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Ergebnisanzeige "Vom Zwang zur Freiheit zur Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang: Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts von der Aufklärung bis in die Gegenwart des 21."
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelVom Zwang zur Freiheit zur Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang: Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts von der Aufklärung bis in die Gegenwart des 21.
BeschreibungVom Zwang zur Freiheit zur Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang: Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts von der Aufklärung bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts

Ein Kolloquium des Landesforschungsschwerpunktes Aufklärung – Religion – Wissen, des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) und des Forschungszentrums „Laboratorium Aufklärung“

Ort: Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA)
Halle, 24. bis 27. März 2010, Christian-Thomasius-Zimmer

Wiss. Leitung: Prof. Dr. Daniel Fulda (IZEA), Prof. Dr. Hartmut Rosa (Laboratorium Aufklärung, Jena), Prof. Dr. Heinz Thoma (Landesforschungsschwerpunkt, Halle)

Unsere Tagung geht von der Diagnose aus, dass das Konzept der Freiheit und die auf ihr gründende Wirtschaftsweise gegenwärtig im Begriff sind, ihre Form wie ihre Legitimationsweise nachhaltig zu verändern. Zu den sozialen Kennzeichen dieser Entwicklung gehören die sich mit der Globalisierung verdichtende Vergesellschaftung, eine Verengung natürlicher Ressourcen sowie die sich verschärfende Asymmetrie von Reichtum und Macht. Eines der wesentlichsten politischen, diskursiven und kulturellen Kennzeichen ist die seit rund zwei Dezennien verstärkt beobachtbare Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang.

Mit der spätestens nach 1989 wirksamen Universalisierung des Freiheitsdiskurses vereinheitlichen sich tendenziell die semantischen Anforderungen an das Verhalten von bisher getrennten Bereichen wie Arbeit und Freizeit (Flexibilität, Zufriedenheit, Glück), verwischen sich Leistung und Dienstleistung (mitarbeitender Kunde), wachsen zugleich die Anforderungen an alle Subjekte zur ökonomischen und mentalen Selbstführung (Gouvernementalität). Wissensschübe, wie etwa in der Genforschung, bringen eine Widerspruchssituation von Möglichkeit und bedrohlicher Beschränkung in den physischen Grundlagen des Menschen hervor. Ähnliches gilt für die Effekte der Digitalisierung. Zunehmend wird Zwang im Namen der Freiheit begründet bzw. nimmt semantisch und aktantiell deren Gestalt an (Bologna-Prozess, Hochschulfreiheitsgesetz NRW 2006, Emissionshandel, Terrorismusbekämpfung etc.). Begleitet wird dieser Prozess von einer Fülle von Studien zur Veränderung in der Subjektposition. Die Hypothese einer qualitativ neuen Stufe des Modernisierungsprozesses bietet sich demgemäß an.

In früheren Modernisierungsschüben bzw. deren Wahrnehmung wurde in der Regel die Aufklärung befragt bzw. als Ausgangspunkt der Entwicklung ausgemacht. Hierbei gibt es die Haltung eines positiven Bezugs (z.B. Littré 1855, Habermas 1981, cf. noch Postman 1999) wie das Gegenteil des kritischen Verdikts (Lebensphilosophie, Vernunftkritik, Poststrukturalismus).

Im Rahmen des interdisziplinären Kolloquiums soll im Blick auf die Gegenwart geprüft werden, ob die Hypothese einer sich abzeichnenden Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang tragfähig ist und inwiefern sie ggf. ein signifikantes Symptom dafür darstellt, dass wir im Begriff sind, die Koordinaten der Aufklärung definitiv zu verlassen. Im Blick auf die Aufklärungsepoche wird gefragt, inwiefern diese bereits in der Begrifflichkeit von Zwang und Freiheit als Prozess eindeutiger Richtung und Entlastung begriffen wurde (Ausgang in die Freiheit, Autonomie) bzw. inwiefern beider Unterscheidbarkeit tatsächlich zum unabdingbaren sachlichen und argumentativen Kernbestand der Epoche gehört (z.B. Rousseau, Kant).

Insgesamt geht es bei der Prüfung dieser Konstellationen der Aufklärung und der Gegenwart also nicht in erster Linie um eine Reformulierung des philosophischen Problems von Freiheit und Notwendigkeit, sondern vielmehr um die Inaugenscheinnahme, Prüfung und Erfassung eines Langzeittrends widersprüchlicher Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts in seinen kulturellen und argumentativen Ausdrucksformen. Hierbei sind auch erhellende Zugänge zu Zwischenetappen dieser Entwicklung (z.B. Avantgarden, Fordismus, Theorien der Außenleitung des Subjekts etc.) durchaus von Nutzen.

