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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Umwege. Ästhetik und Poetik exzentrischer Reisen"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelUmwege. Ästhetik und Poetik exzentrischer Reisen
BeschreibungUmwege. Ästhetik und Poetik exzentrischer Reisen
Gert Mattenklott zum 65. Geburtstag
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin, 9. und 10. Februar 2007

Das Reisen wird als Gegenstand der Geisteswissenschaften zusehends bedeutsamer. Nicht selten jedoch wird es romantisiert als erfreuliche Begegnung mit dem Fremden oder kritisiert als ethnozentrische Praxis. Wir wollen es nicht in seinem Gelingen und in seiner Geschlossenheit betrachten, die in beiden Fällen unterstellt zu werden scheinen, sondern in seiner Exzentrik, in den Überraschungen, die mit ihm einhergehen, in den Umwegen, die es erfordert. Reisen und Scheitern liegen nahe beieinander. Die ‚großen‘ Reisen waren nicht selten improvisiert und chaotisch. Odysseus irrt jahrelang umher, ohne eine Ahnung zu haben, wo er sich befindet; Kolumbus landet in der Neuen Welt und denkt, er sei in Asien; Alexander von Humboldt will in den Orient und kommt an in Amerika; James Cook wird gegessen; andere nehmen Drogen; viele verlieren den Überblick.

Wo finden Reisen statt - im Stadtspaziergang, im Pauschaltourismus, auf Trips jeglicher Art? Welche ästhetischen und poetischen Folgen hat das Nicht-Planmäßige, das Um- oder Abwegige? Welche Poetiken legen das Reisen fest? Ist Reisen ästhetische Erfahrung par excellence?

Über Reisen nachgedacht haben ihrerseits exzentrische Kulturanthropologen. Odysseen durch Stadträume unternehmen Flaneure und urbanistische Denker der Moderne. Besondere Aktualität gewinnt das Thema im Feld postkolonialer Studien. Im Unterschied zu älteren Modellen, die einen allumfassenden Diskurs voraussetzen und von einer klaren Opposition von ‚Eigenem‘ und ‚Fremdem‘ ausgehen, interessiert sich neuere postkoloniale Theorie für Prozesse der Veränderung, die eindeutige ‚Identitäten‘ in Frage stellen. So bleiben die Diskurse und Modelle der Europäer in den Kolonien keineswegs intakt, homogen, in sich geschlossen; sie erfahren Herausforderungen, Veränderungen, ‚Hybridisierungen‘. Diese Vorgänge erlangen in gegenwärtigen Diskussionen über Migration und Globalisierung immer mehr an Bedeutung.

Die Sektionen des Symposiums sind verschiedenen Aspekten umwegiger Reisen gewidmet: den Räumen, die sie erfahren; den Reisenden, die sie erleben; und den Bewegungen, die sie ermöglichen.

Programm

Freitag, 9. Februar 2007

9:30 Uhr Begrüßung: Oliver Lubrich (Freie Universität Berlin)

1. Odysseen, Labyrinthe, Dschungel

Welche Räume stellen die Kontinuität, Linearität, Übersichtlichkeit einer Reiseerfahrung in Frage? Wer sucht diese Räume auf? Welche Erfahrungen sind in ihnen möglich? Inwiefern bedingen sie die Darstellung, die Phantasie, das Weltverständnis? Wie verändert die Reise den Reisenden?

Moderation: Bernd Blaschke (Freie Universität Berlin)

9:40-10:15 Bernd Seidensticker (Freie Universität Berlin), „Die Irrfahrten des Odysseus?“

10:15-11:00 Gerald Funk (Philipps-Universität Marburg), „Erkundungen des Abgrunds. Victor Hugos Arbeiter des Meeres“

11:00-11:30 Uhr Kaffeepause

11:30-12:15 Rainer Niehoff (Freie Universität Berlin), „polwärts / bau. Konrad Bayers Der Kopf des Vitus Bering“

12:15-13:00 Hans Christoph Buch (Schriftsteller, Berlin), „Zum Motiv des Geister- und Totenschiffs bei Sindbad dem Seefahrer und Wilhelm Hauff“

13:00-14:30 Uhr Mittagspause

2. Schiffbrüchige, Gestrandete, Verschollene

Wie gehen Reisen schief? Wie wird das Schiefgehen in Szene gesetzt? Wo stranden die Strandenden? Was macht sie zu Gestrandeten? Was kompensiert ihr Scheitern ästhetisch oder poetisch?

