus („Der Mensch“) auf das Sphinx-Rätsel als weltgeschichtlichen Wendepunkt und Anfang anthropologischer Selbstbewusstwerdung: „Aus der dumpfen Stärke und Kraft des Tierischen will der menschliche Geist sich hervordrängen“. Besonders in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts impliziert die Sphinx, Schaltstelle zwischen Mythos und Aufklärung, dann eine Rationalismuskritik und bildet einen subversiven Gegendiskurs zu der fortschrittsfreudigen Welt der Wissenschaft mit apokalyptischen Endzeitszenarien (Edgar Allan Poe, Ingeborg Bachmann). Auch für den Geschlechterdiskurs ist die in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts zunehmend sexualisierte Sphinx von Relevanz (Gustav Moreau, Fernand Khnopff) und gewinnt dort allmählich Oberhand über ihren Gegenspieler Ödipus, der seit Jean Dominique Ingres’ berühmtem Bild (1808) den Intellektuellen repräsentiert. In der Literatur der Décadence fungiert sie als Symbol für die femme fatale (Oscar Wilde, Rainer Maria Rilke). Auch die Psychoanalyse zeigt sich von der Sphinx-Figur, die immer wieder Sinnbild phantasmagorischer Sinnlichkeit ist, fasziniert: Sigmund Freud assoziiert ihr Rätsel mit der infantilen Sexualneugierde, C. G. Jung beschreibt die Sphinx als Mutterderivat. Dass diese vielgestaltige Chimäre in der Kunst (Francis Bacon) und Literatur (Heiner Müller, D. M. Thomas) der Postmoderne strukturelle Anknüpfungspunkte findet und sich neuer Beliebtheit erfreut, versteht sich von selbst, kann sie doch regelrecht als Denkmodell einer Hybridkultur gelten.

Angesichts der ungebrochenen Präsenz des Sphinx-Mythos in Kunst, Philosophie, Psychologie und Dichtung ist es umso erstaunlicher, dass es bislang keine interdisziplinäre, komparatistische und epochenübergreifende Darstellung zum Thema gibt. Dieses Forschungsdesiderat zu erfüllen und die Sphinx-Figur in ihren künstlerisch-literarischen Metamorphosen, ihren kulturhermeneutischen Aneignungen, ihren metasymbolischen – möglicherweise auch metamythologischen – Implikationen auszuleuchten und in ihrem gleichermaßen ästhetischen, epistemologischen und ethischen Provokationspotential zu entdecken, setzt sich die internationale Augsburger Tagung zum Ziel.

Programm:
Mittwoch, 14. April 2010
15.45 Uhr Jörg Wesche (Augsburg, Neuere deutsche Literaturwissenschaft): Mythos Sphinx - Vorüberlegungen
16.15 Uhr Gerald Moers (Göttingen, Ägyptologie)): Die Sphinx: Das pharaonische Objekt als mnemohistorischer Katalysator
17.15 Uhr Martin Voehler (Berlin, Deutsche und Griechische Philologie): Die Sphinx mit und ohne Geheimnis. Sophokles – H. Heine – O. Wilde
19.30 Uhr Wiebke Rösch-von-der-Heyde (Gauting, Kunstgeschichte): Die Sphinx – kunsthistorisch betrachtet

Donnerstag, 15. April 2010
9.00 Uhr Michael Huthmann (Stuttgart, Theatertheorie): Antike Aufklärung als Enträtselung und Widerspruch
9.45 Uhr Erik Redling (Augsburg, Amerikanistik): „Say on, sweet Sphinx!“ Die Ausstrahlung des Sphinx-Mythos in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts
11.00 Uhr Oliver Simons (Cambridge/ USA, Neuere deutsche Literaturwissenschaft): Mythos Moderne. Hofmannsthal, Rilke und die Sphinx.
11.45 Uhr Barbara Kuhn (Eichstätt, Romanistik): Saint Antoine und die Folgen: die Erscheinung der Sphinx bei Flaubert, Huysmans und Cocteau
14.00 Uhr Christine Lubkoll (Erlangen, Neuere deutsche Literaturgeschichte): Ingeborg Bachmanns ,Das Lächeln der Sphinx‘ im Spiegel der Dialektik der Aufklärung
14.45 Uhr Inge Stephan (Berlin, Neuere deutsche Literaturwissenschaft): Sphinx plus Ödipus: Rückblick auf eine mythische Konstellation
16.00 Uhr Andreas Englhart (München, Theaterwissenschaft): Sphinx und Ödipus in Szene gesetzt (Sophokles, Hofmannsthal, Müller und Foucault)
16.45 Uhr Axel Hutter (München, Philosophie): Die Sphinx als Symbol der Geisteswissenschaften
17.30 Uhr Marion Schmaus (Augsburg, Ethik der Textkulturen): Rätselfragen menschlicher Existenz. Die Sphinx in literaturwissenschaftlicher und psychoanalytischer Hermeneutik.

Freitag, 16. April 2010
9.00 Uhr Wolfgang Müller-Funk (Wien, Kulturwissenschaft): Das kulturelle Leben der Sphinx vor und neben dem Fin de Siècle.: Romantik - Bachofen - Freud
9.45 Uhr Claudia Botschev (München, Psychiatrie): Schizophrenie, die Sphinx der psychischen Erkrankungen
11.00 Uhr Bernadette Malinowski/ Doren Wohlleben (Augsburg/ Augsburg, Erlangen, Vergleichende/ Neuere deutsche Literaturwissenschaft): Frage – Antwort – Rätsel
11.45 Uhr Abschlussdiskussion

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortAugsburg
Beginn14.04.2010
Ende16.04.2010
PersonName:  Wohlleben, Doren [Dr.] 
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: doren.wohlleben@phil.uni-augsburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Augsburg, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Mathias Mayer) 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 10 
Postleitzahl: 86159 
Stadt: Augsburg 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeGenderforschung; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.12.00 Interpretation. Hermeneutik; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.05.00 Antike und abendländische Literatur; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen
Ediert von  H-Germanistik
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