PROGRAMM

Mittwoch, 24. März 2010

14.00 Uhr Grußworte

Prof. Dr. Dr. h. c. Wulf Diepenbrock (Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Prof. Dr. Wolfgang Auhagen (Prodekan der Philosophischen Fakultät II)
Prof. Dr. Daniel Fulda (Geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA)
Prof. Dr. Udo Sträter (Sprecher des Landesforschungsschwerpunkts „Aufklärung — Religion — Wissen“)

14.20 Uhr Heinz Thoma (Halle): Einführung

14.30 Uhr Ulrich Barth (Halle):
Kulturwissenschaftliche Vorüberlegungen zur Frage der Unterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang

15.15 Uhr Ralf Koerrenz (Jena): Pragmatischer Atheismus als Elementarfunktion religiöser Bildung

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr Ulrich Bröckling (Halle):
„Wir müssen immer tun, was wir wollen!“ Paradoxien einer Erziehung zur Freiheit

17.15 Uhr Olaf Breidbach (Jena):
Neuroanthropologie. Die Notwendigkeit, ein Mensch zu sein

18.30 Uhr Abendvortrag
Hartmut Rosa (Jena):
Unfreiheit durch Optionenvermehrung: Der kategorische Imperativ der Spätmoderne und das gebrochene Versprechen der Aufklärung

19.30 Sektempfang


Donnerstag, 25. März 2010

09.00 Uhr Daniel Fulda (Halle):
„Kein Mensch muss müssen“? Zwang und Freiheit in der Tragödie der Moderne

09.45 Uhr Albrecht von Massow (Weimar):
Vergesellschaftung oder Autonomie – Musik als Austragungsort eines Scheinwiderspruchs

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Udo Sträter (Halle):
Innen und Außen. Idee und Funktionsweise des Pietismus in der Frühaufklärung

11.45 Uhr Ole Fischer (Jena):
Zur Rolle der „Vorsehung“ in der (Auto-)Biographie des pietistischen Theologen Adam Struensee (1708-1791)

12.15 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr Heinz Thoma (Halle):
Herr-Knecht und andere Bestimmungsgründe in der Anthropologie der Aufklärung

15.15 Uhr Axel Rüdiger (Halle):
Das politische Subjekt der Aufklärung. Freiheit und Zwang in Staatswissenschaft und politischer Ökonomie im 18. Jahrhundert

16.00 Uhr Kaffeepause

16.45 Uhr Friederike Kuster (Siegen):
Retrograde Modernisierung: Rousseaus Republik der Tugend. Die Artikulation bürgerlicher Autonomie auf der Basis modernitätskritischer Prämissen

17.30 Uhr Kristin Reichel (Halle):
Diderots Subjekt-Modell in Darstellungen des Individuums in Natur und Gesellschaft

18.00 Uhr Ulrike Ackermann (Heidelberg):
Eros der Freiheit. Plädoyer für eine radikale Aufklärung


Freitag, 26. März 2010

09.00 Uhr Birgit Sandkaulen (Jena):
Selbst-Bestimmung: Willkür, Freiheit oder Zwang? Aktuelle Dimensionen des Freiheitsdiskurses um 1800

09.45 Uhr Georg Bollenbeck (Siegen):
Weimar um 1800. Die gebrochene Aufklärung

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Georg Schmidt (Jena):
Alte und neue Freiheit – Von Herder bis Benjamin Constant

11.45 Uhr Hans Blom (Rotterdam):
Befreiungen und ihre Bedingungen. Spinoza, Mandeville, Simmel

12.30 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr Harald Bluhm (Halle):
Tocqueville – Freiheit als prekäre Lebensform

15.15 Uhr Dorothee Röseberg (Halle):
Laïcité: Zivilreligion und gesellschaftliche Kohäsion

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr Wolfgang Asholt (Osnabrück):
Avantgarden im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Zwang

17.15 Uhr Jörn Garber (Kassel):
Von der „staatlichen“ Sozialdisziplinierung zur „individuellen“ moralischen Ökonomie. Fremd- und Selbstzwangtheorien im Diskurs von Aufklärung und moderner Geschichtswissenschaft


Samstag, 27. März 2010

09.00 Uhr Kathrin van der Meer (Osnabrück):
Die Gesellschaft im Körper? Reaktionen der Gegenwartsliteratur

09.45 Uhr Karl-Siegbert Rehberg (Dresden):
Die Geburt der Freiheit aus der Entfremdung? Ambivalenzen der Gehlenschen „Gegenaufklärung“

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Christophe Losfeld (Halle):
Zur Natur und Gesetzgebung. Rousseaus Verfassung für Korsika

11.45 Uhr Matthias Kaufmann (Halle):
Gouvernementalität statt Freiheitsideal? Zur vermeintlich endgültigen Aufklärung über die Aufklärung

12.30 Uhr Abreise


URL: http://webdoc2.urz.uni-halle.de/izea/cms/de/veranstaltungen-aktuelles/tagungen.html
Kontakt: PD Dr. Christophe Losfeld - christophe.losfeld@izea.uni-halle.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://webdoc2.urz.uni-halle.de/izea/cms/de/veranstaltungen-aktuelles/...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHalle (Saale)
Beginn24.03.2010
Ende27.03.2010
PersonName: Losfeld, Christophe [PD Dr.] 
Funktion: Wiss. Mitarbeiter 
E-Mail: christophe.losfeld@izea.uni-halle.de 
KontaktdatenName/Institution: Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) 
Strasse/Postfach: Franckeplatz 1, Haus 54 
Postleitzahl: 06110 
Stadt: Halle (Saale) 
E-Mail: izea@izea.uni-halle.de 
Internetadresse: http://www.izea.uni-halle.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie; Literaturtheorie: Themen; Motiv- u. Stoffgeschichte; Rhetorik
Klassifikation02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.09.00 Deutsche Sprachgeschichte; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.03.00 Literaturgeschichtsschreibung
Ediert von  H-Germanistik
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