Moderation: Rainer Falk (Freie Universität Berlin)

14:30-15:15 Martin Warnke (Universität Hamburg), „Meyer-Graefe in Spanien“

15:15-16:00 Werner Busch (Freie Universität Berlin), „Adolph Menzels Versuch, 1866 das Schlachtfeld von Königgrätz zu besuchen“

16:00-16:15 Uhr Kaffeepause

16:15-17:00 Michael Lüthy (Freie Universität Berlin), „Spanischer Realismus, real erlebt: Manet in Madrid“

3. Nomaden, Vaganten, Stadtstreicher

Wer verliert sich? Welche Erfahrungen lassen sich als abwegige Reisen verstehen? Welchen Stellenwert haben Umwege in der Moderne? Wie werden Stadträume als Schauplätze erlebt, in denen Übersicht und Planmäßigkeit verlorengehen? Welche Phantasien und welche Schreibformen erzeugen sie?

Moderation: Dirck Linck (Freie Universität Berlin)

17:00-17:45 Annelie Lütgens (Kunstmuseum Wolfsburg) und Michael Glasmeier (Hochschule für Künste Bremen), „Gehen als Gehen in der Kunst des Zeitgenössischen“

17:45-18:00 Uhr Kaffeepause

18:00-18:45 Georg Witte (Freie Universität Berlin), „‚Losgelassen sein‘. Reisen aus Moskau (Literatur, Performance)“

18:45-19:30 Michael Lissek (Radio-Autor, Berlin), „zwettls traum? die nibelungenfragmentfunde der frau dr. ziegler. oder: sehen Sie nichts?“ (ein Rundfunk-Stück)

Anschließend: Empfang


Samstag, 10. Februar 2007

9:30 Uhr Beginn

4. Flüchtlinge, Migranten, Touristen
Wer reist heute wie und aus welchen Gründen? Inwiefern prägt Reisen unsere Lebenserfahrungen? Welche Rolle spielt es in unseren Kulturen? Gibt es eine Ästhetik und Poetik des Tourismus?

Moderation: Friederike Wißmann (Technische Universität Berlin)

9:30-10:15 Viktor Otto (Bundesministerium des Inneren, Berlin), „Failing Farms. Deutsches Scheitern in Amerika“

10:15-11:00 Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Literarische Gesellschaft, Karlsruhe), "Reisezeit - Stereotypen und Klischees in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur"

11:00-11:30 Uhr Kaffeepause

11:30-12:15 Michael Pauen (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), „Umwege zum Selbst. Warum wir uns so schwertun, die natürlichen
Grundlagen des Bewußtseins zu verstehen“

12:15-13:00 Erwin Koch-Raphael (Hochschule für Künste Bremen), „Von allen Furien gehetzt oder der kürzeste Weg zu sich selbst“ (Kommentierte musikalische Darbietung)

13:00-14:30 Uhr Mittagspause

5. Schlängeln, Durchmogeln, Ausweichen

Welche Strategien setzt abwegiges Reisen frei? Wie produktiv sind Umwege? Gibt es eine Poetik des Umwegs?

Moderation: Florian Cramer (Willem de Kooning-Kunsthochschule, Rotterdam)

14:30-15:15 Maria Zinfert (Autorin, Berlin), „Die kurze Spanne zwischen Aufbruch und Rückkehr. Victor Segalen: Vom Finistère ins Reich der Mitte“

15:15-16:00 Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, Berlin), „Es führt ein andrer Weg nach Küsnacht. Über Reisebekanntschaften“

16:00-16:15 Kaffeepause

16:15-17:00 Gerhard Härle (Pädagogische Hochschule Heidelberg), „‚Aus allen Dschungelnischen: Seufzer, Schreie‘. Zur Reise ins ‚Elend‘ der Liebe bei Ingeborg Bachmann“

17:00-17:45 Michael Roes (Schriftsteller, Berlin), „Pygmalion. König der Netze“ (ein Essay)
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn09.02.2007
Ende10.02.2007
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte
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