VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Die Gewalt der Zeichen. Terrorismus als symbolisches Phänomen"
RessourcentypCall for Papers
TitelDie Gewalt der Zeichen. Terrorismus als symbolisches Phänomen
BeschreibungCall for papers

Die Gewalt der Zeichen: Terrorismus als symbolisches Phänomen

Interdisziplinäre Tagung zum Phänomen des symbolischen Terrorismus
am 13./14.11.2010

veranstaltet von der Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
an der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg


Wir laden Sie herzlich ein, mit einem Beitrag zum Thema Die Gewalt der Zeichen: Terrorismus als symbolisches Phänomen zum Gelingen der am 13./14.11.2010 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stattfindenden interdisziplinären Tagung zum Phänomen des symbolischen Terrorismus beizutragen.

Seit der radikalen Änderung der weltpolitischen Lage durch das Selbstmordattentat islamistischer Terroristen auf die Supermacht U.S.A. am 11.9.01 versucht die Weltöffentlichkeit, dem Phänomen des Terrorismus durch die verschiedensten Erklärungsstrategien Herr zu werden. Man führt den Kampf der Kulturen oder Religionen an, verweist auf die Ausbeutung der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems durch den Hegemon U.S.A. oder pathologisiert bzw. dämonisiert die Taten der Terroristen. Uns scheinen diese Erklärungsstrategien den Machtkonstellationen der postmodernen Gesellschaften nicht gerecht zu werden, da sie ein zentrales soziales Phänomen der vergangenen Jahrzehnte nicht beachten: das Unbehagen an der pluralistischen Gesellschaft und der konsensuell-repräsentativen Demokratie.

Um dieses Unbehagen angemessen beschreiben zu können, wollen wir uns ihm aus einer zeichentheoretischen Perspektive nähern, die soziale Formationen nicht durch (kooperative) Arbeit determiniert sieht, sondern durch die Instanz des Codes. Für Jean Baudrillard ist die Wahl des Ziels der beiden Türme bedeutend, die sich wechselseitig reflektieren und das System nach allen Seiten hin abschließen. Mit ihnen wurde das neuralgische Zentrum des Systems getroffen, das sich auf einem binären Code gründet. Die Twintowers bedeuteten nicht nur das Ende jedweder originalen Referenz, sondern auch den Abschluss des Bezeichneten durch die Wiederholung des Zeichens.

Der Code führt – um eine Formulierung Rancières zu paraphrasieren – eine symbolische Verteilung der gesellschaftlichen Körper durch und zielt auf eine möglichst genaue Übereinstimmung der Gemeinschaft mit sich selbst gemäß eines arithmetischen und geometrischen Kalküls. Die integrative Kraft dieses auf dem Identitätsprinzip basierenden Systems scheint immer häufiger nicht mehr in der Lage zu sein, das negative Potential antagonistischer Strategien binden zu können, die in Form von zivilem Ungehorsam, Politik von Minoritäten oder terroristischen Akten die symbolische Ordnung der westlichen Gesellschaften unterhöhlen.

Wir wollen im Rahmen der Tagung über das Ausmaß der Krise der konsensuellen Demokratie und ihrer Institutionen diskutieren und versuchen, die unterschiedlichen Formen des Protests systematisch und historisch voneinander abzugrenzen, um abschätzen zu können, ob und inwiefern ihnen Legitimität zukommt. Die Vorträge können folgende Themen behandeln:

• Die Krise der pluralistischen Gesellschaft: Wie verständlich ist das kulturelle, politische und religiöse Unbehagen am westlichen Wertekanon?

• Die Funktion der Medien in der konsensuellen Demokratie; die gesellschaftliche Wirkung der medialen Reproduktion terroristischer Akte; das Bild des Terrorismus in der Populärkultur

• Ästhetischer Terror? Die Vernichtung von Sinn und Bedeutung in der zeitgenössischen Kunst und Kunsttheorie

• Die politische Logik des Terrorismus (Ziele, Bedingungen u. Legitimität des Terrorismus in Abgrenzung zu alternativen politischen Ausdrucksformen wie z.B. dem zivilen Ungehorsam; die Bedeutung des terroristischen Opfertodes)

• Geschichte des Terrorismus (mögl. Schwerpunkte: R.A.F., Terror nach dem Zusammenbruch des russischen Kommunismus u. dem 11. September)

• Der rechtliche Umgang des westlichen Staates mit dem Terrorismus: die Kategorisierung als Täter im Verfassungsrecht, den Deutschen Notstandsgesetzen (G-10-Gesetz, Widerstandsrecht), dem Strafrecht („Feindstrafrecht“?) und Versammlungsrecht, ihre Begrifflichkeit und deren mögliche Instrumentalisierung zur Einschränkung von Bürgerrechten


Diese Themenliste soll lediglich grob den Rahmen für die Tagung abstecken. Ergänzende und erweiternde Vorschläge sind selbstverständlich willkommen. Die Vorträge sollen aktuelle Forschungsdesiderata aufgreifen, innovative Zugänge zum Tagungsthema eröffnen und vor allem zur kritischen Diskussion postmoderner Gesellschafts- und Zeichentheorien (z.B. Lyotard, Rawls, Žižek, Rancière, Agamben) anregen.
Wir bitten um Zusendung eines Abstracts im Umfang von max. 1500 Zeichen bis spätestens 15. Mai 2010 an die Adresse tagung.germ-lit2@uni-bamberg.de. Die Veranstalter der Tagung werden bis zum 15. Juni 2010 über die Annahme entscheiden und die Beiträgerinnen und Beiträger über ihre Entscheidung umgehend per E-Mail informieren. Der fertige Vortrag, dessen Länge eine halbe Stunde nicht überschreiten sollte, wird aller Voraussicht nach in einem Tagungsband veröffentlicht. Genaue Hinweise zur geplanten Veröffentlichung erhalten die Referenten auf der Tagung.



Stefan-Alexander Bronner, M.A.; Hans-Joachim Schott, Dipl. Germ.; Christine Beneke, Ref. Jur., Mag. Iur., Maître en droit
Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Prof. Dr. Andrea Bartl

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBamberg
Bewerbungsschluss15.05.2010
Beginn13.11.2010
Ende14.11.2010
PersonName: Schott, Hans-Joachim 
Funktion: Koordinator 
E-Mail: hajoSschott@web.de 
KontaktdatenName/Institution: Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Universität Bamberg/Prof. Dr. Andrea Bartl 
Strasse/Postfach: An der Universität 5 
Postleitzahl: 96047 
Stadt: Bamberg 
Telefon: +59 (0)951 863-2141 [Sekretariat] 
Internetadresse: http://www.uni-bamberg.de/germ-lit2/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeSprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Sprachphilosophie / Kommunikationstheorie (Sprachtheorie, Sprachbegriffe)
Zusätzliches SuchwortTerrorismus
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/12537

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 09.03.2010 | Impressum | Intern